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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Zweierlei wird neu im Herbst: Die Wiener Kindergärten werden gratis und das letzte Kindergartenjahr wird österreichweit halbtags verplichtend. Heißt: dass viel, sehr viel mehr Kinder die Kindergärten besuchen werden. Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen – der KURIER berichtete – fragen immer lauter, wie das denn bitte gehen soll. Denn schon jetzt haben Kindergärten Schwierigkeiten, genug gut ausgebildetes Personal zu bekommen, und es ist eher unwahrscheinlich, dass es diesen Sommer unversehens doppelt so viele Absolventen von Kindergartenschulen geben wird wie bisher.
Und es ist auch nicht wahrscheinlich, dass sich, weil es die Situation plötzlich erfordert, überraschend doppelt so viele junge Frauen und Männer wie bisher entschließen werden, eine Kindergartenpädagogik-Ausbildung zu beginnen:
Zwar sind die Arbeitsplatz-Aussichten trotz Krise traumhaft, aber die Gehälter, vor allem die Einstiegsgehälter, sind es nicht. Die sollen nun sukzessive erhöht werden, allerdings betrifft das kaum jene Pädagoginnen, die schon länger unglaublich wichtige und – man lernt das, sobald man selbst Kindergärtler zuhause hat – großteils hervorragende Gesellschaftsarbeit leisten. Die haben jetzt nur Angst vor dem Herbst. Und das mit Recht.
Denn die Antworten, wie das alles genau gehen soll, blieb uns die Stadt bisher schuldig. Werden die bewährten Pädagoginnen das schon irgendwie schupfen? Wird ihnen vom AMS blitz-geschultes Hilfspersonal beigestellt? Wird an die bestehenden Kindergärten zugebaut oder werden neue eröffnet? Wann und wo?
Es soll noch einmal gesagt werden: Es ist prächtig, dass der Gratiskindergarten endlich kommt. Aber ohne die nötige Infrastruktur wird es ein Desaster.
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| 05/09
Frau Sch. schreibt mir. Sie hat Ärger; großen Ärger, teuren Ärger. Und zwar warum: Im Dezember kauften sie und Ihr Mann bei der Firma 3 ein Internetpaket, dessen Namen u.a. das Wort „fair“ schmückt. Das Paket kostete 20 Euro im Monat und erlaubte es der Familie Sch., in diesem Zeitraum 15 GB Datenvolumen downzuloaden. Alles funktionierte prächtig, und vor einer Woche nicht mehr: Der Internetzugang war mit einem Mal gesperrt.
Frau Sch. telefonierte und erhielt schließlich die Auskunft, sie habe schon zu viel heruntergeladen. Die Rechnung, die bald darauf eintraf, wies auch aus, wieviel das gewesen war: Nämlich insgesamt vier GB mehr als die monatlichen 15 GB . Frau Sch. rechnete also mit Mehrkosten, freilich durchaus nicht in dem Ausmaß, wie sie in der Rechnung vorgeschrieben wurden: Für die vier zusätzlichen Gigabyte verrechnete 3 nämlich 400 Euro.
Frau Sch. rief fassunglos bei 3 an, um zu fragen, wie um alles in der Welt man auf diesen Betrag komme, worauf ihr beschieden wurde, das könne sie ganz leicht dem Kleingedruckten in ihrem Vertrag entnehmen. Frau Sch. fand den Vetrag, fand das Kleingedruckte, fand eine Lupe und las dann: „Die Kosten nach Verbrauch der inkludierten Einheiten betragen 0,10 € pro MB.“
Falls Ihnen bis jetzt nicht bewusst war, aus wievielen MB ein GB besteht: Es sind 1000. Und das faire Paket schaut so aus, dass die ersten 15 MB je 1,33 Euro kosten und jedes weitere, in das man ungewarnt hineinstolpert, je 100 Euro. Worüber man Frau Sch. beim Abschluss des Vertrages nicht eigens informiert hatte, denn dann hätte sie garantiert besser aufgepasst. Wenn Sie also künftig ein Internet-Paket kaufen: Vergessen Sie die Lupe nicht.

Boboville - Residenz Verlag
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| 05/09
| Falter-Kolumne
Der Lange liegt mit dem kranken Mimi im Bett und zeigt ihm am Laptop AC/DC-Videos. Das Kind wirkt so glücklich, wie ich es von unseren Kindern, wenn sie ein AC/DC-Video sehen, erwarte, und will nun doch Gitarre lernen. Das ist gut; denn wenn sie im Herbst Gitarrenunterricht nehmen, muss ich nicht mehr mit dem schlechten Gewissen leben, dass ich meine Kinder vor allem zum Fußball und zum Judo schicke. Statt mich um die Förderung ihres musischen Talents zu kümmern, wie es gute, verantwortungsvolle Eltern tun würden, und zwar egal, ob in ihrem Kind ein musisches Talent verborgen liegt oder nicht. Und ich hätte ja gerne, dass die Mimis ein, zwei und dann vielleicht sieben Instrumente beherrschen, dass sie irgendwann virtuos Klavier oder in einem Orchester spielen können. Aber damit sie irgendwann virtuos Klavier spielen können, müsste ich sie schon jetzt jeden Tag vom Spielen, Fußballen, Balgen und Herumdüsen abhalten, und stattdessen mit ihnen das Instrument üben. Ich finde aber, dass siebenjährige Kinder ihre Nachmittage lieber mit Herumgespiele und sozialer Interaktion verbringen sollen, als mit konzentriertem Lernen und Üben, nur führt es halt wahrscheinlich dazu, dass sie keine Konzertpianisten werden. Allerdings können sie sich von ihrem Vater abschauen, dass es komplett unnötig ist, ein Instrument zu beherrschen oder auch nur singen zu können, um Frontman einer Band zu werden und wiederholt Tonträger zu veröffentlich; ja, dass zu große Kunstfertigkeit am Instrument im Gegenteil den Geist des Rock`n`Roll übel kontaminiert, wie der Lange gerne predigt. Oder hat man am Konservatorium je die Hells Bells erklingen hören? Eben. Es hat alles zwei Seiten.
