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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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30.10.09

Spinnst du, Oma?!

| Comments (1) | 10/09

Die Kinder fragen, warum ich immer „spinnst du?“ zur Oma sage, sie finden das sehr unhöflich. Stimmt. Aber wie die Oma jetzt da war, war das einerseits lobet-den-Herrn wegen der ganzen läusebedingten Wäsche; die Oma war eine unglaubliche Hilfe. Und andererseits eine Prüfung in Demut, weil die Oma ihr Ich-brauche-nichts-ich-bin-gar-nicht-da-Dings wieder einmal auf die Spitze getrieben hat. Wo ich doch schon dachte, wir hätten ihr das abgewöhnt. Haben wir nicht.
„Oma, spinnst du?“ ist, erkläre ich den Kindern, eine angemessene Antwort auf die Oma-Frage, ob sie mir das Geld für ein Packerl Papier-Taschentücher auf den Tisch legen soll. Und völlig geeignet als Reaktion auf ihre Idee, sie könnte ihr Bettzeug schon am Abend bevor sie wieder heimfährt, abziehen und waschen, damit sie es noch bügeln kann, bevor sie auf den Zug geht: Sie braucht ja eigentlich kein Bettzeug zum schlafen; es ist eh warm. Heiliger. Geht’s noch, Oma?!
Ich habe ein frisches Brot gekauft, es extra angeschnitten (die Oma schneidet  aus Prinzip nichts an und öffnet auch nichts, um sich nicht der Beschädigung fremden Eigentums schuldig zu machen) und es  vorne in die Brotlade gelegt. Aber die Oma fand ganz hinten in der Brotlade ein acht Tage altes Scherzerl, auf dem kaute sie sich gerade ihre  neuen Implantate locker, als ich in die Küche kam. Oma!!, da liegt ein frisches Brot! Sie isst aber natürlich viel lieber altes. Und sie wäscht zuhause auch immer im Dunkeln ab.
Niemals benutzt sie die Fächer, die ich ihr im Schrank freigeräumt habe, sie hängt ihre Sachen stur ins Gästeklo. Und wie jedes Mal blieb auch diesmal das Handtuch, das ich ihr wie jedes Mal auch diesmal aufs Bett gelegt habe,  unbenutzt. Ich will gar nicht wissen, wie die Oma trocken wird: Ich werde sonst vielleicht wieder sehr unhöflich.
29.10.09

Zur Strafe Fernsehverbot

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Die 80-jährige Mutter von Leserin Ulrike S. lebt auf deren Bauernhof in Niederösterreich. Dort verbringt sie viel Zeit vor dem Fernseher, während ihre Tochter, die ihren Hauptwohnsitz noch nicht von Wien nach Niederösterreich verlegt hat, die meiste Zeit in Wien wohnt. Die Mutter, die am liebsten die Programme und Serien im ORF schaut, kaufte sich einen neuen Flachbild-Fernseher, und weil Ulrike S. in Wien eh nicht viel zum Fernsehen kommt, schenkte sie ihrer Mutter ihren Receiver mitsamt der ORF-Karte. Alles funktionierte. Und nach ein paar Wochen mit einem Mal nicht mehr: Die Mutter konnte, trotz mehrerer, von technisch versierten Bekannten unterstützten Einstell- und Einrichtversuche, die ORF-Programme nicht mehr empfangen. Einer dieser Helfer erklärte der alten Dame schließlich, er kenne es als gängige ORF-Praxis, dass man den Empfang einfach kappe: Sie müsse erst dort anrufen, damit das wieder rückgängig gemacht werde. Das tat Ulrike S.’ Mutter, und nachdem sie viel Zeit in einer Tonbandschleife verbracht hatte, erklärte man der Frau, es sei nicht möglich, den Empfang wieder herzustellen, da die Karte, die sie verwende, nicht ihre eigene sei. Ulrike S. rief nun ihrerseits an, beschwerte sich und erfuhr: Ja, es sei egal, dass sie und ihre Mutter brav GIS-Gebühren zahlen, weil, nein, sie könne ihren Receiver und ihre Karte nicht schenken, wem sie wolle, sondern müsse eine Umschreibe-Gebühr von 18 Euro errichten. Und während, im Unterschied zu allen anderen Programmen, die des ORF für die alte Dame weiterhin nicht zu empfangen waren, traf der Zahlschein dafür schon am nächsten Tag ein. Zumindest das lässt sich ja prompt einrichten.
28.10.09

