31.01.08

Sind nicht auch die Türen elektrisch?

| Comments (0) | 01/08 | Kurier-Kolumne

Kein Kaffee in der Früh. Kein warmer Kakao für die die Kinder. Keine Toasts für die Kinder. Immerhin: warme Wohnung, heiße Dusche (es sei denn, es gibt auch bei mir daheim komplizierte, nur von  Fachleuten durchschaubare Verbindungen zwischen Strom- und Gasversorgung), aber:  Duschen im Halbdunkel, kein Föhn, Wimperntusche-Applikation im Halbdunkel.
Wimperntuschemassaker-Entfernung im Halbdunkel. Kein Tee.  Kein Computer. Kein Telefon. (Falls Sie verwirrt sind: Ich versuche gerade, mir einen ganz normalen Tag ohne Elektrizität vorzustellen, nachdem eben so viele unter Stromausfällen zu leiden hatten). Kein Kühlschrank (die Butter und die Milch wie ganz früher im Sackerl vorm Fenster), der Tiefkühler voll verrottender Tiefkühlkost.
Keine Gegensprechanlage. Kein Aufzug. Kein Licht im Stiegenhaus. Kein Licht auf der Straße (also, wenn’s noch sehr früh wäre oder schon spät), außer den Scheinwerfern der Autos. Keine Bim. Keine U-Bahn.  Keine offenen Läden, weil  in den Läden kein Licht, keine Kühlung, keine Kassen.  (Und öffnen  nicht auch die Türen elektrisch?)
Apropos Türen! Der elektronische Schlüssel fürs Bürogebäude ist höchstens noch zum Kaffeeumrühren gebrauchen. Aber:  Kaffeeautomat tot. Kein Wurstsemmerl aus der Kantine, weil kein Kantinenbetrieb. Kein Lift; was den Kolleginnen und Kollegen aus den Stockwerken  acht bis elf  für einmal die prächtige Aussicht vermiesen dürfte. (Andererseits sind die meisten vermutlich gar  nicht da, sondern versuchen zu Hause, ihre  Kinder zu bei Laune zu halten.) Weil: keine Schule, kein Kindergarten, kein Fernsehen, keine Computerspiele.  Ach!, da fällt mir ein, ich bin ja auch nicht da.
30.01.08

Lügner, elende

| Comments (1) | 01/08 | Falter-Kolumne

Ich will jetzt wirklich nicht ewig auf der Sache herumreiten, aber die Kollegen H. und T. wussten nicht, was ein Tabuleh ist. Bitte: Kurz gesagt handelt es sich beim Tabuleh um den Nudelsalat des 21. Jahrhunderts. Oder der Bobos, wenn man gern diesen Begriff strapaziert.
Und, doch, ich habe diese Woche auch Interessanteres erlebt, möchte aber nicht darüber sprechen. Auch nicht über das Kindertheater. Auch nicht über die erste Vorführung in der Zirkusschule, gerade weil es nett und beeindruckend war. Auch nicht über die spontan einberufene Kinderfaschingsparty bei den Schwarzens, denn klischeehafter können sich die Insignien eines für Mutter praktisch vollständig versauten Nachmittags nicht aneinanderketten (liegengebliebene Arbeit, Streit mit dem Langen, Langeweile, Frust, Prosecco, Magenübersäuerung, mehr Streit mit dem Langen.) Und das hatten wir schon, das hatten wir schon.
  Die Geschichte wiederum, die Geschichte, die ich erzählen wollte, über Eltern, die Nicht-Eltern anlügen, geriet unfreiwillig irgendwie ketzerisch und ... weiter lesen ...
30.01.08

