31.03.07

Gefährliche Wünscche

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Eine Kurzmeldung auf der „Aus-aller-Welt“-Seite der VN: In Neuseeland demonstrierten Tausende Eltern für das Recht , ihre Kinder weiterhin ohrfeigen zu dürfen: Selbst Kinder demonstrierten gegen ein geplantes Gesetz marschiert, das ihre körperliche Züchtigung durch Erwachsene verbietet. Noch eine VN-Nachricht, diesmal  aus dem Lokalteil: In Feldkirch wurde eine 35jährige Frau  verurteilt, weil sie ihre kleinen Töchter immer wieder mit   Schuhen, Besen und Gürteln verprügelt hatte.
Und eine weitere aktuelle Meldung, ich weiß nicht mehr, woher: 5400 Ehrenmorde wurden in der Türkei in den letzten fünf Jahren an Frauen verübt. Das sind 1080 Morde im Jahr, das sind fast drei Türkinnen täglich,  die von Mitgliedern  ihrer Familie, von Vätern, Brüdern, Cousins und Onkeln umgebracht werden,  weil sie in deren Augen unziemlich lebten. Drei  erschlagene, erschossene, erwürgte Frauen und Mädchen jeden  Tag; in einem Land, das Mitglied der EU werden will.
Die Neuseeländer sind der Meinung, der Staat mische sich mit dem Ohrfeigen-Verbot ungebührlich in Familiensachen ein: Es gibt in Österreich nicht wenige Erziehungsberechtigte, die diese  Ansicht voll und ganz teilen und sich die Freiheit wünschen, ihren ungezogenen Fratzen auch mal mit ein paar Watschen zu zeigen, wer der Sheriff im Haus ist. Eine Ohrfeige hat ja noch keinem geschadet.
Aber wenn der Staat sein Gewaltmonopol auch nur ein bisschen lockert, wenn er den Bürgern, den Müttern, den Vätern, den Brüdern und Onkeln erlaubt, das Recht und das Recht auf Gewalt auch nur ein bisschen selbst in die Hand zu nehmen: Wie weit ist es dann noch bis in die Türkei? Es gilt die alte Warnung: Immer aufpassen beim Wünschen. Es könnte in Erfüllung gehen.
30.03.07

Ein Leben nach dem Plastiksackerl

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Als im November aus Paris zu vernehmen war, dass dort schon 2007 alle Plastiksackerl verboten würden, um jährlich 8000 Tonnen schwer belastenden Müll zu vermeiden, klang das wie eine Nachricht von einem anderen Planeten: Äh? Wie soll das funktionieren, ein Leben ohne Plastiksackerl? Wie tragen wir unsere Einkäufe, wie wiegen wir Obst, worin verpacken wir Lebensmittel?
Vier Monate und eine  volksübergreifende Klimawandel-Gehirnwäsche später klingt die gleiche Nachricht, diesmal aus San Francisco, ganz vernünftig: Dort hat der Stadtrat vorgestern das Verbot von Plastikeinkaufssackerln beschlossen: 180 Millionen dieser dünnen Sackerl werden von den Supermärkten in San Francisco jährlich zum Einkauf verschenkt. Das wird sich ändern: Künftig dürfen nur noch Papier- und Stoffsäcke abgegeben werden. Der feine leichte Kunststoff,  den der Wind  von den Müllhalden in die Luft und in  Bäume trägt und der die Meere nachhaltig verschmutzt (in einer Küstenstadt ist man da wohl sensibler), soll verschwinden.Für immer.
In Wien ist  außer grünem  Wünschen und vagem roten Absichtserklären  bisher nicht viel passiert. Höchstens in den Köpfen, wenn ich ausnahmsweise meinen Kopf als exemplarisch für die österreichischen hernehmen darf: Jedes neue Nylonsackerl erzeugt bei mir mittlerweile schlechtes Gewissen. Wenn ich im Supermarkt Gemüse in Sackerl packe oder Einkäufe, für die meine Bürotasche zu klein ist: automatisch Schuldgefühle. Seit neuestem finden sich deshalb in dieser Tasche stets  drei leichte Einkaufsnetze (solche wie in den 1970ern;  habe ich bei einer  Wiener Parfümeriekette endlich wieder entdeckt). Und  da schau her: Es gibt ein Leben neben dem  Sackerl. Nicht immer ganz erfolgreich; aber immer öfter.
29.03.07

