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| 09/07
Kurier-Kolumne
Vielleicht ist es mit dem Feminismus ein bisschen wie mit dem Klimaschutz: Es muss viel passieren, bis man merkt, dass man ihn braucht. Wobei es der Feminismus entschieden schwerer hat, weil ein ganzes Geschlecht sich von ihm eher bedroht fühlt. Und weil immer noch viele Frauen glauben, das brauchen sie nicht, Feminismus; das habe nichts mit ihrem Leben zu tun.
In einem Interview, das die deutsche Feministin Alice Schwarzer unlängst dem Falter gab, sagte sie, dass ihr jetzt auch Männer auf der Straße zuwinken: Ein Zeichen dafür, dass ihre Botschaft langsam doch immer öfter auch von Männern gehört und angenommen wird. Und dafür, dass Feminismus nicht länger als Hobby einiger verbitterter Kampf-Emanzen abgetan wird. Und dass allmählich allen klar wird, dass die Gleichberechtigung und Beteiligung der Frauen für eine stabile, gesunde Gesellschaft notwendig ist. Die Debatte um kulturelle Differenzen, um Zwangsehen und Kopftücher hat dazu beigetragen.
Die Gegenbewegung aber ist wehrhaft und sucht sich dort ihr Publikum, wo sie schwer zu fassen ist, in der Jugendkultur und ihren Medien. Überall halbnackte Mädchen (Schwarzer: „Man weiß manchmal nicht, ob die junge Frau an der Ecke auf ihren Freund wartet oder auf einen Freier“), selbstgedrehte Vergewaltigungsfilme auf Handys, Songtexte, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen: Das alles beunruhigt Alice Schwarzer. „Wenn die Rap-Texte, die es heute über Frauen gibt, über Juden, Türken, Afrikaner oder Schwule gereimt würden, dann wären Sie schon längst verboten.“ Das ist vermutlich richtig und ein Grund darüber nachzudenken, wie viel sich Frauen immer wieder gefallen lassen. Und ob das gut ist.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Letztes Mal, als ich diese Geschichte erzählte, handelte sie von einem Vater und der Linie N. Diesmal von einer Mutter und der Linie 33: Ansonsten sind sie praktisch ident. Die aktuelle geht so: Renate A. bestieg mit ihrem Kinderwagen einen Wagen der noch durchgehend mit alten Garnituren bestückten Linie 33; Passagiere halfen ihr beim Einsteigen.
Als sie bei der Endstation aussteigen wollte, war sie leider allein im Wagen, wandte sich also an den Fahrer: „Könnten Sie mir bitte beim Aussteigen helfen?“ (sie sagte: bitte. Ausdrücklich). Der Fahrer: „Na.“ Renate A.: „Aber wie soll ich denn da jetzt rauskommen?“ Der Fahrer: „Wia’S einakumma san.“ Renate A. erklärte, dass ihr da Fahrgäste geholfen hätten, sie jetzt aber allein sie und fügte ein flehentliches: „So helfen’S mir halt bitte!“ an. Der Fahrer: „Derf net.“ So hob Renate A. unter größten Schwierigkeiten den Kinderwagen selbst zur Bim hinaus, während der Fahrer gelangweilt zum Fenster hinausschaute.
Ja: Es gibt zahllose wunderbare Menschen an den Steuern der Wiener Öffis, hilfsbereite Buschauffeure, Bim-Fahrer, die Senioren beim Einsteigen helfen, U-Bahnfahrer, die freundliche Ansagen machen. Trotzdem erlaube ich mir die Frage, warum bei einem Service-Betrieb wie den Wiener Linien sowas immer noch möglich ist.
Nochmal ja: Mir ist bekannt, dass der Mann nur die Vorschriften befolgte. Aber meiner bescheidenen Meinung nach wären diese Vorschriften dringend etwa wie folgt zu ändern: „Wenn ein Fahrgast sich in einer verzweifelten Situation befindet und um Hilfe bittet, ist das Personal angewiesen, diesem wenn möglich helfen.“ Oder ist das wirklich zu viel verlangt?
