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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Der neue Kanzler leide, das wurde anlässlich seiner Angelobung fast phrasenhaft wiederholt, an ausgerägter Beratungsresitenz, und, hallo: Das könnte stimmen. Denn dass er jedenfalls vollkommen ernährungsberatungsresitent ist, bewies der Kanzler eben mit seiner einwöchigen Krautsuppendiät, deren Bukett irgendwie auch der Presse zuduftete: Reißt die Fenster auf!, der Südwind weht!, mit etwas Glück riechen sie den Gestank noch bei „Österreich“.
Und siehe da, das Glück war hold, „Österreich“ erschnupperte das Kanzlerfrugalium und druckte sogleich ein paar Kohlsuppendiätrezepte ab, damit auch die anderen Österreicher und Österreicherinnen acht Kilo in einer Woche abnehmen lernen.
Zufällig am selben Abend saß bei „Kerner“ im ZDF die deutsche Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm. Diäten waren getestet worden, und Cramm antwortete auf die Frage, was denn vom ernährungsmedizinischen Standpunkt gesehen eine vernünftiges wöchentliches Diätziel sei: 500 Gramm.
Ein halbes Kilo pro Woche, nicht acht Kilo, wie der Kanzler, man will ja fit und entschlossen rüberkommen, gerne an die Öffentlichkeit sickern ließ. Ziemlich unverantwortlich, bei allem Respekt: Acht Kilo in einer Woche mit einer einseitigen Radikaldiät ohne Bewegungsprogramm runterzuhudeln, das ist, wie Ernährungsberater ihren Patienten, Eltern ihren Halbwüchsigen und Schulärzte anorixiegefährdeten Teenagern wieder und wieder predigen, unvernünftig, riskant und auf lange Sicht sinnlos. Weil Jo-Jo-Effekt und alles
Aber bitte: Jetzt ist der Kanzler, dessen Teenie-Ikonen-Quotient bislang vermutlich eher im unterirdischen Bereich pendelte, auf einem guten Weg, ein echtes Jugend-Idol zu werden. Aber was für eines.
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Nichts gegen die Blasmusik, bitte. Die Blasmusik ist etwas Wunderbares, außer vielleicht, man ist Landeshauptmann oder Bürgermeisterin, hat in der Silvesternacht ausgiebig gefeiert, und verlässlich trompetet einem, kaum ist neue Jahr zehn Stunden alt ist, die örtliche Blasmusik vor der Tür das Schädelweh wach. Und außer vielleicht, man ist Blasmusiker, hat in der Silvesternacht ausführlich gefeiert, und muss, Schmerz, zwei Stunden später einen Würdenträger ins neue Jahr posaunen.
Und außer man wohnt direkt neben dem lokalen Blasmusikheim und mag keine Blasmusik. Und außer natürlich, man ist eine Blasmusikerin mit kräftigen Wadeln und wird gezwungen, diese mit weißwollenen Stulpenstutzen zu betonen.
Aber das sind natürlich marginale Probleme im Vergleich mit dem gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Blasmusik. Dieser Nutzen ist unschätzbar. Ist der junge Mensch – und in Österreich sind das 80.000 – Mitglied einer der 2400 Blasmusikkapellen, probt er ein bis zweimal wöchentlich im Kreise Gleichgesinnter im Blasmusikheim, kann also in dieser Zeit keine Drogen nehmen, keine Killerspiele spielen, nicht ungewollt schwanger werden oder sonstigen Unfug anstellen, der ihm einfallen könnte, wäre er nicht bei der Blasmusik.
Er hat mit der Blasmusik schöne Gemeinschaftserlebnisse und bereist mit ihr die Welt, manchmal sogar bis nach Wien hinein, wo er beim Blasmusik-Treffen einmal im Jahr auch Menschen wecken darf, die keine Würdenträger sind. Er ist zumindest periodisch anständig angezogen, also die Hose über der Unterhose, den Bauch- und Hüftspeck unter gnädiger Bedeckung. Wenn also die Blasmusik nicht gemeinnützig und studiengebührenbefreiungwürdig sein soll, fragt man sich schon, was dann.
