31.03.08

Das stimmt eigentlich

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Der Kollege McDings, der all meine Offerten, ihm schnell itunes zu installieren, mit aggressivem Schweigen beantwortet hat, schreibt mir ein Mail: Er möchte sich so ein winziges Kasterl kaufen, wo man Musik hineinzaubern kann, er brauchts zum Laufen. Ob ich ihm sagen kann wie das funktioniert. Ich mail ihm zurück, ich kann, ob ich schnell hochkommen und ihm itunes installieren soll. McDings mailt, er will kein blödes itunes, er will in einen ipod Songs von seinen CDs einitun, weil die Scheißindustrie keine Kassettenwalkmen mehr herstellt. Ich mail ihm, itunes also, und der McDings, IQ irgendwo im Bereich 140 plus, mailt, ich soll ihn mit so einem neuen Mist in Ruhe lassen, er kann nicht mal den Senderspeicher vom Autoradio. Ich mail ihm: wenns der Lange kapiert, kapierst es auch du. Der McDings mailt, er hasst hasst hasst aber ... weiter lesen ...
30.03.08

Bettler wählen ja nicht

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Eins ist klar: Es kann nicht darum gehen, wie wir uns fühlen, wenn wir bettelnde Kinder auf der Straße sehen. Es geht  nur um das Wohl dieser Kinder.
Dass uns das schlechte Gewissen darüber drückt, dass es uns gut und den Bettlern schlecht geht, ist ein unendlich kleiner Preis für das Privileg, nicht in   bitterer Armut leben zu müssen.   Der Anstand verbietet, dass wir aus dem Impuls der Gewissensbissvermeidung zur Problemunsichtbarmachung schreiten, in dem wir das Betteln einfach verbieten. Das ist zu billig. 
Trotzdem: Kleine Kinder haben am  Straßenrand nichts verloren, größere gehören in  die Schule. Die Situation bettelnder Kinder, besonders, wenn die Erwachsenen, die sie zum Betteln missbrauchen, nicht ihre Eltern sind, ist für die Kinder unerträglich und  unzumutbar. Und unmenschlich.
Dagegen sollte eine funktionierende Kommune etwas zu unternehmen imstande sein: Aber von allen Maßnahmen, die man dafür ins Auge fassen könnte, ist das Instrument der  saftigen Geldstrafe hier das unangebrachteste. Es ist eine Verhöhnung dieser Menschen, die sich für einzelne Cent-Stücke erniedrigen, wenn man ihnen derart ungeheure Strafen - bis zu 700 Euro – zumutet. (In diesem Kontext interessant: Während sich die Stadt konsequent weigert, Wiener Hundekot-Bürgersteig-Verschmutzer empfindlich zu bestrafen – was in dieser Sache das einzig zielführende wäre –, beschließt man munter enorme Geldstrafen für ausländische Bettler. Aber die wählen ja nicht.)
Ja: Es braucht Hilfe und eine Lösung für die bettelnden Kinder. Das ist sie nicht.
28.03.08

KRRRRKK

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Es ist  überaus befriedigend, wenn die Vorschläge dieser Kolumne berücksichtigt werden (auch wenn das für die Zukunft heißt: aufpassen, was man vorschlägt, es könnte befolgt werden). So wurde die große Schmollition hier vor  Ostern angefleht:  Bitte Schluss mit dem Gezanke, und, tada!, nach Ostern war  Schluss mit dem Gezanke. Was mit einem vielbeblitzten Händedruck von Kanzler und Vizekanzler besiegelt und  obendrüber von beiderseitigem Gelächle hübsch beschlag-obershäubelt wurde. 
Der Händedruck als solcher wird für gewöhnlichals Respektgeste eingesetzt und gilt – oder galt in pränotarieller Zeit – als vertragsadäquat. Aber dieser hier...
Es sind Vizekanzlers Finger, die man  des Kanzlers Hand umgreifen sieht, und sie tun es in derart knochenbrecherischer Weise, dass man die Kanzler-Mittelhandknochen knirschen zu hören vermeint.  Was wiederum  die Mutmaßung aufdrängt, ob Gusenbauers geöffneter Mund als Lächeln nur missdeutet wurde und er  in Wirklichkeit  vor Schmerzen brüllt. So kraftvoll drückt Molterer zu, dass seine Knöchel  hervortreten und  das Blut in den Fingergliedern und unter den Nägeln schwillt, die vor lauter Druck an den Rändern weiß leuchten.  Krk. Krrrrrkk.
Dieser Händedruck macht mir koaltionsbezüglich ein wenig Angst, weil unklar ist, was er signalisiert: „Du, Fredi, ich bin ureuphorsiert über unseren dritten Neustart, juhu!“ Oder: „Gusenbauer, früher oder später treffen wir uns auf der Blutwiese.“ Mein hoffnungsschwangerer Vorschlag: juhu.
27.03.08

