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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Wenn ich das richtig verstanden habe, soll der Papa-Monat so funktionieren: Kind kommt auf die Welt, Papa nimmt einen Monat unbezahlten Urlaub (worauf er einen Rechtsanspruch hat), bleibt sozialversichert und erhält vom Staat 800 Euro Lohnersatz. Damit kuschelt sich die junge Familie vier Wochen daheim ein: Den Fehlbetrag auf Miete oder laufende Kosten spendieren die Schwiegereltern, oder man begleicht ihn mit Erspartem, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Bzw. aus den Überstunden, die der Papa macht (und zum Abarbeiten von Liegengebliebenem auch braucht), wenn er danach wieder arbeiten geht. Sehe ich das richtig?
Wenn das so ist, halte ich den Papa-Monat für eine subattraktive Idee und ich verwette meinen alten Wickeltisch darauf, dass seine Inanspruchnahme durch die väterliche Bevölkerung im unteren Zehn-Prozent-Bereich bleibt.
Das Ziel ist gut, das Instrument ist schlecht. Denn worum geht’s der Frauenministerin und dem Sozialminister? Es geht darum, die Väter von Anfang partizipatorisch in ihre Familien einzubinden. Das ist richtig; wichtig für die Kinder, die Mütter und die Väter selbst. Aber ich glaube kaum, dass man das mit einem isolierten Vater-Monat erreicht. Und ich bezweifle sehr, dass es zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit führt.
Was wir brauchen: flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter und Väter, die es beiden Elternteilen langfristig erlauben, sich gleichermaßen und gleichberechtigt um ihre Kinder zu kümmern. Ein Vater-Monat bewirkt genau das Gegenteil. Er sagt: Papa, einen Monat kümmerst du dich mit, dann übernimmt Mutter wieder voll. Das ist, Verzeihung, familienpolitisch komplett kontraproduktiv.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Was ist los mit Wien? Die Straßenbahnen fahren seltener, die Toten werden nicht mehr abgeholt; und jetzt muss man sich um den guten, alten Eislaufverein sorgen. Das in einer Stadt, die überhaupt nicht arm wirkt oder den Eindruck macht, als könnte sie sich keinen Eislaufplatz in zentraler Lage mehr leisten. Eine tüchtig steuerzahlende Wiener Hobby-Eisläuferin würde deshalb meinen: die Stadt könnte dem Bund den Platz, ähnlich wie sie es bei der Erweiterung der Steinhofgründe auf“s lobenswerteste getan hat, ohne große Wellen einfach abkaufen und als innerstädtisches Klein-Erholungsgebiet für alle Wiener widmen.
Denn gleichzeitig kann man ja offenbar problemlos in der Innenstadt Häuser abreißen und an ihrer Stelle von britischen Star-Architekten (in Wien gibt es ja keine) noch einen sechsstöckigen Hobbyraum für jene errichten lassen, die in ihrer Freizeit eher teuer einkaufen als billig eislaufen. Ein sog. „Weltstadthaus“ (wer erfindet eigentlich immer diese behämmerten Begriffe?), stolz präsentiert vom gleichen Planungsstadtrat, der in der Sache mit dem Eislaufverein tüchtig herumdruckst. Denn es gibt, siehe Augarten, überaus konkrete Gründe, um öffentliche, innerstädtische Freiflächen zu bangen: Wer einen Konzertsaal in einen Barock-Park bauen läßt, der kann vermutlich auch ganz gut mit einem Eislaufplatz weniger leben.
Es gibt ja eh den jährlichen „Eistraum“ am Rathausplatz. Eine wirklich herrliche Einrichtung, in der ich mir am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein prächtig die Hüfte prellte. Und wo das dichte Gewurl der Eisläufer keinen Zweifel daran ließ, dass Wien auf den zweiten innerstädtischen Platz nicht verzichten kann.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Jetzt aber ein Wort zur Abkühlung, bevor der Wir-Wahn vollends um sich greift. Weil folgendes, ihr verehrten, bewunderten und unbeneideten Schlagzeilen-Dichter, die ihr komplizierteste Sachverhalte auf knappste Worte einzudampfen habt: Der „Wir sind“-Hammer hat den Nagel genau ein einziges Mal getroffen, als Bild ganz Deutschland zum heiligen Vater machte. Damals allerdings mit Wucht. „Wir sind Papst!“: Das war wirklich, wirklich gut, ach: das war kolossal, witzig, verboten triumphal, prachtvoll inkorrekt, eine der trefflichsten, wenn nicht überhaupt die trefflichste Schlagzeile, die im deutschen Sprachraum je gedichtet wurde, und ihr Dichter wurde hoffentlich mit güldenen Lettern bekränzt und mit Geldbündeln beworfen.