Vor den Vorhang, bitte

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Den ersten Schnee erlebte Leserin Birgit M. heuer an einer Straßenbahnstation, nämlich jener der Linie 31 am Floridsdorfer Markt. Es war kalt, es stürmte und durch das erste Schneetreiben bahnte sich eine Truppe Kindergartenkinder mit roten Backen den Weg Richtung Haltestelle: In der eine Bim, die Türen schon geschlossen, gerade bereit war, abzufahren.
Normal ergeht es einem Fahrgast da so, wie es erst letzten Freitag Ihrer Autorin erging, die in unglaublich unvernünftigen Stöckelschuhen auf dem Weg zu einer Veranstaltung war. Die Bim fuhr ein, als ich noch etwa 100 Meter von der Straßenbahnhaltestelle entfernt war. Nie hat die Welt eine Frau in zehn-Zentimeter-Stöckeln schneller rennen sehen, selten waren zwei Knöchel in größerer Gefahr, aber: ich schaffte es. Und genau, ganz genau in dem Augenblick, in dem ich in keuchendem Triumph meinen Finger auf den Türöffner drückte, exakt als meine Fingerspitze nur noch einen knappen Hundertstelmillimeter von der Türöffner-Oberfläche entfernt war, erlosch dessen Licht und die Bim fuhr ohne die Frau mit den Mörder-Absätzen los.
Das ist eine Art Wiener Gesetz. Im ersten Schneetreiben am Floridsdorfer Markt war die Kindergartengruppe noch nicht einmal an der Haltestelle, als die Bim abfahren wollte, und was geschah? Die Fahrerin sah die kleinen Kinder, öffnete die Türen wieder, wartete, bis sich alle durch das Wetter über die Straße und in die Straßenbahn gerettet hatten und fuhr erst dann los.
Und sowohl Leserin M. als auch Ihre halsbrecherische Autorin finden: Dergleichen unvorschriftsmäßiges Nettsein gehört einmal gründlich gelobt. Was hiermit geschieht.
27.10.09

Insofern wäre es nur gerecht, wenn wir auch Läuse hätten

| Comments (0) | 10/09 Falter-Kolumne

Zwei Tage, nachdem der kleine Dings bei uns war, mit den Mimis eine Kissen-und Jackenburg zum Hineinköpfeln gebaut, sich mit ihnen in alle Decken eingewickelt, über jeden Teppich gewälzt und dann mit beiden Mimis in einem Bett übernachtet hat, informiert mich sein Vater am Telefon darüber, dass der kleine Dings Läuse hat. Hallo, das ist einmal eine gute Nachricht, speziell an einem Tag, an dem mir der Lange gerade aus dem 15. Stock eines Luxushotels in einer künftigen Kulturhauptstadt am Meer eine SMS geschickt hat, um die grandiose Aussicht und den vorbildlichen Zimmerservice zu loben.

Warum bin ich nie tausend Kilometer weit weg, wenn dergleichen passiert? Weil ich immer da bin. Ich sollte viel öfter verreisen. Haemmerli zum Beispiel habe ich schon seit mehr als einem Jahr nicht gesehen, ebenso die anderen Zürcher Spezis. Und in Berlin war ich auch schon ewig nicht, wieviele Jahre war ich bitte schon nicht mehr in Berlin? Und habe ich schon mal bei Pia in Paris besucht? Habe ich nicht. Du kannst schon einmal das Gästebett herrichten, Pia, ich komme jetzt. Ich muss vorher nur noch alle Textilien in der Wohnung bei 60 Grad waschen, alle Teppiche tagelang auf den Balkon hängen, alle 200something Kuscheltiere in luftdicht verschlossenen Müllsäcken am Dachboden verstauen und alle Mimis mit scharfzinkigen Nissenkämmen zerkratzen. Dann komm ich aber sofort, Pia, verlass dich darauf.

Aber es hülfe eh nichts. Wenn ich einmal 1000 Kilometer weit weg bin, sprechen die Kinder ihr erstes Wort, machen ihren ersten Schritt, verlieren ihren ersten Zahn, haben endlich genug von der Bernhard-Fibich-CD, schießen ihr erstes Tor oder spielen erstmals fehlerfrei „Stairway to Heaven“. Wenn der Lange weg ist, bekommen sie Scharlach, fallen vom Hochbett, schlagen sich Zähne aus, verlieren ihr Lieblingskuscheltier, ihren Impfpass oder ihr Fahrrad und bringen, ich wette darauf, ihren ersten Fünfer heim. Und ihre erste Geschlechtskrankheit, irgendsowas. Sowie ihre ersten Läuse.

Natürlich sind wir eh priviliegiert. Alle anderen hatten schon Läuse, beziehungsweise: hatten schon oft Läuse. Auch die Horwaths, mit der Verschärfung, dass nicht nur der kleine, sondern auch der große Horwath Läuse hatte, was beim Horwath seiner Frisur, also dem, was  vom Horwath seiner Frisur noch übrig ist, original in der Kategorie der echten Wunder resortiert. Insofern wäre es nur gerecht, wenn wir jetzt auch einmal Läuse hätten, ja, tatsächlich sind Läuse bei uns überfällig, wie schaut das denn aus, wenn wir als einzige nie welche hatten. Und es ist ja eh schon wurscht, jetzt wo ich eh schon jedes Stück Heimtextil in geradezu lehrbuchmäßiger maternaler Präventiv-Hysterie gewaschen habe; meine Oma selig wäre mächtig stolz auf mich. Zürich, Berlin, Paris habe ich mir jedenfalls verdient; weil wann krieg ich schon einmal etwas umsonst: nie. 

