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| 08/06
| Mode & Design
Mich plagen andere Sorgen, weil ich hab zwölf Paar Jeans und davon sind augenblicklich elf Paar untragbar und die anderen sollten eher mal gewaschen werden. Neue Jeans müssen her. Aber das Jeanskaufen ist bekanntlich eine blöde Sau, weil Jeans in Jeansladenkabinen unbeurteilbar sind: Man sieht immer erst zu Hause und zu Hause erst nach drei Tagen, ob der Arschgott, an den man in der Jeansladenkabine selbstverständlich das rituelle Gebet richtete, gnädig war oder nicht. Diesmal: nicht.
Aber ich kann ja keine Jeans umtauschen, auf das eines der Mimis irrtümlich Kakao geschüttet hat, und die vom anderen irrtümlich mit einem offenen Edding gestreift wurde. Mit einem Buntstift passiert sowas übrigens nie. Mit einem Buntstift bemalen sich auch verlässlich nie den Esstisch; wahrscheinlich auf Basis der Resulate frühkindlicher Effizienzanalyse, die auch vorsieht, dass ein Kind immer erst aufs Klo muss, wenn es angezogen und angeschnallt im Auto sitzt. Und dass es sich wochentags morgens gern wecken lässt, am Wochenende aber schlag sechs Uhr munter wird. Und dass es nur dann Frühstück will, wenn man es
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| 08/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Dann kränke ich mich und es fällt mir ein, dass ich, als Manu nicht wusste, ob sie den Job annehmen soll oder nicht, einen ganzen Abend mit ihr an meinem Küchentisch sass und wir sprachen über den Job, über die Fürs und Widers, und gekocht hatte ich ihr auch. Überhaupt kochen ihr der Lange und ich ständig was, immer wieder sind Manu und Gruber zum Essen bei uns eingeladen, und dann sitzen sie bei uns am Tisch und essen Vorspeise, Nachspeise und Dessert und trinken Wein, gut, einen Wein bringen sie immer mit, aber wann bin eigentlich ich das letzte Mal an Manus Tischchen gesessen und hab von Manus Tellerchen gegessen und aus ihrem Becherchen getrunken? Dass muss, ohne Scheiss, 2000 gewesen sein, nein warte!, 1999 war das!, lange, bevor ich die Mimis hatte und lange bevor mich Köppel nach Zürich geholt hat und ich anfing, diese Kolumne zu schreiben, ja: 1999 war das, und es gab Osso Bucco und danach gabs nie wieder was. Nicht bei Manu, aber bei uns schon, immer wieder, aber wir, wir haben ja die Mimis und
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| 08/06
| Kinder und andere Mitbewohner
Ein deutscher Modellversuch greift aktiv in den Alltag von Risikoeltern ein – um das Leben ihrer Kinder zu schützen.
In Deutschland läuft derzeit ein Versuch, der das Leben von Kindern von Risikoeltern sicherer und glücklicher machen soll – oder überhaupt retten. Denn nachdem sich in den vergangenen Jahren die Medienberichte von misshandelten, verwahrlosten, missbrauchten und verhungerten deutschen Kinder häuften, wollten die Behörden nicht länger zuschauen und abwarten: Abwarten, bis wieder ein Kind tot oder halbtot aufgefunden wird, weil seine Eltern mit seiner Pflege komplett überfordert waren. Oder: zu dumm oder zu drogensüchtig, um ihren Verpflichtungen als Eltern nachzukommen, zu betrunken oder zu bösartig, um sich um ihre Kinder zu kümmern oder auch nur noch begreifen, was ein Kind braucht und was ihm schadet. Zu kaputt dafür – oder selbst von den eigenen Eltern zu kaputtgemacht.
