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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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31.03.07

Gefährliche Wünscche

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Eine Kurzmeldung auf der „Aus-aller-Welt“-Seite der VN: In Neuseeland demonstrierten Tausende Eltern für das Recht , ihre Kinder weiterhin ohrfeigen zu dürfen: Selbst Kinder demonstrierten gegen ein geplantes Gesetz marschiert, das ihre körperliche Züchtigung durch Erwachsene verbietet. Noch eine VN-Nachricht, diesmal  aus dem Lokalteil: In Feldkirch wurde eine 35jährige Frau  verurteilt, weil sie ihre kleinen Töchter immer wieder mit   Schuhen, Besen und Gürteln verprügelt hatte.
Und eine weitere aktuelle Meldung, ich weiß nicht mehr, woher: 5400 Ehrenmorde wurden in der Türkei in den letzten fünf Jahren an Frauen verübt. Das sind 1080 Morde im Jahr, das sind fast drei Türkinnen täglich,  die von Mitgliedern  ihrer Familie, von Vätern, Brüdern, Cousins und Onkeln umgebracht werden,  weil sie in deren Augen unziemlich lebten. Drei  erschlagene, erschossene, erwürgte Frauen und Mädchen jeden  Tag; in einem Land, das Mitglied der EU werden will.
Die Neuseeländer sind der Meinung, der Staat mische sich mit dem Ohrfeigen-Verbot ungebührlich in Familiensachen ein: Es gibt in Österreich nicht wenige Erziehungsberechtigte, die diese  Ansicht voll und ganz teilen und sich die Freiheit wünschen, ihren ungezogenen Fratzen auch mal mit ein paar Watschen zu zeigen, wer der Sheriff im Haus ist. Eine Ohrfeige hat ja noch keinem geschadet.
Aber wenn der Staat sein Gewaltmonopol auch nur ein bisschen lockert, wenn er den Bürgern, den Müttern, den Vätern, den Brüdern und Onkeln erlaubt, das Recht und das Recht auf Gewalt auch nur ein bisschen selbst in die Hand zu nehmen: Wie weit ist es dann noch bis in die Türkei? Es gilt die alte Warnung: Immer aufpassen beim Wünschen. Es könnte in Erfüllung gehen.
30.03.07

Ein Leben nach dem Plastiksackerl

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Als im November aus Paris zu vernehmen war, dass dort schon 2007 alle Plastiksackerl verboten würden, um jährlich 8000 Tonnen schwer belastenden Müll zu vermeiden, klang das wie eine Nachricht von einem anderen Planeten: Äh? Wie soll das funktionieren, ein Leben ohne Plastiksackerl? Wie tragen wir unsere Einkäufe, wie wiegen wir Obst, worin verpacken wir Lebensmittel?
Vier Monate und eine  volksübergreifende Klimawandel-Gehirnwäsche später klingt die gleiche Nachricht, diesmal aus San Francisco, ganz vernünftig: Dort hat der Stadtrat vorgestern das Verbot von Plastikeinkaufssackerln beschlossen: 180 Millionen dieser dünnen Sackerl werden von den Supermärkten in San Francisco jährlich zum Einkauf verschenkt. Das wird sich ändern: Künftig dürfen nur noch Papier- und Stoffsäcke abgegeben werden. Der feine leichte Kunststoff,  den der Wind  von den Müllhalden in die Luft und in  Bäume trägt und der die Meere nachhaltig verschmutzt (in einer Küstenstadt ist man da wohl sensibler), soll verschwinden.Für immer.
In Wien ist  außer grünem  Wünschen und vagem roten Absichtserklären  bisher nicht viel passiert. Höchstens in den Köpfen, wenn ich ausnahmsweise meinen Kopf als exemplarisch für die österreichischen hernehmen darf: Jedes neue Nylonsackerl erzeugt bei mir mittlerweile schlechtes Gewissen. Wenn ich im Supermarkt Gemüse in Sackerl packe oder Einkäufe, für die meine Bürotasche zu klein ist: automatisch Schuldgefühle. Seit neuestem finden sich deshalb in dieser Tasche stets  drei leichte Einkaufsnetze (solche wie in den 1970ern;  habe ich bei einer  Wiener Parfümeriekette endlich wieder entdeckt). Und  da schau her: Es gibt ein Leben neben dem  Sackerl. Nicht immer ganz erfolgreich; aber immer öfter.