25.10.09

Lieber gar nichts sagen

| Comments (1) | 10/09 Kurier-Kolumne

Wir haben jetzt auch welche. Also eins der Kinder hatte gestern welche: Kopfläuse, zwei Stück. Ich habe sie ihm aus dem Haar gekämmt, und dann haben wir halt getan, was zu tun ist. Das Kind mit einem Spezial-Shampoo entlaust. Die Köpfe der Restfamilie mit einem Nissenkamm kontrolliert. Alle Betten und Kissen abgezogen. Die benutzten Hauben, Schals und Jacken eingesammelt. Alles bei 60 Grad gewaschen. Alle Kuscheltiere in luftdichte Säcke gepackt. Alle Bürsten und Kämme eingeweicht. Die Schule und den Hort informiert. Mehr kann man fürs Erste nicht tun. Wobei immer mehr Eltern lausbefallener Kinder auf eins verzichten: auf die Meldung an Schule, Kindergarten oder Hort. Das hat einen einleuchtenden Grund: In Österreich schreiben die meisten Schulen vor, dass man ein Kind erst wieder zum Unterricht schicken darf, wenn man ein amtsärztliches Attest über dessen völlige Lauslosigkeit vorlegt. D.h., dass sich mindestens ein Elternteil einen halben Tag frei nehmen und mit dem Kind zu einem Arzt oder gleich in die Desinfektionsanstalt im Arsenal gehen muss. Wenn derlei einmal vorkommt: gut. Viele Schulkinder, die ich kenne, hatten aber nicht ein Mal Läuse, sondern zwei, drei, fünf, acht Mal. Und zwar – typisch Teufelskreis – unter anderem deshalb, weil ihre Eltern nicht darüber informiert wurden, dass es an der Schule oder im Hort Läuse gibt: Weil sich andere Eltern den fünften Arztbesuch ersparen wollten. Denn das ist ein bissl wie eine Strafe. In Deutschland wird kein ärztliches Attest verlangt, man muss Läuse nur melden. Es meldet sich leichter, wenn es keine Konsequenzen hat, also, jetzt außer der ganzen Wascherei. Das sollte man hier vielleicht lieber auch so halten.
23.10.09

In der SVA-Schildburg

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

In drei Pensionskassen hat der Augenarzt und gerichtlich beeidete Sachverständige Dr. D. eingezahlt, bevor er 2005 in Pension ging. An allen drei Stellen erkundigte er sich damals nach den steuerfreien Zuverdienstgrenzen, wenn er weiter als Gutachter tätig bleibt. Die Antwort war überall gleich: „unbegrenztes“ Jahreseinkommen.
2008 fordert die SVA von Dr. D. den Betrag von 376,08 Euro „für nachträgliche Krankenversicherung inkl. Strafzuschlag“: Die Auskunft über die unbegrenzte Zuverdienstgrenze sei leider falsch gewesen. Dr. D. zahlt nach; und bekommt die Mitteilung, er habe ein Guthaben von 376,08 und könne dies zurückerhalten. Dr. D. stellt den Antrag,  nichts passiert.
2009 informiert ihn die SVA über ein Guthaben von 97,68 Euro. Dr. D. spricht persönlich vor, um sich über die  verschwunden 278,40 Euro zu erkundigen und erfährt, es handle sich um eine „ungerechtfertigte Forderung seitens der SVA“. Er solle einen Rückforderungsantrag für die ganze Summe stellen: Und tatsächlich wird der Betrag überwiesen.
Sechs Wochen später fordert die SVA  376,08 Euro zurück. Dr. D. spricht erneut vor und erfährt, es handle sich um einen Irrtum; die Vorschreibung wird  storniert. Worauf Dr. D. von der SVA eine Zahlungsaufforderung über, tadaaa, 376,08 Euro erhält. Dr. D. sucht seinen SVA-Betreuer auf, welcher Fehler eingesteht; man verweist ihn an den SVA-Ombudsmann. Und dieser nun unterstellt Dr. D., er habe falsche Angaben gemacht: Er muss zahlen.
Dr. D. ,der so korrekt ist, dass er  den ganzen Vorgang vom ersten Telefonat weg schriftlich dokumentierte, wurde nicht nur falsch informiert und  zwei Jahre lang an der Nase herumgeführt: Man bezichtigte ihn zum Schluss auch noch der Lüge. Das  erzürnt ihn furchtbar: Und mit was? Mit Recht.
20.10.09

Ja, schon, wenn man sehr gelenkig ist

| Comments (0) | 10/09 Falter-Kolumne

Der Heizungstechiker ist, so erfahre ich, auf einem Seminar; der nächste mögliche Termin um unsere Heizung zu reparieren sei, also, warten Sie, Mittwoch zwischen zehn und zwölf. Oh, super, herzlichen Dank, das sind ja nur fünf Tage. In einer eiskalten Wohnung. Eh würde eine verantwortungsbewusste und vorausschauende Mieterin schon im Frühherbst überprüft haben, ob die Heizung funktioniert, nein, das müsste sie gar nicht, weil die Heizung schon im Spätsommer vorschriftsmäßig gewartet worden wäre. Nur frage ich mich schon auch, warum Seminare für Heizungstechniker ausgerechnet zu Beginn der Heizsaison, Punkt Kälteeinbruch, stattfinden müssen. Wie wärs im Sommer, wenn Leute wie ich sowieso nicht anrufen, um ihre Heizungen nicht warten zu lassen? Zur Strafe nicht.