Und sie ist nicht wiederholbar. Nicht kopier-, nicht adoptier- und nicht übertragbar, ganz besonders nicht auf Unbeseeltes oder Immaterielles: Wir sind nicht Literaturnobelpreis, nicht Gold und nicht Schiflug. Wir sind nicht EURO und nicht schwanger (mit Eisbären-oder Pandababies). Wir sind nicht Oscar.
Aber natürlich wären wir jetzt alle gern Niederösterreicher. Denn in Niederösterreicher erlebt das zuletzt durch einen Giftanschlag übel gebeutelte Wir-Gefühl eine ruhmreiche Renaissance. Wie freudentaumelte die NÖ-SPÖ-Vorsitzende Onodi? „Die niederösterreichische Beteiligung mit dem in Klosterneuburg lebenden Regisseur und dem aus Gerasdorf stammenden Hauptdarsteller ist eine großartige Visitenkarte für unser Bundesland.“
Besonders Klosterneuburg, meinte dessen Bürgermeister werde nun „zweifellos international aufgewertet“. Das sollte ein raffinierter Tourismus-Slogan unterstützen: „Wir sind Fälscher“, vielleicht.
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| 02/08
| Falter-Kolumne
Wichtig ist, dass immer genug Essen im Haus ist. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die ihr Leben der Aufgabe gewidmet hat, Leute zu füttern. Falls bei uns plötzlich das gesamte Viertel vollzählig auftaucht, weil, ich weiß nicht weil warum, aber falls: kein Problem für uns, es ist genug für alle da. Der Kühlschrank ist voll, das Tiefkühlfach ist voll und das Vorratsregal ist voller lang haltbarer Nahrungsmittel, aus denen sich schnell 33 bunte Menüs aus drei Kontinenten zaubern lassen. Ist vielleicht etwas genetisches.
Dennoch bringt mich die letzte Woche an psychische und phyische Grenzen. Am Montag finden wir, wir hätten die Horwaths zu lange nicht gesehen, also kommen sie zum Essen. Am Dienstag bitten wir die Breußes an unseren Tisch. Am Mittwoch haben die Mimis zwei Freunde zum Spielen zu Besuch, die von ihren Müttern wieder abgeholt werden, und das eine oder andere Glaserl und ein Teller Nudeln geht sich immer aus, auch für die Mutter von der Janine, die um halb sieben gleich gehen muss, und um neun muss ich sie aus der Tür treten. Ein Freund vom
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Der chinesische Promi-Porno-Foto-Skandal ist eine Lehrstunde im Unterrichtsfach „Privatsphäre“. Denn die Geschichte des chinesischen Jungstars, der seinen Laptop zur Reparatur gab, ohne zu bedenken, dass er darauf über 1000 private Sex-Fotos gespeichert hat, ist exemplarisch: Dafür, dass die größte Bedrohung für unsere Privat- und Intimsphäre wir selber sind – und die Überwachungskameras, die wir selber auf uns richten.
Natürlich hat sich der Privatheitsbegriff seit den 50ern massiv verändert: Die sog. eigenen vier Wände sind seit der Erfindung des Internets extrem durchlässig geworden – was heißt: sie existieren in dieser Form nicht mehr, weil wir das, was wir in dieser Sekunde zuhause privat tun und denken, in der nächsten der ganzen Welt zeigen und mitteilen können. Und es, siehe Millionen Chat-Foren, gerne tun.
Das Privatfernsehen wiederum kauft seinem Publikum erfolgreich die Scham ab: erstens mit Geld, zweitens indem es den Leuten einredet, dass etwas derartiges wie ein Geheimnis nicht mehr exisitert, wenn nur alle ihre Geheimnisse preisgeben. Die Schamgrenzen haben sich so massenhaft gegen Null verschoben, dass man den Eindruck gewinnen kann, alle bekämen ihre Kinder in Anwesenheit des Fernsehens, oder ließen sich unter die Bettdecke schauen, oder nur noch das Fernsehen mache Vaterschaftstest; und Auswandern oder Kochen oder Einrichten sei ohne das Fernsehen gar nicht mehr möglich.
Wir zeigen alles, wir filmen alles, jedes Kind hat eine Kamera im Hosensack, und immer mehr Leute haben auch eine im Schlafzimmer: Die Löcher in unseren vier Wänden sind so groß wie Schaufenster.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Die unbelehrbaren Falco-Verherrlicher, die derzeit durch die Medien marodieren und nun die Ziegelofen-Gasse ihres Namens berauben wollen, wurden vom ehrenwerten Kollegen Tartarotti eh schon zu 20 Zeilen schweren Sarkamus verurteilt; völlig zu Recht.