29.03.07

Nicht selten nur ein Unfall

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Sie ist der sicherste und der gefährlichste Ort der Welt. Eine zu haben kann ein Segen sein, für viele ist es ein lebenslanger Fluch.  Sie kann ein Kraftwerk für Unmengen von Liebe sein, und für  unfassbar viel Hass und  Gewalt. Sie macht Menschen stark und sie zerstört sie für immer.Die Familie ist die beste und die furchtbarste gesellschaftliche Einheit.
Konservative Politik neigt dazu, das Vater-Mutter-Kinder-Familienidyll zu glorifizieren, es unterm Glassturz beschützen zu wollen. Aber ständig muss man sich fragen, ob die Familie als  gesellschaftliche Basisorganisation noch funktioniert.Ob Familie nicht oft nur ein Zufall ist und nicht selten ein unglücklicher. Ein Unfall.
In Wien wurde letzte Woche ein Vater von seiner Frau, seinem Stiefsohn und seiner Schwiegermutter in einer Gewaltorgie umgebracht: Die Tat läßt ahnen, dass ihr ein wenig glückliches  Familienleben voranging. In Deutschland haben ein 33jähriger Vater und eine 21jährige Mutter ihre 14 Monate alte Tochter verhungern und verdursten lassen; als der Mutter am Samstag etwas merkwürdig vorkam und sie mit ihrer Tochter zum Arzt ging, war das Kind bereits tot. Es spricht nicht unbedingt für die Familie als soziale Zelle, wenn manche ihrer Mitglieder  nicht einmal bemerken, dass andere nicht mehr am Leben sind. 
 Ist die Familie so kaputt, weil eine verrohte oder gleichgültige  Gesamtgesellschaft  keine regulierende,  reparierende Wirkung mehr auf ihre kleinsten Zellen hat? Oder sind schon so viele dieser Zellen zerstört und funktionsuntüchtig, dass darüber ganze  Bevölkerungschichten  verwahrlosen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Wir haben wohl nichts Besseres als die  Familie: Aber wir müssen sie besser machen. Und sicherer.
28.03.07

Wie man Gäste glücklich macht

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Dem Manfred Stallmajer könnte das egal sein. Der führt das spitzenfeine, von Stars bevorzugt beehrte Hotel „Das Triest“, und sein neues Projekt, das kürzlich frisch renoviert wiedereröffnete Cafe Drechsler ist, was man so hört, ungefährt 23 Stunden am Tag  vollbesetzt. Dem Manfred Stallmajer könnte es (und dem durchschnittlichen Wiener Wirt wärs das) komplett egal sein, dass dort zwei  von circa 100.000 Gästen unzufrieden raus sind; Schicksal, schmecks.
Es ist ihm nicht egal. Kürzlich berichtete ich in dieser Kolumne von zwei Frauen, die im neuen Drechsler gegessen und getrunken hatten und, als sie danach nichts mehr bestellen wollten , vom Kellner freundlich hinauskomplimentiert wurden. Ich benutzte  dabei  die Worte „Turbokapitalismus“ und „Schnellabspeis-Prinzip“,  und kurz danach  rief mich Drechsler-Wirt Stallmajer an und drohte mir nicht mit seinem Anwalt. Sondern er  meinte extrem freundlich, dass er die Sache aufklären wolle, weil er das Drechsler sehr wohl als ein typisches Kaffeehaus inkl. aller gemütlichen Wiener Kaffeehaus-Eigenschaften  führen wolle. Er glaube, es handle sich um ein Missverständnis, ob ich ihm bitte einen  Kontakt zu dieser Dame herstellen könne. Ich konnte, und Stallmajer rief sogleich die Frau an, ließ sich die Geschichte nochmal erzählen, recherchierte   im eigenen Haus, fand heraus, dass es sich um ein Schichtwechsel-Kommunikationsproblem gehandelt hatte, kontaktierte die Dame abermals, entschuldigte sich und lud die zwei Frauen ins Drechsler zum Essen: Um den einen schlechten Eindruck  ganz auszuradieren. Was ihm gelang: Die Kundin ist, wie sie mir sagte, von dieser Reaktion höchst angetan.
Ich bin auch beeindruckt von diesem extrem unwienerischen Service-Verständnis: Respekt. Das darf sich in Wien ruhig  durchdrechseln.
25.03.07

Teuflische Vorfreude

| Comments (1) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Freu ich mich schon auf den Song Contest. Dem Song Contest haftet seit jeher das Skurrile an, was heißt: Er lebt davon, dass er eine völlig bizarre Veranstaltung ist, ein Lieder-Wettbewerb  vollgepackt mit Beiträgen und Teilnehmern, von denen der Großteil am freien Markt nicht den Hauch einer Chance hätte. Vermutlich ist das der Grund für seinen Erfolg, und am besten lässt sich die Faszination an den Exponaten des Songcontests mit jener an den  Präparaten im Wiener Narrenturm vergleichen: Es ist entsetzlich, es ist grauenhaft, es wird einem fast übel, aber man kann den Blick von dieser Konzentration künstlerischen Grauens und choreographischer Brutalität einfach nicht abwenden.
Leider kommen immer mehr Rundfunkanstalten auf die öde Idee, richtige Musiker zum Songcontest zu entsenden. Der ORF glücklicherweise nicht. Aber die Schweiz, die ja mit der historischen Schuld leben muss, via Songcontest die singende Telefonstörung Celine Dion über die Welt  gebracht zu haben, schickt heuer DJ Bobo.
Wogegen in der Schweiz jetzt schon  30.000 Unterschriften gesammelt wurden: Denn DJ Bobo versetzt die Schweizer mit einem Vampirsong mit dem traumatisierenden Refrain „Vampires Are Alive“ in Angst und Schrecken: uhuhu! Aber mit Okkultismus und Satanismus sei nicht zu spaßen, sagen die Initiatoren dieser gespenstischen Aktion, denen offenbar bislang entgangen ist, dass DJ Bobo in der Rangliste der teuflischsten Popikonen den ungefähr sechsmilliardsten Platz hält: Knapp hinter dem österreichischen Teilnehmer, den der ORF zu einem großen internationalen Bewerb schickt, nachdem er eher zeitig aus einem kleinen nationalen flog. So eine teuflische Logik. Typisch Songcontest. Ich freu mich schon so.