Nicht selten nur ein Unfall

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Sie ist der sicherste und der gefährlichste Ort der Welt. Eine zu haben kann ein Segen sein, für viele ist es ein lebenslanger Fluch.  Sie kann ein Kraftwerk für Unmengen von Liebe sein, und für  unfassbar viel Hass und  Gewalt. Sie macht Menschen stark und sie zerstört sie für immer.Die Familie ist die beste und die furchtbarste gesellschaftliche Einheit.
Konservative Politik neigt dazu, das Vater-Mutter-Kinder-Familienidyll zu glorifizieren, es unterm Glassturz beschützen zu wollen. Aber ständig muss man sich fragen, ob die Familie als  gesellschaftliche Basisorganisation noch funktioniert.Ob Familie nicht oft nur ein Zufall ist und nicht selten ein unglücklicher. Ein Unfall.
In Wien wurde letzte Woche ein Vater von seiner Frau, seinem Stiefsohn und seiner Schwiegermutter in einer Gewaltorgie umgebracht: Die Tat läßt ahnen, dass ihr ein wenig glückliches  Familienleben voranging. In Deutschland haben ein 33jähriger Vater und eine 21jährige Mutter ihre 14 Monate alte Tochter verhungern und verdursten lassen; als der Mutter am Samstag etwas merkwürdig vorkam und sie mit ihrer Tochter zum Arzt ging, war das Kind bereits tot. Es spricht nicht unbedingt für die Familie als soziale Zelle, wenn manche ihrer Mitglieder  nicht einmal bemerken, dass andere nicht mehr am Leben sind. 
 Ist die Familie so kaputt, weil eine verrohte oder gleichgültige  Gesamtgesellschaft  keine regulierende,  reparierende Wirkung mehr auf ihre kleinsten Zellen hat? Oder sind schon so viele dieser Zellen zerstört und funktionsuntüchtig, dass darüber ganze  Bevölkerungschichten  verwahrlosen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Wir haben wohl nichts Besseres als die  Familie: Aber wir müssen sie besser machen. Und sicherer.
28.03.07

Wie man Gäste glücklich macht

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Dem Manfred Stallmajer könnte das egal sein. Der führt das spitzenfeine, von Stars bevorzugt beehrte Hotel „Das Triest“, und sein neues Projekt, das kürzlich frisch renoviert wiedereröffnete Cafe Drechsler ist, was man so hört, ungefährt 23 Stunden am Tag  vollbesetzt. Dem Manfred Stallmajer könnte es (und dem durchschnittlichen Wiener Wirt wärs das) komplett egal sein, dass dort zwei  von circa 100.000 Gästen unzufrieden raus sind; Schicksal, schmecks.
Es ist ihm nicht egal. Kürzlich berichtete ich in dieser Kolumne von zwei Frauen, die im neuen Drechsler gegessen und getrunken hatten und, als sie danach nichts mehr bestellen wollten , vom Kellner freundlich hinauskomplimentiert wurden. Ich benutzte  dabei  die Worte „Turbokapitalismus“ und „Schnellabspeis-Prinzip“,  und kurz danach  rief mich Drechsler-Wirt Stallmajer an und drohte mir nicht mit seinem Anwalt. Sondern er  meinte extrem freundlich, dass er die Sache aufklären wolle, weil er das Drechsler sehr wohl als ein typisches Kaffeehaus inkl. aller gemütlichen Wiener Kaffeehaus-Eigenschaften  führen wolle. Er glaube, es handle sich um ein Missverständnis, ob ich ihm bitte einen  Kontakt zu dieser Dame herstellen könne. Ich konnte, und Stallmajer rief sogleich die Frau an, ließ sich die Geschichte nochmal erzählen, recherchierte   im eigenen Haus, fand heraus, dass es sich um ein Schichtwechsel-Kommunikationsproblem gehandelt hatte, kontaktierte die Dame abermals, entschuldigte sich und lud die zwei Frauen ins Drechsler zum Essen: Um den einen schlechten Eindruck  ganz auszuradieren. Was ihm gelang: Die Kundin ist, wie sie mir sagte, von dieser Reaktion höchst angetan.
Ich bin auch beeindruckt von diesem extrem unwienerischen Service-Verständnis: Respekt. Das darf sich in Wien ruhig  durchdrechseln.
25.03.07