 Zum Glück funktioniert der Ofen im Waldviertel, und als es uns bei 28 Grad Raumtemperatur doch etwas schwitzert wird, gehen wir über die Straße zu Künstlers, weil: „Tag der offenen Ateliers“. Künstlers haben den Hof zusammengeräumt und ihn mit eigenen und fremden Werken vollgehängt. Es handelt sich dabei überwiegend um Bilder, auf denen unglaublich geschweinigelt wird. Die Mimis schauen sich alles mit großem Interesse an und finden, das sehe aber etwas anders aus als in ihrem Wir-machen-ein-Baby-Buch. „Kann man so auch Kinder machen?“ „Ja, schon, wenn man sehr gelenkig ist.“ „Und so?“ „Nein, so eher nicht.“ „Und was machen diese Frau und dieser Wolf da?“ „Sie kuscheln.“ „Und diese Frau und dieses Schwein?“ „Kuscheln auch.“ „Sieht aber aus, als ob das Schwein....“ „Schau mal, da drüben, da ist ein riesiges Hirschgeweih.“ „Wo?“ „Da hinten.“ „Aber das Schwein...!“

 Später sitzen wir im Atelier der Künstlerin am Holzofen und trinken Wein. Ein paar Leute aus der Stadt sind da, und das ganze Dorf kommt vorbei, die Bauersfrauen, die Hippies mit den Hunden und die gesamte Freiwillige Feuerwehr in Uniform, denn der Herr Künster ist Feuerwehr-Vizeobmann. Oder Vizekommandant oder wie das heißt. Die Feuerwehrmänner und ihre Frauen schauen sich die Bilder auch alle an, besonders gern die Fotos, auf denen der Künstler nackt auf allen vieren zu sehen ist, mit prächtigem Gehänge. Man äußert die Ansicht, dass es „unterschiedliche Lebensentwürfe“ gebe. Das stimmt, zum Wohl. Zum Glück finden die Frauen dann einen Stapel ferkeleienfreier Blumenbilder der Künstlerin, die ungeteilter Meinung als schön beurteilt werden. Der Wein schmeckt auch allen, und der Nachbar-Bauer und ich sind bald per du: Franz. Doris. Zeawas. Wir stellen fest, dass wir beide den selben Prinzen kennen. Er kennt ihn von der Jagd, ich kenn ihn, weil er eine Zeitlang an der Mizzi befestigt war: Das muss dann die gewesen sein, die immer frierend im Hochstand saß und Bücher gelesen hat. Ja, das war zuverlässig die Mizzi. Apropos frieren: Ist schon zehn? Ah, gleich.

 

16.10.09

Aber Erwachsene auch.

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Es war etwas später geworden als geplant und bereits finster, deshalb rief die Kollegin B. der 15jährigen Freundin ihrer Kinder ein Taxi und steckte ihr für die Heimfahrt einen Zehn-Euro-Schein zu. Das Mädchen ist diesen Weg vom 1. in den 7. Bezirk schon öfter im Taxi gefahren, und es hat immer etwa acht Euro gekostet. Diesmal kostete es, oje, 10,20. Was tat der Taxifahrer? Er beschimpfte das Kind so lange, bis dieses schließlich verzweifelt die Tante, die auch im Haus wohnt, anrief. Aber bis die unten ankam, hatte der Taxler das Mädchen – „Schleich di!“ – schon aus dem Taxi geworfen. Die ganz, ganz feine Art. Eine solche erlebte auch ein gleichfalls 15jähriger Schüler des Lycee. Der spielte nach der Schule mit Freunden Fußball am Bauernfeldplatz, und es passierte, was manchmal passiert: Der Ball traf ein Schaufenster, das äußere Fenster ging zu Bruch. Als der Bub deswegen zerknirscht in das Geschäft ging, sperrte ihn der aufgebrachte Inhaber prompt darin ein und ließ ihn nicht mehr hinaus. (Die Schultasche des Schüler stand noch draußen.) Er ließ den Schüler, dem langsam ungut wurde, auch nicht telefonieren, erst nach langem Verhandeln durfte er schließlich seine Mutter anrufen: Die auch sofort kam, und die Sache regelte. Was lernen wir daraus? Jugendliche sind oft Gfraster. Aber Erwachsene auch. Zum Schluss noch ein Nachtrag zur Bim-Kolumne von vorgestern: Die Druckerschwärze war praktisch noch feucht, erhielt Ihre Autorin gestern früh schon ein Mail der Wiener Verkehrsbetriebe: Man untersuche bereits den Vorfall mit der gehbehinderten Frau und bitte um nähere Infos zur „weiß-nix“-Sache, denn: „Mit dem Verhalten des Mitarbeiters sind auch wir nicht zufrieden.“ Halleluja: Das nenne ich Kundendienst.
15.10.09

