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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Wenn ich geschrieben hätte, meine Freundinnen und ich würden gern öffentlich, ich weiß nicht, Parkbänke in Brand stecken, kleine Katzen foltern oder an fremde Wände wischerln, die Reaktionen hätten kaum empörter ausfallen können. Wir haben aber nur öffentlich gelacht.
Die praktisch einhellige Lesermeinung (Leser diesmal akkurat im Sinne von männlicher Leser): Lachen Sie zu Hause! Der Beislbesucher habe ein natürliches Recht auf Unbelachtheit! Rücksichtslos, egoistisch und eine Zumutung sei das, anderen Leuten die eigene gute Laune aufzuzwingen! Und ein bissl einen Anstand müsste man sich selbst von einer wie mir erwarten dürfen. Na na na na. Jetzt aber.
Drängt sich nämlich die Frage auf: In diesem öffentlichen Raum – im inkriminierten Fall das Innere eines Beisls – wer hat da die stärkeren Rechte? Die Ruhebedürftigen oder
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Sitz ich mit meinen Freundinnen beim Skopik & Lohn, sehr feines neues Beisl in der Leopoldstadt, übrigens. Wir haben uns länger nicht gesehen, dementsprechend wird sich gefreut, und gut, wir tun das eventuell minimal über Zimmerlautstärke. Aber echt minimal. Ja, es mag stimmen, dass das glockenhelle Lachen der Polly Adler an einem windstillen Tag von hier bis in die Schreyvogelgasse (haha: Witz.) zu vernehmen ist, aber gerade auch deshalb bin ich so gern ihre Freundin. So ein herrliches Lachen.
An einem Tisch in der Nähe sitzt ein Hans-Peter-Martinfarbener Herr mit zwei Damen und dem Rücken zu uns; und noch bevor das erste Veltliner-Achterl ausgetrunken ist, lange, bevor wir vom Aufwärmgekicher zum ernsthaften Gelächter übergegangen sind, also im Prinzip, bevor überhaupt irgendwas geschehen ist, erhebt sich.
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| 10/06
| Falter-Kolumne
Und jetzt schlafen die Kinder ein zur Stimme von Beth Orton, die drüben im Zimmer, in dem die Mutter sitzt und arbeitet, wieder und wieder Leonhard Cohens „Sisters of Mercy“ singt, und eine schönere Art, einen langen Tag zu beenden, kann es doch gar nicht geben, oder. Und eine lange, anstrengende Woche, eine Woche, nach der ich mir sage: es muss anders werden. Die Kinder haben zu viele Termine. Die Kinder haben zuwenig Zeit, um einfach zuhause zu sein und zu spielen und sich zu langweilen. Aber. Wir sind so viel eingeladen. Und wir sind von so netten Menschen eingeladen, wo man nicht nein sagt, wenn die sagen: wie gings euch am Montag? Sondern wo man sagt, super, am Montag gings uns gut.
Am Dienstag, als ich mit Lotte und der Kaiserin vorm Palmenhaus in der Sonne sitze, radelt der Roger vorbei und bleibt stehen und trägt dabei eine sagenhaft lässige
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Der K. aus H. schreibt, bitte keine Beschwerden über Post und Bahn mehr: Institutionenkritik sei grauenhaft unsexy, schreibt der K., und die Konflikte zwischen Rad- und Autofahrern seien übrigens auch längst totgeschrieben und auf Wiedersehn. Der K. wird es also nicht unbedingt goutieren, wenn ich heute eine Anregung von Leser Peter S. aufgreife , der meint, dass es in Wien nicht nur, wie ich gestern beklagte, zu wenige Plätze gibt, sondern auch zu wenig Sitzplätze: Finde ich nämlich auch.