Weil ich gerade die Zahl sieben erwähnte. Es naht das Wiegenfest der Mimis, und was ist? Am Tag der Feierlichkeiten, die dieses Jahr in einem Freibad stattfinden sollen, ist mit schweren Stürmen und Temperaturen unter zwanzig Grad zu rechnen. Das heißt, dass ich in der Wohnung Platz für ca. 22 Kinder plus ihre Erziehungsberechtigen schaffen muss. Wobei, das geht alles noch, richtig schwierig wird es, dann den heiteren und gelassenen Eindruck zu erwecken, den man von einer alltagsgestählten Mutter während der Party ihrer eh nur zwei Kinder erwartet, und leider sollte sie dabei nicht lallen. Und nicht mir ihrem Lebensgefährten streiten, was sich im Kinderpartystress gerne aufdrängt, wenn der Lange schließlich findet, er habe nun genug geschuftet, sich auf seine seine Kernkompetenz besinnt und mit den anderen Vätern beim Bier lustig plaudert. Die Eltern, die uns davor noch nicht gekannt haben, werden am Heimweg finden, dass der Vater ein heiterer und gelassener Kerl ist, aber die Mutter stresst leider entsetzlich, und hat die nicht gelallt? Die hat doch gelallt! I´m direkt on the highway to hell, aber das ist jetzt auch nichts Neues.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Susan Boyle, 48, wohnt in einem schiarchen, dunkelgrauen Haus, hat dicke Augenbrauen, tüchtig Übergewicht und in Styling-Fragen ein extrem unglückliches Händchen. Trotzdem ist Boyle Englands neuer Superstar, seit sie kürzlich in einem erschreckenden Kleid und mit Horror-Haaren auf eine TV-Bühne trat, sich von einer Jury verspotten ließ und dann den Mund aufmachte. Die Menschen im Publikum und vor den Fernsehern weinten, als Boyle mit einer ungeheuer großen Stimme einen Musical-Ballade zum Vortrag brachte.
Jetzt steht sie im Finale der TV-Show „Britain’s Got Talent“ und wenn sie nicht gewinnt, wird es in England vermutlich zu Straßenschlachten kommen. Denn Boyle ist die neue Identifikationsfigur der britischen Unterschicht, und anders als Jade Goody, die ihr Leben in Big-Brother-Containern verbrachte und öffentlich starb, kann sie tatsächlich etwas. Und zwar richtig gut.
Und das kann man von Susan Boyle lernen: Glaub an dein Talent, auch wenn es nicht ins Schema passt. Sonst allerdings leider weit weniger, als uns Sozialromantiker verkaufen wollen: Denn die Zentral-Botschaft des Boyle-Märchens ist doch, dass man es unbedingt ins Fernsehen schaffen muss – und das eignet sich als genuines Lebensprinzip nur sehr bedingt. Vor allem haben uns zwei Jahrzehnte Doku-Soap-und Casting-Tralala-Erfahrung gelehrt, dass der dort produzierte Ruhm etwa das gleiche Ablaufdatum hat wie ein Liter Vollmilch. Und was passiert, wenn man es in dieser Zeit nicht schafft, tüchtig Geld zu scheffeln, haben schon viele Big-Brother-, Taxi-Orange-, Ekel-Camp und Starmania-Teilnehmer vorexerziert: Dann muss man leider zurück ins dunkelgraue Haus. Und die von Stylisten gezupften Augenbrauen wachsen sofort nach.
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| 05/09
Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen: Bis 1971 wurde Homosexualität in Österreich mit „schwerem Kerker von einem bis fünf Jahren“ bestraft. Noch bis 2002 drohten einem 18-jährigen, der mit einem 17-jährigen zusammen war, bis zu fünf Jahre Haft; es war ein langer und harter Kampf, bis der Paragraph 209 endlich abgeschafft war. Und noch immer kann sich die Politik nicht durchringen, gleichgeschlechtliche Beziehungen mit heterosexuellen gleichzustellen und endlich die Homo-Ehe einzuführen.
In Deutschland dürfen homosexuelle Paare nun seit zehn Jahren heiraten. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung (www.sueddeutsche.de) hat zu diesem Anlass ein berührendes Interview mit zwei alten, glatzköpfigen Männern geführt: dem 74jährigen John Günther und dem 81jährigen Alfred Kaine, die seit 48 Jahren ein Paar sind und ihre Partnerschaft von Beginn an gerne legalisiert hätten: Sie mussten 38 Jahre darauf warten. Nun sind sie seit zehn Jahren glücklich verheiratet.
In Österreich warten schwule und lesbische Paare immer noch; und man fragt sich, warum man sie warten lässt. So, wie sich erzkonservative Kreise einst gegen die Entkriminialisierung von Homosexualität stellten, so verhindern sie heute, dass Schwule und Lesben, wenn sie das wollen, endlich heiraten dürfen wie andere Paare auch. Ja, es gibt Entwicklungen, die man verhindern muss: Liebe zwischen Erwachsenen gehört nicht dazu. Das sollte auch der Staat endlich anerkennen, in dem er eine echte, nämlich gleichberechtige Legalisierung bald ermöglicht.