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| 01/07
| Falter-Kolumne
In Wirklichkeit essen unsere Kinder nämlich nichts. Was viel ist, verglichen mit den anderen Kindern, die gar nichts essen. Von all den Kindern, die ihren Eltern zufolge beim Essen total unkomplizert sind und eigentlich alles essen, kenne ich keines, das angesichts eines vollen Tellers nicht so lange meckert, bis sich darauf nur noch Pommes, Würstel, Pizza oder Nudeln mit nichts befinden. Mit nichts, hab ich gesagt! Weg die grausige Soße! Mein ganzes Elternleben lang hab ich noch kein Kind gesehen, das ein von den Eltern ohne Rücksicht auf die vertraglich fixierten Cateringvorlieben collagiertes Menü widerstandslos isst, außer es wurde zuvor mit schweren Drohungen eingedeckt, die Weihnachten und alle Geburtstage bis zur Volljährigkeit einschlossen. Und nie im Leben sah ich ein Kind vor einem vollen Teller sitzen, ohne umgehend mit dem Gemüsemanagement zu beginnen: Wenn ich statt dem Lauch,
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Gegen Orkane mögen wir machtlos sein, gegen keinen Schnee sind wir es nicht. Gegen keinen Schnee können wir etwas unternehmen, denn der Schnee nährt in Österreich ganze Landstriche, wir leben vom Schnee, wir brauchen den Schnee. Liegen muss der Schnee, Schirennen müssen darauf gefahren werden, die Welt muss im TV sehen können, dass man in Österreich beim Schivergnügen nicht auf die Natur angewiesen ist.
Die Natur machen wir uns, wenn nötig, selber, und fällt der Schnee nicht vom Himmel, schießen wir ihn aus Kanonen und schaufeln ihn auf liftuntauglichen Gipfeln zusammen, wo der Schnee ja völlig unbrauchbar herumliegt. Wir haben Bundesheersoldaten und andere Freiwillige, wir haben Hubschrauber, also fliegen wir den Schnee dort herunter, werfen ihn auf die aperen Hänge, das ist fast wie echtes Schneien, nur effizienter. Und dann Achtung, fertig, los, alle herschauen! Wir fahren Schi! Bei uns in Austria fällt nämlich Schnee!
Gut, auch der Strandtourismus läßt Volkswirtschaften blühen... Darüber sollten wir auch einmal nachdenken. Denn wenn wir fähig sind, grüne Hügel in Schigebiete zu verwandeln, wird es uns wohl gelingen, einen heimischen Ozean zu errichten, damit Österreich endlich am Meer liegt: Das wär ein Tourismus! Strandleben unten, Schihollareitulliö oben! Kann ja nicht so schwer sein! Die Mittel dafür haben wir doch, oder?
Und es würde, ta-da!, das Darabos-Problem lösen, denn wer wäre für die Ozean-Grabungen besser geeignet als die tüchtigen österreichischen Wehrdiener, und einen derartigen Einsatz befehl kann der Verteigigungminister mit seinem Ex-Zivildienergewissen tadellos vereinbaren. Grabt Männer! Grabt! Wenn die Natur nicht will, machen wir sie uns nämlich selber.
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Der neue Wissenschaftsminister Johannes „Gio“ Hahn ist ein Mann schöner Worte, das zeigte schon das Festhalten nicht nur an seinem Spitznahmen, sondern auch an dessen falscher Prononciation. Tschio. Hübschio.
Drei Interviews gab Hahn in den letzten Tagen, drei Mal nahm er Stellung zur Studiengebühren- und Sozialdienstdebatte. Er sagte zum Standard: „Mir ist es ganz wichtig, dass es da nicht um einen Sozialdienst geht, wo jemand vergenusswurzelt wird, am Krankenbett zu stehen, obwohl er keine innere Berufung dazu hat (...).“ Er sagte zur Presse: „Und dann sollte niemand vergenusswurzelt werden, eine soziale Tätigkeit auszuüben, wenn er gar nicht innerlich dazu imstande ist.“ Er sagte zum KURIER: „Man muss eine soziale Ader haben, es soll niemand vergenusswurzelt werden.“
Wir bemerken: Hier hat der Wissenschaftsminister ein Wort erblickt, hat sich in das Wort verliebt, hat es ergriffen, in seinen Worthaushalt aufgenommen und es mit den anderen interessanten Hahn-Wörtern bekanntgemacht: „Darf ich vorstellen: Gio – Vergenusswurzelt, Vergnusswurzelt – Gio“. Nun, da das Wort seins geworden ist, zeigt er es natürlich auch gern her (so auf: mein Haus, mein Auto, meine Frau, mein Wort), indem er es so oft wie möglich verwendet.