Teuflische Vorfreude

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Freu ich mich schon auf den Song Contest. Dem Song Contest haftet seit jeher das Skurrile an, was heißt: Er lebt davon, dass er eine völlig bizarre Veranstaltung ist, ein Lieder-Wettbewerb  vollgepackt mit Beiträgen und Teilnehmern, von denen der Großteil am freien Markt nicht den Hauch einer Chance hätte. Vermutlich ist das der Grund für seinen Erfolg, und am besten lässt sich die Faszination an den Exponaten des Songcontests mit jener an den  Präparaten im Wiener Narrenturm vergleichen: Es ist entsetzlich, es ist grauenhaft, es wird einem fast übel, aber man kann den Blick von dieser Konzentration künstlerischen Grauens und choreographischer Brutalität einfach nicht abwenden.
Leider kommen immer mehr Rundfunkanstalten auf die öde Idee, richtige Musiker zum Songcontest zu entsenden. Der ORF glücklicherweise nicht. Aber die Schweiz, die ja mit der historischen Schuld leben muss, via Songcontest die singende Telefonstörung Celine Dion über die Welt  gebracht zu haben, schickt heuer DJ Bobo.
Wogegen in der Schweiz jetzt schon  30.000 Unterschriften gesammelt wurden: Denn DJ Bobo versetzt die Schweizer mit einem Vampirsong mit dem traumatisierenden Refrain „Vampires Are Alive“ in Angst und Schrecken: uhuhu! Aber mit Okkultismus und Satanismus sei nicht zu spaßen, sagen die Initiatoren dieser gespenstischen Aktion, denen offenbar bislang entgangen ist, dass DJ Bobo in der Rangliste der teuflischsten Popikonen den ungefähr sechsmilliardsten Platz hält: Knapp hinter dem österreichischen Teilnehmer, den der ORF zu einem großen internationalen Bewerb schickt, nachdem er eher zeitig aus einem kleinen nationalen flog. So eine teuflische Logik. Typisch Songcontest. Ich freu mich schon so.

 

23.03.07

Weiterzählen lieber später

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Von Anfang an hatte  man bei dieser Regierung ein ungutes Gefühl, und es hält an. Es begann mit gebrochenen SPÖ-Versprechungen,  es ging weiter mit  kämpferischen Ansagen, die eine nach der anderen  zermalmt wurden wie eine Rigipswand unter einem Vorschlaghammer.  Die Notwendigkeit der Erbschaftssteuer: Von Kanzler wie Präsident ins mediale Schaufenster gestellt, in das der Koalitionspartner keine drei Tage später einen schweren Stein warf; Totalschaden. Der Eurofighter-Ausstieg: Im Wahlkampf  versprochen, zu  Regierungsbeginn als Primär- Projekt forciert,  jetzt  von einem traurig blickenden Verteidigungsminister endgültig im Daraus-wurde-leider-auch-nichts-Schrank verräumt. 
 Wenn der Kanzler heute sagt, der Verkauf von Böhler-Udeholm an die britische CVC „wäre eine Katastrophe“ muss man  damit rechnen, dass er  eventuell übermorgen die positiven Seiten einer derartigen Übernahme  nicht übersehen kann; und  vielleicht ist es ja nur ein Investoren-Streich. 
Das ungute Gefühl, das man von Anfang an bei dieser Regierung hatte, wird höchstens von der Resignation überdeckt, dass es vermutlich nicht besser,  konstruktiver oder harmonischer wird:  Das bleibt wohl eine Querelen-Legislatur, eine Heute-hier-morgen-dort-Hochschaubahnfahrt.
Einzig einige Frauen in dieser Regierung können sich immerhin dazu aufraffen, gemeinsame Ziele anzupeilen: Es passe zwischen sie und die Frauenministerin „kein  Blatt“, sagte die Familienministerin im KURIER. Das hört man gern; viel lieber als z.B. das ewige Gezanke, ob jetzt 45.000, 50.000 oder  100.000 Kinderbetreuungsplätze fehlten. Weil, Vorschlag, werte Ministerinnen: Schaffen Sie doch  die 44.000, über die Einigkeit herrscht, und zählen dann weiter: Da wär einmal etwas geschafft.
22.03.07

Sprechen Sie Denglisch?