 

23.03.07

Weiterzählen lieber später

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Von Anfang an hatte  man bei dieser Regierung ein ungutes Gefühl, und es hält an. Es begann mit gebrochenen SPÖ-Versprechungen,  es ging weiter mit  kämpferischen Ansagen, die eine nach der anderen  zermalmt wurden wie eine Rigipswand unter einem Vorschlaghammer.  Die Notwendigkeit der Erbschaftssteuer: Von Kanzler wie Präsident ins mediale Schaufenster gestellt, in das der Koalitionspartner keine drei Tage später einen schweren Stein warf; Totalschaden. Der Eurofighter-Ausstieg: Im Wahlkampf  versprochen, zu  Regierungsbeginn als Primär- Projekt forciert,  jetzt  von einem traurig blickenden Verteidigungsminister endgültig im Daraus-wurde-leider-auch-nichts-Schrank verräumt. 
 Wenn der Kanzler heute sagt, der Verkauf von Böhler-Udeholm an die britische CVC „wäre eine Katastrophe“ muss man  damit rechnen, dass er  eventuell übermorgen die positiven Seiten einer derartigen Übernahme  nicht übersehen kann; und  vielleicht ist es ja nur ein Investoren-Streich. 
Das ungute Gefühl, das man von Anfang an bei dieser Regierung hatte, wird höchstens von der Resignation überdeckt, dass es vermutlich nicht besser,  konstruktiver oder harmonischer wird:  Das bleibt wohl eine Querelen-Legislatur, eine Heute-hier-morgen-dort-Hochschaubahnfahrt.
Einzig einige Frauen in dieser Regierung können sich immerhin dazu aufraffen, gemeinsame Ziele anzupeilen: Es passe zwischen sie und die Frauenministerin „kein  Blatt“, sagte die Familienministerin im KURIER. Das hört man gern; viel lieber als z.B. das ewige Gezanke, ob jetzt 45.000, 50.000 oder  100.000 Kinderbetreuungsplätze fehlten. Weil, Vorschlag, werte Ministerinnen: Schaffen Sie doch  die 44.000, über die Einigkeit herrscht, und zählen dann weiter: Da wär einmal etwas geschafft.
22.03.07

Sprechen Sie Denglisch?

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Sprachalarm in Deutschland, CDU-Politiker sorgen sich ums Deutsche: Die Durchseuchung mit englischen Begriffen  müsse gebremst, Regierung und Wirtschaft sollten ermuntert werden, in Gesetzestexten, Kampagnen und Gebrauchsanweisungen wieder  Wert auf eine verständliche, deutsche Ausdrucksweise zu legen. Der Vorstoß kommt periodisch, unberechtigt ist er dennoch nicht; und das gilt  nicht nur für Deutschland.
Folgende Begriffe sind einer dünnen Tageszeitungsfarbbeilage entnommen – einer österreichischen wohlgemerkt: Shoe-Addict, Fashion-Tempel, Location, Performance,  Leading Lady,  Life-Style-Queen, Learning-By-doing, Model,  Team,  Life & Style, Concept-Store, Streetwear, cool, sexy, Designer-Outlet, Shop, shoppen, Single, Weekend, Top-Label,  chatten, Fatburner,   Trends, Charts,  Patchwork-Familie,   Live-Show, Show-Start, Warm-Up,  backstage, Latin-Feeling,  Lover, Outfit, Tracks,  on air, TV-Movie, Comedy-Talk und natürlich Dancing Stars, die wunderbare Wortschöpfung des ORF.
Man braucht kein Purist zu sein, um dieses Denglisch, den auch bei Journalisten immer hipperen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, allmählich ein wenig scary zu finden. Ja, klar: Eine Sprache ist kein Museum, sie lebt, verändert und entwickelt sich durch die Einflüsse, denen sie ausgesetzt ist.   Die globale Kommunikation übers Internet erfordert eine global verbindliche Begrifflichkeit.
Was dazu führt, dass man schon ganz unbewusst ins Deunglisch fällt: bestellt in der Früh einen coffee-to-go, stresst sich in Job und  Meeting, strebt nach Work-Life-Balance,  geht lunchen, hält sich fit beim Workout, relaxt bei der Happy Hour  undflirtet beim Event. Schaffen wir überhaupt noch einen einzigen Tag ohne Denglisch? Einen  Versuch wär’s wert.
21.03.07

