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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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29.06.07

Ich sehe was, was du nicht siehst

| Comments (1) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Heute: Gemischtwarenladen. Erstens nämlich verstehe ich als kleines Lieserl Österreicher folgendes nicht: Warum setzt die Regierung einen Eurofighter–Ausschuss ein, lässt den rund um die Uhr arbeiten, Zeugen im Dutzend befragen, penibel recherchieren und schließt dann, eine Woche, bevor der Ausschuss seine Ergebnisse vorlegt, einen fragwürdigen Handel  mit dem Eurofighter-Konzern ab?  Wozu ein teurer Ausschuss, wenn er  eh für die Würscht ist?
Zweitens: Liebe Gemeinde Wien, es ist überaus lobenswert, dass die MA 48 jetzt mit einer Extra-Eingreiftruppe gegen Müll-Sünder vorgeht, und dass die Hundstrümmerl-Liegenlasser endlichendlichendlich bestraft werden: spitze, wirklich; 1000 Dank. Aber muss diese Truppe  Waste Watchers heißen? Und Kehrforce? Hier wird mit Wortmüll gegen Realmüll vorgegangen: irgendwie inkonsequent.
Drittens las ich gestern auf orf.on gut gemeinte Urlaubsratschläge einer Medienpädagogin. Ich bin ja extrem medienkritisch bis komplett dagegen, wenn es um den TV- und Computerkonsum von Kindern und Jugendlichen geht. Und diese Dr. Ingrid Geretschlaeger rät, die eigenen Ruhebedürfnisse nicht zu befriedigen, indem man im Urlaub die Kinder vor TV und Gameboy verräumt: einverstanden. Aber: Werde der  Gameboy zuhause häufig benutzt, müsse er unbedingt mitgenommen werden. Warum? DVD-Player fürs Auto dagegen seien für sie „ein Horror“: Eltern sollten mit den Kindern lieber Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst spielen.  Offenbar hat die Dame noch nie eine neunstündige Autoreise mit  fadisierten Quengel-Kindern unternommen. Hätte sie, würde sie ihre Definition von Horror garantiert  überdenken.
28.06.07

Suchmodus-Nostalgie

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Weil ich schon wieder meine Telefonrechnung nicht aufgemacht habe, habe ich schon wieder den Zettel nicht gesehen, mit dem ich das Telefonbuch abbestellen kann,  habe ihn  wieder nicht ausgefüllt und  wieder nicht abgeschickt.
Also klingelt es  letzte Woche an meiner Tür, und ein Herr überreicht mir 3,5 Kilo Papier,  die ich so wenig brauche wie die 3,5 Kilo Papier, die ich schon habe, und nun besitze ich einen Sieben-Kilo-Klotz eng bedrucktes und völlig unnützes Papier: wie abertausende andere Wiener auch. Jetzt werden also mein und abertausende weitere Papiercontainer mit Millionen Kilo Telefonbuch extra belastet, tausende  48er riskieren ein Rückenleiden oder verschlimmern die Rückenprobleme, die sie eh schon haben beim Entsorgen von  Telefonbüchern, die niemand mehr  braucht, weil sich alle, die eine Telefonnummer brauchen,  längst im Internet informieren.
„Stimmt nicht!“, ruft der Kollege T., „ich brauch das Telefonbuch! Ich hab nämlich keinen Computer!“ Was insofern erstaunt, als der Kollege T. ein junger, mit den Raffinessen moderner Massenmedien wohlvertrauter Kollege ist, aber offenbar pflegt er auch auch einen Hang zu nostalgischen Such-Modi. Aber „Blödsinn!“ sagt auch mein Freund, der Horwath: Seine Mutter z. B. brauche das Telefonbuch notwendigst, sagt der Horwath, so wie die meisten anderen älteren Wienerinnen und Wiener so wie alle Leute auf dem Land. Weil der  Horwath sagt, die schauen  immer nur ins Telefonbuch und niemals ins Internet.
Na gut. Ich nehme zur Kenntnis, dass andere Leute das Telefonbuch brauchen, und ich halt nicht.  Und es ist voll und ganz meine Schuld, wenn ich’s trotzdem kriege. 