Aber was bedeutet das Wort? Wikipedia führt es nicht. Der Duden kennt es nicht; es fehlt zwischen „vergelten“ und „vergesellschaften“, es findet sich auch nicht unter den Synonymen für „zwingen“, „gezwungen“ oder „drängen“. Wenn es verwendet wird, dann in Internet-Chatforen: stets erotisch konnotiert, im Sinne von sexueller Beglückung. Juchzio! Mit Minister Hahn wird selbst die Sozialdienstdebatte sexy.
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Dass eine reiche verwöhnte 25-jährige, die für Publicity so gut wie alles zu tun bereit ist, sich von einem Wiener Kaufhausbesitzer, der für Publicity so gut wie alles zu tun bereit ist, in seine Loge beim Opernball einladen lässt, ist in Wirklichkeit so wurscht, wie wenn ein Kiesel in die Donau fällt: pltsch. So wie der ganze Opernball so wurscht ist, dass es sogar jugendlichen Links-Rebellen längst zu blöd ist, dagegen zu demonstrieren, gibt doch sinnvollere Zeitvertreibe. Ja. Und spannendere. Wenigstens dem ORF ist es nicht zu blöd, die Spekulationen darüber, ob das amerikanische Schnepfenmädchen nun kommt oder nicht, tagelang als Hauptnachricht auf seiner Website zu spielen, neben Gusenbauers Regierungserklärung und dem Ortstafelkonflikt. First things first, denn Lugner scheine, so der ORF, „damit heuer als Gastgeber der ganz große Coup gelungen zu sein“. Pltsch. Da fällt einem spontan diese andere 23jährige ein, die auch gerade von von sich reden macht, aber nicht, weil ihr die goldenen Höschen, in denen sie geboren wurde, manchmal vom Popsch fallen. Nein, die ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha trat enttäuscht aus der SPÖ aus, und das sollte der SPÖ sehr weh tun. Denn dieses Mädchen ist vom Leben kein bisschen verhätschelt worden, ein Arbeiterkind mit sechs Geschwistern, der Vater weg, die Mutter vor wenigen Jahren jung gestorben: Die hat dann ihren kleinen Bruder zu sich genommen, sie lebten von Kinderbeihilfe, Stipendium und den Nachhilfestunden, die Blaha gab. Wessen Partei will die SPÖ noch sein, wenn solche Menschen resigniert austreten? Es heißt, Kanzler Gusenbauer gehe heuer auch auf den Opernball. Vielleicht trifft er dort wen, der ihn gerne wählen würde. Paris vielleicht. Oder Mausi... pltsch.
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| 01/07
| Falter-Kolumne
Das Abwasser steht, schlimm genug, und es steht, wo es nicht stehen sollte. Das Küchenabwasser steht in der Badewanne, und was sehen wir: gestern gab es Coq au Vin mit tüchtig Petersilie, dazu Reis und grünen Salat. War gut, nur ziehe ich es vor, die Reste davon nicht in der Badewanne wiederzusehen, was ich dem Installateur am Telefon erkläre. Ich erkläre ihm nicht, noch nicht, dass ich nicht beabsichtige, die Rechnung für die Abflussreinigung vom Juli zu zahlen, ja, dass ich es ziemlich gewagt von ihm finde, diese Rechnung für die letzte Abflussreinigung überhaupt zu schicken. Aber der Installateur ist ein mutiger Mann, das konnte man schon letztes mal an seinen kecken, neuen Strähnchen sehen, sehr hübsch an einem Kerl, der wie ein Viva-Moderator aussieht, aber der Installateur sieht aus wie Elmar Oberhauser.
Die letzte Abflussreinigung, für die der Installateur sich anschließend erlaubte, Euro 259, 20 in Rechnung zu stellen (Abwasserleitung mit Motorfeder gereinigt, Verstopfung dadurch behoben, Sifone bei Abwäsche, Badewanne und Waschtisch zerlegt, gereinigt und wieder zusammengebaut.) hatte zur Folge, dass der Sifon (Dichtheits- und Funktionskontrolle durchgeführt ) weiter tropfte, was allerdings zugegebenermaßen nicht der Grund dafür war, dass den Nachbarn unter uns wenig später zum zweiten Mal in zwei Jahren unser
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Andererseits war Karin Gastinger eine gute Justizministerin, die Wichtiges geschafft hat, von der was bleibt; und die hatte davor mit Justiz auch nur am Rande zu tun. Was war die nochmal, bevor sie Justizministerin von Österreich wurde? Leiterin der Abteilung für Wasserrecht in Kärnten, richtig. Dass Ministern ihre künftigen Agenden nicht schon in die Wiege gelegt wurden, ist also nicht zwingend von Nachteil.
