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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Arbeitsverbote für halb verhungerte Models in Madrid und für zu fette Spitalsangestellte in Niederösterreich: Wie dick oder dünn man sein will, ist keine Privatsache mehr.
Nur: Die Magermodels haben die bizarren Konfektionsgrößen, in die sie passen müssen, nicht erfunden. Und was isst Spitalspersonal? Spitalskost, neben anderem, und wer von meinen Bekannten kürzlich in egal welchem Krankenhaus Patient war, schimpfte über das Essen, das nach wie vor fast überall weitgehend unbeleckt von den Erkenntnissen der modernen Ernährungswissenschaft zubereitet wird. Jede Betriebskantine bietet heutzutage gesündere und ausgewogenere Menüs an, als
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| 09/06
| Unter Spießern
Ich sitze noch keine Stunde mit der Gerti im Kaffeehaus, wird mein Tyranneibewältigungstraining schon arg auf die Probe gestellt. Mein Entschluss, nicht immer so rechthaberisch und erbarmunglsos missionarisch zu sein und nicht immer anderen Leuten meine Lebensprinzipien aufzuzwingen, ist nämlich unumstößlich. Aber der Weg dorthin ist hart und wird durch das Frühstück mit Gerti nicht leichter. In der Stunde, die wir jetzt hier sitzen, hat Gerti drei doppelte Espressi geext und vier oder fünf Tschick geraucht, normales Gerti-Programm, nur, Gerti ist jetzt schwanger. Bist du sicher, dass du das Kind willst, sage ich, und Gerti schaut so, denn sie ist, auch wenn sie bislang nur etwa 35 Gramm zugenommen hat, im sechsten Monat, die Frage stellt sich also nicht mehr. Aus medizinischer Sicht sind drei Espressi, hebe ich an, lass es dann aber, weil es saublöd ist, wenn eine Schreibse einer Ärztin etwasMedizinisches erläutert. Im Einklang mit meinem Toleranzexpanderprogramm sage ich dann also etwas wie: aber was geht’s mich an, und Gertis Blick läßt keinen Zweifel dran, dass sie das auch findet.
Bloß ist es mit der Besserwisserei so eine Sache, man kann es schlecht dabei belassen. Also still. Weil wenn ichs nunmal besser weiß - und heilige Hölle, ich kann auch nicht sagen, woran das liegt, aber das tu ich nun mal häufig - ist es praktisch unumgänglich, dass ich andere daran teilhaben und davon profitieren lasse. Das hat zwar, wie sich auch beim letzten Kindergarten-Elternabend wieder mal zeigte, eine suboptimale Wirkung auf meine Sympathiewerte, aber an irgendeinem Punkt der eigenen Biografie muss man einfach akzeptieren, wozu man also auf der Welt ist und wozu nicht. Also dass, jetzt zum Beispiel, Kate Moss auf der Welt ist, um als Stilikone angebetet zu werden und komme was wolle Pete Doherty zu vögeln, und nicht, um sie mit neuen Erkenntnissen in der Teilchenphysik oder im theoretischen Feminismus zu bereichern. Und ich sitze eben im Kindergarten-Elternabend, und ich weiß, es wäre jetzt viel gemütlicher, nicht das Maul aufzureißen und nichts beizutragen und mal keine Meinung zu haben, aber dann sage ich mir, dass ich nicht hier auf diesem Kinderstuhl hocke, um mein Harmoniebedürfnis auszuleben. Weil: mein Harmoniebedürfnis lebe im daheim aus. Soweit es der Lange und die Kinder halt zulassen, und wenn nicht, unter einem Kopfhörer. Elternabendbezüglich ist nun dagegen eine kleine Besserwisserei unvermeidlich, es geht hier um etwas Prinzipielles, und, Glück gehabt, Mutter Breuß und Mutter Rohrer springen mir bei, egal, wie sehr uns die Mütter von Jenny, Joey und Joel dafür verachten. Kritik ist nun mal kein Beliebtheitwettbewerb. Das wollte ich den Literaturkritikern letztes Mal und den Kabarettisten immer schon sagen, aber hier ist es jetzt zugegebenermaßen sau deplatziert.