Wir wissen, warum, weil man es in Wien den Sandlern sehr unbequem machen will. Dass die bloß nicht auf die Idee kommen, sich
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Die Erwin-Wurm-Ausstellung im MUMOK angeschaut und festgestellt: eigentlich brauchst du im Leben nur eine sehr gute Idee. Erwin Wurm hatte drei, und die sind nicht nur gut, die sind großartig. Am großartigsten sind die „Instructions on how to be politically incorrect“, so gescheit deppert wär man selber auch gern mal. Seit der Kippenberger-Retrospektive hab ich mich in keiner Ausstellung mehr so gefreut wie jetzt beim Wurm. Die Kinder übrigens auch, wenngleich die natürlich das „Fat house“, das „Fat convertible“ und die Männer, die die Erde verschluckt haben, am tollsten fanden. Anschauen, unbedingt.
Danach hab ich mich gleich nochmal
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Eist ist schon ein paar Tage her, dass „Viennale“-Direktor Hans Hurch in einem Falter-Interview gemeint hat, er mache jetzt „Bobo-Bashing: Man darf denen diesen he-donistischen, halbkritischen Genuss nicht durchgehen lassen.“ Das beschäftigt mich immer noch.
Ich mag den Hurch: Ich mag, wie er die „Viennale“ als Ereignis zelebriert, wie er sich nichts schert um Geschmäcker und Generalmeinungen, und dass er dennoch als möglicher Kulturminister gehandelt wird.
Aber die Sache mit den Bobos ärgert mich, weil diese grad so schicke Bobo-Miesmacherei ist mir etwas zu billig. Vor allem, wenn sie von einem Hurch kommt, der es sonst nicht billig gibt.
Bobo ist, falls Ihnen das noch nicht bekannt ist, ein Mischwort aus
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Der Plan war, heute mal wieder was Nettes zu schreiben. Was Lustiges, Leichtes, Unbeschwertes: aus dem egoistischen Grund, dass ich diese Woche schon genug Leser-Prügel kassiert habe; danke, reicht.
Nun haben aber die Wiener Grünen gerade die Einkommenssituation der Frauen in Wien untersucht, und die ist so unrosig, dass man sich kurz mal wieder fragt, wohin all die Jahrzehnte Rotes Wien denn eigentlich abstrahlen. War der Plan der Sozialdemokraten nicht immer auch die faktische Gleichberechtigung der Frauen? Fakt ist, dass die Frauen in Wien dramatisch schlechter verdienen als die Männer. Im Schnitt 5319 Euro pro Jahr weniger als ihre männlichen Kollegen.
Mit 5319 Euro kann man sich einen Gebrauchtwagen kaufen oder
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| 10/06
| Schuld und Sühne
Sie haben mir doch eh nicht geglaubt, dass ich es schaffe, mich nicht mehr in Sachen einzumischen, die mich eigentlich nichts angehen (wobei „eigentlich“ in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext natürlich sowieso relativ ist), die Hofingers auch nicht, und die Kaiserin sowieso nicht. Ha ha ha, hat die Kaiserin gesagt. Die Breussin hat es auch nicht geglaubt, allerdings musste ich die zurechtweisen, weil eine blöde Bemerkung über einen Vierjährigen, der noch immer nach den Brüsten seiner Mutter langt, wenn ihm das Essen wo nicht schmeckt, kein Einmischen ist, sondern deppertes Reden. Das muss man bitteschön unterscheiden, und dass ich nie mehr deppert reden will, habe ich nie gesagt. Ich muss auch von was leben.
Geglaubt – besser: gehofft - haben es die Horvaths, die luden uns zum Essen ein, und die Vorspeise verlief reibunglosmit einer Konversation über den freundlichen und überaus kompetenten Herrn Manfred aus der lokalen Metzgerei, mit dem der Horvath und der Lange immer befriedigende Unterhaltungen über steirische Mufflons und ostschweizer Charolais-Kälber führen. Aber wenn ich beim Einkaufen an den Herrn Manfred gerate, brauche ich verlässlich gerade zwei Kilo Leberkäsbrät oder80 Deka gemischtes Faschiertes, und jedesmal hab ich ein total schlechtes Gewissen, dass ich den kompetenten Herrn Manfred, der sich mit so vielen Dingen auskennt, mit so einem Mist belästige, und ich werde total nervös, vor allem, wenn hinter mir ein paar Leute anstehen, die sich unbedingt mit dem Herrn Manfred über die Beiried vom steirischen Biorind beraten müssen. Letztes Mal hat der Herr Manfred gesagt, ich soll nicht so nervös sein, so eilig hat er es ja nicht, da ist mir dann auch noch der Schweiß ausgebrochen.