27.06.07

Zusperrstund is

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Eben bin ich die Ottakringer Straße entlang gefahren, und  dort gibt’s jetzt ein Lokal namens bellydance outlet. Ha-ha-Heiterkeit. Hält nur nicht lange: die Ottakringer Straße verkommt rasant. Ich hab dort ein paar Jahre lang gewohnt, und jedes Mal wenn ich   jetzt hin komme, entdecke ich neue Lücken: Der Billa hat zugesperrt. Der Libro hat zugesperrt. Die Computerfiliale vom Cosmos steht leer.  Sogar der Moneypoint, der einzog, wo zuvor eine Bank-Austria-Filiale zusperrte, hat zugesperrt. Wo die Post war ist jetzt ein Swingerclub. Wo früher eine Elektrohandel war, ist jetzt ein Wettlokal. Wo früher ein Friseur  war, ist jetzt noch ein Grill-Restaurant, neben all den Grillrestaurants und Kebab-Distribu-toren, die es eh schon gibt.  Und da wo jetzt das bellydance outlet ist, war früher, soweit ich mich erinnere, ein Installateurbetrieb.
In den Achtzigern und Neunzigern war viel von Stadtentwicklung die Rede, und damit war u. a. auch gemeint, dass eine Kommune aktiv dafür sorgt, dass in einer Stadt keine Gettos entstehen. Aber falls die Gemeinde Wien jetzt ausruft, was im Hintergrund alles gemacht und geplant würde, muss ich nach zehn  Jahren Ottakringerstraßenverfallbeobachtung einwenden: An der Benutzeroberfläche ist davon nichts zu spüren. Die Ottakringer wird immer mehr ein Balkan-Türkengetto.
Tun Sie mir jetzt aber nicht unterstellen,  ich  wolle in Ottakring und Hernals keine Ausländer haben: keineswegs. Es wäre für die Gegend aber wichtig, dass auch andere dort wohnen und  hinziehen wollen: weil es keinem Stadtteil gut tut, wenn es  keine Mischung mehr gibt, wenn alles fest in einer Hand ist. Das gilt übrigens vollinhaltlich auch für den Kohlmarkt.
27.06.07

Sag es mit Binder & Krieglstein

| Comments (1) | 06/07 | Falter-Kolumne

Diesmal sind wir einen halben Tag vor den Horwaths im Landhaus der Horwaths und hallo, ist der Garten grün. Fett. Alles explodiert in Blatt, Blüte und Frucht und, schau, die Ribisel sind auch reif, sie sind so reif und süß, dass sie die Kinder freiwillig mit vollen Händen in ihre Mäuler schaufeln. Wenn die Ribisel im Garten meiner Oma selig so reif war, plegte meine Oma uns Kinder und wen sie sonst erwischen konnte, mit Küberln zu behängen, und die Ribiseln wurden, bevor sie die Sonne vertrocknen und die Vögel fressen konnten, abgenommen, abgebeerlt, zu Marmelade verkocht, tschüss bis nächstes Jahr. Und weil ich so eine Streberin bin und immer die Suprigste und Patenteste sein will, nehm ich mir gleich ein Küberl und brock die Ribisel, und noch ein Küberl und noch eins, und während ich meinen Rücken trotz Hexenschusswarnung nicht schone, fühle ich mich unglaublich gut: Ich bin nämlich keine von denen, die ... weiter lesen ...
24.06.07

Es liegt was im Park

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Da schau her. Die machen also tatsächlich ernst. Und die kennen kein Erbarmen: Ich sitze am Rande des Burggartens und muss beobachten, wie harmlose Jugendliche und ermattete Touristen  gnadenlos vom Rasen verscheut werden.
Denn während die städtischen Parkrasenflächen nun für die naherholungsbedürftige Bevölkerung zum Besitzen und Beliegen freigegeben wurden, will man in den Bundesgärten ab jetzt   verstärkt gegen das Betreten der Grünflächen vorgehen. Und  wie ich sehe, schrecken die Wächter des Bundesrasens  nicht davor zurück, mit schwerem Gerät gegen unbefugte Rasensitzer vorzugehen: Die setzen doch tatsächlich Wasserwerfer ein.
Nein, Schmäh. Es ist der schwülste Tag des Jahres, der Tag, an dem später noch ein schreckliches Gewitter über der Stadt losbrechen wird. Aber noch brennt die Sonne wie blöd auf den Burggarten und die Gärtner stellen  Wassersprenger auf den Rasen, damits ihn nicht  verschmurgelt. Später bauen sie die Rasensprenger wieder ab, und das  Volk nimmt wieder Platz, einzeln und in Gruppen, da drüben sitzt sogar eine Lehrerin im Kreis kleiner Schüler, und soweit ich das beobachten kann, bleiben sie alle unbehelligt.
Soweit ich das beobachte, schmeißt momentan aber auch niemand mit Müll und Flaschen um sich, was der Grund für die neue Rigorosität  sein dürfte. Stimmt, ich habe selbst schon einmal den Burghauptmann angerufen, weil im und um den Sandkasten im Burggarten  massig Bierflaschenscherben lagen. Bloß werden die durch ein Rasenbetretverbot nicht weniger, außer man hängt noch ein Bankerlbesitzverbot dran. Aber dann könnte man den Park gleich schließen,  und das ist auch keine Lösung.
22.06.07