Wenngleich ich einräumen möchte: Wer die Falco-Stiege kennt, würde nicht wollen, dass etwas, das aussieht wie aus der Sommerschlussverkauf-Postwurfsendung eines Baumarkts nach ihm benannt wird. Da wird man ja noch ja lieber von einem Abschnitt der Südosttangente in Erinnerung gehalten, da ist man wenigstens periodisch im Verkehrsfunk. Verträumte Gässchen mit viel Denkmalschutz, hübsche Brunnen, kopfsteingepflasterte Platzerl, kleine Parks wie jener, der eben nach der 1986 verstorbenen Schauspielerin Dorothea Neff benannt wurde: Das hat man gern.
Wo bei man ruhig auch öfter einmal an die großen Lebenden denken könnte: Barbados bitte hat einem 20jährigen Popsternchen eben einen eigenen Feiertag freigeräumt. In Wien: Immer nur Ehrenzeichen, silber, gold, fad. Da hat ja niemand was davon, das kann man besser machen, volksnäher, mit optimiertem Nutzfaktor. Eine Lugner-City haben wir: Warum nicht auch eine Toni-Polster-Garage, einen Schneckerl-Kiosk, eine Hermann-Maier-Weiher, einen Helmut-Zilk-Bezirk, einen Alfons-Haider-Poller, ein H.C-Strache-Pis... Aber halt, aufgepasst, was man nach wem benennt: da lauern Zerwürfnisse wie zwischen Ikea und den Dänen.
Grundsätzlich aber ist Wien tragisch unterbenamst; was da namenloses Zeug herumsteht: Ampeln, Hecken, Verkehrsschilder, Büsche, Bäume; Bauzäune Geben wir ihnen Namen. Falco hat eh seine Stiege.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Dieses Jahr ist alles anders. 2008 ist das Jahr, in dem Castro abtritt, und Falcos ehedemes Abtreten extrabreit getreten wird. Es ist das Jahr, in dem auch der für Fashion-Fuzzis bisher eher unpackbare Bob Dylan von den Glam-Hochglanzmagazinen vereinnahmt werden wird, „I‘m not There“ sei Dank – und den vielen trendsettenden Schauspielern, die in diesem Film mitspielen.
Es das Jahr, in dem wir Simone de Beauvoirs Beziehung zu Jean Paul Sartre wieder einmal auf ihren erotischen Content untersuchten. Es ist das Jahr der verzückten Erinnerungen an 1968, die auch mal putzige Kunstbegriffsneuorientierungen zeitigen. Wie sagte Guggi Löwinger am Sonntag im KURIER? „Als Künstler muss man neutral bleiben.“ Im Gegensatz zu Supermarktregal-Schlichterinnen, Bankangestellten, Bus-Chauffeuren, Ärztinnen, Sekretärinnen oder Altenbetreuern, die ihre politischen Anschauungen in ihrem Berufsalltag ungeniert ausleben können.
Es ist das Jahr, in dem der Vertrag des bräsigen Doppels Harald Schmidt und Oliver Pocher um ein weiteres Jahr verlängert wird, was die Süddeutsche Zeitung ein wenig aus der grammatikalischen Spur warf: „Die Frage ist, wer wem verlängert hat: die ARD Schmidt oder Schmidt die ARD.“ Dessen fragen wir sich auch.
Es ist, säawas!, das Jahr, in dem zähe, sehnige Vorarlberger mit „Matrix“-Sonnenbrillen nach Wien gerufen werden müssen, um einmal ein bisschen durchzulüften. Und es ist das Jahr, in dem Thomas Schäfer-Elmayer (im Seitenblicke Magazin) verblüffende neue Weiblichkeitspostulate aufstellte: „Die Unterwäsche gehört bei einer Frau einfach dazu.“ Oh. Echt. Schwestern, jetzt heißt es umdenken.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das ist einmal eine schöne Idee: 100 Krankls (oder sagt man: 100 Krankl?) werden während der EURO als Kunststoff-Skulpturen über Wien verteilt aufgestellt. Keine dummen Witze über hoffnungssattes, strategisches Herumstehen in Bezug auf unsere Nationalmannschaft, bitte! Wir wollen positiv denken, positiv, positiv, positiv. Und wer könnte uns dabei besser unterstützen als Hans Krankl, der personifizierte Glücksmoment der heimischen Fußballgeschichte.
Die Krankls werden die Zürcher giften, denn im öffentlichen Herumstehenlassen von Plastikklumpert habe die Zürcher eine lange Tradition. Erstens zwingt die Zürcher Abfallwirtschaft die Zürcher, zweimal wöchentlich ihren Müll in dafür vorgeschriebenen Züri-Säcken vor die Tür zu stellen, wo ihn dann die Müllabfuhr abholt. Was dazu führt, dass Zürich zweimal die Woche aussieht wie Neapel an einem schlechten Tag; es riecht nur besser.