Dennoch ist der Einwand jenes Mitglieds der Offiziersgesellschaft Vorarlberg gerechtfertigt, das verzürnt auf einen Verteidigungsminister reagiert, der einst seinen Wehrdienst durch Zivildienst ersetzte. In einem offenen Brief an die Zeitungen gibt der Mann zu bedenken, dass Verteidigungsminister Norbert Darabos damals noch aus „Gewissensgründen“ den Dienst an der Waffe ablehnte, es also mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, eine Waffe in die Hand zu nehmen. 24 Jahre später hat er kein Problem damit, ein ganzes, bewaffnetes Heer zu leiten. Zu seiner eigenen Verteidigung könnte Darabos jetzt anführen, dass er das unbewaffnet zu tun gedenkt, damit wäre die Sache nach Art der Sozialdemokratie 2007 irgendwie hingebogen.
Aber jetzt, wo die Sozialdemokraten erneut an der Macht sind, gilt halt auch wieder, was Bruno Kreisky einst scherzte: „Die Rache der Geschichte an jungen Revolutionären besteht darin, dass sie in späteren Jahren mit Frack und Orden zum Opernball gehen müssen.“ Manche erwischen es noch schlechter und müssen ein Heer verteidigen.
Andererseits war der frühere Infrastrukturminister ein begeisterter Autofahrer, und was hat er geschafft? Eine Tempo-160-Rennstrecke. Hurra. So gesehen gereicht zu viel in die Wiege gelegte Hingabe zur ministeriellen Materie dem Amt nicht zwingend zum Vorteil.
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| 01/07
| Kurier-Kolumne
Es gab diese Woche auch schöne Geschichten; die schönste las ich gestern in der Süddeutschen Zeitung. Hat also nichts mit einem neuem Kanzler zu tun, aber auch ein wenig mit gebrochenen Versprechen oder zumindest: unerfüllten Erwartungen. Die Geschichte handelt von Frau Maria Milz aus Blankenheim in der Eifel, die wieder aus dem Altersheim auszog, in das sie zwei Monate zuvor übersiedelt war.
Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens hört man selten von Menschen, die das Altersheim auf eigenen Wunsch wieder verlassen, zweitens
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| 01/07
| Zuerich
Wie die Wiener die "Schweiz" sehen.
(Beitrag für das "Tagesanzeiger Magazin", Thema "Schweiz")
Eine kleine Umfrage im Wiener Bekanntenkreis, und es schaut nicht gut aus für die Schweiz. Gar nicht gut. Zuerst immer: Langes Nachdenken. Leute, die lange nicht oder nie da waren, müssen sichtlich erst mal orten, wo diese Schweiz überhaupt ist, denn die Wiener haben von der Schweiz kein Nachbarland-Gefühl. Für viele Wiener grenzt die Schweiz nicht an Österreich, sondern an Vorarlberg, das die Wiener, liegt wohl am Idiom, Österreich nach wie vor weniger zurechnen als Südtirol; dafür kann die Schweiz nichts. Dann werden die Bankkonten erwähnt und das darauf gehortete Raub-Geld gestürzter Diktatoren. Und die Bahnhofstrasse. Dass das Essen teuer ist. Dass das Essen schlecht ist. Und der merkwürdige Dialekt natürlich.
Aber: schöne Berge! Prima Zürisee. Und viele gute Zeitungen. Wobei die meisten Wiener nur die „Neue Zürcher Zeitung“ kennen, und einige, meistens Journalisten, auch noch die „Weltwoche“. Und ein paar nur die alte „Weltwoche“. Während vom „Tagesanzeiger“ leider kaum einer auch nur den Namen kennt: gibt’s hier nicht zu kaufen. (In der grossen Erwin-Wurm-Ausstellung, die derzeit in Wiener Museum Moderner Kunst buchstäblich überrannt wird, ist denn als Credit jener Fotoserie mit Bally-Produkten, die Wurm 2002 für dieses „Magazin“ hier produzierte, ein „Taglatt magazin, Zurich“ genannt. Dahinter steht vermutlich keine böse Absicht, sondern kein besseres Wissen. Immerhin enthält der Ausstellungskatalog ein
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