Kleine Wunder

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Herr K. ruft mich an und sagt, er hätte da eine Geschichte, die Wiener Linien betreffend, und ich zücke den Kuli und mache mich auf das Schlimmste gefasst.  Geschichten, derentwegen mich die Leser anrufen, sind, speziell, wenn sie die Öffis, die ÖBB oder die Post betreffen, meistens unerfreulich. 
So wie, wer sich erinnert, jene Geschichten von der gnadenlosen Abstrafung von ÖBB-Monatskarten-Besitzern, die eine Station zu weit gefahren sind oder ihr Geldbörsel vergessen haben. Diese Sache nahm allerdings eine erfreuliche Wendung: Denn es rief mich eine freundliche wie zuständige ÖBB-Dame an und sagte, das seien nun wirklich sehr ärgerliche Vorkommnisse,  und die ÖBB wolle den Betroffenen  gerne die sogenannte „Kontrollgebühr“ von 76 Euro zu erlassen bzw. zurückzuzahlen.  Stammkunden-Service, quasi. Geht ja: gut.
Zurück zu Herrn K.: Der erzählte, wie er am Ostersonntag an der Rossauer Lände mit seiner Frau auf die U-Bahn wartete und dabei am gegenüberliegenden Bahnsteig einen gebrechlichen Herrn beobachtete. Der Herr,  geschätzte 70 oder 75 Jahre alt, humpelte auf zwei Krücken äußerst mühseelig den Bahnsteig entlang. Schließlich kam er zum Stehen, und alsbald fuhr eine U-Bahn ein. Allein, es war ein Kurzzug und der stoppte zwei oder drei Wagenlängen vor dem gebrechlichen Herrn, welcher sich  auf  Krücken und Füßen aufmachte, den Zug noch zu erreichen, was misslang. 
Dann, so Leser K., geschah folgendes: Der Zug fuhr an. Blieb wieder stehen. Und dann tat sich genau vor dem alten Herrn eine Tür auf und er wurde eingelassen. Soll noch einer sagen, es gebe keine Wunder: Manchmal werden sie von mitfühlenden U-Bahnfahrern vollbracht. 
26.03.08

Fick deine Mutter

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Diese Woche brachte die erfreuliche Nachricht, dass die Mimis einen Platz an dieser kuscheligen, kleinen Schule haben. Es sind dort alle sehr nett und engagiert und pro Klasse gibt es, schätze ich, ungefähr zwei Ausländer, Schweizer oder Dänen oder so, deren Eltern vermutlich im Management eines BioFood-Distributors arbeiten. Oder bei der UNO. Wir haben den Kindern auch realitätsnähere Schulen gezeigt, mit rauchenden, kraftwörterspuckenden Hauptschülern am Schulhof, in die sie trotzdem nicht wollten. Zugegeben, es ist leicht, zwei Sechsjährige dazu zu kriegen, unbedingt an die kleine, engagierte Schule zu wollen, wenn sie dort beim Tag der offenen Tür zehn frühere Kumpels aus dem Kindergarten in den Klassen treffen und die Kinder der Freunde, der Nachbarn und anderer bildungsnaher Eltern, die ihren Nachwuchs ebenfalls gern an einer kuscheligen, kleinen, engagierten Volksschule ohne gewaltaffine 14jährige wissen.
  Und wo das schlimmste Wort, das die Erstklässler nach Hause bringen, etwas ist wie wie wie... wie Nutella. Mama, was bedeutet das: Nutella? Das, Kind, ist ein ganz böses ... weiter lesen ...
26.03.08