Grazil wie ein Nilpferd

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Bevor ich selbst ins Freibad rausche eine  kleine Freibad-Geschichte, die mir gestern von Gabriela S. zugetragen wurde. Gabriela S. hat dieser Tag wie praktisch alle anderen   Wienbewohner den Wunsch, ihren Körper in einem Becken mit kühlem Wasser zu versenken, und ihr Wunsch ist sogar noch ein bisschen stärker, denn sie ist ungemein schwanger. Also, vollkommen hochschwanger; und falls Sie das  auch einmal waren, wissen Sie, was  Hochschwangerheit  bedeutet: Man  ist so grazil und gelenkig wie ein Flusspferd, weshalb man  die physikalischen Eigenschaften von Luft sehr gerne mal  gegen jene von H2O tauscht, denn im H2O fühlt man sich vorübergehend gefühlte zwei  Tonnen leichter und… Ich denke, Sie haben’s kapiert.
So geht es Gabriela S. gerade, und deshalb begab sie sich  früh ins Schönbrunner Bad, bezahlte ohne zu murren 9 Euro für eine Tageskarte, schwebte wie schwerelos durchs Becken, war glücklich und stellte um die Mittagszeit herum fest, dass es im Schönbrunner Bad kaum Schatten gibt. Worauf sie es vorübergehend verließ.
Als sie mit ihrer Tageskarte in die Schwerelosigkeit zurückkehren  wollte, wurde ihr von der Dame an der Kasse beschieden, dass nur Jogger das Bad zwischendurch verlassen dürfen, was Frau S. Zustand allerdings ausschloss. Die Kassen-Dame  hatte kein Erbarmen; Frau S. folglich die Wahl, erneut Eintritt zu zahlen oder heim zu fahren, und sie fuhr wütend heim. Unter anderem, weil  sie, wie alle Schwangeren, über eine erbsengroße Blase verfügt, die dringend erleichtert werden wollte, wofür   vor dem Schönbrunner Bad kein Verständnis zu erwarten war. Gabriela S. jedenfalls schwebt künftig lieber anderswo.
21.06.07

Krawuzikapuzi

| Comments (2) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Wenn man in das Theater im Rabenhof geht, um sich das maschek-Puppentheater „Beim Gusenbauer“ anzusehen, erwartet man nicht unbedingt, dass  Jörg Haider auch da ist. Aber krawuzikapuzi: Das ist unzweifelhaft der Kärntner Landeshauptmann, der da in hübscher, junger Begleitung zweite Reihe Mitte sitzt. Grau ist er geworden, aber nicht weniger braun: Haiders Brasilien-Teint überstrahlt selbst das leuchtende Rosa seines Hemdes.
 „Beim Gusenbauer“ gehen alle Witze auf Kosten von SPÖ, ÖVP und KHG, was Haider  köstlich zu amüsieren scheint; logisch einerseits. Aber andererseits gehen „beim Gusenbauer“  alle Witze auf Kosten von SPÖ, ÖVP und KHG, was Haider furchtbar wurmen muss:   Es gibt in mascheks stets ausverkauftem Polit-Kaspertheater nicht nur keine Jörg-Haider-Puppe, Haider  ist überhaupt kein Thema. Offenbar spielt  Haider abseits der humoristischen Abweichung Villacher Fasching im politischen Kabarett keine Rolle  mehr:  das BZÖ ist außerhalb Kärntens selbst für einen Witz zu irrelevant.
Gusenbauer, Bures, Häupl,  Schüssel, Molterer, Khol, Grasser und  der Geist von Kreisky selig dagegen geben hinreißende Witzfiguren ab und werden von den drei  Herren von maschek erbarmungslos zerkasperlt. Und während der Kanzler bisher nur seine Lebensgefährtin in den Rabenhof geschickt hat, soll der Wiener Bürgermeister, der im Stück als weinseliger Rabiator dargestellt wird, sich erst  letzte Woche prächtig unterhalten haben und anschließend seiner Rolle auch hinter der Bühne überaus gerecht geworden sein. Haider  aber ist nach der Vorstellung gleich verschwunden.
20.06.07