Ekle Sache, ekles Wort

| Comments (1) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Einige Leserinnen und Leser sind der Meinung, es würde an dieser Stelle entschieden zu oft über die Wiener Hundekotproblematik geschrieben. Frau A. F. etwa ist empört, dass sie  hier das  Wort „Scheiße“ lesen musste. Dafür habe ich Verständnis; meine Kinder dürfen das Wort auch nicht benutzen.
Ich bin allerdings verwundert, dass es zwar nicht akzeptabel scheint, über dieses Wort zu stolpern –  in  die Sache, die das Wort benennt, dagegen schon. Und dieses  grausige, stinkende, gesundheitsgefährdende Material unter Schuhen, Kinderwagenrädern und Gehstöcken ist, so unschön das in sensiblen Ohren klingen mag: Scheiße. Und viele wohlerzogene Menschen, denen das ekle Wort nie nie nie über die Lippen käme,  finden nichts dabei, ihre Hunde   auf Gehsteigen, vor Läden und Schulen, Entschuldigung: scheißen zu lassen,  und diese, Verzeihung, Scheiße  nicht zu entfernen.
Ich kann es  einfach nicht mit eleganten Worten beschönigen, wenn mir meine Tochter, wie  erst letzten Sonntag wieder, auf einem eingezäunten Kinderspielplatz ihren, excuse me, hundescheißeverschmierten Fussball in ihren, tut mir leid, hundescheißeverschmierten Kinderhänden entgegenhält. Solange es in Wien Hundehalter gibt, die ihre Tiere ungeniert überall, selbst auf Kinderspielplätze und so auf Kinder und in Kinderhände, sorry, scheißen lassen, und so lange all das nicht spürbar bestraft wird: So lange  muss es ausgesprochen werden.
Glauben Sie mir, das macht mir auch  keine Freude. Aber ich will will will keinen Hundekot mehr von meinen Kindern wischen; und das halte ich für ein vollkommen berechtigtes Anliegen. Solange das Problem da ist, wird es benannt werden: Denn es ist, excusez-moi, Scheiße.
16.03.07

Ich bin sexy

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Meine Neugier an der persönlichen Energiebilanz des Umweltministers blieb bislang unbefriedigt: Der Mann, der mich und den Rest Österreichs aufforderte, zum Zwecke des Klimaschutzes  keine Flugzeuge mehr zu benutzen, möchte nicht sagen, was er privat und beruflich so zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beiträgt. Muss er natürlich auch  nicht.
Jeder andere muss jetzt zumindest darüber nachdenken. Offenbar hat schlagartig das bewusster-Leben-Zeitalter angefangen, und  jetzt geht es nicht mehr um die Wellness des Individuums, sondern um die des Planeten. So soll es sein, denn ungeachtet einiger unermüdlicher Warner – bis eben hießen sie noch Ökoquerulanten, Umweltfetischisten, Biofreaks oder Strickpullovergrüne – lebten wir alle sorglos und ungeniert: Wir fanden, das hätten wir verdient, etwa so, wie der Ex-Finanzminister findet, er hätte sich die Fortzahlung seines Ministergehaltes verdient: In beiden Fällen weiß hinterher  keiner mehr so recht, warum eigentlich.
Aber jetzt  ist die Epoche des ökologischen Unrechtsbewusstseins angebrochen, und am Programm stehen viele Gewissenbisse über den eigenen Beitrag am Ruinieren von Natur und Ozonschicht. Und eine allgemeine Schärfung des Bewußtseins für die individuelle Partizipation an der drohenden Klimakatastrophe. Die Briten etwa wollen Lebensmittel, die per Flugzeug transportiert wurden, künftig mit einem  Pickerl  markieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ listete die CO2-Folgen alltäglicher Aktivitäten und ihrer umweltschonenderen Alternativen minutiös in Gramm auf;  viel Futter fürs eigene Schuldgefühl.
Klimaschutz ist jetzt sexy, was sich bitte unbedingt auf den Stadtverkehr auswirken soll: Ein paar Prozent mehr Radler würden nämlich auch Wien sexier machen.
15.03.07

Unverdrechselbar

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

 Heute: Unerfreuliches aus der Welt des Konsums. Frau T. war  mit einer Freundin aus, was an sich noch nicht  unerfreulich ist. Die Damen hatten ein Ziel, das Cafe Drechsler. Endlich wieder mal im  Cafe Drechsler sitzen, endlich das neue Cafe Drechsler sehen, das nach seiner Schließung ja lange  leerstand, und dann zu jedermanns Verblüffung nicht von einer Fastfood-Kette, sondern von Leuten übernommen wurde, die Respekt vor dem Kaffeehaus im Allgemeinen und dem legendären Drechsler  im Speziellen  zu haben schienen, sowie das Kapital, es mit Hilfe eines gefeierten britischen Architekturbüros zu erneuern und auf zeitgemäße Weise weiterzuführen
Oder et was in der Art, wie die Freundinnen feststellen mussten, nachdem sie sich an einem Samstag Abend im Drechsler getroffen, dort gegessen, getrunken und sich „im neuen Ambiente sehr wohl gefühlt“ hatten. Ziemlich genau bis 22 Uhr.
Ziemlich genau um 22 Uhr sei ein Kellner an den Tisch gekommen und habe gefragt, ob man noch etwas zu konsumieren wünsche, was die Damen abschlägig beschieden, worauf der Kellner augenblicklich die Rechnung  auf den Tisch gelegt und noch einen schönen Abend gewünscht habe. Das verwirrte die Freundinnen. Sie wollten wissen, ob das ein Rausschmiss sei, worauf der Kellner stereotyp geantwortet habe, wenn die Damen nichts mehr konsumierten, wünsche er ihnen einen schönen Abend, was die Damendanach vor lauter Zorn nicht mehr hatten.
Denn das ist nun so überaus undrechslerisch, so gar nicht Wiener Kaffeehaus, so uncharmant effizienzorientiert, dass man befürchten muss,  das gute, alte Drechser sei vielleicht doch dem turbokapitalistischen Schnellimbiss-Prinzip zum Opfer gefallen: Es hat sich nur fein gemacht.
14.03.07