Denn sicher ist: Dass lesbischen und schwulen Paaren das Heiraten einst verboten war, das wird man sich irgendwann kaum mehr vorstellen können.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Jahrelang waren Neonazis in Österreich kaum ein Thema, jetzt sind sie wieder derart sichtbar, dass man sich fragt: Wo kommen die jetzt plötzlich her? Wurden hier harmlose Kinder über Nacht in gewaltbereite Neonazis verzaubert? Oder warum hat das sonst keiner bemerkt? Wollte man nicht? Wurden die Anlagen für eine gewaltbereite rechte Szene übersehen oder heruntergespielt?
Ebensee hat ein winziges Gutes: Die Öffentlichkeit ist wieder dafür senisbilisiert, dass es vom bleden Buam mit interessanter Weltanschauung zum kriminellen Straftäter oft nur ein kleiner Schritt ist. Ein Schritt, den man verhindern muss.
Auch wenn die FPÖ die Ebensee-Geschehnisse in ihrem EU-Wahlkampf sehr offensiv als Streiche von Buben abtat, die sich, so FPÖ-Chef Strache durch „ein paar Tachteln“ von ihrem Übermut heilen lassen. Womit Strache die Täter von Ebensee nicht nur in Schutz nimmt, sondern ihnen und anderen Jugendlichen mit ähnlichen Interesen eine Heimat in einer Partei anbietet, bei der es schon einmal vorkommen kann, dass man in eine Wehrsportübung u.ä. verwickelt wird. Und wo Verirrungen dieser Art nicht zu gesellschaftlicher Ächtung führen, sondern mit etwas Glück zu einem angesehenen und gut bezahlten Job bei einem Nationalratspräsidenten.
Und an dieser Stelle muss es wieder gesagt werden: Es verharmlost nicht nur die FPÖ. 109 von 183 Parlamentsabgeordeten, also mehrheitlich Abgeordnete der SPÖ und der ÖVP, haben einen Nationalratspräsidenten gewählt, der nach wie vor Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft ist. Man will jetzt endlich einmal einige von denen sagen hören, dass das ein Fehler war. Und zwar so, dass es auch Jugendliche vernehmen.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Der G. hat eher harsch auf die gestrige Selbstversorger- und Selbermacher-Kolumne (www.kurier.at/interaktiv/blog) reagiert: Diese Schollenromantik! Bitte! Also er fände das direkt ein bissl faschistoid. Und dieses Handwerkspathos; also das sei doch wohl ein ziemlich bildungsfeindliches, ja antiintellektuelles Konzept.
Er wolle, Krise hin oder her, auch künftig nicht verzückt an Eigenbau-Karotten schnuppern und ganz gewiss kein Brot backen. Er sei ein großer Anhänger der arbeitsteiligen Gesellschaft und beabsichtige, es zu bleiben: Er benütze den Inhalt seines Kopfes für Denk-Arbeit und der Bäcker backe das Brot. Das sei richtig so und solle unter allen Umständen auch in Zukunft so bleiben. Im Übrigen, sagt G., sei es gerade in der Krise total unverantwortlich, wenn ich meine Dienstleistungen von nun an selbst erledige, weil das dem Dienstleistungssektor die Existenzgrundlage noch weiter entzöge.
Ja. Hm. Allerdings gehen jetzt zum Beispiel die Bäcker nicht wegen der paar Hansln ein, die ihr Brot selber backen, sondern wegen der Masse, die lieber im Supermarkt konserviertes, folienverschweißtes oder gebähtes Brot kauft als richtig gebackenes vom Bäcker. Und es geht ja gar nicht darum, sich vom Dienstleistungssektor ganz unabhängig zu machen, das funktionierte sowieso nicht, sondern es geht darum, ein bisschen mehr aus sich herauszuholen. Verborgene Talente auszugraben, einfache Dinge wiederzuerlernen, mit den eigenen zwei Händen etwas zu schaffen (und ja, ich spreche hier als eine, deren Hände vor allem mit der Tastatur vertraut sind).
Ja, eben, sagt der G., welche Lobby vertritt denn eigentlich uns Zehn-Däumler, die für jegliches Handwerkliche einfach zu ungeschickt sind? Ja, das ist ein Problem. Aber das kann ja der Kopf vom G. lösen.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Das Krisengemüse, also die Erdäpfel, die ich vor einigen Wochen in die Erde gesteckt habe, wachsen schon, nur falls es jemanden interessiert. Und die Paradeiser blühen. Und der Mangold explodiert. Und den Salat haben die Schnecken gefressen. Eh nicht den ganzen; aber die Selbstversorgung mit Blattgrün ist derzeit absolut nicht gewährleistet.
Apropos Selbstversorgung. Leserin Veronika H. rät, einmal sein Brot selbst zu backen, und die Autorin schließt sich dem nach mehrmonatigem Selbstversuch an: Einen halben Würfel Germ in ein halbes Kilo Mehl bröseln, 3/8 Liter warmes Wasser, einen Löffel Salz, ein Schuss Öl oder einen halben Becher Joghurt dazu. Gut kneten, Minimum eine Stunde gehen lassen. Irgendetwas daraus formen. Im heißen Rohr 20 Minuten bei 240 Grad backen, dann ca. zehn Minuten bei 200 bis 220 Grad; mehrmals mit Wasser bestreichen. Raustun, fertig; kostet keinen Euro.