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| 09/07
Falter-Kolumne
Die Koch, eine Freundin von der Urban, war kürzlich auf Dienstreise. Frühmorgens hin, spätabends am nächsten Tag zurück. Dazwischen Termin, Termin, Termin, und wie sie endlich mit allem fertig war und dann langsam mal wieder den Flughafen und die Heimat anpeilte, ist ihr glühend heiß eingefallen, dass sie für das arme, arme Kind daheim kein Geschenk besorgt hat. Der Rabenmutterpegel in der Koch ist, nona, flutgleich bis knapp unters Schlüsselbein gestiegen, heiliger Himmel, so kann sie nicht heimkommen. So braucht sie nicht heimkommen; denn auch wenn die Vorstellung der Mütter über den Sehnsuchtsquotienten ihrer daheimgebliebenen Brut nicht immer mit der Realität korreliert, so ist doch eins gewiss: Ein Elternteil braucht nach mehrnächtiger Abwesenheit nicht ohne Geschenk wieder erscheinen.
Die Erfahrung hat mich daheim eine heimliche Kiste mit kleinen Geschenken anfüllen lassen, periodisch wird mit Playmobil-Manderln, Pixi-Büchern, Aufblas-Dinos, Matchbox-Autos, Disney-Unterhosen und Plastikschmuck aufgestockt, und wenn der Lange
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum sind wir so fröhlich?“ Diese drei Fragen stellt Falter-Chef Armin Thurnher im Editorial der Stadtzeitung Wien: die feiert gerade 30. Geburtstag.
10 Jahre davon war ich auch dabei (und schick noch immer Textl hin), habe geschrieben gelernt, Texte mit der Nagelschere gekürzt, diskutiert, spannende Menschen getroffen: von denen viele immer noch den Falter prägen und dafür sorgen, dass er in der österreichischen Medienlandschaft eine außerordentliche Erscheinung bleibt. Trotz zunehmender Professionalisierung, bei der Herstellung (es gibt im Layout keine Nagelscheren mehr), in der Verlagsarbeit und redaktionell: Der Falter ist vielleicht berechenbarer geworden, aber auch relevanter und verlässlicher.
„Ich denke, um die Beförderung der Widerrede hat sich der Falter einige Verdienste erworben“, schreibt Thurnher: stimmt. Der Falter leistet sich nicht nur unbeirrbar den Luxus einer Haltung, er zeigte auch Legionen von willigen Jungspunden im Learning-by-doing-und-Kritisiertwerden-Prinzip, wie das geht: kritischer Journalismus. Viele brachen dann in andere Medienwelten auf. Manche kamen zurück, wie etwa der großartige Florian Klenk von der Zeit. Und einig lernen jetzt woanders und kommen dann.
Richtig erwachsen ist der Falter auch nach 30 Jahren nicht, im guten und im anderen Sinn: Noch immer testet man publizistische Grenzen aus (das jährliche Best Of Böse etwa); und noch immer reißt es den Falter hin und wieder zurück in Wir-wissen-eh-wer-Recht-hat-brauchen-also-nicht-recherchieren-Zeiten. Aber immer seltener.
Also: Fröhlich bleiben. Aufrecht gehen. Immer fest die Stadt durchschnüffeln. Und jetzt tüchtig feiern.
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| 09/07
Falter-Kolumne
Schön, dass man Brunnenmarkt immer Leute trifft, die man kennt, mal gekannt und schon lange nicht mehr gesehen hat, und damals war es oft dunkel und man war eventuell nudelfett. Jetzt steht man beim Yip-Hint an der Kassa oder im Biofritz-Lager mit einem Randig in der einen und einem Ziegenkäse in der anderen Hand, und, ah, du auch hier! Und freut sich ure, sich zu sehen, nur behindert der Umstand, dass man sacknüchtern ist und sich so so so samstagvormittäglich fühlt, die Konversation stark. Also, man weiß überhaupt nicht, was reden, entscheidet sich aber (ein weiterer gravierender Unterschied zu den einstigen Begegnungen) für: Süße Kinder! Du auch! Was ist denn das für eins? Und dann: hmm. Man will das Gegenüber ja nicht mit halbhirntotem Samstagsblabla fertigmachen. Ein Konversationskanon für Einkaufsvormittage am Brunnenmarkt wäre überfällig, aber bis dahin dreht man schließlich mit freundlichem Genicke ab zum Speck-Bauern, steckt die Nase
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Ein befreundeter deutscher Kollege mailt mir. Er hat den Auftrag, einen Kommentar über die Neuen Väter zu schreiben, und weiß nun nicht recht. Das Thema sei doch abgedroschen, die Spielplatzväter längst Alltag, der sog. Kuschelvater sei ja wohl schon sehr abgenützt, womöglich längst überholt, oder nicht?