Dem Kanzler aber, der den Unentschlossenen ganz zum Schluß noch 40 Gründe nennt, warum sie ihn wählen sollen, teile ich folgendes mit: Die in Grund 21 („Weil er mit Begeisterung Musik macht“) verpackte Anspielung an die schlechten Menschen, die keine Lieder kennen, ist seit HipHop und Musikantenstadl unbrauchbar. Und dass Sie „ein Freund“ (39) sind, ist schön, aber als Information unvollständig, weil: von wem? Und wie zeigt sich das? Dass sie Elisabeth Gehrer wieder zur Unterrichtsministerin machen? Schön für Freundin Gehrer, sehr sehr schlecht für Österreich. Soviel weiß ich sicher besser.
Und auch, dass eine Schwangere definitiv keine drei doppelten Espressi hintereinander trinken und auch nicht so viel rauchen sollte. Auch wenns mich überhaupt nichts angeht und extrem gegen den gesamten Antirechthaberismuskanon verstößt, aber schmecks.
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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Andere fahren am Wochenende aufs Land, Rainhard Fendrich nutzte es, um in Interviews ein wenig den Rechtsstaat in Frage zu stellen: Letzte Woche war bekannt geworden, dass Fendrich sich nun doch vor Gericht für seinen Kokain-Missbrauch verantworten muss. Im Sonntags
Kurier sagte der Sänger, der 15 Jahre Drogenkonsum zugegeben hat, er fühle sich vom Rechtsstaat Österreich "verlassen“, der Falsche werde angeklagt: Er sei schließlich nur süchtig gewesen, habe also das Kokain - es müssen Kilos sein - all die Jahre nur erworben und konsumiert. Was Fendrich offenbar für kein rechts-relevantes Problem hält: "Mein Unrechtsempfinden ist relativ gering.“
Der Mann, der das sagt, hatte sich
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| 09/06
| Freunde
Robert Misik hat jetzt auch einen
blog - und wenn sowas bei jemandem wirklich Sinn macht, dann bei einem Viel- und Vielerortsschreiber wie ihm. Sagen wir servus!
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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Es war ein harter aber gerechter Kampf, als Donnerstag Abend am Wiener Sportklub-Platz schweizer und österreichische Literaten gegeneinander Fußball spielten. Und es geschah etwas für dieses Land Extraordinäres: Wir demütigten die Schweizer mit einem verdienten 7:1.
Nein, ich habe nicht mitgespielt, und ich neige nicht zu blödpatriotischer Fremdsieganeignung: Der Triumpf gebührt allein den Herren Literaten um Kapitän Georg Bydlinsky, die vor begeistertem Publikum großartige sportliche Leistungen er-brachten. Ich habe zur österreichischen Chancenmaximierung nur getan, was ich konnte: indem ich das fast vollzählige Schweizer Team - einen von denen kenn ich zufällig - am Abend vor dem Spiel nach einem Empfang des Schweizer Botschafters ins *Wolf" verzahrt habe, wo die
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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Was ist das Besondere an Wien? A) Wien ist Gemeinde, Bundesland und Hauptstadt. B) Wien ist ein Vorort von Graz. C) Wien ist die Hauptstadt von Kärnten."
Da hat sich die Gemeinde Wien ein bisserl einen Karl gemacht: Die Frage ist Teil des Staatsbürgerschaftstests, der von potenziellen Österreichern seit gestern bestanden werden muss. Und die Meinung, dass ein solcher Test fragwürdig ist, herrscht offenbar auch in der Wiener Regierung vor.