Seh nix, weiß nix

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Heute im Angebot: zweimal Bim. Zuerst die Geschichte wie Klara K. kürzlich des Abends in der Josefstadt einen Zweier Richtung Dr.-Karl-Renner-Ring bestieg und gleich merkte, das etwas nicht stimmt, denn er fuhr in eine andere Richtung. Klara K. stieg an der Alser Straße wieder aus, wo soeben ein 43er  einfuhr, welchen Klara K. beherzt besprang. Viele sportlich bekleidete Passagiere ließ in Frau K. einen Verdacht aufkeimen, und sie fragte den Fahrer, ob denn der Ring an diesem Abend überhaupt mit Bims befahren werde, und bekam, schon fast am Ring, die  Auskunft: Das wisse er nicht, sie müsse schon die Aushänge an den Stationen lesen. Es  fuhr, wie Frau K. bald merkte, nichts am Ring, denn es war, wie jeder außer ihr und dem Fahrer wusste, Night-Run.  Klara K. findet, ein Bim- Fahrer sollte derlei wissen. Na.
Jetzt die Geschichte, die mir Dr. B. erzählt hat: Dieser trachtete letzten Sonntag am Dr. Karl-Renner-Ring den 49er durch die zweite Tür von vorne zu besteigen, so wie vor ihm eine gehbehinderte ältere Dame mit Stock . Mit mäßigem Erfolg, denn die Tür schloss sich, quetschte die Dame ein und öffnete sich, nach sinnlosem Knopfgedrücke,  erst wieder, als  Dr. B. sie mit Gewalt und beiden Händen aufdrückte. Danach marschierte er zur Fahrerin und fragt, wieso niemand reagiere, wenn so etwas passiert. Die zucktedie Achsel, grinste und sagte: „I sitz da vurn, i hob nix gsehn.“
Dr. B. schreibt mir jetzt: „Ich finde es ja löblich, dass die Wiener Linien auch behindertes Personal beschäftigen, aber eine blinde Fahrerin ist wohl doch etwas ungewöhnlich. Leicht hätte sich wieder eine Schlagzeile für die Morgenzeitungen ergeben können.“ Ist dem etwas hinzuzufügen? Nein.
14.10.09

Binnen-I-Tüpferlreiten

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Zuerst aufgefallen ist es einer Neunjährigen: „Warum geht es im Fragebogen nur um Schüler und Lehrer? Und nicht auch um Schülerinnen und Lehrerinnen?“ Ja, warum? Soeben läuft „Wiens größte Schulbefragung“. Die Kinder haben Fragebogen aus der Schule mitgebracht: grüne für Eltern, rosafarbene für Volksschülerinnen und Volksschüler. Die Erziehungsberechtigte findet es spontan eine gute Idee, dass sie über ihre Meinung zur Schulsituation ihrer Kinder befragt wird – und dass man auch die Kinder einbezieht. Leider zielt die Frage „Wie kommst du mit deinen Lehrern aus?“ weit an deren Lebensrealität vorbei: Weil es an ihrer Volksschule nämlich keinen einzigen Klassenlehrer gibt, nur Lehrerinnen und einen Direktor. Und weil ihre „Mitschüler“ zu etwa 60 Prozent Mitschülerinnen sind. Auch die Frage an die Eltern, „Wie würden Sie in der Schule Ihres Kindes den Umgang der Schüler miteinander beurteilen?“ lässt sich kaum im freundschaftlich-weniger-freundschaftlich-Multiple-Choice-Verfahren beantworten: Weil wer ist da gemeint? Die Schulbuben untereinander? Oder auch die Schülerinnen? I-Tüpferlreiterei? Sicher. Ist aber wichtig, speziell in einem Fragebogen der SPÖ-Stadtregierung, deren Frauenstadträtin Gender Mainstreaming zu einem Hauptanliegen erklärt hat: Was ja u.a. bedeutet, Frauen – und Mädchen – auch in der Sprache sichtbar zu machen. Worauf zweitens schon neunjährige Mädchen sensibilisiert sind, die sich zurecht fragen, wo in diesem Bild sie sind. Drittens muss es nicht unbedingt das Binnen-I-sein, man kann auch einmal von Schülerinnen und das andere Mal von Schülern sprechen. Aber die Schülerinnen und die Lehrerinnen einfach komplett ignorieren: Das geht nicht mehr.
13.10.09

Was bei den Goldenen Zitronen nie nötig ist, nie.

| Comments (1) | 10/09 Falter-Kolumne

Ich will nichts mehr hören. Keiner von euch braucht deppert herumzutstsen, weil: IHR seid Schuld. Und IHR wart auch letztes Mal, bei der weihevollen Schalko-Buchpräsentation im Rabenhof Schuld, denn einer von EUCH hat mir jedes Mal, wenn ich gesagt habe: HEIM! JETZT!, noch einen Spritzer hingestellt, einer geht ja immer noch, und das ging, typisch Rabenhof, auch diesmal wieder so lange, bis die Grenze der Vernunft spürbar überschritten war. Und am nächsten Tag konnte ich dann im Blumenau-Journal ein Gespräch nachlesen, das ich bis zu diesem Augenblick vollständig vergessen hatte, woran IHR Schuld seid, und wenn Blumenau behauptet, ich hätte geschrien (und ich habe allerhöchstens milde gebrüllt), dann seid auch IHR daran Schuld, keine Frage, also ich will kein ts ts hören, still jetzt.