In diesen Kreislauf will man nun, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kürzlich berichtete, im Rahmen eines Modellversuchs, der derzeit in Düsseldorf läuft, eingreifen: Einerseits um Kinder von Risikoeltern ein sicheres, behütetes Aufwachsen zu ermöglichen, andererseits um den verheerenden Elendsstaffellauf zu beenden. Denn es sind, wie Psychologen und Soziologen seit Jahrzehnten beobachten, immer wieder die Kinder von misshandelten, missbrauchten, selbst vernachlässigten
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| 08/06
| Arbeit & Wirtschaft
Das Mädchen auf dem Wahlplakat wirkt nicht froh. Sie sitzt neben Wolfgang Schüssel auf der Albertinatreppe, zupft unentspannt an ihrem rotweißroten Plastikarmband rum und lacht verlegen: Es ist ihr anzusehen, dass ein begeistertes, animiertes, bisschen verführtes Lachen von ihr erwartet wird, so als hätte Schüssel gerade eine für einen Kanzler extrem locker-amüsante Bemerkung gemacht, und es ist ihr anzusehen, dass sie das dazugehörige Lachen auch ehrlich gern bringen würde, aber irgendwie gelingt es nicht. Vielleicht sagt Schüssel was Peinliches. Vielleicht sagt er was zu Nettes. Vielleicht sagt er etwas, das sie offensichtlich dazu bringen soll, begeistert zu lachen, und die Durchschaubarkeit macht sie unrund. Vielleicht rückt er zu sehr ran. Vielleicht wäre sie lieber das andere Mädchen auf der Treppe, das mit einem hübschen Burschen ihres Alters flirten darf. Vielleicht findet sie, dass so ein Plastikarmband an einem Mann über 25 etwas lächerlich aussieht. Vielleicht tut ihr Schüssel leid, weil er junge Mädchen dafür bezahlen muss, sich mit ihm auf Treppen zu setzen. Vielleicht ist sie eine unterbezahlte Altenpflegerin aus der Slowakei, die nebenbei bisschen modelt und überhaupt nicht versteht, was der merkwürdige kleine Mann mit dem
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| 08/06
| Presse-Kommentar
Auch wenn die Regierung partout keine Pflegenotstand sehen möchte: Das Altwerden muss ein Thema bleiben - vor allem der Würde-Aspekt.
Die Pflegedebatte verebbt schon wieder – besser: sie wird von der Regierung mit einem vielstimmigen „Es gibt keinen Pflegenotstand“-Mantra zum Verebben gebracht. Es ist Wahlkampf. Es gibt wichtigere, Dinge, über die man reden möchte.
Denn: Alte, vor allem pflegebedürftige Menschen sind eine denkbar uninteressante Wählerschicht. Jedenfalls keine, die man mit zielgruppenorientierten Themen umgarnen muss: Entweder gehen die Alten gar nicht mehr wählen, oder sie wählen, was sie immer schon gewählt haben oder sie sind schon so senil, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie ankreuzen. Alte Menschen sind eine undankbare Zielgruppe, und der Pflegenotstand – wir wissen schon, es gibt keinen – zudem kein Thema, bei dem die Regierung sich besonders bekränzt hätte.
Andererseits ist es ein wichtiges Thema. Aber: Es interessiert
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| 08/06
| Kunst & Kultur

Die Breussin wirkt nicht mal irritiert. Obwohl ich im Kino an ihr dranpicke, als wollte ich was von ihr: aber vermutlich kann sie den Kerl an meiner anderen Seite, von dem ich größtmöglichen Abstand zu gewinnen suche, bis zu sich rüber riechen. Himmel, die Auswahl von Deodorants in den westlichen Industriestaaten ist nun wirklich unendlich, warum gibt es immer noch Leute, die akkurat keins benutzen? Und Duschgels offenbar auch nicht?
Natürlich dauert der Film zwei Stunden, und ist ein ziemlicher Scheißfilm, weil offenbar die Kritiker, die „Volver“ praktisch durch die Bank super fanden, sich nachher an nichts erinnert haben, als an Peneolope Cruzes Melonentitten. Ja, das ist jetzt überspitzt, aber Entschuldigung, was soll an diesem Film so toll sein? Allerdings: was hab ich erwartet, der Film ist von Pedro Almodovoar. Und tatsächlich hab ich mir ja mal geschworen, mir nie wieder einen Film von Almodovar anzusehen, weil ich dem sein Frauenbild
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| 08/06
| Presse-Kommentar
In der Pflegedebatte bieten sich momentan eigentlich nur zwei Lösungen an: Entweder Frauen werden ausgebeutet, oder Frauen werden schlimmer ausgebeutet.
Im Rahmen der Pflegenotstandsdebatte wurde eine Zahl immer wieder genannt: von den 80 Prozent der Pflegepatienten, die zuhause betreut werden, werden 80 Prozent von Frauen versorgt. Denn: Nach wie vor ist das Pflegen und Versorgen von Hilfsbedürftigen eine praktisch ausschließlich weibliche Domäne. Vor allem, wenn solche Pflege unter- oder ganz unbezahlt ist.