Oder nicht. Der Kollege sieht hier schlecht, er ist zu dicht dran: Er ist nämlich einer dieser neuen Väter. Er hat sich an der Erziehung seiner drei Kinder und am Haushalt selbstverständlich beteiligt, und als seine Frau wieder ihrem Beruf als Ärztin nachgehen wollte, hat er sein Büro nach Hause verlegt, um für die Kinder da zu sein, wenn sie von der Schule kamen. Hausaufgaben machen, am Spielplatz sitzen: So einer kennt dann natürlich automatisch andere neue Väter und glaubt vielleicht, sein Leben sei Durchschnitt.
Irrtum. Falls der Kuschelvater abgenutzt ist,dann gewiss nicht von der Realität, höchstens durch seine permanente und leider weitgehend fruchtlose Beschwörung. Tatsächlich ist, maile ich dem Kollegen, der Kuschel- und Kümmervaterquotient sowohl gesamtgesellschaftlich als auch auf meinem Spielplatz ausgesprochen minimal. Speziell hier: Jetzt haben sich wieder 67 Prozent der Österreicher dafür ausgesprochen, dass alles bleibt, wie es war, der Vater auf Arbeit, die Mutter daheim.
Viel mehr, maile ich dem Kollegen, müsst ihr guten Väter euch endlich zornig gegen das ständige Belächeltwerden wehren. Und einmal klar machen, dass ihr nicht das Problem seid: dass Eltern sich insgesamt viel zu wenig um ihre Kinder kümmern und sie sich selbst, Computern und TV überlassen. Sondern Teil der Lösung. Es kann gar nicht genug Kuschelväter geben, so ist es doch.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Astrologin A. rät: „Legen Sie heute ausnahmsweise die Hände in den Schoß. Lassen Sie andere für sich arbeiten“, und ich überlege schon die ganze Zeit, wen ich heute zum Verfassen dieser Kolumne abkommandieren könnte. Allerdings irritiert mich, dass Astrologin B. warnt, „die Gemüter könnten sich erhitzen“ (welche Gemüter? Chef-Gemüter gar?): „Also raus aus der Schusslinie“ (was für eine Schusslinie?! Wo genau ist die?)
Astrologin C. maximiert meine Besorgnis: Sie beruhigt mich, „eine bestimmte Situation“ sei „keineswegs so Besorgnis erregend“, wie ich annähme. (Welche Situation? Worüber sollte ich mir Sorgen machen? Das macht mich extrem nervös.) Allerdings versichert sie mir, niemand könne mich „dazu zwingen, eine Betriebsfeier zu besuchen“. (Eine Betriebsfeier also. Zu der ich nicht eingeladen bin. Das muss die besorgniserregende Situation, dass ich nicht auf die Betriebsfeier eingeladen bin, ja nicht einmal weiß, dass eine stattfindet.)
Astrologin D. treibt mir endgültig den Schweiß auf die Stirn, denn einerseits „versucht Sie jemand hinters Licht zu führen und zu täuschen“. Andererseits weiß sie, dass „Sie heute nicht so richtig auf Touren kommen“ (stimmt), und das ich mich ständig dabei ertappe, „mit den Gedanken woanders zu sein“ (als bei diesem intriganten Täuscher: stimmt auch. Ich habe schon alle Internet-Diashows zu den Emmy-Awards durchgeklickt, leider bislang ohne auch nur eines Mitglieds der „Sopranos“ ansichtig zu werden, die ja offenbar und völlig zu Recht mächtig abgeräumt haben sollen und die der ORF immer... wo war ich?) Und wer ist das, der mich hinters Licht führen will? Und wer schreibt jetzt endlich diese Kolumne?