Oje, ein Cut

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Kurz bevor wir zum Schwimmen aufbrechen, rennt sich eins der  Kinder den Kopf am Türrahmen an. Großes Gebrüll, und ich rufe: Himmel, müsst ihr euch denn ständig wehtun, ihr müsst besser aufpassen! Meine Mutter sagt, wenn die Kinder wachsen, haut es sie öfter hin, sie weiß auch nicht warum: ganz offenbar wachsen meine  gerade. Ich  tröste das Kind und lege es aufs Sofa, und wie ich gerade den Cool-Pack aus dem Kühlschrank holen will, sehe ich, dass es an der Augenbraue blutet. Oje, ein Cut. Armes Kind.
Wir fahren also nicht schwimmen, sondern in die Unfall-Ambulanz des AKH, und ich pack schnell noch ein paar Bilderbücher und den Schwimmbad-Proviant ein; Erfahrungswerte: einmal, als eins der Kinder Scharlach hatte, haben sie uns im St. Anna in einer Quarantäne-Kabine vergessen; kein Witz.
Im AKH melde ich uns an, wir warten ein wenig, werden aufgerufen, das Kind wird angeschaut, wir warten wieder ein wenig, das Kind wird geröntgt, wir warten noch ein bisschen und das Kind wird genäht. Und obwohl Sonntag ist und sie arbeiten müssen, sind alle Leute, mit denen wir zu tun haben, Schwestern, Ärztinnen und Ärzte, völlig freundlich mit mir und unglaublich lieb zum Kind: es bekommt leere Spritzen und bunte Pflaster und aufmunternde, anerkennende Worte, und deswegen bliebt das Kind auch ganz ruhig und gelassen, als es mit drei Stichen genäht wird, und es fließt keine einzige Träne.
Das war, obwohl Schwimmen besser gewesen wäre, eine gute Erfahrung: Dass in diesem riesigen Krankenhaus auch die kleinste Wunde am kleinsten  Patienten derart sorgfältig und einfühlsam behandelt wird. Und das gehört unbedingt gelobt.
24.03.08

Und jetzt zum Hasen

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Von allen Dingen,  die ich in der Woche vor Ostern unbedingt noch erledigen wollte – und die meisten habe ich tatsächlich erledigt  – war  Ostereier-Färben mit den Kindern eine der wichtigsten; und das habe ich vergessen. Typisch. Das steht jetzt noch an, denn eine Sache kommt für mich einfach nicht in Frage: fertig gefärbte Eier im Supermarkt kaufen. Ist mir unmöglich. Es muss sich dabei um ein genetisches Defizit handeln, das sich auch auf Faschingskostüme erstreckt (was ich Jahr für Jahr wieder verfluche, wenn Plüsch- und Satin-Teile aneinander nähe) sowie auf fertig gefüllte Adventkalender und pflegeleichte Polyesterchristbäumen: Das geht nicht, da bin ich konservativ.
Die zwölf  Eier vom Biobauern, die seit Tagen im Kühlschrank liegen, werden heute also irgendwann noch in  färbige Chemiebrühen getunkt, was mich vor das gleiche Problem stellt wie derzeit die EU: Ist es dann noch ein Bio-Ei? Im Unterschied zur EU gibt’s bei mir zuhause allerdings nicht ganz so strenge Richtlinien für Bio-Futter. Bzw., es spielte keine so große Rolle, wenn ich vergessen hätte, Ostern in den Bio-Auflagen-Katalog einzuplanen, wie es die EU vergaß, weshalb es für bunte Bio-Ostereier nun EU-weit keine Richtlinien gibt, weshalb sie fast überall nicht als Bio-Eier verkauft werden dürfen. Anders als die EU darf ich sagen: Schmecks, es ist halt ein irgendwie gefärbtes Bio-Ei, Hauptsache  es ist genau sieben Minuten gekocht.
Aber: nein, Kinder, malt lieber nicht auch noch etwas Hübsches mit meinem Permanent–Marker drauf, weil ich glaube, der ist wirklich giftig. Und jetzt her damit: ich muss sie dem Osterhasen übergeben: Nicht, dass ich das auch noch vergesse. 