Und klingt nach einer Einladung zur Spießbürgerei, ja, aaaber: Ich glaube, dass es in schwierigeren Zeiten Sinn macht, sich Kulturtechniken anzueignen oder zu entsinnen, deren Beherrschung in Fertig- und Instant-Zeiten entbehrlich war. Jetzt gar nicht aus einer Überlebensnotwendigkeit heraus, sondern aus psychologischen Gründen. Es stärkt das Selbstvertrauen, wenn man sich einiger Talente sicher sein kann, wenn man etwas bauen, herstellen, wachsen lassen, reparieren, denken, kochen, und, ja, backen kann. Selber machen. Wenn man nicht in absolut jedem Lebensbereich die Fähigkeiten anderer zukaufen muss oder auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Nein, das ist gewiss kein Rezept gegen die Krise: Aber vielleicht gegen die Krise in sich selbst.
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| 05/09
| Falter-Kolumne
Das Problem mit den Süßigkeitenverstecken im Kinderzimmer hat sich jetzt insofern für alle Zeiten erledigt, als in einem davon eine Fleischfliege ihr Nest gebaut und ein paar Dutzend Eier ausgebrütet hat. Nachdem ich vor den Augen der Mimis ungefähr 40 fette und zum Glück noch nicht komplett flugtüchtige Fliegen erschlug, räumten die Mimis ihre diversen Geheimlager freiwillig aus; zumindest die, an die sie sich noch erinnern konnten. Die Liste der noch anstehenden Erziehungsaufgaben wurde also mit tatkräfitger Unterstützung der Natur um eins verkürzt. Einiges steht dagegen noch aus. Auf der Das-gewöhnen-wir-uns-ab-Seite: Nägelbeißen, Lügen, Stehlen, Zündeln, Jausenvollkornbrote gegen Milchschitten tauschen, bösartiges sams- und sonntägliches Frühaufstehen, scharfkantige Legoteile unter den frisch pedikürten Sohlen der Eltern deponieren, vorsätzliches Hausaufgabenhefte vergessen, Kreischen auf dieser Mörderfrequenz. Auf der Das-lernen-wir-noch-Seite: regelmäßige Betätigung der Klospülung, Händewaschen, Zähneputzen, Gemüseessen, Zimmeraufräumen, Befehlebefolgen, mucksmäuschen still am Rücksitz sitzen und die vorbeifliegende Natur bewundern, den guten Eltern stets dankbar sein.
Aber nicht nur die Fauna unterstützte die Erfüllung von Elternwünschen, auch der ORF. Leider ist Dancing Stars, das über die letzten Wochen in unserem Haushalt eine Blitz-Karriere als beliebtestes Druckmittel zur Durchsetzung von Forderungen machte, jetzt aus: Mit befriedigendem Ergebnis für eins der Mimis und zum sehr großen Unmut des anderen, das es extrem unlogisch fand, dass Ramesh Nair nicht Dancing Stars werden durfte, weil er tanzen konnte. Darum geht’s doch, schimpfte das Mimi und malte dem aus einer Zeitung gerissenen Inder über seinem Bett gerade extra einen Heiligenschein. Gemein!
Ach, ja, gemein: Ich habe Sedlacek ein SMS geschickt, dann hat mir Sedlacek ein SMS geschickt. Das SMS war beleidigend. Das SMS war unheimlich beleidigend. Wahrscheinlich habe ich nie zuvor in meinem ganzen Leben ein beleidigenderes SMS bekommen, nicht einmal von Sedlack, der bekanntlich sehr nah an der Beleidigung gebaut ist. Aber diese SMS war so unvorstellbar, ja obszön beleidigend, dass ich Sedlaceks nächste vierzig, nein, HUNDERTvierzig SMSe ignorieren werde. Und mindest 200 Mal hebe ich nicht ab. Ich freue mich richtig darauf, nicht abzuheben, ein Strichelliste werde ich mir anlegen, weil ich unter keinen Umständen weniger als 200 Mal nicht abheben werde, und vielleicht werde ich danach auf 300 erhöhen oder auf 350; genetische und austrologische Voraussetzungen ermöglichen mir das. Und ganz bestimmt werde ich Sedlacek nie, nie niemals wieder an seinem Geburtstag ins Telefon singen, wie an seinem letzten, wo er vor Rührung fast ein Ei gelegt hat, das war das erste und letzte Mal, ja, ja, sagt ihm das ruhig, wenn ihr ihn seht, ist mir völlig wurscht.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Weil die Männer zusehends ins bequemere und preisgünstigere Internet abwandern, muss der Beate-Uhse-Konzern sich eine neue Zielgruppe erschließen, und wer bleibt übrig, solange die Buben unter 18 sind: die Frauen.
Die sollen nun die Gewinne nicht mehr ausschließlich durch Aktivitäten im Bereich männlicher Triebbefriedigung maximieren, sondern selber kaufen. Leider ist es bislang nicht gelungen, erfolgreich einen Markt für Frauen-Pornos zu schaffen, darauf sprechen die Mädels einfach nicht richtig an. Muss man ihnen etwas anderes verkaufen.
Jetzt hat man sich gedacht, was tun Weiber am liebsten: Sie tun gern shoppen, sie tun gern hübsche Sachen anprobieren, sie tun gern mit Freundinnen tratschen, sie tun gern Prosecco trinken und sie tun gern Leute ausrichten. Und wenn man diese fünf weiblichen Kernkompetenzen in einem, sagen wir, Home-Event zusammenfasst, kann das nur ein Erfolg werden.
Reizwäsche-Partys für Hausfrauen! Weil wie soll das nicht funktionieren, wenn es die Firma Tupperware mit ungleich unsexieren Waren schon seit je erfolgreich betreibt? Dabei hat man bei einem Plastikgeschirr im Unterschied zu einem Negligé nicht einmal den Sekundär-Effekt, dass die Frauen danach lästern können, wie gruselig die Dings damit ausgesehen hat. Und ihre Mutter erst!