Die Frage der Stunde

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Ich habe mir den Unmut einiger meiner Leserinnen und Leser zugezogen;  die meisten davon wohnen im Gemeindebau. Ich hätte, schreiben sie, keine Ahnung, wie es dort zugehe, welchen Belästigungen man ausgesetzt und wie hilflos man sei, wenn man eigene Rechte durchzusetzen versuche; zum Beispiel das Recht auf einigermaßen ungestörte Nachtruhe. Und wenngleich ich keineswegs in einem Elfenbeinturm am Cobenzl wohne, räume ich ein: Das stimmt.
Frau M. ist in einem Gemeindebau aufgewachsen, ihre Eltern leben noch immer da; aber das Leben habe sich massiv verändert: vor allem deshalb, weil so viele Eltern sich nicht um ihre Kinder kümmern, sondern sie, und diese Beschwerde findet sich in  praktisch allen Leserbriefen, von früh bis immer später in die Höfe zum Spielen und was auch immer schickten, auf dass sie nicht in den Wohnungen herum nerven. Das Problem sei, dass die Kinder dabei mit keinerlei Anweisungen zur Rücksichtnahme ausgestattet würden, ja das Wort gar nicht  kennten. 
Frau B. schreibt, „ja, wir waren auch einmal klein… mit dem feinen Unterschied, dass es Zeiten gab, wo Kindern noch mitgeteilt wurde, dass sie nicht allein auf der Welt sind“. „Es geht im Prinzip um unerzogene Kinder, denen man das aber nicht so sehr vorwerfen kann, wie deren Eltern“, schreibt Frau R. Und Frau M. erzählt von jenem Abend im letzten Herbst, als der Orkan Kyrill auf Wien zufegte und im Hof ihres Hauses trotz Sturmwarnung etliche Kinder spielten.  „Was ist bitte mit diesen Eltern los?“ fragt sie: Und das ist, angesichts immer mehr adipöser, komatrinkender, verwahrloster Kinder vermutlich die Frage der Stunde.
20.06.07

Minus 60 Punkte

| Comments (0) | 06/07 | Falter-Kolumne

Eben hab ich für mein Müsli eine Orange geschält, filetiert, kleingehackt und in den Mistkübel geschmissen. Ich war in Gedanken. Ich dachte über Schopenhauer nach, weil mich Honzo dieser Tage mit Aphorismen eindeckt, und in diesen ging es darum, dass einem beim Lesen die Arbeit des Denkens zum Großteil abgenommen werde, Lesen also eher dumm mache, womit Honzo mich zu beruhigen trachtete. Ich weiß aber, dass Honzo es nicht begrüßen wird, wie ich Schopenhauers Gedanken, wie Rainald Goetz in seinem Blog schreibt, „brutalisiert und auf die letzte Banalität runter-reduziert“ habe. Das schreibt Goetz aber über die Unfähigkeit eines Spiegel-Redakteurs, einen komplexen Sachverhalt wiederzugeben, und das lesen Sie bitte selbst nach, sowie alles, was Goetz  in den letzten Monaten geschrieben hat, und was ich jeden Tag wie süchtig einsauge, ohne dass es meine fortschreitende Verdummung aufzuhalten im Stande wäre. Ich glaube aber nicht, dass es Alzheimer ... weiter lesen ...
17.06.07

Jetzt klagen wir die Autos weg

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Wie man auf ein Kind schießt?“ greift Leser Hannes P. die im Titel meiner Dienstagskolumne formulierte Frage auf: „Ganz einfach – anlegen und abdrücken.“ Zum Glück waren nicht alle Reaktionen so beängstigend. Aber es ist eindeutig eine Konfliktfrage, welche Sorte  Kinderlärm wo und wann wie zumutbar ist.
  Besonders die Geräusche von Kindern in den Freibereichen der Wohnhäuser, in denen  das Schicksal sie aufwachsen lässt, sind  massiven Betrachtungsschwankungen ausgesetzt, und klar: Die Schichtarbeiterin reagiert auf Kindergebrüll im Hof naturgemäß sensibler als der Vater  zweier aufgeweckter Kleinkinder.
Wiederholt las ich aber: Wohnen Sie doch mal im  Gemeindebau /am Spielplatz /überm Ballkäfig! Wozu ich schon anmerken möchte, dass das G‘riß um Gemeindewohnungen offenbar so groß ist, dass  dafür, so las ich gestern, sogar  Wiener-Wohnen-Mitarbeiter bestochen wurden. Die meisten Leute ziehen also aus freien Stücken in eine günstige Gemeindewohnung. Die Überraschung darüber, dass es dort Nachbarn, auch  junge, gibt und dass sie Anzeichen von Vitalität zeigen, scheint mir ähnlich originell, wie jene von Leuten, die mit Glück eine  Wohnung am Park gefunden haben, und sich dann darüber wundern, dass daraus Parkbesuchergeräusche erklingen.
  Worauf sie  ihr Leben fortan der Aufgabe widmen,  Polizei und  Behörden auf die Nerven zu gehen, um diese Geräusche zu unterbinden.  Dieser Logik folgend könnten alle, die  an einer Straße zu wohnen kommen,  fortan versuchen, den Autoverkehr unterm Fenster wegen Unerträglichkeit wegzuklagen… Eben. Fortsetzung folgt jedenfalls..