Außerdem ist nun alles besser. Ich habe am Wochenende auf den Fluss geschaut und bin im Wald marschiert. Ich habe eine komplette Staffel von „The Wire“gesehen. Ich habe entgiftet, gekocht, geräumt und dabei die neue Goldenen Zitronen gehört. Ich habe mir überlegt, wie es möglich ist, dass zwei CDs wie die neue Distelmeyer und die neue Goldenen Zitronen gleichzeitig erscheinen können, und trotzdem halten alle Distelmeyer für einen großen Dichter, ja: den Dichter der Stunde. (Entschuldigen bitte, der Mann ist nackt, und ich erlaube mir, das dem Chor der geblendeten, bäuchlings sabbernden Bewunderer zuzurufen: NAHACKT! Aber auf mich hört ja sowieso keiner. Ist ja jedem wurscht.) Immerhin die zweite Nummer, die mit dem Hass, die rockt ganz gut beim Auflegen. Also, wenn man es schafft, den Text zu ignorieren. Was bei den Zitronen nie nötig ist, niemals.

Jedenfalls war das Wochenende im Vergleich zur Vorwoche mönchisch, also ich würde fast sagen: eine Form der Meditation. Wenngleich das Besuchskind, das mit uns am Land war, zuhause schon etwas zu erzählen hat, nämlich wie laut der Lange und ich uns anbrüllen können: DAS, Blumenau, war laut, ungefähr so laut wie ein sehr großer Traktor mit einem mit Stahlrohren beladenen Anhänger, wenn er in einem Tunnel über große Steine rumpelt. Der Grund für das Gebrüll steht in so krassem Gegensatz zu meinen einleitenden Worten, dass ich mich nicht in der Lage sehe, ihn hier auszuführen, aber, wirklich, wer bitte stellt einem Kater Futter in einem handbemalten Schüsserl aus einer urseltenen, nur in Vorarlberg gebräuchlichen und dort in Museen konservierten Porzellanserie, welche die Frau seit Jahren mühsam zusammenschnorrt und -sammelt, vor die Haustür, so dass das nächstbeste Kind zuverlässig hineinsteigt? Der Lange, wer sonst. Drei Kinder standen in der Küche und hielten sich die Ohren zu, und die Besuchskindeltern haben diese Woche wieder einiges zu tstsen. Und was lernen wir daraus? Wurscht, wie ich lebe, getstst wird sowieso immer, eh egal, ich geh jetzt schwimmen.
13.10.09

Haus, Auto, Sessel, Frau

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Keine Models mehr: Das ist das neue Konzept der deutschen Frauen-Zeitschrift „Brigitte“: Man will eigene Fotostrecken – Mode, Schönheit, Lifestyle - künftig nur noch mit „normalen“ Frauen produzieren. Das tut man unter anderem deshalb, um das stete Sinken der Leserinnenzahlen aufzuhalten: Offenbar ist man zu dem Schluss gekommen, dass Frauen „Brigitte“ eher kaufen werden, wenn sie nicht mehr mit idealisierten Geschlechtsgenossinnen vollgestopft ist. Das könnte funktionieren.
Ideale Wesen, ideale Körper: schön anzuschauen, ja. Aber der Mensch ist nun einmal so gebaut, dass es ihm besser geht, wenn er seine eigene Unvollkommenheit bei anderen wiederfindet und wiedererkennt. Er fühlt sich dann weniger allein und nicht so erfolglos, wenn auch andere jene Messlatte nicht erreichen, die uns irgendwer oder wir selbst weit oben angeschraubt haben. Es ist ja nicht so, dass wir anderen ein bisschen Perfektion nicht gönnen, aber es ist auch ok, wenn man nicht der/die Einzige ist, die/der sich mit Perfektion schwertut, was heißt: sie mit zusammengekniffenen Augen irgendwo am Rande der eigenen Existenz gerade noch ausmachen kann.
Natürlich kann man das einerseits als  faule Nivellierung ästhetischer Positionen kritisieren; ein allgemeines Einrichten im garstigen Mittelmaß. Andererseits kann man ästhetische Mindestanforderungen für, sagen wir,  Architektur diskutieren und fordern, für Möbel, für Autos, auch für Mode: aber für Frauen?
Am Schönheitsideal wird ein Vorstoß wie jener von „Brigitte“ so schnell nichts ändern: Die Frauen werden trotzdem jung, schön und dünn sein wollen. Aber er hilft ihnen vielleicht dabei, sich weniger schlecht zu fühlen, wenn es eh nicht funktioniert.
10.10.09