Auf goldenem Boden

| Comments (0) | 01/08 | Kurier-Kolumne

Die Kolumne über den unfähigen Installateur der Wiener Firma G. aus der Mariahilferstraße, der für Nixwissennixkönnen 207 Euro kassierte (www.kurier.at/interaktiv/blog/knecht) regte nicht nur zahlreiche Leser auf. „Kundenfeindliches Verhalten“, schreibt Herr St., „Da hört sich doch der Spaß auf“, Herr B. „Das nächste Mal: nichts bezahlen, abwarten“ und den Richter entscheiden lassen, meinte Herr H.
Frau B. schrieb: „Sie haben der Frau R. hoffentlich empfohlen, sich an die Wirtschaftskammer zu wenden.“ Aber das war gar nicht nötig, denn schon am Sonntag (vorbildlicher 24-Stunden-Service!) war in meiner Mailbox  eine Stellungnahme der Installateursinnung der WKW, in dem ein Mag. Sch. meinte: „Das von Ihnen zitierte Schreiben des Installateursbetriebes ist zweifellos indiskutabel und ein Beispiel für perfekte Kundenabwehr.“ Natürlich sei es dem Gas- und Sanitärtechniker erlaubt, „Arbeiten im Bereich der Elektrotechnik durchzuführen, wenn es um Gasgebrechen geht. Ein Fachmann sollte  „nicht nur wissen, was er darf, sondern vor allem auch sein Handwerk beherrschen“. Man versuche, gegen schwarze Schafe wie die Firma G.  vorzugehen; aber Kunden müssten diese Betriebe halt  melden. Die Kosten von 207 Euro allerdings erscheinen Mag. Sch.  „in Ordnung (inkl. Wegzeiten, je nach Uhrzeit 50% Aufschlag)“.
Ja,  seine Ordnung mag das haben. Die meisten Menschen allerdings – z. B. Menschen, die mit Stundenlöhnen zwischen acht und 15 Euro eine Familie ernähren müssen – halten 207 Euro spontan für einen  enormen Betrag, selbst wenn sie nicht von kompletten Nieten aufgesucht werden. Und was macht Schwarzarbeit so extrem attraktiv? Genau solche ordentlichen Kosten.
29.01.08

Wochen-Hochlichter

| Comments (0) | 01/08 | Kurier-Kolumne

Heute: Ein paar  gefundene Hochlichter der vergangenen Tage.
1. Wunschkennzeichen der Woche. Ein britischer Geschäftsmann erwarb die Nummerntafel „F 1“ für umgerechnet 500.000 Euro. Es  kann  der Mensch ja nicht immer nur Immobilien oder Kunst oder gutes Gewissen kaufen; es muss auch einmal etwas Praktisches sein.
2. Begründung der Woche. Die tüchtige neue Opernball-Gastgeberin, schöne H.O.M.E-Chefin und elegante Bankiersgattin Desiree Treichl-Stürgkh durften  wir in den letzten 12 oder 24 Monaten  in grob gefühlten 7000 Preis-auf-Anfrage-Prinzessinnenkleidern bewundern: In allen  dafür geigneten  Medien Österreichs, immer wieder auf dem Titelblatt ihres eigenen Magazins, sowie bei Modeschauen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Bällen. Nun präsentierte sie dem Freizeit-KURIER ihr herrliches Opernball-Kleid aus  Duchesse-Satin, denn, so Treichl-Stürgkh, ihr Wunschmaterial Mousseline wäre nicht „medienpräsent“ genug gewesen. Den  Designer Franz Blumauer aber hat sie aus folgendem betörenden Grund ausgewählt: „Er exponiert sich nicht medial.“
3. Innovation der Woche. „Die Bar wurde als Ort der Begegnung konzipiert“, sagte auf ARTE Innenarchitekt Vincenzo de Cotiis über die Bar im von ihm neu ausgestatteten Mailänder Hotel Straf. Boah. Das ist einmal etwas komplett Außergewöhnliches für eine Bar.
4. Werbeplazierung der Woche.  Zwischen den Krokodilpenis-, Lebendwürmer- und Maden-Leckereien der Dschungelshow-Berichterstattung in Online-NEWS warb ein heimischer Tiefkühlkost-Produzent mit seinem  Slogan. Selten hatte die Aufforderung „Iss was Gscheit’s“ mehr Sinn.