 

15.06.07

Hegemoniekonflikt am Esstisch

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Lassen Sie uns das einmal veranschaulichen: 0,9 Prozent, das ist von 100 Kilo Kartoffeln ein knappes Kilo. Von 100 Kilo Biokartoffeln darf also ein fast ein ganzes Kilo gentechnisch versaut sein, um  trotzdem als bio zu gelten.
Der bisherige Höchstwert:  0,1 Prozent. Jetzt hat Österreich den Grenzwert für die unbeabsichtigte Gentech-Verunreinigung von Bioprodukten auf Vereinheitlichungsdruck der EU verneunfacht. Das sei aber,  wie der zuständige Mann im Gesundheitsministerium meint, „keine Abkehr von unserer Haltung, aber mit zu strengen Regeln wird sich kein Produzent mehr finden, der das Risiko für Bioproduktion auf sich nimmt“.
Sicher. Und mit zu laschen Regeln wird sich bald kein Konsument mehr finden, der die höheren Preise für bio in Kauf nimmt. Was letztlich wohl das Ziel der ganzen Aktion sein dürfte: Endlich mit dem um sich greifenden Bio-Blödsinn aufzuräumen, die Konsumenten wieder auf den von Agrar- und Nahrungsmittelkonzernen vorgesehenen Kurs zu bringen: Wir sagen dir schon, was du essen willst, und ein bisserl Gentechnik hat noch keinem geschadet. Also wird dafür gesorgt, dass  bio irgendwann nur mehr am Preis von nicht bio zu unterscheiden ist, auf dass der  Konsument endlich begreife, dass das eh nichts für ihn und billig besser ist.
Und  auch die lästigen Länder  werden so vielleicht allmählich kapieren, wie dumm es ist, stur auf  der Anti-Gentechnik-Haltung zu beharren. Nicht wahr, Österreich, wir lernen das schon noch. Es wird sich dann schon einer finden, der den Leuten erklärt, dass das aber keineswegs eine Abkehr von der bisherigen Haltung ist. Ehrlich nicht!
14.06.07

Mir ist so fad

| Comments (0) | 06/07 | Falter-Kolumne

Das kühlste, was ich diesen Monat oder dieses Jahrtausend gesehen habe, war, wie Amy Winehouse bei den MTV Movie Awards „Rehab“ vortrug. Ich glaube nicht, dass das in absehbarer Zeit zu übertreffen sein wird, auch wenn das, was Vesely über Dylans Zürcher Hallenstadion-Auftritt berichtet, auf einen schönen Lauf des Meisters schließen lässt. Gut, Amy Winehouse ist zu dünn, was in ihrem Fall aber eine maximierende Wirkung auf ihre eh schon riesige Stimme hat und ihr zudem ermöglicht, winzige, schwarze Kleider zu tragen, die ihre Millionen Peckerl prächtig zur Geltung bringen. Unten turmhohe High Heels, oben turmhohe Haare, dazwischen Tanzminimalismus und schlechte Laune, bloß nicht lächeln, könnte als Anbiederung ausgelegt werden. Zum Schluss klatscht Winehaus seitlich dreimal in die Hände, mit ihren ziemlich outen Friseurinnenfingernägelfingern, und es ist so sagenhaft lässig, dass man sich fragt: Weiß sie das? Woher weiß sie das? Hat sie das wo gesehen? Oder hat ihr das wer beigebracht, ein Choreograph, hat er gesagt, du, Amy, schau, ganz zum Schluss klatscht du dir dreimal in die Hände, so seitlich neben der Hüfte, das schaut endkrass cool aus, und wir machen dir vorher noch eine total oute Friseurinnenfrenchmanicüre, damit machst du sie alle platt, und sie hat gesagt, na gut, wenn du das sagst, dann mach ich das halt?
  Über so Zeug hirne ich, vermutlich, um mich ... weiter lesen ...
14.06.07

Zum hungrigen Carnivoren

| Comments (0) | 06/07 | Falter-Kolumne

Kommt mir auch schon wieder ewig her vor, dass ich von unserem Strand zur lokalen Konoba geschwommen bin, um einen Tisch zu reservieren: aus dem Wasser krabbeln, Bauch einziehen, über die Terrasse tropfen – 13 Personen, bitte – zurücktropfen, heimschwimmen. Kam gut an bei der restlichen Urlaubsgesellschaft. Brachte Boah-Punke. Es war aber überhaupt.... also, das beste an diesem Urlaub war: Alle Freunde, mit denen ich ihn machte, waren es hinterher immer noch. Das ist bitteschön nicht selbstverständlich und ein schönes Signal dafür, dass meine selbstgebastelten Demissbilligungs- und Ärgermanagementstrategien allmählich greifen.
  Immerhin kann man in so einem Urlaub auch andere Aggressionsbewältigungsmethodiken studieren, zum Beispiel am Horwath. Die ganze Woche lacht und scherzt der Horwath. Witzelt es klein, wenn er schon wieder den ganzen Planschbedarf allein vom Strand ins Haus geschleppt hat. Tut es mit einem Grinsen ab, wenn der Lange oder der Breuss schon wieder den ganzen Tag in dem einzigen Gartenklappsessel im Schatten kleben, den der Horwath aus einem Sperrgutcontainer rettete und extra für sich mit nach Kroatien nahm. Scherzt nur darüber, dass er schon zum dritten Mal an diesem Morgen die Espressokanne gefüllt und auf den Herd gestellt, aber selber noch keinen einzigen Kaffee erwischt hat. Zuckt völlig aus, als wir ihn an einem Mittag mit gefühlten 46 Grad im Schatten vorsichtig fragen, ob es schon der richtige Tag  ... weiter lesen ...
14.06.07