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Leserin Eva F. brauchte ein neues Handy, und wünschte dafür möglichst wenig zu bezahlen, womöglich gar nichts. Sie wurde fündig auf der A1-Homepage, wo ihr um 0,- Euro ein vernünftiges Handy angeboten wurde. Allerdings bekommt man, das war Eva F. schon klar, im Leben nichts umsonst: Damit ihr A1 ein Handy schenkt, musste Eva F. zumindest ein Fünf-Euro-Paket dazu kaufen. Man bot ihr die Wahl zwischen einem A1 Fun Paket (nein), einem A1 Info Paket (nicht notwendig), einem A1 Internet Paket (brauchte sie nicht), einem A1 TV Paket (gleichfalls).
Also entschied sich Eva F. für das A1 Erotik Paket und durfte sich prompt und ohne vorher über ihre sexuellen Vorlieben befragt worden zu sein über, wie sie schreibt, „hunderte scharfe Bilder von den heißesten Girls“ freuen.
Nun ist Eva F. weder ein Mann mit originellem Vornamen noch lesbisch, weshalb sie, wenn sie schon ein Erotik-Paket bestellt, doch eher an scharfen Fotos heißester Kerle interessiert wäre. Aber damit rechnet man bei A1 mobilkom Austria offenbar nicht: Erotik ist offenbar Männersache.
Natürlich stellt sich die Frage, ob sich ein Handy-Netz-Provider auch als Dealer von Pin-Up-Fotos verstehen soll. Und wenn ja, ob es allen Kundinnen und Kunden der Mobilkom behagt, dass die Mobilkom in der Sexindustrie mitmischt, in dem sie deren Produkte aktiv weiterverkauft, so dass man als A1-Telefonierer gleichzeitig auch Sexarbeit fördert und so weiter: Das kann jeder A1-Kunde nur für sich selbst beantworten.
Aber wenn A1 schon Erotik-Pakete anbietet, dann müssten die wenigstens auch auf Hetero-Kundinnen zugeschnitten sein. Soviel Gleichberechtigung muss sein. Findet jedenfalls Eva F.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Russland entwickle, lautete eine beunruhigende Nachricht dieser Woche, eine Vakuum-Bombe, den Vater aller Bomben, wie die Russen selbst verlauten ließen. Das ist natürlich als Reaktion gedacht auf die „Massive Ordnance Air Blast“, welche von den USA 2003 getestet und als Mutter aller Bomben bezeichnet worden war, was massive Zweifel an der amerikanischen Idee von Mütterlichkeit weckt. Die Russen jedenfalls glauben offenbar an einen langfristigen Triumpf des Patriarchats über das Matriarchat, und ich fürchte, da haben sie vorläufig nicht unrecht.
Dennoch gibt das Internet entschieden mehr Mütter aller her als Väter aller; es kennt den Vater aller Dinge (wir auch: den Krieg), den Vater aller Winde (den Taifun) und den Vater alle Gewässer (offenbar der Mississippi). Wenngleich laut Spiegel, der Mekong die Mutter aller Wasser sei, was sich eher nicht auf die Qualität dieses Wassers beziehen dürfte.
Sonst übernehmen die Mütter – hier folgt eine persönliche Hit-Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die vielfältigsten Aufgaben, grad wie im richtigen Leben. Sie fungieren als Mutter aller Reformen (die deutsche Föderalismusreform), aller Studentenrevolten (das „Free Speech Movement“ von 1964), aller Pressekonferenzen (eine des FC Bayern), aller deutschen Handyflatrates, aller Jugenden (die Turbojugend, wer’s kennt) und aller Minutenpakete. Was auffällt: Der Rest der Verwandtschaft kommt entschieden zu kurz.