Geld ist mir wurscht

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Das sagte Karl-Heinz Grasser im SonntagsKURIER-Interview: „Wenn man weiß, dass man sich mit mehr und mit weniger Geld sehr glücklich fühlen kann, dann ist dieses Geld eigentlich bedeutungslos.“
Ich versuche gerade mir vorzustellen, was sich ein Karl-Heinz Grasser unter „wenig Geld“ vorstellt, weil ich glaube, dass er davon keine Ahnung hat.  Brauchen Reiche  auch nicht: Sie sollen ihr Jet-Set-Leben führen in Kitzbühel oder sonstwo,  in Capri und der Karibik von Jachten hüpfen,  mal eben ein paar Tausend Euro für Wein im Restaurant oder ein Adoptivkind im Entwicklungsland  ausgeben, bei den Modeschauen in Paris, New York und Mailand dekorativ in der ersten Reihe sitzen, Maybachs und Ferraris fahren,   Haute Couture an makellosen Körpern tragen, ihre Kinder in  Schweizer Internate stecken, in eigenen oder geborgten Privatjets nach Mailand in die Oper  fliegen, mit den anderen Reichen prestigeträchtige Sportarten ausüben und Oldtimer-Rennen fahren.
Aber nie sollen sie sich  anmaßen, sich vorstellen zu können, was es bedeutet,  wenig oder kein Geld zu haben. Nie sollen sie von der Bedeutungslosigkeit von Geld faseln, weil sie  keinen Tau davon haben, was arm sein bedeutet. In Österreich heißt es, in  einem Haushalt mit einem Einkommen unter 848 Euro zu leben, ein Betrag, den der Durchschnittsreiche pro Monat vermutlich für die Esstischdeko ausgibt.
Ob Grasser sich mit 848 Euro im Monat „sehr glücklich fühlen“ würde, wage ich zu bezweifeln. Mehr als eine  Million Österreicher müssen aber mit diesem Betrag oder weniger überleben: Wohnung, Essen, Mobilität, Kleidung, Kinderbetreuung; Kurse,  Sport, Spiel. Ja, Geld ist völlig bedeutungslos, wenn man genug davon hat.
14.03.07

Jaaa, suuuuuper

| Comments (2) | 03/07 | Falter-Kolumne

Jetzt ist der Eislaufplatz endlich weg, und das ist gut, denn ich muss nicht mehr mit den Kinder eislaufen gehen und Sie können mich nicht mehr dabei betreten, wie ich vor dem Langen knie und ihm die Schuhe zubinde. Die öffentliche Brutalfeministin als private Dienerin des Herrn, das hätte Ihnen gefallen. Trotzdem führe ich zu meiner Verteidigung an, dass ich das nicht immer mache. Tatsächlich habe ich es nur dieses einzige Mal gemacht, denn der Lange hatte Hexenschuss und litt außerordentlich, woran ich unschuldig war, aber daran, dass er jetzt immer noch Hexenschuss hat, bin ich schuld, was das Leiden des Langen verschlimmert und verlängert. Ich bin schuld, denn ich hatte ihn zum Eislaufen gezwungen, ungeachtet der Tatsache, dass er es nicht kann. Was ich tatsächlich vergessen hatte, oder verdrängt, um mir den Albtraum zu ersparen, allein mit zwei eislaufunkundigen, aber unermüdlichen ... weiter lesen ...
11.03.07