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Sprachalarm in Deutschland, CDU-Politiker sorgen sich ums Deutsche: Die Durchseuchung mit englischen Begriffen  müsse gebremst, Regierung und Wirtschaft sollten ermuntert werden, in Gesetzestexten, Kampagnen und Gebrauchsanweisungen wieder  Wert auf eine verständliche, deutsche Ausdrucksweise zu legen. Der Vorstoß kommt periodisch, unberechtigt ist er dennoch nicht; und das gilt  nicht nur für Deutschland.
Folgende Begriffe sind einer dünnen Tageszeitungsfarbbeilage entnommen – einer österreichischen wohlgemerkt: Shoe-Addict, Fashion-Tempel, Location, Performance,  Leading Lady,  Life-Style-Queen, Learning-By-doing, Model,  Team,  Life & Style, Concept-Store, Streetwear, cool, sexy, Designer-Outlet, Shop, shoppen, Single, Weekend, Top-Label,  chatten, Fatburner,   Trends, Charts,  Patchwork-Familie,   Live-Show, Show-Start, Warm-Up,  backstage, Latin-Feeling,  Lover, Outfit, Tracks,  on air, TV-Movie, Comedy-Talk und natürlich Dancing Stars, die wunderbare Wortschöpfung des ORF.
Man braucht kein Purist zu sein, um dieses Denglisch, den auch bei Journalisten immer hipperen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, allmählich ein wenig scary zu finden. Ja, klar: Eine Sprache ist kein Museum, sie lebt, verändert und entwickelt sich durch die Einflüsse, denen sie ausgesetzt ist.   Die globale Kommunikation übers Internet erfordert eine global verbindliche Begrifflichkeit.
Was dazu führt, dass man schon ganz unbewusst ins Deunglisch fällt: bestellt in der Früh einen coffee-to-go, stresst sich in Job und  Meeting, strebt nach Work-Life-Balance,  geht lunchen, hält sich fit beim Workout, relaxt bei der Happy Hour  undflirtet beim Event. Schaffen wir überhaupt noch einen einzigen Tag ohne Denglisch? Einen  Versuch wär’s wert.
21.03.07

Ekle Sache, ekles Wort

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Einige Leserinnen und Leser sind der Meinung, es würde an dieser Stelle entschieden zu oft über die Wiener Hundekotproblematik geschrieben. Frau A. F. etwa ist empört, dass sie  hier das  Wort „Scheiße“ lesen musste. Dafür habe ich Verständnis; meine Kinder dürfen das Wort auch nicht benutzen.
Ich bin allerdings verwundert, dass es zwar nicht akzeptabel scheint, über dieses Wort zu stolpern –  in  die Sache, die das Wort benennt, dagegen schon. Und dieses  grausige, stinkende, gesundheitsgefährdende Material unter Schuhen, Kinderwagenrädern und Gehstöcken ist, so unschön das in sensiblen Ohren klingen mag: Scheiße. Und viele wohlerzogene Menschen, denen das ekle Wort nie nie nie über die Lippen käme,  finden nichts dabei, ihre Hunde   auf Gehsteigen, vor Läden und Schulen, Entschuldigung: scheißen zu lassen,  und diese, Verzeihung, Scheiße  nicht zu entfernen.
Ich kann es  einfach nicht mit eleganten Worten beschönigen, wenn mir meine Tochter, wie  erst letzten Sonntag wieder, auf einem eingezäunten Kinderspielplatz ihren, excuse me, hundescheißeverschmierten Fussball in ihren, tut mir leid, hundescheißeverschmierten Kinderhänden entgegenhält. Solange es in Wien Hundehalter gibt, die ihre Tiere ungeniert überall, selbst auf Kinderspielplätze und so auf Kinder und in Kinderhände, sorry, scheißen lassen, und so lange all das nicht spürbar bestraft wird: So lange  muss es ausgesprochen werden.
Glauben Sie mir, das macht mir auch  keine Freude. Aber ich will will will keinen Hundekot mehr von meinen Kindern wischen; und das halte ich für ein vollkommen berechtigtes Anliegen. Solange das Problem da ist, wird es benannt werden: Denn es ist, excusez-moi, Scheiße.
16.03.07