Ich merke hier also an, dass die Tante aller Finanzaffären bei mir eine Stiefschwester aller Reaktionen bewirkt: den Verzicht auf den Erwerb von Meinl-Produkten jeder Art. In mir nagt nämlich der Cousin 2. Grades allen Zorns.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Laborieren die Kärntner an einer Identitätskrise? Oder steckt etwas anderes dahinter? Denn nach dem Bauverbot für Minarette (die in in Kärnten eh niemand bauen will) möchte Landeshauptmann Haider sein Land nun tüchtig beflaggen. „Eine Kärntner Fahne gehört in jeden Haushalt“, meinte Haider zur Kleinen Zeitung, mit der gemeinsam die Kulturabteilung dieser Tage ein Art Fahnen-Diskont eröffnete: Um geschenkte 30 statt normalerweise 80 Euro können gute Kärntner die gelb-rot-weiße-Landesfahne erwerben, ihre Wohnstätten beflaggen und damit, wie Haider meinte, „den Gästen die Gefühlslage im Land augenscheinlich machen“.
Das macht ein wenig Angst, vor allem wenn Haider von einer „Renaissance des gesunden Heimatbewusstseins“ spricht, denn bis Haiders Heimatbewusstsein sich richtig gesund fühlt, muss vermutlich vorher jemand leiden.
Überdies greift die Sache durch die Euro 08 auf ganz Österreich über: Denn der Schweizer Selbstbeflaggungszwang ist international berüchtigt und wird anlässlich der Euro einen neuen Höhepunkt erfahren, soviel ist sicher. Die Frage ist, wie wir Österreicher darauf reagieren sollen: Mit den Schweizern in eine Beflaggungskonkurrenz treten? Da ziehen wir, angesichts eines nicht von Weltkriegen gebremsten eidgenössischen Nationalbewusstseins, ziemlich sicher den kürzeren.
Nun droht, angesichts des Kärntner Vorstoßes, Rot-weiß-rot auch noch gelb-rot-weiße Konkurrenz, denn Haider wird gewiss nicht davor zurückschrecken, auch Asylkärntnern eine Kärnten-Beflaggung zu empfehlen. Was die Gefühlslage der Euro-Gäste arg zu verwirren droht. Es herrscht Handlungsbedarf, keine Frage.
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| 09/07
Falter-Kolumne
Dass die dumme Herman jetzt auf die Fresse gefallen ist, nehme ich, obzwar ich sonst nicht zur Schadenfreude neige, mit viel Wohlgefallen zur Kenntnis. Dagegen möchte ich alles zurück nehmen, was ich Sehnsüchtigtes über den Herbst gesagt habe. Sommer ist super. Schwitzen, stinken, freie Sicht aufs Bauchfleisch, alles ure super. Beziehungsweise erlaube ich mir, den Herbst, insbesondere den Frühherbst, mit sehr viel netteren Eigenschaften zu konnotieren als mit grauskaltem Dauerregen: süße, reife Früchte, bitte! Betörend schön verfärbte Blätter, der Glanz auf den Kastanien, der feine Nebel des Atems, wenn man in kühler Früh auf die Straße tritt! Dünne, bunte Hauben auf den Köpfen der Kinder, feste Turnschuhe an ihren Füßen, gesundes Rot auf den Backen und die Taschen ihrer strapazierfähigen und wasserabweisenden Herbstjacken voller Kastanien mit tüchtig Glanz darauf! Ein Glas Sturm (ich) und eine heimliche Zigarette (der Lange) abends am Balkon, wenn die Mimis schlafen (tagsüber weisen sie ihn stets erbarmungslos darauf hin, dass man vom Rauchen übrigens tot wird, TOT, Papa!), unter einer kuscheligen Wolldecke... Aber. Nix: Die Kastanien schwimmen in dreckigen Lachen, die Kinder unter Ganzkörpergummi tropfen uns die
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Jamie Oliver will englische Schulkinder in der Mittagpause in den Schulen einsperren. Klingt brutal, hat aber einen Grund. Ergebnis einer neuen österreichischen Studie: Jedes fünfte Kind hat Übergewicht; wiegt oft 20 bis 30 Kilo zu viel. Und es wird, deshalb schon wieder eine Kolumne darüber, beängstigend schnell immer schlimmer.