Wie jedes Jahr

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Nicht schon wieder!!! Philip Roth hat wieder nicht den Literaturnobelpreis bekommen. Schon! Wieder! Nicht! Und das ist: eine Kultur-Schande, wie jedes Jahr. Ein literaturhistorischer Irrtum, wie jedes Jahr. Ein Schlag ins Gesicht der mündigen Roth-Leser, wie jedes Jahr.
Ja, ich nehme das allmählich persönlich. Ich fühle mich als Leserin missachtet; als Roth-Leserin, die, wie Millionen anderer Roth-Leser, jedes seiner Bücher in der ersten Erscheinungswoche beim Buchhändler kauft und sofort liest.
Und man kann über Roth viel sagen (dass er ein wehleidiger Lustgreis ist und dergleichen) aber er hat noch nie ein schlechtes Buch geschrieben. Er hat fantastische und weniger fantastische geschrieben, aber keins war je schlecht. Und wenn er einmal ein weniger fantastisches schreibt,  heißt das nie, dass nicht das nächste wieder ein  Meisterwerk sein kann. Und zwar auch, weil Roth’ Themen immer wieder auch um die eigene Vergänglichkeit kreisen, das eigene Hadern mit dem Alter und der wachsenden Distanz zu Sex. Denn auch darüber muss einer schreiben, und  zwar exakt so.
Nichts gegen Herta Müller. Und nicht, dass Herta Müller den Literaturnobelpreis nicht verdient hätte. Aber irgendwie halt erst, wenn ihn Philip Roth endlich hat. Die ignorante Jury tut mit dieser jährlichen Beschämung ja auch den Preisträgern nichts Gutes. Die müssen sich ja immer denken: Schön, dass ich den Literaturnobelpreis gekriegt habe, aber eigentlich hätte ihn endlich Philip Roth verdient.
Und deshalb steht auch heute hier, was hier jedes Jahr an diesem Tag steht und so lange stehen wird, bis Philip Roth endlich den Preis gekriegt hat: Der Literaturnobelpreis ist bedeutungslos, so lange Philip Roth ihn nicht hat. Jawohl.
9.10.09

Ohne Quote ändert sich nichts

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Endlich fordern die SPÖ-Frauen eine Frauenquote im Parlament, und endlich fordern sie eine realistische: 50 Prozent der Abgeordneten sollen weiblich sein. Vor ein paar Monaten wollte man sich noch mit 40 Prozent zufriedengeben, wobei man sich als Frau  nicht für voll genommen fühlte: Warum sollte sich die Gruppe, die 51 Prozent der Bevölkerung stellt, mit 40 Prozent der Parlamentssitze zufrieden geben? Unlogisch, das erkannten jetzt offenbar auch die SPÖ-Frauen. (Und die Erkenntnis überdauert hoffentlich parlamentarische Enquete von gestern.)
Der Ist-Zustand jedenfalls ist ein trauriger: Nur 27,9  Prozent der Nationalratsabgeordneten sind weiblich. Und  auch wenn das besonders Männer gerne negieren: das Geschlecht von Abgeordneten spielt im politischen Alltag sehr wohl eine Rolle: denn da, und nur da, wo viele Frauen sind, werden die sogenannten  Frauenthemen auch  als wichtig erachtet.
Es ist ja klar und durchaus verständlich, dass die Männer sich nicht von sich aus darum bemühen werden, Privilegien abzugeben und sich Verpflichtungen aufzubürden. Und naturgemäß neigen Männer gerne der Meinung zu, dass es wichtigere Themen gebe als Einkommensscheren, Kinderbetreuung, Arbeitszeitverteilung oder Halbe halbe: Weil die meisten Männer dabei nichts zu gewinnen haben; im Gegenteil.
Die Frauen aber schon. Denn das Leben ist für die Frauen noch lange nicht gerecht. Genug Frauen gibt es leider immer nur dort, wo  es man viel persönliches Engagement nötig ist und es wenig zu verdienen gibt: Im Pflegebereich, in der Kinderbetreuung, an Volksschulen, im eigenen Haushalt. Und auch weil dort Männerquoten gefragt wären, brauchen wir  eine Frauenquote, nicht nur im Parlament. 
8.10.09

Das ist doch ein relativ guter Lebenstraumverwirklichungsschnitt

| Comments (1) | 10/09 Falter-Kolumne

An den Käsefladen im Madiani habe ich mir Donnerstag Nacht so das Maul verbrannt, dass ich bis heute nur lauwarmes Essen in Breiform zu mir nehmen kann; trotzdem hätte ich gerne das Rezept. Könnte ich bitte das Rezept bekommen? Die Käsefladen sind ein Parade-Winteressen; einfach, weich, warm, saugut, also genau das richtige, um eine Winter-Depression zu kalmieren. Ich meine, falls sich etwas derartiges wie ein Winter-Gefühl heuer überhaupt überhaupt einzustellen beliebt; im Moment sieht es eher wenig danach aus.