21.03.08

Die große Schmollition

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Jetzt mal aus der Position der genervten Wählerin. Weil, diese Regierung. Was wird von dieser Regierung in Erinnerung bleiben? Dass sie mit Serien-Umfallern begann, dass gestritten wurde, dass zwischendurch im Ruckizuckiverfahren teilweise halbgare Gesetze im Dutzend beschlossen wurden, von deren Inhalt manche Regierungsmitglieder erst nach ihrem Beschluss Kenntnis erlangten, dass gestritten wurde, dass andere, überfällige Gesetze verschleppt werden, dass gestritten wurde. Und an eine wochen-, ja monatelange Paralyse, in der sich die Koalition offenbar nur mit einem einzigen Thema beschäftigte: der Koalition, ihrer Krise und wer auf wen warum schmollt.
 Es ist so eine Wenn-du-nicht-tust-was-ich-will-lad-ich-dich-nicht-auf-meine-Party-ein-Kindergärtler-Beleidigtheit. Aber im Unterschied zu den Kindern kann man  die SPÖ-ÖVP-Schmollition leider nicht genervt ins Zimmer schicken: Und ihr kommt erst wieder raus, wenn  ihr euch beruhigt habt und wieder lieb zueinander seid!  (Andererseits kann man die Kinder nicht abwählen, falls alles Zureden nix nicht nützt. Aber im Unterschied zu Regierungen will man das auch nicht.)
Das Problem bei abgewählten Regierungen: Es kommt oft nichts besseres nach. Deshalb hier der Appell der genervten Wählerin: Biiiiitte! Schluss jetzt! Hörts auf zu streiten und spielts, äh, regierts endlich miteinander!  Macht uns nicht noch politikverdrossener als wir  eh schon sind. Weil, Neuwahlen... Wozu den nächsten Stillstand wählen? Kostet nur sinnlos Geld: Lieber diesen hier zu Ostern  endlich beenden. Damit wir uns vielleicht doch noch an etwas anderes erinnern können als an eine große Schmollition.
20.03.08

Todschicke Küche

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Der Frühling ist da, die Bäume schlagen aus, der Bärlauch sprießt: Ich habe schon welchen gefangen, am Waldviertler Waldesrand, packte ihn in ein Sackerl, nahm ihn mit nach Wien, tat ihn in den Kühlschrank und vergaß ihn dort, bis er verfaulte. Den Kollegen T. wird das befriedigen, denn er hasst Bärlauch und findet, seine Erwähnung auf Speisekarten sollte bei Strafe verboten werden. Das finde ich nicht: Ein-, zweimal Pasta mit Bärlauch-Pesto gehören zum Frühling wie der Krokus.
Apropos Kochen. Denn Frühling heißt auch Möbelmessen  und Einrichtungsextras in   den Zeitungen, und was sehen wir da u.a.? Wir sehen die moderne Küche in all ihren schicken Ausformungen. Teure, edle Küchen, und die  Küchen-Designer, die sie sich  fürs 21. Jahrhundert ausgedacht haben, schauten dabei offenbar zuviel „CSI“: Diese Küchen sehen aus wie Seziersäle, die man täglich mit dem Schlauch  ausspritzt: nie soll der Verdacht auf sie fallen, dass darin  gepatzt, gelebt oder gar gekocht wird.
Nun will ich nicht meine Küche idealisieren, in der  Tassen von  der Decke baumeln, Teedosen und Gewürzgläser sich riskant stapeln,  wo große Töpfe und Bambusdämpfer unter der Eckbank hervorlugen, wo sich Kochbücher an Marmeladen an Schnäpse drängeln und die Arbeitsfläche vom Gemüse-Hacken ganz zerkratzt ist: reine Stauraummangelwirtschaft. Keine schöne Küche,  aber  eine Küche, aus der wir bei größeren Einladungen die Gäste mit Fußtritten   nach drüben, an den großen Tisch im Wohnzimmer treiben müssen, weil: in der Küche ist es viiiiel gemütlicher.
Ich frage mich: Wer kocht  und  isst gern in einer Prosektur? Und was gibt’s heute im Seziersaal? Bärlauch-Nudeln? Eher nicht.
19.03.08

Oder nach dem Alphabet

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Der Urban hab ich den geplanten Kinobesuch  abgesagt, denn ich musste meine Bücher sortieren. Wie langweilig kann man eigentlich werden? Das hat sich, glaub ich, auch Sedlacek gedacht, neben dem ich auf Mizzis Geburtstagparty zu sitzen kam: Wir stießen auf Mizzi an, ließen uns von Anna in inniger Umarmung fotografieren und erinnerten uns mit sentimentalem Gegrinse daran, wie wir einmal fast... aber nur fast. Den Großteil meines Konversationsanteils befüllte ich mit kleinen Schwänken aus meinem Leben, die nur unzureichend davon abzulenken vermochten, dass es von meiner Existenz nicht viel zu berichten gibt, außer Langweiliges. Also langweilig für Mover und Shaker wie Sedlacek, die ein Leben voll beruflichem Abenteurertum, gesellschaftlicher Risikobereitschaft und sexueller Ausschweifung im In- und Ausland führen. Und auch wenn ich von früher weiß, dass das oft spannender klingt als es ist und immer aufreibender ... weiter lesen ...
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