Nein, wir wollen uns jetzt nicht ausmalen, wie das in der Realität westeuropäischer Durchschnittswohnzimmer konkret vonstatten geht: es ist zu beängstigend. Zudem ist zu befürchten, dass auch noch das Privat-Fernsehen mitdreht. Und damit eine neue, erfolgreiche Form des Frauen-Porno-Films kreiert. Beängstigend!; aber das sagte ich, glaub ich, schon.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
So ein schönes Land, dieses Österreich. Gerade bin ich durch die Steiermark gefahren: So ein schönes Land! So ein fettes Grün! So dichte Wälder. So liebliche Almen. So fleißige Menschen. So ein schönes Land. Dann Radio gehört, eine Reportage über den EU-Wahlkampf der rechten Parteien und sofort gedacht: Wo kann ich anrufen und mich über diese Aussagen beschweren? Und darüber, wie hier rücksichtlos Gift über dieses schöne Land versprüht wird?
Das meiste Unheil entsteht aus dem Streben nach Purismus und Perfektion. Das macht die Menschen unrund und unglücklich: Wenn man das Wohnzimmer durchgängig in einem Stil eingerichtet hat, dann stört einen der alte Sessel von der Großmutter, bis man ihn endlich durch den stilistisch einwandfreien ersetzt hat, und dann stört einen die Lampe, die nicht ganz passt, und dann die Nase der Frau, die überhaupt nicht mit der Form des Diwan harmoniert. Beim Streben nach Purismus hat das Stören nie ein End, weil das Leben sehr dem Chaos zuneigt und dem Durcheinander. Und falls es doch gelingt, falls doch endlich alles einheitlich ist, dann muss man den Rest seiner Tage dem Aufpassen und Bewahren widmen: Weil was, wenn vom exklusiven 108-teiligen Komplettservice eine Tasse hinich wird? Was wenn einer herein will, der farblich oder kulturell nicht zur Einrichtung passt und die ganze reine, überschaubare Einheitlichkeit zerstört? Das macht schlechten Schlaf. Und häufig schlimmeres.
Wenn man über Österreich fliegt: Ein Fleckerlteppich. Eine totale Unordnung von Wiesen und Felder, Seen und Wäldern, von Besiedelung und Natur: Das pure Durcheinander, die perfekte Uneinheitlichkeit: Und so schön, so schön; genau deshalb.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Er hoffe, schreibt Leser Erich H., „dass sich nicht ein Versandhaus diese Methode abschaut, mir einen Katalog mit schönen Sachen schickt und dann sagt: ,Sie brauchen nichts weiter zu tun, wenn Sie nicht innerhalb von 6 Wochen Widersproch erheben, schicken wir Ihnen die Waren und buchen den Preis von Ihrem Konto ab’“. Nicht nur Erich H., sondern zahlreiche weitere Leserinnen und Leser reagierten erbost auf die merkwürdigen Geschäftspraktiken der BAWAG PSK Bank, über die hier am Montag berichtet wurde. (www.kurier.at/blogs)
Einige nahmen die Kolumne zum Anlass, bei ihrer Bank entschiedenen Einspruch gegen die Änderung der Konto-Modalitäten zu erheben, andere hatten das schon gemacht.
Vor allem, weil die automatische Umstellung von PSK-Konten – u.a. in ein Konto für Preisbewusste – ihren Kunden teils erhebliche Mehrkosten verursacht, wenn sie nicht von sich aus innerhalb von sechs Wochen schriftlichen Widerspruch einlegen: Ein Konto, das bisher 0 Euro gekostet hat, kostet dann 104 Euro im Jahr, es gibt plötzlich eine Buchungsgebühr von 15 Cent, die Überweisungsgebühr wird von € 0,27 auf € 1,- angehoben. Auch die im Schreiben an Leser Reinhard Sch. angepriesene Konto-Box neu „ab € 0,-/ Quartal“ kostet, wie sich aus dem Kleingedruckten ersehen lässt, 13,50 Euro pro Quartal, sobald sich auf diesem Konto weniger als 880 Euro befinden. Was vor allem Pensionsten sehr stark treffen dürfte.
Ob das Vorgehen der BAWAG PSK durch deren Allgemeine Geschäftsbedingungen gedeckt ist, sollten dringend die Rechtsabteilungen der Arbeiterkammer oder des Ministeriums für Konsumentenschutz klären. Dass ihre Kunden sich hinterrücks abgezockt fühlen, ist jetzt schon geklärt.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Hochverehrter Chef, lieber Freund!
Im Zuge der Berichterstattung über die Spesen der britischen Minister ist mir brennheiß eingefallen, dass ich Dir meine Spesenabrechnung für die Monate Jänner bis April 2009 noch nicht habe zukommen lassen. Wird hiermit übermittelt! (Begründungen habe ich in Klammer angefügt, nur falls es bei der Weiterleitung nach „oben“ harken sollte.)
Espressomaschine plus Kapseln plus Accessoires 929,40,- (Eh klar.)
Diverse Garten-Produkte: 727,80 (Ich kann nicht dichten, wenns draußen ausschaut wie in einem rumänischen Hinterhof, das vergiftet mir den Text.)
Rasentraktor: 2.790,- (Ich kann den Karl mit seinem Rückenleiden ja nicht stundenlang einen Rasenmäher herumschieben lassen).
Schallschutzfenster inkl. Einbau: 4.870,- (Nona. Der Rasentraktor ist dezibelmäßig nicht gerade ein Lercherlschaß.)