Hat man jetzt auch denganzen Sommer im Freibad sehen können, immer wieder: Hundert und mehr Kilo schwere 14-, 15jährige wuchten ihre Fettmassen auf’s Dreimeterbrett und versuchen, typisch Dickenhumor, das Becken zum Überschwappen zu bringen; was bedrückendhäufig gelingt.
Der britische Koch Jamie Oliver nutzte seine Popularität, um das Schulessen der englischen Kinder, gegen deren Widerstand, komplett umzustellen. (Was er auch in einer nervenzerfetzenden TV-Serie dokumentierte, die der ORF ruhig an prominentem Sendeplatz wiederholen könnte). Seit einem Jahr sind, Oliver sei Dank, Fast Food und Zuckerlimo an englischen Schulen verboten, Kantinenpersonal wird speziell geschult.
Leider verlassen die Kinder zwischendurch die Schule, um wieder fritierten Dreck zu essen und Zucker zu trinken; deshalb die Einsperr-Idee. Was Oliver nicht verhindern kann: Dass sie irgendwann heimgehen und dort mit Fastfood verpflegt werden: von ihren Eltern. Die sind natürlich primär schuld am Unglück der dicken Kinder. Leider sind Eltern schwererziehbar - außer möglicherweise von ihren Kindern: Was die in der Schule über Nahrung und Kochen lernen, tragen sie vielleicht nach Hause. Deshalb sollte Ernährung in den Schulen ein viel wichtigeres Thema werden. Und gesundes Kochen ein Pflichtfach.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Sogar im Flugzeug habe ich geraucht. Legal, bitte! Das war vor gar nicht sooo langer Zeit noch erlaubt, und als es nicht mehr erlaubt war, dachten viele Raucher (u. a. ich), sie müssten jetzt stantepede am Nikotinentzug verenden. Was überraschenderweise nicht geschah, und die armen Raucher, die jetzt lange Zugfahrten mit der rauchfreien ÖBB vor sich haben, werden es auch überleben. Wenngleich der Lebensqualitätquotient in diesen Stunden an der Nulllinie entlangschrammen wird (weiß ich zufällig genau). Besser wird es erst wieder, ist die Sucht überwunden (und hier werde ich Ihnen jetzt langatmige Aber-auch-Sie-können-es-schaffen-Besserwisserei ersparen, obwohl.... nein).
Dennoch muss ich entschieden gegen die „Ka’ tschikistan“-Kampagne-der Gesundheitsministerin protestieren, erstens weil ich arrogante Ich-bin-besser-als-du-Pädagogik für nicht so wertvoll halte; zweitens aus Gründen der Minderheiten-Diskriminierung. Andrea Kdolsky ist ja wohl Gesundheitsministerin aller Österreicherinnen und Österreicher, und Entschuldigung, abr inamna kliina, schöana und wichtiga Toal vo Öschtrich redat ma ned aso. Odr?
Nein, so geht’s wirklich nicht. Hier muss auf Minderheiten-Rechte gepocht werden. Bitte: Wenn wir Vorarlberger uns in Wien aufhalten, sind wir bereit, zum Zwecke besserer Völkerverständigung unser Idiom zu verleugnen. Aber wenn mit Steuergeld, das auch aus dem tüchtigen Ländle stammt, öffentliche Kampagnen finanziert werden, dann wollen wir sie auch verstehen und müssen im Sinne des Föderalismus entschieden auf dialektneutrale Formulierungen beharren. Odr!
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Der aktuelle Sachbuch-Bestseller heißt „The Secret“, Das Geheimnis also, und nein, ich habe ihn nicht gelesen. Werde ich auch nicht, weil das Buch ein typisches Produkt jener Ratgeber-Industrie ist, von der ausschließlich eine Gruppe Auserwählter profitiert: der Autor – in diesem Fall der Autorin, Rhonda Byrne – und der Verlag . Und natürlich die modernen Priester, Coaches genannt, die den jeweils neuen Glauben an die neuen Gläubigen gegen tüchtig Honorar weiterpredigen.