27.01.08

Da muss ein Elektriker her

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An einem eisigen Freitag Nachmittag stellt Frau R. aus Wien fest, dass die Therme nicht   funktioniert. Im Internet findet sie das große Unternehmen G., das mit „Top-Qualität und sorgfältige Arbeit all unserer Mitarbeiter“ wirbt und einen 24-Service anbietet. Am Telefon wird sie informiert, sie habe bar zu bezahlen. Ein Installateur kommt, besieht  kurz die Therme und erkennt sofort, dass kein Strom vorhanden ist, da könne er nichts tun,  Fr. R. müsse einen Elektriker rufen. Für diese Auskunft kassiert der Mann 207 Euro. Bar. Fr. R. zahlt frustriert und ruft den Haus-Elektriker. Der stellt fest, dass das Gerät offenbar überhitzte und vom eingebauten STB-Schutzschalter  vom Strom getrennt wurde: ,Was sich durch einfachesDrücken dieses Schalters  beheben lässt. Der Elektriker drückt und informiert gratis, dass das einem Thermen-Fachmann fraglos bekannt sein müsse.
Frau R. ist entzürnt über die 207  Euro für Inkompetenz und reklamiert in einem Mail bei der Firma G., in dem sie den Sachverhalt genau erklärt. Die Firma G. zeigt sich uneinsichtig; Strom sei nicht ihr Metier. Frau R.  beharrt  darauf, dass ein Fachmann das diesen Schalter hätte kennen müssen. Die Firma schickt das Faksimile des Installateurberichts, in welchem dieser erklärt, dass für Stromschalter ein Elektriker zuständig sei; er nicht. Fr. R.  gibt nicht nach und erhält schließlich folgendes Mail:
S. g. Frau R., wir bedauern Ihnen nicht weiterhelfen zu können. Auch wenn Ihre Ironie und Ihr Tiefensinn für die Problematik nicht zu einem Ergebnis führen, darf ich Ihnen die Baumgartenhöhe empfehlen. Hierbei kann Spaß im Leistungsdruck am besten behandelt werden. Mit freundlichen Grüßen., iA NN
Top-Qualität, in absolut jeder Hinsicht.
24.01.08

Kinder kriegen

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Gesetzlich, so informiert die Servicehomepage HELP.gv.at , ist das Höchstalter von Adoptiveltern  nicht festgelegt. Praktisch bekommen adoptionswillige Paare im Inland kein Kind mehr zugesprochen, wenn die Frau über 34 Jahre alt ist, für Auslandsadoptionen gilt  40 als Höchstalter.
Dass Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky diese Grenze nun auf 45 Jahre erhöhen und damit der gesellschaftlichen Realität anpassen will, ist gut: Schließlich bekommen immer mehr Frauen ihre Kinder erst nach dem 35. Lebensjahr, viele erst jenseits der 40. Aus guten Gründen: Ausbildung, Berufserfahrung, Karriere-Stabilisierung, die Suche nach dem Optimal-Vater, exzessiver Nachtlebens- und Kulturkonsum. All die Dinge, denen die Vollzeit-Versorgung von Kleinkindern zumindest vorübergehend extrem abträglich ist. Und man will demNachwuchs nicht dereinst vorwerfen,  man habe seinetwegen etwas verpasst.
Wenn eine Frau dann mit  39 oder 41 schmerzhaft lernen muss, dass sie keine Kinder gebären kann, ist es für die Adoption eines elternlosen Kindes zu spät. Und während die einen bis 45 akklamiert Kinder in die Welt drücken, werden die anderen mit 40 als für die Mutterschaft zu alt aussortiert. Das ist ungerecht.
Bei Auslandsadoptionen wiederum geht es, wie  jüngste Recherchen  bitter gezeigt haben, nicht immer mit rechten Dingen zu. Genau so wichtig wie die Erhöhung des Höchstalter wäre deshalb,  potentielle Adoptiveltern durch Regelvereinheitlichung, breite Unterstützung und strenge Kontrollen der  Adoptionsvermittler davor zu bewahren, unter Kinderhandelsverdacht zu geraten. Sich ein Kind zu wünschen, ist legitim: und das muss es auch bleiben.
23.01.08