24 Kisten Wein: 1.528,28 (viel von die F.X.-Smaragder, die Du auch so gern trinkst und ein paar Rote; es schreibt sich bei einem Achterl afach lockerer.)
12 Flaschen Gin plus 40 Flaschen Tonic 391,60 (s.o.)
Neuer Kühlschrank mit Eiswürfelautomat: 4.299,-. (Du wirst verstehen, dass man einen Gin Tonic nicht ohne Eis trinken kann und das ständige Nachladen des Gefrierfaches ein konzentriertes Durcharbeiten unmöglich gemacht hat.)
Kinderbetreuung: 2.600,- (Wie soll man denken, wenn einem die Gfraster unablässig belästigen.)
Diverse Lieferservice-und Restaurant-Rechnungen: 2.142,- (Also zum Kochen komm ich neben der Arbeit wirklich ned auch noch, das verstehst.)
Das macht ges. 20.278,08. Bitte um bäldigste Überweisung auf mein Konto. MwSt ned vergessen! Danke!, dere, Doris.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Anfang Oktober 2008 wurde Frau G. arbeitslos. Sechs Monate suchte sie erfolglos nach einem neuen Arbeitsplatz in ihrem erlernten Beruf als Flugbegleiterin, dann setzte sie sich ein neues Ziel: Architektur zu studieren.
Dafür benötigt man eine Matura. Frau G. holte beim AMS die Erlaubnis ein, bei der Maturaschule Roland einen Halbtagskurs zur Berufsreifeprüfung besuchen zu dürfen. Die Kostenübernahme wurde zwar abgelehnt, aber das AMS hatte vorerst keine Einwände gegen den Kursbesuch. Frau G. schrieb sich ein, verpflichtete sich zu einer Ratenzahlung, der Kurs sollte am 11. Mai beginnen.
Anfang März wies das AMS Frau G. einer eigene Beraterin zu: die war gegen den Matura-Halbtagskurs, und schlug Frau G. eine Berufsorientierungskurs vor. Frau G. wollte das nicht, da er mit dem Maturakurs kollidierte, welcher wiederum, aus Sicht des AMS, verhinderte, dass Frau G. Arbeit vermittelt werden konnte. Kurz: Es gab unterschiedliche Auffassungen über Frau G.s Zukunft. Das kommt vor.
Aber kurz darauf erhielt Frau G. vom AMS ein Schreiben, in dem ihr vorgeschlagen wurde, an dem Projekt „Arbeitsintegration für Frauen mit türkischem Migrationshintergrund“ teilzunehmen. Denn das vergaß ich zu erwähnen: Frau G. kam als siebenjährige Türkin nach Österreich. Sie spricht perfekt Deutsch, war Klassenbeste in ihrer Berufsschule und bestand die Lehre als Restaurant-Fachfrau mit Auszeichnung. Seit 2002 ist sie österreichische Staatsbürgerin.
Es handle sich, so das AMS auf KURIER-Nachfrage, um ein Pilot-Projekt, das Frauen helfen soll, die durch ihren migrantischen Hintergrund am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Daran ist nicht auszusetzen, außer, dass Frau G. sich bisher nicht benachteiligt fühlte. Aber jetzt; und sie schrieb Sozialminister Hundsdorfer deshalb einen bitteren Brief. Das Sozialministerium will sich der Sache annehmen.
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| 05/09
| Falter-Kolumne
Es war die Woche des Lebenswandelswandels. Zuerst deaktivierte ich mein Facebook-Konto, was von Facebook nicht akzeptiert wird. Ich werde offenbar weiter als ganz normales Mitglied geführt, allerdings als Arschloch, das mit allen seinen Freunden Schluss gemacht hat. Walter T. fragte bereits in einem traurigen Mail, warum ich ihn denn aus meiner Freundesliste entfernt habe. Habe ich nicht! Ich habe nur mich selbst entfernt; hat mich zu sehr abgelenkt.
Dann marschierte ich bei meinem Friseur ein. Friseur, sagte ich, künftig will ich glänzendes Haar. Ich will jetzt nicht mehr struppig sein. Mein Haar soll jetzt das Sonnenlicht zurückwerfen und in elastischen Naturwellen mein Antlitz umschmeicheln. Geht das?
Bei dem Friseur bin ich seit 15 Jahren. Ich fühle mich bei dem Friseur wohl. Er spielt schönen Countryfolk, während er meine Haare schneidet. Er tut, was ich will. Ich sage, so, so und so, und er schneidet so, so und so. Er quält mich nicht mit Styling-Tipps. Er ist taktvoll und erklärt mir nicht, was mir besser stehen würde, als so, so und so. Er sagt nicht, wie der Friseur der Schneebergerin, dass die Schneebergerin sich mehr pflegen sollte, langsam mal ein wengerl Sport machen, und einmal wöchentlich eine Haarkur, Minimum. Wenn mein Friseur irgendeine michbezügliche außercoiffeurliche Sorge hätte, dann wäre das höchstens etwas in der Art, ob ich eh genug trinke. Hat er aber nicht. Mit meinem Friseur rede ich über den Fink, das Waldviertel, die Kinder und die Konzerte, die man in nächster Zeit sehen sollte und nicht darüber, was für eine Frisur mir vielleicht besser stehen würde.
Und genau das problematisierte ich kürzlich im Zuge einer schlaflosen Nacht: Sollte ich andere Haare haben? Längere? Elegantere? Und das vielleicht schon längst? Laufe ich seit Jahren mit falschen Haaren herum, weil mein Friseur so ein freundlicher, taktvoller Mensch ist? Sollte man einen Friseur haben, der einem fremde Frisuren, Haarpackungen und Stylingtipps aufdrängt?