Betrifft: Hundehaltung

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Schreiben vom  7.2. 2007 „an die Mieter des Hauses 19., Krottenbachstrasse 122.
Betrifft: Hundehaltung.
Liebe Hundehalter und Tiefreunde! Die meisten Hundebesitzer befolgen gewissenhaft die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Hundehaltung. Leider gibt es immer wieder Grund zu Beschwerden und Unmutsäußerungen. Ein paar Richtlinien helfen, dem vorzubeugen und das Zusammenleben von Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern zu erleichtern:
- Achten Sie darauf, dass Ihr Hund seine Notdurft nicht auf dem Gehsteig oder den Gehwegen des/des Wohnhaus/es/anlage, sondern im Rinnsal verrichtet.“
Es folgen drei weitere Punkte, Dank fürs Verständnis, und Hoffnung auf „Ihre Mithilfe, die Lebensqualität unserer Stadt für alle Bewohner zu erhalten! Mit freundlichen Grüßen, Ihre Hausverwaltung Stadt Wien - Wiener Wohnen.“
Danke, Leser D., für dieses schöne Schreiben, in dessen Licht  die putzige Gackerl-Sackerl-Kampagne der Stadt Wien, durch die Wiener Hundehalter endlich begreifen sollen, dass es   verboten und verantwortungslos ist, den Kot ihrer Hunde egal wo liegen zu lassen, nur noch wie Hohn wirkt. Die selbe Stadt Wien fordert die Gemeindebau-Hundehalter  dezidiert dazu auf, ihre Hunde ins  „Rinnsal“ koten zu lassen: Worunter das Österreichische Wörterbuch einen „schmalen Wasserlauf, dessen natürliches oder künstliches Bett“ versteht. (Vielleicht mit  kleinen Brücken für kotfreies Queren mit Kinderwägen, Rollern und Rädern, was man auf Wiener Straßen aber eher selten vorfindet.)
Es ist  also eine Aufforderung, Hunde auf  die Straße scheißen zu lassen. „Nimm ein Sackerl für dein Gackerl?“ Davon ist in dem Schreiben nicht die Rede; nicht ein einziges Mal.
09.03.07

Danke für die guten Wünsche

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Wenn Anfang Februar ein Packerl von der Familie eintrifft, weiß ich, aha, ich habe wieder Namenstag. Wenn Anfang März plötzlich deprimierende Statistiken über Fraueneinkommen erscheinen, wenn  selbst Boulevardblätter, die Frauen sonst bevorzugt mindertextiliert zeigen, sich überraschend für mehr Gleichberechtigung stark machen, und wenn  ich auf meiner Mailbox eine Anfrage zur Teilnahme an einer ZiB-Diskussion vorfinde, dann weiß ich, aha! Es muss wieder Frauentag sein.
Kurz überlegte ich, diese Frauentag-Kolumne erst übermorgen zu schreiben, weil was wäre passiert? Man hätte mir verwundert den Vogel gezeigt,  der Frauentag ist ja  vorbei; für die nächsten 364 Tage ist alles besprochen. Genau das ist das Problem mit dem Frauentag.
Das einzige, was den Frauen wirklich nützt, sind, wie sich immer mehr zeigt, Frauen in Positionen, in denen sie dafür sorgen, dass sich die ganz normalen Lebensumstände, die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeits- und  Rahmenbedingungen von Frauen verbessern:  Managerinnen, Direktorinnen; Familienministerinnen, Wirtschaftsministerinnen,  Finanzministerinnen, Kanzlerinnen.  Ziemlich für die Fisch dagegen, der ministerialisierte Frauentag praktisch, sind  isolierte Frauenministerien ohne Budget: Viel irrsinnig guter Wille, viele schockierende Statistiken, viele wahnsinnig wichtige Worte,  total viel Zustimmung, keine Kompetenz.
Seit ich ein großes Mädchen bin, und das bin ich jetzt schon lang, höre ich etwa von SPÖ-Frauenministerinnen die dringliche Forderung nach mehr Kinderbetreuungsplätzen. Ich hörte sie von Dohnal, Konrad und Prammer, was so viel genützt hat, dass ich sie  von Bures nun wieder höre. Und natürlich  um den Frauentag rum: Danke, ganz lieb! Morgen ist eh wieder alles super.
08.03.07

Sehr geehrter Herr Minister Pröll!

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Mit großem Interesse vernahm ich dieser Tage Ihren Vorschlag, die Österreicher sollten   auf Fernreisen mit dem Flugzeug verzichten. Bravo! Ja, an die Selbstverantwortung der österreichischen Bevölkerung muss man appellieren, auf dass dieser endlich bewusst werde, wie sehr  der Einzelne  für Erderwärmung und Klimawandel mitverantwortlich ist. 
 Zudem liegen Sie mit Ihrer mutigen Verkündigung unbequemer Wahrheiten perfekt im Trend: Erst vergangene Woche erhielt der amerikanische Ex-Vizepräsident Al Gore einen „Oscar“ für seinen Film „Eine unbequeme Wahrheit“: Klimaschutz kleidet den politischen Herrn von heute  ungemein, und zwar, wenn ich das sagen darf, gerade auch Sie, geschätzter Herr Minister. Dass dem braven Herrn Gore nun vorgeworfen wird, er lebe in einem großen Anwesen mit beheiztem Pool  und fliege gern mit großen Privatjets herum, finde ich  ungeheuer ungerecht.
Denn selbstverständlich ist die Mobilität mancher Menschen gemeinwohldienlicher als die anderer.   Es käme mir also nie in den Sinn, Sie, werter  Herr Minister, zu fragen, wie Sie so leben, heizen und reisen, und ob Sie per Dienstwagen, Öffi, Rad oder pedes in Ihr Umweltminister-Büro und von dort zu auswärtigen Terminen gelangen.  Schließlich haben Sie kürzlich mal erwähnt, Sie führen „so oft es geht mit dem Rad“, und wie oft es geht, geht mich nichts an. Oder welches Verkehrsmittel Sie am Wochenende zu Ihrer Familie  nach Niederösterreich bringt. Oder wie oft Sie   mit Flugzeugen in nahe- und an der Bahn gelegene Städte wie Salzburg, Innsbruck, Prag oder München  reisen, aus  der Flughafenperipherie abgeholt und mit dem Auto in die Innenstadt gefahren werden.
Aber interessieren täte es mich schon,
Ihre Doris Knecht
07.03.07