Denn die hat sehr augenscheinlich versucht, den landesgeschichtlichen Teil dieses Test einerseits mit Fragen zu unterwandern, die vor allem dazu angetan sind, die Leistungen des sozialdemokratischen Wien zu bewerben, andererseits mit Antwortmöglichkeiten, die
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| 09/06
| Kunst & Kultur
Das Ausmaß der Erholung in drei Wochen Bregenzerwald lässt sich anhand einer Zahl bemessen: sieben. Sieben Bücher hab ich gelesen, darunter drei aktuelle Österreicher, die durch den Umstand, dass ich davor den neuen Philip Roth und danach E. Annie Proulx´ „Schiffsmeldungen“ gelesen habe, auch nicht gewannen, besonders wegen der „Schiffsmeldungen“: ein Roman, ein richtiger Roman. Mit einer sich entwickelnden Handlung! Zahlreichen Figuren in verschwenderischer Charakter-Fülle! Verschiedenen Strängen! An einem außergewöhnlichen Ort! Auch wenn ich hier mit völlig unerbetener Meinung alte Bekanntschaften aufs Spiel setze: In dieser Liga spielen die jungen Österreicher nicht. Lange nicht. Sind ja nicht mal Romane, heißen nur so – wenngleich ich Daniel Glattauers flott und gut geschriebene Emailerei „Gut gegen Nordwind“ in einem Tag eingesaugt habe. Nicht weiter als bis Seite 110 habe ich dagegen „Das Wetter vor 15 Jahren“ ertragen, das öde
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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Was macht man, wenn man nach der Nachmittagsvorstellung von "Cars" noch was trinken will? Es regnet; die Kinder (4, 4, 4, 5, 6) wollen noch nicht heim, die Erwachsenen sind hungrig: Wir gehen ins Kaffeehaus.
Das ist ein Fehler, wie der Ober uns mit Bei-uns-ist-nichts-frei-Miene gleich wissen lässt: Ja, bitte? Ja, bitte, was könnten wir hier wohl wollen? Einen Tisch und zehn Stühle, wenn's genehm ist, und dann eine Karte, herzlichen Dank. Es ist in diesem hübsch schäbigen Kaffeehaus nämlich so gut wie alles frei; dennoch dürfen Sie uns ruhig in restgästeschonender Distanz platzieren, das ist okay. Aber wenn Sie dann so freundlich wären, diesen angewiderten Ausdruck von ihrem Gesicht zu nehmen. . . Das sagen wir nicht; das hoffen
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| 09/06
| Kurier-Kolumne
Von der Stadthalle bis zum Gürtel zählte ich 15, von der Westbahnstraße bis zur KURIER-Redaktion zwei: Gestern war Hundstrümmerl-Zähltag, wieder nicht von der Stadt Wien initiiert, sondern erneut von der
Hundekot-Initiative, die im Frühjahr 157.000 Unterschriften genervter WienerInnen sammelte. Die Zähl-Ergebnisse werden am Montag präsentiert, aber mir kommt vor, dass der Kot auf den Straßen seit Mai deutlich abnahm - in manchen Gegenden. In anderen stapft man nach wie vor durch Hundehaufen.
Wenn Wien nun etwas weniger verschissen ist, dann nicht, weil die Stadtregierung auf den Bürgerdruck energisch reagiert hätte, nein: Die städtische Reaktionsbilanz ist kläglich. Von
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| 09/06
| Frauen / Männer
(Gastkolumne für die Schweizer "Annabelle")
Da drängen sich der gelernten Zynikerin natürlich gleich eine paar kurze Antworten (gar nicht, gibt’s nicht, wir sprechen hier von Männern, oder?) und ein paar Gegenfragen auf wie: Ach, Sie glauben noch an Märchen? Oder: Wo leben Sie denn? Und: Nimmt Ihr Kloster auch dreifach Geschiedene auf? Aber damit macht man es sich natürlich zu leicht.
Denn nicht mal als Zynikerin kann man glaubhaft so zu tun, als sei die Suche nach dem Richtigen nicht ein zentrales Element im Leben fast aller heterosexueller Frauen. So sie sich, siehe vorne, nicht bald nach der Pubertät dazu entschliessen, den Richtigen, siehe oben, auf dem göttlichen Himmelsthron zu orten, wo man ihn mehrmals täglich anbeten kann, ohne dass er daraus masslose Ansprüche ableitet.
Alle andern tun sich bei der Wahl schwerer, denn es ist eine schwere Wahl mit möglicherweise fatalen Nebenwirkungen, fragen Sie Ihre Freundin oder Scheidungsanwältin: Die falsche
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