Ich ließ mir die Haare ein wenig wachsen. Ich erwog, einmal die Friseurin ums Eck aufzusuchen, die den Mimis die Haare schneidet und uns am Heimweg immer zuwinkt. Aber was, wenn das dann auch nicht passt? Hoppel ich dann reuig zu meinem alten Friseur zurück? Und muss dann jeden Tag einem Umweg machen, aus schlechtem Gewissen der netten Friseurin gegenüber?
Die Unübersichtlichkeit der Problemlage bewog mich letzten Mittwoch gegen neun dazu, mir die Haare selbst bissl zu schneiden. Gegen halb zehn rief ich meinen Friseur an und bekam einen Termin um drei. Erstens, sagte ich, ist mir ein kleinen Missgeschick passiert, und zweitens mach mir bitte glänzendes Haar, ich werde auch nicht mehr die Silikon-oder-was-Paste verwenden, die schon seit Jahren dein Misstrauen auf sich zieht. Mein Friseur sagte: Bitte gern, wie soll es sein? So, so und so, sagte ich, und wer ist das, der da singt?
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Diesmal, Überraschung, nicht die Post. Diesmal die PSK-Bank. Gleich zwei meiner Leser, beide PSK-Bank-Kunden, ließen mir gleichlautende Briefe zukommen, die sie im April von der Bank ihres Vertrauens erhalten hatten.
Die PSK-Bank hatte für die sehr geehrte Frau R. und den sehr geehrten Herr Sch. „eine wichtige Konto-Nachricht“: „Wir bieten Ihnen an, mit 1.7.2009 Ihr bisheriges Konto auf das neue PSK BANK Komplett-Konto umzustellen.“ Das Ziel sei, „Ihnen damit eine Lösung zu bieten, die speziell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: ein Inklusiv-Konto mit einer Maestro-Bankomatkarte und einer Gold Master-Card für mehr Unabhängigkeit. Und das um nur E 26,- / Quartal.“
Das ist ein interessantes Angebot, ja. Das überlegt man sich als Kunde. Allerdings sollte man lieber nicht zu lange überlegen, keinesfalls länger als sechs Wochen, denn die PSK-Bank bietet ihren Kontoinhabern einen Spezial-Service. Sie „brauchen nichts weiter zu tun“: Denn das bisherige Konto wird Anfang Juli automatisch in das neue 26-Euro-pro-Quartal-Konto umgewandelt, wenn die p.t. Kundschaft nicht „schriftlichen Widerspruch innerhalb von 6 Wochen ab Zustellungsdatum“ erhebt. „Die Unterlassung des Widerspruchs gilt als Zustimmung zu diesem Angebot.“ Weitere Infos finde man im beiliegenden Folder, im Internet, beim PSK Bank Berater und unter einer Service-Nummer. Mit freundlichen Grüßen.
Die Briefe wurden übrigens nicht per Einschreiben zugestellt, sondern auf dem ganz normalen Postweg. PSK-Bank-Kunden sollten sich derzeit also lieber nicht in einem längeren Urlaub befinden: Die PSK-Bank schneidet möglicherweise gerade ihre Bedürfnisse zu.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Auf www.youtube.com kann man sich jetzt einen kleinen Film vom 1. Mai anschauen. Er spielt in Linz. Er zeigt Polizisten bei einer Demonstration: Am Anfang packen etwa sieben oder acht Polizisten einen Demonstranten, während ein weiterer sehr engagiert auf diesen einprügelt. (Bis der Mann brüllt, er sei „ein Beamter“ und daraufhin losgelassen wird.) Dann sieht man mehrere Polizisten sich auf einen weiteren Demonstranten stürzen; eine Frau geht dazwischen und ruft, man solle ihn in Ruhe lassen. Am Ende sieht man zwei Polizisten, die schluchzend an einem Bauzaun hocken. Der Film ist natürlich einseitig und zeigt nur einen kleinen Ausschnitt des Geschehens, aber eines lässt sich problemlos aus den Szenen herauslesen: Diese Beamte sind massiv überfordert. Diese Beamte wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Dabei handelt sich offenbar nicht um eine Extremsituation, sondern um eine normale Demonstration, in der sich wohl auch ein paar Vermummte befinden, wie das bei den meisten Demonstrationen der Fall ist.
Die Bilder sind nicht eben vertrauensbildend: Denn gut ausgebildete Polizisten sollten auf solche Situationen physisch und mental so gut vorbereitet sein, dass sie erstens nicht panisch mit dem Schlagstock auf Personen eindreschen. Und zweitens danach nicht vor lauter Schock in Tränen ausbrechen.
Apropos Schock. In Wien wurde heuer bereits 3600 Mal eingebrochen; am Dienstag auch beim Wiener Polizei-Chef. Deshalb sei er nun, sagte Karl Mahrer, „besonders motiviert“ gegen Einbrecher vorzugehen. Ähm: Ist die Exekutive nur dann besonders motiviert, wenn sie persönlich von Verbrechen betroffen ist? Das stärkt das Vertrauen in die Polizei auch nicht unbedingt.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Zum Beispiel: Schälen, halbieren, auf ein Blech legen, Salz, Olivenöl und Rosmarin darauf, eine gute halbe Stunde bei 220 Grad backen. Oder: kochen, schälen, stampfen, Milch, Butter, Salz und Muskat dazu. Oder grob stifteln und frittieren. Oder raspeln, Kümmel hinein, braten. Oder cirka 1000 weitere Möglichkeiten.