Ja: Es wäre besser, wenn alle pflegebedürftigen Personen in Österreich von ausgebilden, gutbezahlten und sozialversicherten PflegerInnen versorgt werden würden. Aber das ist nun mal nicht möglich, da private Haushalte meist nicht in der finanziellen Lage sind, eine legale Rund-um-die-Uhr-Versorgung ihrer alten und dementen Angehörigen zu finanzieren. Die öffentliche Hand wiederum verfügt momentan nicht über die Mittel, eine solche Versorgung soweit zu subventionieren, dass sie für Privatpersonen
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| 08/06
| Mensch & Tier
Eins muss ich jetzt mal sagen, es ist besser geworden mit dem Hundedreck auf den Straßen, Applaus, anbetungswürdiges Brigittenauer Mütterrudel. Und Applaus für die sich vermehrenden Hundebesitzer, die beim Gassigehen demonstrativ ein Sackerl tragen, weil sie sich nicht dem Verdacht aussetzen wollen, sich der kriminellen Straßenverscheißung schuldig zu machen. Applaus für

den hübschen Herrn, den ich kürzlich dabei betrat, wie er das Trümmerl, das sein Hund vor unseren Kindergarten gesetzt hatte, unaufgefordert entfernte. Es zeigt sich: Das Unrechtsbewusstsein im Zusammenhang mit Hundekot steigt allmählich. Das ist gut; deshalb applaudieren wir hier auch dem Kollegen S., dem die Steigerung der Gacki-ins-Sacki-Moral in seiner Hund-und-Herrl-Kolumne ein stetes Anliegen ist. Und er hat, auch wenn ich die Windeln meiner Kinder immer selbst besorgt und bezahlt habe, Recht: Herr Bürgermeister, Frau Stadträtin, es müssen mehr Gackerlsackerl-Spender her, an jede Ecke eins, auch wenns stadtbildgestalterischproblematisch ist. Sie können ja einen Gackerlsacker-Spender-Wettbewerb ausschreiben, und dann wieder wen gewinnen lassen, der mit demselben Entwurf schon mal was anderes gewonnen hat, wie bei der Plakatkampagne, wo das Siegerhundefoto schon mal für
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| 08/06
| Presse-Kommentar
Der Mück-Bericht bestätigt die Beschwerden von ORF-Mitarbeiterinnen, der ORF-Chefredakteur agiere frauenfeindlich. Der versteht nicht mal das Problem.
„Sehr geehrte ORF-Generalintendantin, als regelmäßige ZiB-Seherin fällt mir schon länger ein Herr Mück auf, der immer wieder Politisches kommentiert. Seine Nase ist eine Beleidigung für mein Auge. Und muss er wirklich jedem zeigen, wie alt und schlaff sein Gesicht geworden ist sind: so wie der immer da sitzt, sieht man seine labbrigen Backen groß im Bild.“
Ist natürlich unvorstellbar, dass man sowas ernstlich in einen Brief oder die Zeitung schriebe. Genauso unverstellbar ist es, dass ein Chef so mit einer Mitarbeiterin spricht. Geschieht aber. Im ORF. Chefredakteur Werner Mück soll der Moderatorin der „Pressestunde“ gesagt haben, „sie sei eine Beleidigung für sein Auge gewesen, müsse sie wirklich jedem zeigen, dass sie so viel zugenommen habe, so wie sie dagelehnt sei, habe man ihren Hintern groß im Bild gesehen“. Mück streitet die „Beleidigung des Auges“ ab, eine solche Bemerkung widerspreche seiner Erziehung; der Rest seines Ausfalls
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| 08/06
| Beschwerden
Jetzt hab ich mir gedacht, schreib ich doch mal darüber, wie letzte Woche, als wir an einem tüchtig über 30 Grad heissen Tag mit der Österreichischen Bundesbahn fuhren, in Tirol die Klimananlage des Kinderspielwaggons ausfiel und bis Wien nicht repariert wurde, und wie dann praktisch überhaupt kein Personal in dieser unbelüfteten Mobilsauna mehr erschien, schon gar nicht, um irgendwelche Hilfe anzubieten, etwa beim Finden von Plätzen in kllimatisierteren Zugzonen, oder beim Transfer von Kindern und Gepäck dort hin, und wie dann ein Mitreisender, der schon in Innsbruck aussteigen durfte, sagte, er lebt jetzt seit ein paar Jahren in der Schweiz, und irgendwie passiert sowas dort nie. Und das kann ich bestätigen: Sowas passiert in Schweizer Zügen nie, und das würde ich den österreichischen Bahnverantwortlichen gerne mitteilen, also, dass ein nahezu schikanefreies öffentliches Verkehrsnetz in anderen Ländern möglich ist, aber Honzo sagt, nichts Uncooles sei
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