„The Secret“ behauptet offenbar, dass sich der Mensch jegliches Aua einfach weg- und diverses Gutes flugs daherglauben kann, allein durch positives Denken: Glückliche Partnerschaft, beruflicher Erfolg, Traumauto‚ Idealgewicht oder, was etwa die „Süddeutsche“ als extrem fragwürdig kritisiert, die Heilung schwerer Krankheiten: alles eine Frage präzisen Wunschdenkens. Negative Gedanken werden geächtet, das mache krank und unglücklich.
Dieser schicke, neue Glaube, der sich nicht nur strikt aus dem Individuum selbst speist, sondern auch ausschließlich dessen spezifische Wohlfahrt zum Ziel hat, lasse die „klassischen Erfolgsfaktoren Talent, Fleiß und Glück zweitrangig“ erscheinen, schreibt die SZ. Alles wird gut, wenn der Mensch ganz konsequent nur sein eigenes Glück im Auge behält. Es passt perfekt in unsere „Geiz-ist-geil“-Gesellschaft, wenn auch Glaube zu einer Sache für die Ich-AG wird.
Die fast hysterische Aufregung um den bevorstehenden Besuch des Papstes zeigt, wie sehr die Menschen an etwas glauben wollen. Wie anfällig sie für quasispirituellen Müll sind, beweisen die Bestsellerlisten.
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| 09/07
Falter-Kolumne
Wichtige Fragen müssen erörtert werden: Wird man tot, wenn man sich das Schnitzmesser in den Bauch rammt? Oder muss man nur ins Krankenhaus, wo sie einem die Eingeweide mit langen Nadeln zusammennähen? Das Schnitzmesser ist Teil des üblichen Russisch Roulette des Kindergroßziehens, welches dadurch verkomplizierrt wird, dass hundert Eltern von Fünfjährigen hundert Vorstellungen davon haben, was Fünfjährige können müssen oder dürfen sollen. Sollen beispielsweise Fünfjährige allein eine mittelstark befahrene Landstraße überqueren dürfen? Ich bin dagegen, was aber damit zu tun haben könnte, dass ich mit fünf auf einer mittelstark befahrenen Landstraße über den Haufen gefahren wurde, vier Wochen im Krankenhaus lag, dort von meinen Eltern nur einmal die Woche besucht
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Auf der Zusendung einer Parfümerie wird mir gratis eine „buntstiftbunte Beauty-Bag“ als Einkaufsbonus versprochen, wenn ich nächste Woche dort einkaufe, was bedeutet, dass ich nächste Woche dort nicht einkaufe. Ich habe nämlich bereits je ein buntes Gratis-Kosmetiktascherln von einer französischen und einer japanischen Kosmetikfirma, drei vom „Bodyshop“ und eins vom Drogeriemarkt, ich weiß schon nicht mehr, wohin mit all den Tascherln, die ich unbestellt bekommen habe.
Weiters besaß ich kurz eine Liegedecke samt Polster aus einem grauslichen, ausschlagerzeugenden Kunststoffgewebe, das mir ein Versandhaus ungefragt zugeschickt ha: Soeben musste ich ein weiteres Geschenk von dort abwehren, eine billige braune Schnürsamt-Jacke made in China. Ich will keine Schnürlsamtjacke, ich will nur, was ich bestellt habe und nichts dazu.
Aber das ist heutzutage praktisch unmöglich. Zur DVD gibt’s eine Badetasche, zum Waschmittel eine Dose, zur Sonnencreme einen Weichspüler, am Malbuch pickt vermutlich bleihältiges chinesisches Spielzeug, das für gewöhnlich keinen Tag übersteht. Zahllose Shampoo- und Creme-Pröbchen purzeln so lange in meinem Badezimmer herum, bis sie sich nach Jahren zu zähem Wachsderivat verhärtet haben und ich sie endlich wegschmeiße.