Gut, reden wir darüber

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Richter meint, und einige Leser  teilen bzw. bestätigen diese Einschätzung meines Freundes, ich überforderte viele Leute mit meinem Liberalismus in Sachen Homosexualität. Richter meint, wenn man, wie er, als Kind im Internat mitbekommen habe, wie dort Buben belästigt, vergewaltigt, kaputt gemacht wurden, habe man zu Homosexualität  eine andere Einstellung. Er sei, sagt Richter, deshalb nicht homophob; rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare: sofort. Aber dass sie Kinder adoptieren dürfen... hm. Damit habe er Schwierigkeiten. Er sei, als Freidenker und Realist, nicht stolz darauf, aber in seiner Normalität könne er das , wie andere eben auch, nicht ohne weiteres unterbringen. Ich sage: gut, Richter,  reden wir  doch darüber.
Ja, ich kann nachvollziehen, dass traumatische Erfahrungen zu  lebenslangen Aversionen führen können; wie bei Leser R., der als Junger  von Schwulen belästigt wurde und fortan sein Leben lang an Schwulenallergie laborierte. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass circa jede Frau irgendwann in ihrem Leben Opfer männlicher Belästigung wird, erträglich oder schlimm, aber die meisten Frauen schaffen es,  psychisch damit soweit fertig zu werden, dass der Männerhass sie nicht final ins Kloster treibt.  Und natürlich spricht  man, weil es viele  sexuell gestörte Kerle gibt,  heterosexuellen Männern nicht grundsätzlich die Fähigkeit ab,  ihre Kinder auf liebe- und verantwortungsvolle Weise  groß  zu ziehen.
Homosexuelle aber werden  für  Missetaten Einzelner generalbestraft; worüber man einmal reden sollte. Über die Diskrepanz zwischen den in diesem Zusammenhang gern strapazierten schöpfungsgeschichtlichen Männlein-Weiblein-Fortpflanzungsutopien und der Realität moderner Reproduktionsmedizin reden wir   dann ein ander Mal.
07.03.07

The Great Pretender

| Comments (0) | 03/07 | Falter-Kolumne

Ich hatte eine Frage an Philipp den Geschiedenen: Ist er glücklicher jetzt, nachdem er sich für die Scheidung und gegen die kleinfamiliäre Genießerspießerei entschied, die er zusehends nur noch im Zustand der Totalsomatisierung ertragen hatte? Nicht glücklicher, sagt Philipp der Geschiedene, nein, glücklicher nicht, aber das hänge damit zusammen,  dass Glücklichsein für ihn keine biographische Kategorie sei. Aber sein Unglück fühle sich nun authentischer an; er könne mit seinem Unglück allein besser umgehen. Das exhibitionierte Familienglück mit all den Insignien der Einheit und Vollständigkeit habe ihn durchaus kurzfristig abzulenken vermocht, aber ständig sei er wie verkatert daraus erwacht, was nichts mit Substanz-Zufuhr zu tun gehabt habe, sondern damit, dass Familienglück auf ihn wie Fusel gewirkt und ihn deppert gemacht habe, wie aus einem Schnapstraum sei er daraus herausgeschossen, ganz ernsthaft mit Herzklopfen und dem Gefühl, dass das nicht er, Philipp, sondern ein Traum-Philipp sei in einer Traumexistenz aus Liebsein und Schönwaskochen und dem tödlichen Frust von Drei-Sterne-Hausfrauen, wenn das Soufflee zusammenpappt sei und mit einem Preisleistungsverhältnis zu edlen Weinen. Grauenhaft, grau-en-haft!; leider war es sein Dasein. Das habe er irgendwann ... weiter lesen ...
04.03.07

Echte, ehrliche Handarbeit

| Comments (0) | 03/07 | Kurier-Kolumne

Es ist ein schönes Gefühl, wenn man bei einer alten Mission endlich auf Verbündete trifft; besonders wenn sie so  seriös sind wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die sah sich  in ihrer letzten Ausgabe unter dem Titel „Der Herrenwitzbold“ veranlasst, „Wetten-dass...?“-Moderator Thomas Gottschalk „endlich mal gewaltig auf die Finger“ zu klopfen, weil es nicht sein könne, „dass  man sich nur als Freak verkleiden muss, um das Betatschen schöner Frauen vor  zwölf Millionen Zuschauern als gesellschaftsfähiges Verhalten zu etablieren.“ Genau.
 Heute Abend ist wieder „Wetten dass...?“,  ich werde, Faszination des Gruselns, wieder reinspähen und mich wieder fragen, ob wir in der Evolutionskette nicht schon viel weiter waren. Und warum weibliche Superstars, die 1000 Mal be-rühmter sind als  Gottschalk, sich  sowas gefallen lassen.
Vielleicht, weil sie vor lauter Überrumpelung einfach nicht glauben können, was ihnen hier an Frechheit geschieht. Realitischer aber ist, dass Gottschalks Handarbeit  als  Handel betrachtet wird, als eine Art sozial anerkannter Prostitution light: sowohl von den Frauen, die Gottschalk die Gefälligkeit erweisen, ihm nicht in die Fresse zu hauen, wenn er sie ausgreift, wie auch von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die  Gottschalk das Bor... äh Forum zum Ausleben seiner Phantasien zur Verfügung stellen. Und davon profitieren.
Weil das ist ja so witzig! Und charmant! Nein,   ist es nicht. Die FAS nennt es „sexuelle Belästigung“ und konstatiert, „Gottschalks Verfehlungen“ seien „keine dumme Angwohnheit, die er sich abtrainieren könnte“, sondern der Ausdruck eines antiquierten Verständnisses von Unterhaltungsfernsehen. Das er auch heute wieder zur Schau stellen wird, Hand aufs Herz.
02.03.07