Das erzählte ich, obwohl bei den Horvaths auch Dinge geschahen, die einen Kommentar erfordert hätten, aber. Dann öffnete der Horwath einen unglaublichen Brunello und servierte ein herrliches Kalbsgulasch mit Nockerl, jeder Fleischbrocken hundertprozentig vom Herrn Manfred persönlich erwählt. Dann schenkte er vom Brunello nach, und am nächsten Morgen, wie ich mit Lotte und der Kaiserin schwimmen gehe, muss ich sagen, liebe Kaiserin, danke, dass du exakt um 19 Uhr 34 angerufen hast, weil das Gespräch war gerade an einem sehrsehr kritischen Punkt. Die Kaiserin sagt, lass mich raten, du hast dich in was eingemischt, was dich nichts anging, und ich hab gesagt, was heißt eingemischt, die Königsdisziplin vom Einmischen: Kindererziehung, Spezialgebiet: wieviel soll ein Vierjähriger fernsehen, und die Kaiserin sagt: Ich. Will. Es. Nicht. Wissen. Aber Lotte sagt, sie begrüßt, dass ich jetzt zumindest den Willen zeige zu reflektieren, wie ich mich eingemischt habe, da schimmere doch ein Charakteroptimierungswunsch durch, sagt Lotte, Babyschritte zwar, sagt Lotte, aber immerhin, dreißig Längen heute?, und die Kaiserin und ich sagen, okay, los.
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Eine neue Regierung bringt vielleicht auch neue, zusätzliche Partnerschaftsmodelle neben der Ehe. Wie eine wehrlose Baby-Katze wurde die Ehe durch die letzten Legislaturperioden getragen; be-schützt, gestreichelt gehätschelt: Die fasst uns keiner an, der tut niemand was!
Nein, der Ehe will eh niemand was tun, außer vielleicht die Eheleute, die sie eingehen und wieder auflösen: 45 Prozent der Ehen werden ja wieder geschieden. Gut fürs Bruttosozialprodukt, denn das beschäftigt Standesbeamte, Hochzeitsplaner, Schneider, Gastronomen, Anwälte, Richter, Mediatoren, Immobilienmakler und Umzugsunternehmen. Und, sehen wirs mal positiv: 55 Prozent der Ehen halten ja. Soll also heiraten, wer will, denn scheints ist die Absolvierung des Hochzeitsrituals vielen Paaren einfach wichtig.
Auch homosexuellen Paaren, und nichts spricht dagegen, dass
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| 10/06
| Kurier-Kolumne
Erstens finde ich, es wär an der Zeit, dass Wolfgang Schüssel und die ÖVP dann mal das Wahlergebnis anerkennen. Für die eher nicht so Schnellen hier nochmal: SPÖ erster Platz, ÖVP zweiter Platz, Grüne dritter Platz, Rechts 1 und Rechts 2 vierter und fünfter Platz. Also, das bedeutet, dass es mehr Österreicher gibt, die wollen, dass die SPÖ regiert, als solche, die wünschen, dass wieder die ÖVP an der Macht ist. Und, ja, 15 Prozent der Wähler haben rechte und ausländerfeindliche Parteien gewählt, aber 85 Prozent haben sie nicht gewählt. Man könnte das Ganze so interpretieren, dass die Österreicher keine schwarz-rechte-Regierung mehr wollen. Haben das jetzt alle verstanden?
Offenbar nicht, denn wie ich letzte Woche mit Freunden in einem sehr sehr guten Wiener Restaurant einen Geburtstag feierte, saßen zwei Tische weiter ein ehemaliger FPÖ-Vizekanzler, ein BZÖ-Staatssekretär und
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