Darf ich vorstellen

| Comments (1) | 06/07 | Falter-Kolumne

Weil Hauen, Prügeln und Liebesentzug nicht funktioniert haben, wurde jetzt ein Belohnungssystem eingeführt und es gibt Sternchen fürs Zimmeraufräumen und Sternchen für Probieren exotischer Gemüse wie Karfiol und Sternchen fürs Schieferziehen (wobei ich glaube, sie jagen sich die Dinger jetzt selber rein; das Schieferaufkommen stieg in den letzten Wochen eklatant) und Sternchen dafür, dass sie bei Autofahrten nicht mehr fragen, wie weit es jetzt noch ist. Wie wir jetzt aus Kroatien heimgefahren sind, gab es davon acht pro Kind, was es zu einer weisen, weitsichtigen Idee machte, dass ich die Belohnung, die es für zehn Sternchen gibt, schon lange besorgt hatte. Ich gute, vorausschauende Mutter, ich.
  Wie wir daheim ankommen, ist die Belohnung nicht auffindbar, nicht im Dachboden, wo ich sie hundertprozentig versteckt habe, nicht in meiner Unterhosenlade und nicht auf einem der oberen Regalbretter, was unsere Heimkehr zu einer wenig idyllischen Angelegenheit macht. Ganz abgesehen davon, dass es in Wien kein Meer gibt und keinen Strand und nicht mehr drei Mal täglich Schleckeis, und dass der kleine Horwath und der kleine Breuss nicht bei uns wohnen, wodurch sich die Lebensqualität der Mimis ja sowieso schlagartig minimierte. Und obwohl die Mimis, nachdem sie mit Süssigkeiten und morgen-ein-Film-Versprechungen sediert wurden, mittlerweile schlafen, hirne ich noch immer darüber nach, wo diese verdammte Belohnung hingekommen ist. Das war so ein flaches ... weiter lesen ...
14.06.07

Jetzt räum doch mal das Auto auf

| Comments (0) | 06/07 | Falter-Kolumne

Ich könnte natürlich endlich das Auto aufräumen und seinen Inhalt protokollieren, was nur klingt, als wäre es eine leicht verdientes Kolumnengeld: In Wirklichkeit wäre es brutale Arbeit. Soll der Lange machen; das Auto ist ja eh sein Revier, und ich vermute – unter anderem, weil er das Auto unbedingt selber aufräumen WILL, dass er irgendwo zwischen dem Gerümpel im Kofferraum säckeweise Dinge versteckt, die er von Rechts wegen entsorgt haben müsste. CDs vor allem, weil ich ihm ein Limit gesetzt habe: Diese ganze Regalwand sei dein, aber mehr nicht; alles was diese Wand, die bei Gott riesig ist, überlappt, verlässt rapido die Wohnung. Tut es natürlich nicht; der Lange versteckt Sackerl voller CDs unterm Bett, hinterm Sofa, in seinem Kleiderschrank und in der Garderobe hinter den Wintermänteln. Und im Auto, wo er glaubt, dass ich sie unter all den Rollern, Kinderrädern, Schlafsäcken, Gummistiefeln, Fischernetzen, Bällen, Regenjacken, Pixi-Büchern, verschneutzten Taschentüchern, steifen Geschirrtüchern, Sitzerhöhungen, vergessenen Kindermützen, Kinderpullis, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Gaffertaperollen, Strohmatten, Badehosen, Wolldecken, aus dem Wald eingeschleppten Stöcken, Verbandsmaterial, alten Stadtplänen, zerfledderten Landkarten, Kaugummipapierl, Fahrradpumpen, Blasebälgen, Springseilen, Hulahoopreifen, Bob-der-Meister-Heftln, Princess-Dings-Hefltn, feuchten ... weiter lesen ...
14.06.07

Wie schießt man auf ein Kind?