Einfach märchenhaft

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Was haben wir denn da. Aha. „Ausgestopfte Nashörner, ein Zebra und ein Leopard“. Dennoch: Es ist nicht das Naturhistorische Museum, das der Reporter der exklusivsten Tageszeitung Österreichs, Österreich,  am Sonntag einem exklusiven Lokalaugenschein unterzog, wie weitere, märchenhafte Erblickungen erahnen lassen. Denn selbst am WC herrsche „purer Luxus: die Rückwand eines echten Barockschrankes ist mit blauem Nerz tapeziert“, wobei unklar bleibt, ob die Echtheit des Barockschrankes oder die Blauheit des Nerzes den Reporter stärker beeindruckt.
Wir nehmen einmal an, dass es sich um einen Reporter und nicht um eine Reporterin handelt, denn bei der beschriebenen Wiener Liegenschaft handelt es sich um nicht irgendein, sondern „das luxuriöseste Bordell Europas“. Weil: Männer, „die ihr Geld schwer verdient haben“, so der Betreiber exklusiv zu Österreich, „wollen es nicht leicht ausgeben“. Sondern schwer, offenbar. (Wie leicht oder nicht die Frauen, die dort arbeiten, ihr Geld verdienen, ist in diesem Märchen irrelevant.)
Anderes Märchenhaftes entnehmen wir dem letzten KURIERplus. „Die Geschichte war so“, lesen wir da: „Schneewittchen war zu spät und die Kutsche weg – auch der Schuh war weg!“ Allerdings, liebe KollegInnen, die ihr dieses Märchen offenbar nicht 1000 Mal vorlesen habt müssen, war die Geschichte so nicht: Schneewitchen, das  ist die mit den   sieben Zwergen. Und die mit dem verlorenen Schuh, die heißt Aschenputtel und hat schiarche, böse Schwestern.
Immerhin: Eine gemeine Stiefmutter haben sie beide. Und den schönen Prinzen kriegen sie, eh klar, am Ende auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende und so weiter. Märchen eben.
22.01.08

So ruinieren Sie den Journalismus

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Maria ruft an und sagt, sie glaubt, es heißt DIE Tabuleh. Philipp smst, es gehören aber unbedingt Rosinen rein. Mark mailt, schön und gut, aber ein Tabuleh wär doch schon eher ein Sommeressen. Die E. sagt bei der Geburtstagsparty vom D., danke, jetzt kann sie sich beim Tabulehmachen endlich das depperte Couscous-Einweichen ersparen, das hat sie eh immer so genervt.

Und sehen Sie, genau das ruiniert den Journalismus. Genau das korrumpiert die Journalisten, die hunderte messerscharfe Hintergrundanalysen über politische Ereignisse in die Zeitung schreiben können, tausende blitzblanke Blicke auf die Aktualitäten der  Realität werfen oder in Millionen Kolumnenzeilen die diversen Elende in der Welt beprangern: Auf all das kriegt man kaum ein Reaktiönchen. Nichts, praktisch. Man ist wie gar nicht da. Aber schreiben Sie einmal ein Rezept in Ihre Kolumne, dann wird ... weiter lesen ...
20.01.08

Das Sackerlproblem

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In der Früh, wenn sie ihren Sohn in den Kindergarten bringt, nimmt Tina M. die Müllsackerl mit, die schon vor ihrer Tür stehen. Eins mit gequetschten Petflaschen, eines mit Altglas und eins mit dem welken Grünzeug-Kramuri vom Balkon. Sie nimmt das Kind an der Hand und sie gehen hinunter, hinaus und um die Ecke, wo die übliche Batterie von Müllcontainern aufgereiht steht: Weißglas,  Buntglas, Metall und Dosen,  Plastikflaschen,  Biotonn. Dazwischen der unvermeidliche Wäscheständer, der unvermeidliche Kunstlederkoffer.
Tina M. weist das Kind an, sich nicht vom Fleck zu rühren, dann   hebt sie den Biotonnen-Deckel, hält den Atem an, packt das ,Grünzeugsackerl umständlich am unteren Falz und kippt seinen Inhalt zu  faulem Gemüse, noch vollständig geschmückten Adventkränzen und  prallen Plastiksackerln.
Die Plastikflaschen darf das Kind, Tina M. hebt es ein ums andere Mal hoch, und auch ein paar von den Glasflaschen, die Tina M. mit spitzen Fingern aus einem alten Billa-Sackerl fasst. Dann steht sie da, mit drei leeren Sackerln in der Hand, zwei davon schmutzig. Darf sie die jetzt in den Plastikflaschencontainer stecken? Wie immer wünscht sie sich, da wäre noch eine Tonne, für genau für diese Sackerl. Wie immer muss sie mit dem Kind stattdessen zwei Mal über die Straße und die Sackerl dort in den städtischen Misteimer stopfen, der schon voll ist, weil alle anderen das auch tun.
Sie wird wegen den Sackerl jetzt endlich einmal auf der Stadt-Wien-Site nachschauen. (Wo stünde: Restmüll). Und sie wird eine Mail schicken: Innerlich macht sie sich eine Notiz, und als das Kind auf ein demontiertes Fahrrad deutet, hat sie es vergessen.
20.01.08

JETZT NEU: Porträts im Fach "Kehlmann, Dylan, Barry White" u. a.

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