Oben schön, unten Flokati

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Oben ist das Stadthallenbad ist unter den öffentlichen Dädern eines der schönsten:  Durch die kühne Deckenkonstruktion aus roten Stahlträgern und Glas fällt üppig das Tageslicht, das Becken ist lang, das Bad wirkt, obwohl  über 30 Jahre alt, immer noch modern. Also oben.
Leider hat der berühmte, 2004 verstorbene Architekt Roland Rainer, nach dessen Plänen das Bad  zwischen 1972 und ’74 errichtet wurde, entweder fix damit gerechnet, dass bald alle Wiener Schulen eigene Hallenbäder haben würden. Oder er ahnte einfach nicht, dass im 21. Jahrhundert alle Mädchen zwischen drei und 18 dem Prinzessinnenlook verfallen und ihre Haare popolang tragen würden. Kurze Haare sind bei Teenagerinnen eindeutig nicht mehr angesagt, wie ein Lokalaugenschein im Stadthallenbad zeigt.
Der beweist weiters,  dass Frisurentrends in der Stadtplanung unbedingt berücksichtigt werden sollten.  Im Stadthallenbad  wandert man über eine Fliesenserpentine aus der prächtigen Halle in den brutal schlichten den  Bauch des Bades, und watet dort unweigerlich durch einen dicken Damenhaar-Flokati. So fleißig können die Kittelschürzendamen  gar nicht kehren, dass es einem die Mädchenfrisuren nicht in Büscheln um die Zehen wickeln würde.
Immerhin hat man, während man entweder auf eine freie Dusche (1972 fand man: ca . 20 Duschen sollten für ein Volksbad reichen; 2007 findet man: es macht nichts, wenn davon drei oder vier kaputt sind) oder einen Platz unter dem  großen Rohrfön wartet, genug Zeit, sich die Schülerinnen-Haartrachten aus den Zehenzwischenräumen zu kletzeln. Was exakt so grauslich ist, wie Sie es sich jetzt gerade vorstellen. Unten ist das Stadthallenbad eines der unschönsten.
01.03.07

Wie man eine Frau befriedigt

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Kürzlich lief eine dieser vielgelobten dänischen Krimiserien, in denen die Polizisten und Polizistinnen, während sie brutale Morde bearbeiten, ständig Beziehungsprobleme besprechen, mit Einsamer-Wolf-Ermittlern und schicken, hantigen Polizeichefinnen. In dieser hatte  der  Einsame Wolf  eine Affäre mit der schönen Ermittlerin, und die  Polizeichefin stand vor der Pensionierung. Also nahm sie sich die schöne Ermittlerin zur Brust und machte ihr klar, dass sie gute Chancen auf ihre Nachfolge habe, aber sie solle sich doch endlich einen soliden Kerl finden und sich ein paar Kinder machen lassen, denn „in diesem Job kannst du nur Karriere machen, wenn du auch einen Ausgleich hast“.
Soll heißen: glückliches Familienleben und berufliche Selbstverwirklichung, das macht man am besten gleichzeitig. Da schlenkert unsereins natürlich mit den Ohren, weil: sapperlott! Ist das überhaupt erlaubt? Die Frage drängt sich auch angesichts der Leserbriefe zur deutschen Krippendebatte gestern im KURIER auf, in denen fast durchwegs die Ansicht vertreten wurde, ein Kind, das die ersten drei Lebensjahre nicht ausschließlich von seiner Mutter (zur Not: vom Vater) betreut werde, nehme irreparablen Schaden. Was die Kinderpsychologie nicht bestätigt.
Gesellschaftlicher Konsens herrscht dagegen darüber, dass nicht genug Kinder geboren werden und der Kinderwunsch der jungen Frauen dringend irgendwie angezwirbelt werden sollte... aber wie? Viele fänden es halt immer noch am pragmatischsten, wieder allen Frauen ein unbezahltes Vollzeit-Hausfrau-und-Mutter-Modell als total befriedigend schmackhaft zu machen, das spart Steuergeld und  Arbeitsplätze. Aber, wie auch CDU- und ÖVP-Frauen klar machen: Die 1950er Jahre sind nicht nur lange vorbei; sie sollen es auch bleiben.
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