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Was  ist das für einer, der auf ein Kind schießt? Was geht in dem vor? Wie kommt einer an den Punkt,  an dem er sich  eine Schusswaffe greift, sich an ein offenes Fenster stellt, auf den Kopf eines Achtjährigen zielt und abdrückt? Wie verroht  man derart?  Was hat einer erlebt, der seine Wut auf ein lästiges Kind nicht mehr anders kanalisieren kann als durch einen Gewehrlauf? Wie wenig durfte einer als Kind Kind sein, um Spielplatz-Geräusche als derart unerträglich zu empfinden, dass er bereit ist, ein Kind umzubringen, um endlich Ruhe zu haben? Und  wie sehr hat man sich  der eigenen Kindheit entfremdet, um dem Kind, das man selber mal war,  das Ballspielen am Spielplatz gerichtlich untersagen zu lassen, wie 2003 ein kinderloses Linzer Ehepaar?   Und wie ist es möglich, dass unsere Gesellschaft das zulässt?
Eine Stadt ist kein Schlaflabor, ein Wohnbau kein Trappistenkloster, das Leben kein Friedhof. Wenn wir anfangen, den Rabatz, der zum Kindsein gehört, nicht mehr zu tolerieren oder  zu kriminalisieren oder uns an selektive Selbstjustiz gegenüber Kindern, wie im  Hueberhof, einfach zu gewöhnen, dann gute Nacht, Gesellschaft.
Ja, das nervt, wenn so ein Schreihals endlos nach seiner Mama plärrt, das knattert, wenn Kinder auf Dreirädern und Rollern herumkurven, das   knallt, wenn Bälle  durch Käfige und Höfe geschossen werden.  Wir könnten uns natürlich entschließen, diesen Lärm zu vermeiden, indem wir Kindern das Spielen im Freien künftig verbieten und  sie inhäusig vor dem Fernseher, im Internet und bei Computerspielen groß werden lassen. Wo sie still und störungsfrei zu asozialen Arschlöchern heranwachsen, die irgendwann selbst auf Kinder schießen… Bitte lieber tüchtig Bahöö.
13.06.07

Werbefuzzis geheime Fantasien

| Comments (2) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Das Wetter eignet sich vortrefflich zur Vertiefung der Deo-Problematik. Auch: zu ihrer behutsamen Korrektur. Denn nachdem ich letzte Woche mangelnde Deodisziplin in die Liste Lässlicher Laster aufnahm, rügten mich mehrere Leser, und zwar zu Recht. Es sei „ein Irrtum“, schreibt Erwin M, „die Achselhöhlen einfach mit einem Deo zuzuschmieren und zu glauben, damit hat sich die Sache erledigt“. Dem ist nicht zu widersprechen; wenngleich mich zarte Verzweiflung beschleicht, da  offenbar der Hinweis notwendig ist: Man muss natürlich vorher duschen, Damen und Herren! Und, wie Herr M. anregt, auch Wäsche und Oberbekleidung regelmäßig reinigen! Er schließt mit einem Einwand, den  auch Julius B. vorbringt: Der fühlt sich vom ständigen öffentlichen Duftterror weitaus mehr belästigt als von etwas Schweißgeruch. Und man müsse sich  schon auch fragen, woraus diese Düfte bestünden und ob sie schädlich sind.
Ich korrigiere den Eintrag in die LiLäLa also wie folgt: An heißen Tagen wie diesen  wird die erwachsene Bevölkerung gebeten, täglich zu duschen, frische Wäsche zu tragen und Deos zu benützen, aber lieber solche, die nicht  mit Bumm Tschicka Wah Wah auf die Umgebung losgehen, wie das ein Werbespot gerade verspricht. (Es verrät einem übrigens Faszinierendes über die geheimen Fantasien von Werbemenschen, dass alle paar Monate ein neuer Spot  behauptet, das beworbene Produkt bringe Frauen dazu, sich die Kleider vom Leib zu reißen. Nach einem Handy-Tarif und einem Schokoriegel soll das nun ein Deo bewirken.) Das verwenden Sie  wenn möglich nicht. Verwenden Sie  leise, höfliche Deos aus menschen- und umweltverträglichen Zutaten. Das macht alle froh.
08.06.07

Wie man sich beliebt macht

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Lassen Sie uns heute wieder die Liste Lässlicher Laster ergänzen, diesmal um einen saisonabhängigen  Punkt aus dem Segment des Geruchsmanagements. Es handelt sich, wenn ich die LiLäLa korrekt memoriere, um Eintrag 4, nach Auf-den-Boden-spucken (1), Müll-herumliegenlassen (2) und  Urinieren außerhalb dafür vorgesehener Örtlichkeiten (3), welches uns ja nächstes Jahr während der Euro besonders intensiv beschäftigen wird.
Aber jetzt, tada!, begrüßen wir auf Platz 4 der LiLäLa: geruchsbarrierefreies Kampfschweißeln in bebauten Gebieten.
Denn die Deodisziplin lässt zu wünschen übrig, das lernen Benützer öffentlicher Verkehrsmittel jedes Frühjahr, besonders, wenn sie ein jähes Bremsmanöver im Gedränge nasevoran in eine an  einem Haltegriff baumelnde feuchte Achselhöhle befördert:  Gnade!!!
 Nun lässt sich das Transpirieren bei Temperaturen über 30 Grad kaum vermeiden, aber mit der Verhinderung und Bekämpfung der dabei entstehenden Gerüche haben sich schon die alten Ägypter und später ganze Industriezweige erfolgreich beschäftigt. Leider hat sich die Erfindung des Deodorants bis heute nicht lückenlos herumgesprochen. Beziehungsweise: Noch immer gibt es Menschen, die der Meinung sind, sie seien der eine Naturgünstling, dessen Schweiß auch nach einem langen Arbeitstag bei 35 Grad konsequent nach Rosen duftet. Dafür gibt es einen einfachen Geruchsselbsttest: Handrücken 30 Sekunden lang an der eigenen nackten Achsel reiben, unter die Nase halten. Deo erwerben, anwenden, Beliebtheitswerte maximieren.
Hören Sie  Ihre Mitreisenden, Ihre Kolleginnen, Ihre Mitleidenden in der Schlange am Postschalter rufen: Danke, Sie! Danke, dass Sie jetzt auch ein Deo benutzen.
07.06.07