In den 80er Jahren protestierten Konsumenten gegen überflüssige Verpackungen, indem sie das Zeug massenhaft im Supermarkt zurück ließen. Seither gibt es Zahnpasta ohne Karton und Knisterfolie. Wäre vielleicht eine Möglichkeit, auch das Bonus-Klumpert loswerden.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Nicht nur der Schulbeginn weckt Erinnerungen an früher und wirft mich vorrübergehend ins Zeitloch: Mei, wie war das damals! Eine neue Aussendung von Greenpeace bewirkt Ähnliches. ERST WENN... heißt es auf der ersten Seite der Falt-Broschüre, und, tadaaa!, ich weiß blind, wie es weitergeht: ...der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Und, nochmal Fanfaren, denn das stimmt, bis auf dem Umstand, dass irgendwo am Weg das „ist“ verloren ging.
Sonst ist alles, wie es immer war: Der alarmistische Ton des Spendenaufrufs („Unsere Erde ist in höchster Gefahr!“), der Hinweis, die Erde sei nur geliehen, das (Plastik-)Pickerl für die 2CV-Heckscheibe, Sie wissen schon, das mit dem rot-gelb-grünen Indianer-Schwimmreifen drauf. Alles wie einst, nur dass es keine 2CVs mehr gibt.
Greenpeace gibt es noch, gut. Aber wäre es nicht vielleicht irgendwann an der Zeit, die Slogans, den Ton, die Inhalte dem modernen Umweltbewusstsein anzupassen? Die Öko-Türen stehen ja momentan weit offen: Jeder hängt sich jetzt gern das Klimaschutz-Jankerl um, ökosoziales Handeln und Bekennen ist, siehe Live Earth, so schick wie nie, das Bewusstsein, was gut oder schlecht für die Zukunft der Erde ist, war selten so ausgeprägt.
Wen also will Greenpeace wofür genau interessieren? Im Prinzip vermutlich: Nur fürs Spenden, damit der Greenpeace-Aktionismus weiterhin finanziert werden kann. Der in Zeiten des allgemeinen Mitmach-Umweltschutzes auf Konsum- (oder eben Nicht-Konsum)-Basis merkwürdig überholt wirkt.
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| 09/07
Kurier-Kolumne
Das war in Salzburg, vor ein paar Tagen. Eine Frau verließ ihre Wohnung und war ein paar Minuten krankenhausreif blutig gebissen in Kopf, Hals und Brust. Vom Pitbull Terrier eines Nachbarn. Der war aus der Wohnung entwischt und fiel die Frau ohne Grund an. Sie überlebte schwer verletzt: im Unterschied zu jenem Sechsjährigen, der vergangenes Jahr in einem Schweizer Dorf von drei Pitbulls zerfetzt worden war. Auch diese Hunde waren aus dem Haus ihres Besitzers entkommen.
Immerhin – und leider immer nur, wenn so etwas passiert – wird jetzt wieder einmal ein generelles Verbot von gefährlichen Hunden erwogen. Und das unterstütze ich mit vollem, inbrünstigem Jawoll, und zwar deshalb, weil es leider so ist, dass solche Hunde meistens von Dummköpfen gehalten werden. Meistens!, hab ich gesagt, und mit Dummköpfen meine ich die Leute, die ich ständig mit unangeleinten und maulkorblosen Kampfhunden antreffe, besonders gerne an Orten, an denen kleine Kinder herumlaufen: Denn diese Hundehalter, und das ist die Dummheit, gehen ja immer so lange davon aus, dass ihr Schnucki eh nichts tut und nur spielen will, bis er doch was tut. Allein, dass sie dieses Risiko bereit sind einzugehen, ist unverantwortlich und zeigt, wie ungeeignet manche Menschen für das Halten von Tieren sind.
Aber weil es offenbar nicht möglich ist, dumme, verantwortungslose Tierhalter von gefährlichen Hunden zu separieren, sollten wir auf die gefährlichen Hunde allmählich verzichten. Keine neuen Kampfhunde mehr. Denn wenn Pitbulls und Co. allmählich verschwinden und es sie irgendwann einfach nicht mehr gibt: Wem werden Sie fehlen?