Es kann schon keiner mehr hören, aber es ist nun einmal so: Erdäpfel sind das perfekte Krisengemüse. Sieht nach nichts aus, gibt’s überall, kostet praktisch nichts, ist zubreitungstechnisch extrem niederschwellig, macht unhungrig und – unter Beistellung von, nur zum Beispiel, einem Hendl oder ein paar Fleischlaberl – überaus glücklich.
Weshalb die Menschen jetzt zusehends auf die Idee verfallen, ihre Erdäpfel - weiter westlich bekannt als Grumpara, also Grundbirnen – am eigenen Grund zu ziehen: Selbst wenn der nur so groß ist wie ein Blumenkistl. Offenbar werden heuer im Handel sogar eigene Topf-Erdäpfel für den Balkon angeboten; die Nachfrage hat’s wohl bestimmt.
Überhaupt liegt der private Gemüseanbau mörder im Trend, wie die Menschenmassen vermuten lassen, auf die ich am Wochenende im Schaugarten der „Arche Noah“ in Schiltern traf: Dort werden alte und seltene Gemüse- und Obstsorten gerettet, vermehrt und verkauft (www.arche-noah.at). Ich erstand Tomatensetzlinge mit abenteuerlichen Namen, Ananas-Erdbeeren-, Spagetti-Kürbis- und fünffärbige Mangold-Pflanzerl und keine Saat-Erdäpfel, weil ich die nämlich von der Nachbarin bekam: mehlige und Ditta, violette und rosarote. Die stecken jetzt in der Erde, wo sie sich tüchtig vermehren mögen. Die violetten schmecken übrigens – korrigieren Sie mich, falls ich mich irre – am besten gekocht mit Butter und Salz.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Wir hier haben nur Rogan-Reilers, die sich, so die Gerüchte, nach zwei Jahren Beziehung getrennt haben sollen. Kamen einem wie sieben vor, so oft durften wir via Society-Funk an ihrem Glück teilhaben. Wir hier haben keine Berlusconis, was den Unterhaltungsquotienten senkt, für die politische Hygiene aber von Vorteil sein dürfte.
Vom professionellen Standpunkt lässt sich freilich darüber streiten, ob TV-Moderatorinnen, Regional-Missen und Big-Brother-Teilnehmerinnen die Interessen der Bevölkerung in Brüssel schlechter vertreten als Versicherungskaufleute, Rechtspopulisten, Journalistinnen, Berufspolitikerund Investment-Banker. Wegen der „Showgirls“, die Berlusconi auf die EU-Liste seiner Partei „Volk der Freiheit“ (bumm!) setzte und nach dem öffentlichen Prostest seiner Gemahlin eh wieder entfernte, will die nun trotzdem die Scheidung.
Natürlich gönnt man einem Gockel wie Silvio Berlusconi die öffentliche Demontage durch seine Frau. Andererseits hätte sie Berlusconi zunächst einmal gar nicht ehelichen müssen, es ist ja unwahrscheinlich, dass so einer früher charakterlich völlig anders war. Und schon gar nicht hätte Veronika Lario fast zwanzig Jahre lang mit ihm verheiratet bleiben und ihm drei Kinder gebären müssen, sie soll ja so eine intelligente, streitbare Frau sein, die können sich normal entscheiden. Aber was weiß man.
Zudem fragt man sich, worüber sich dieses Ehepaar beim Frühstück oder abends so unterhält, wenn Kleinigkeiten wie Scheidungsabsichten glatt untergehen und deshalb anderntags über die Medien ausgerichtet werden: Du, übrigens, das hab ich gestern sagen vergessen...
Sowas haben wir hier nicht. Macht aber eigentlich nichts.
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| 05/09
| Kurier-Kolumne
Die Post, Damen und Herrn: Diesmal hat sie der Kollegin B. und besonders dem Importeur Arno P. das Leben ziemlich schwer gemacht.
Der schickte der Kollegin B. am 17. März vier Flaschen griechisches Olivenöl von Linz nach Wien, worauf ihn einige Zeit später die Kollegin anrief und sagte: Sei so gut und schick mir doch bitte vier Flaschen Olivenöl. Die waren nämlich nicht angekommen. Herr P. bemühte das Internet-Tracking-System der Post und erfuhr, dass zwei Zustellversuche erfolglos gewesen seien. Leider hatte man die Kollegin über die Zustellversuche nicht benachrichtigt, weshalb das Packerl nun wieder auf dem Rückweg nach Linz war.
Herr P. rief bei der Post an und bat um sofortige Rückleitung des Pakets nach Wien, was geschah. Allerdings erhielt Herr P. bald einen Anruf, das Paket sei leider kaputt geworden, er könne es in Linz wieder abholen. Das wollte er, nur war das Paket unauffindbar. Anderntags tauchte es wieder auf; Herr P. ging erneut zur Post, um die „Restware“ – zwei der vier Flaschen waren noch ganz – zu übernehmen, sie in ein spezielles Weinpaket zu packen und dieses erneut an Kollegin B. zu schicken: Und erneut wurde es weder zugestellt, noch Frau B. über eventuelle Versuche informiert.
Letzten Mittwoch nun fand Herr P. eine Benachrichtigung in seinem Linzer Postfach, er möge sein Paket wieder abholen und auch gleich die 5,21 Euro Rückporto begleichen. Herr P. kontaktierte aufgebracht die posteigene Beschwerde-Managerin, die sehr nett war und ihm den Schaden begleichen wollte. Aber P. und B. wollen ja nur eins: Dass das Olivenöl endlch ankommt. Allerdings: In der Zeit, die er jetzt mit der Post vertan hat, hätte P. es auch selber von Linz nach Wien fahren können.