Jetzt brummts aber

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Spinnts ihr!  Schauts mal auf die Uhr! Jetzt gibt es keine Auskunft! Ruft gefälligst zu den üblichen Büroöffnungszeiten an!“ Tut tut tut. Es ist Dienstag, 11.15 Uhr, und das ist der Anrufbeantworter der  Arena, der so mit mir spricht: Dabei hätte ich nur gerne gewusst, wieviele Leute das  waren, die am Montag abend das Arena-Open-Air-Gelände krachvoll gemacht hatten. Tja.
Ich weiß also nur: es waren viele, geschätzte 2000, die sich an den jungen australischen Neo-Hardrockern Wolfmother begeisterten. Noch mehr, genau 3400, waren gekommen, um die US-Underground-Kracher The White Stripes im ausverkauften Gasometer spielen zu sehen. Und es waren noch viel mehr,  fast 13.000, vor denen gleichzeitig in der  Wiener Stadthalle der aktuelle King of Pop, Justin Timberlake, auftrat. 
Das hätte es früher nicht gegeben. Früher hätte die Nachfrage nicht mal für  zwei derart zielgruppenaffine Konzerte gereicht, geschweige denn für drei. Beziehungsweise wären viele dieser Bands früher, als Wien noch westeuropäischer Endbahnhof war, erst gar nicht gekommen. Jetzt brummt die Stadt.
Wie ich vor 21 Jahren nach Wien kam, war Wien  Oper, Theater und Psychoanalyse, eine betagte, fade Tante. Viel Grau, Braun und Beige an den Menschen auf der Straße. Ein ziemlich strenges Seniorenregiment in den Öffis. Hochgeklappte Gehsteige Schlag Sonnenuntergang. Eine betäubend niedrige Lautstärketoleranz. Und ein überaus überschaubares gastronomisches und  popkulturelles Angebot für die Wiener Adoleszenz. 
Immerhin: Die Arena  gab es schon, an deren reizender Ruppigkeit sich, wie ich nun weiß, seit damals nicht viel geändert hat. An den WCs übrigens auch nicht.
06.06.07

Jetzt einmal langsam

| Comments (0) | 06/07 | Kurier-Kolumne

Erinnert ein bisschen an die Sorgen, die Österreich mit Temelin hatte und hat, nur umgekehrt: Seit Jahren schäumt die Raab vom Burgenland nach Ungarn, seit Jahren protestiert man in Ungarn dagegen, seit Jahren auch weiß man dort wie hier ziemlich genau, wer den Schaum verursacht. Seit Jahren wird nichts bis fast nichts unternommen. Letzte Woche rief eine ungarische Umweltschutzorganisation zum Boykott österreichischer Produkte auf. Was man auf dieser Grenzseite  kaum ignoriert.
Halt: von Ende Mai liegt eine Stellungnahme des, wie das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt  und Wasserwirtschaft sich lieblich nennt, Lebensministeriums vor. Da wird in überaus gelassenem Tonfall eingestanden, dass, ja, eine Studie der TU Wien „die Rolle der Lederindustrie“  an drei Standorten bei der Schaumbildung „bestätigt“ und eingeräumt, dass es bei einigen „Paramentern vereinzelt zu Grenzüberschreitungen“ kam, was aber, wenn ich den Text richtig verstehe, weder Handlungsbedarf noch Sanktionen nach sich zieht.
Angenommen, Sie überschreiten mal vereinzelt  ein paar Grenzwerte – etwa bei Park- oder Geschwindigkeitsparametern: Da wird eher hurtig sanktioniert. Nix entspanntes Abwarten und penibles Begutachten und Untersuchen, ob alles wirklich so schlimm ist, ob wirklich Sie Schuld sind an dem Debakel, und, wenn ja, das Debakel tatsächlich derart ernstzunehmenswert.
Aber: Das Lebensministerium  hat  wichtigeres zu tun! Es muss bitteschön eine gan!ze! Na!ti!on! für  Klimawandel und CO2-Ausstoß senisbilisieren! Man muss also schon Prioritäten setzen. Auch wenn die Ungarn schäumen.
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SOS Mitmensch