Ich bin sexy

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Meine Neugier an der persönlichen Energiebilanz des Umweltministers blieb bislang unbefriedigt: Der Mann, der mich und den Rest Österreichs aufforderte, zum Zwecke des Klimaschutzes  keine Flugzeuge mehr zu benutzen, möchte nicht sagen, was er privat und beruflich so zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beiträgt. Muss er natürlich auch  nicht.
Jeder andere muss jetzt zumindest darüber nachdenken. Offenbar hat schlagartig das bewusster-Leben-Zeitalter angefangen, und  jetzt geht es nicht mehr um die Wellness des Individuums, sondern um die des Planeten. So soll es sein, denn ungeachtet einiger unermüdlicher Warner – bis eben hießen sie noch Ökoquerulanten, Umweltfetischisten, Biofreaks oder Strickpullovergrüne – lebten wir alle sorglos und ungeniert: Wir fanden, das hätten wir verdient, etwa so, wie der Ex-Finanzminister findet, er hätte sich die Fortzahlung seines Ministergehaltes verdient: In beiden Fällen weiß hinterher  keiner mehr so recht, warum eigentlich.
Aber jetzt  ist die Epoche des ökologischen Unrechtsbewusstseins angebrochen, und am Programm stehen viele Gewissenbisse über den eigenen Beitrag am Ruinieren von Natur und Ozonschicht. Und eine allgemeine Schärfung des Bewußtseins für die individuelle Partizipation an der drohenden Klimakatastrophe. Die Briten etwa wollen Lebensmittel, die per Flugzeug transportiert wurden, künftig mit einem  Pickerl  markieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ listete die CO2-Folgen alltäglicher Aktivitäten und ihrer umweltschonenderen Alternativen minutiös in Gramm auf;  viel Futter fürs eigene Schuldgefühl.
Klimaschutz ist jetzt sexy, was sich bitte unbedingt auf den Stadtverkehr auswirken soll: Ein paar Prozent mehr Radler würden nämlich auch Wien sexier machen.
15.03.07

Unverdrechselbar

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 Heute: Unerfreuliches aus der Welt des Konsums. Frau T. war  mit einer Freundin aus, was an sich noch nicht  unerfreulich ist. Die Damen hatten ein Ziel, das Cafe Drechsler. Endlich wieder mal im  Cafe Drechsler sitzen, endlich das neue Cafe Drechsler sehen, das nach seiner Schließung ja lange  leerstand, und dann zu jedermanns Verblüffung nicht von einer Fastfood-Kette, sondern von Leuten übernommen wurde, die Respekt vor dem Kaffeehaus im Allgemeinen und dem legendären Drechsler  im Speziellen  zu haben schienen, sowie das Kapital, es mit Hilfe eines gefeierten britischen Architekturbüros zu erneuern und auf zeitgemäße Weise weiterzuführen
Oder et was in der Art, wie die Freundinnen feststellen mussten, nachdem sie sich an einem Samstag Abend im Drechsler getroffen, dort gegessen, getrunken und sich „im neuen Ambiente sehr wohl gefühlt“ hatten. Ziemlich genau bis 22 Uhr.
Ziemlich genau um 22 Uhr sei ein Kellner an den Tisch gekommen und habe gefragt, ob man noch etwas zu konsumieren wünsche, was die Damen abschlägig beschieden, worauf der Kellner augenblicklich die Rechnung  auf den Tisch gelegt und noch einen schönen Abend gewünscht habe. Das verwirrte die Freundinnen. Sie wollten wissen, ob das ein Rausschmiss sei, worauf der Kellner stereotyp geantwortet habe, wenn die Damen nichts mehr konsumierten, wünsche er ihnen einen schönen Abend, was die Damendanach vor lauter Zorn nicht mehr hatten.
Denn das ist nun so überaus undrechslerisch, so gar nicht Wiener Kaffeehaus, so uncharmant effizienzorientiert, dass man befürchten muss,  das gute, alte Drechser sei vielleicht doch dem turbokapitalistischen Schnellimbiss-Prinzip zum Opfer gefallen: Es hat sich nur fein gemacht.
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