Zweitens, und darum geht es hier, verstellen die Zürcher alle paar Jahre wieder ihre Stadt mit hunderten bemalten Plastik-Viechern; erst waren’s Löwen, dann waren’s Kühe, zuletzt waren es 630 riesige, grottengruusige Plastikbären: Was Touristen und Kinder entzückte und vom gelernten Zürcher eher resigniert abgenickt oder in Form vereinzelter Vandalenakte kommentiert wurde.
Weil sich natürlich die Frage stellt: Was hat der Bär in Zürich verloren? Diese Frage stellt sich bei Krankl und Wien nicht. Allerdings kann Wien von Zürich etwas Mengenlehre lernen. Weil: 100? Hundert Krankls sind bitte viel! zu! wenig! Wenn Zürich, bestenfalls ein größeres Dorf, mehr als 600 Bären verträgt, braucht eine Weltmetropole wie Wien, mindestens 1000 Krankls. Mindestens.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Heuer ist konstruktives Denken angesagt. Heißt konkret, diese Kolumne stochert nicht mehr nur lustvoll in den so herumliegenden Problemen umadum und überläßt deren Lösung den zuständigen Stellen, nein: jetzt wird mitgelöst. Jetzt hagelt’s konstruktive Vorschläge, jetzt setzt’s Ideen zur Weltverbesserung im Kleinen und im, naja, Mittelkleinen. Diesmal: Rauchen im öffentlichen Raum.
Die Kollegin G. verbrachte kürzlich ein paar Tage in Zürich und hat in den lokalen Restaurants folgendes erlebt: Überall dort, wo gegessen wurde, wurden die Gäste gebeten, nicht zu rauchen. Die Gäste entsprachen dieser Bitte ohne Murren, und gingen, wenn sie rauchen wollten, hinüber an die Bar oder hinaus vor die Tür. In anderen Lokalen wiederum waren auf den Tischen Schilder aufgestellt, auf denen über ein zeitlich begrenztes Rauchverbot informiert wurde: ab 18 oder 20 oder auch 22 Uhr dürfe hier geraucht werden.
Und das erscheint mir ein relativ pragmatischer und praktikabler Schritt, die Interessen von Rauchern und Nichtrauchern allmählich zur Deckung zu bringen, und Raucher auf lieb daran zu gewöhnen, dass nicht mehr immer und überall geraucht wird.
Es wäre, denke ich, nicht zu viel verlangte Raucher-Rücksicht, dort konsequent nicht zu rauchen, wo gegessen wird, und dann nicht, wenn Kinder dabei sind. Im Gegenzug würden wir Nichtraucher, spät am Abend im Klein-Lokal, wenn alle satt und alle Kinder im Bett sind, freiwillig etwas Raucher-Rauch in Kauf nehmen. Das wäre, für den Anfang, vielleicht eine Verhandlungsbasis.
Was man allerdings bedenken muss: Wenn man die Zürcher um Rücksichtbittet, nehmen die Zürcher Rücksicht. Die Wiener: hm.
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| 02/08
| Falter-Kolumne
Ich bin mit dem Sedlacek zum Frühstück verabredet, und zur Begrüßung sagt er, das sei jetzt schwer zu glauben, aber er hat vorhin auf der Straße einen großen Mann mit einem Kind im Genick und Brillen wie zwei kleinen Fernsehern gesehen, war das vielleicht der Horwath? Das war zuverlässig der Horwath. Coole Brille, sagt der Sedlacek, sehr einprägsam. Sagte ich doch, sage ich, wie geht es dir? Einen doppelten Espresso und ein großes Glas Wasser, sagt der Sedlacek, nein, zum Essen nichts.
Es geht dem Sedlacek gut. Der Sedlacek ist zufrieden. Naja, bis auf die Weiber. Aber über die Auftragslage kann sich der Sedlacek nicht beschweren. Es ist natürlich anstrengend. Diese Woche war er schon in London, letzte Woche in Kopenhagen und in Mailand und vorletzte Woche in Hongkong. Und die ewige Fliegerei macht dir nichts aus?, sage ich. Nein, sagt Sedlacek. Ich flieg nicht mehr gern, sage ich. Ich bin auch nicht gern länger als zwei Tage weg von der Familie, es ist wie früher, als Kind, ich bekomme Heimweh. Echt, sagt Sedlacek. Ja, sage ich, wie damals im Jungscharlager: Weißt du, der Schmerz ist nicht kleiner geworden, nur die Person rundherum größer. Der Sedlacek schaut mich
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