 Auch der Donnerstag Abend war ein für meine derzeitige So-kann-es-unmöglich-weitergehen-Situation überaus typischer. Die Mimis schliefen bei Freunden, und zufälligerweise eröffnete der P. eine Ausstellung mit neuen Fotos in einer Galerie am Karmelitermarkt. Und wen treffe ich da? Den P., eh klar, den W. und den G., mit denen ich vor, ich will auf keinen Fall sagen, wie vielen Jahren zum Soundtrack von Sadé lange Abende in der Oskar-Bar in Feldkirch abhing. Wir waren 18, 20, 21, wir standen wie Cowboys an der Bar und ließen alle an unseren Zukunftsplänen teilhaben, denn jeder von uns war ein Künstler und würde demnächst ein berühmter Künstler sein: Der P. hat schon fotografiert, der W. hat schon Musik gemacht und damit Preise gewonnen, der G. studierte schon Architektur, der R. machte kleine Filme, die schon gezeigt wurden, und ich war hauptsächlich verwirrt und habe heimlich gedichtet. Und was ist, wie ich die jetzt treffe, aus denen geworden? Der P. ist ein super Fotograf, der W. lebt glücklich von seiner Musik, der G. ist Architekt, der R. konnte zur Vernissage leider nicht kommen, weil er grad seinen neuen Film schneidet und ich kann immer noch nichts anderes als schreiben. Ich finde, das ist ein relativ guter Lebenstraumverwirklichungsschnitt, speziell für Vorarlberger. Und alle können wir, wie sich im Madiani zeigt, noch immer noch bis tief in die Nacht hinein deppert sein, vor allem der G., mit dem ich gegen zwei Uhr früh mit meinem verbrannten Maul engagiert über DJ Ötzi stritt, wobei die Worte Trottel, Idiot und ungefickt fielen. Der Lange und ich gingen dann bald nach Hause, was aber nichts mehr daran änderte, dass wir vergessen hatten, dass anderntags um neun Uhr früh eine Ö1-Reporterin vor unserer Tür stehen würde, was auch geschah. Das hätte mir eine Lehre sein sollen.

 

War es aber nicht. Am nächsten Tag verhockte ich bei der Mimi-Abholung von einem Kindergeburtstag bei Leuten, die von steirischen Winzern abstammen. Am Samstag war phil-Geburtstag und der 30er von der H. im Espresso, Sonntag wieder Kindergeburtstag bei Leuten, die nicht von steirischen Winzern abstammen, aber trotzdem gut trinken können. Heute abend bin ich mit Sedlacek verabredet und hoffe inniglich, dass er absagt. Weil so geht das definitiv nicht weiter, definitiv nicht.

7.10.09

Moderne Aussteiger

| Comments (0) | 10/09 Kurier-Kolumne

Der Kollege F. bekommt jeden Tag ungefähr 100 Mails. Von denen kann er, sagt er, jeweils etwa 60 oder 70 ungelesen löschen, und vom Rest bleiben nach Lektüre vielleicht sieben oder zehn mit relevanten Inhalten übrig. Die auszusortieren kostet ihn endlos Zeit. Mir geht es so ähnlich; in meiner Box finden sich zwar nicht ganz so viele, aber immer mehr unverlangt eingesandte Mails: Einladungen zu Veranstaltungen, die ich nicht besuchen werde, Hinweise auf Bücher, die mich nicht interessieren, Einladungen zu Pressekonferenzen und Führungen, die meine Themenbereiche nicht einmal am Rande streifen, Reisetipps. Und natürlich Spam, jede Menge Spam. Und darüber übersehe ich permanent die wichtigen Nachrichten: denn bis ich Zeit habe, mich um die zu kümmern, sind sie längst unter unverlangt eingesandten Massenmails verschütt gegangen. Der Kollege F. erwägt jetzt etwas ganz Abartiges: auf seine Mailbox zu verzichten. Seine Mailbox zu löschen, ganz abzuschaffen. Das klingt so gegen die neue Zeit, dass man sich unwillkürlich fragt: Darf man das? Darf man sich aus der modernen Kommunikation einfach ausklinken? Na, sicher. Ich kenne einen sehr erfolgreichen Anwalt, der besitzt kein Handy. Mein Verleger hat seins so programmiert, dass man ihm keine Nachrichten mehr aufsprechen kann. Und der Kollege F. ist sich gewiss, dass sein Leben leichter wird, wenn ihm die wichtigen Sachen per Telefon mitgeteilt werden und die anderen gar nicht. Was mich ein bissl ängstigt, denn der Kollege ist ein berüchtigter Argumentierer. Das kann man in der Mailbox wegklicken, am Telefon aber nicht. Und ich telefoniere ja so ungern. Vielleicht sollte ich...? Eine Überlegung wäre es Wert.
6.10.09

Schauen wir einmal, wie's ankommt

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m Sonntag hat die SPÖ die Oberösterreich-Wahl dramatisch verloren. Am Montag wurde der Landesvorsitzende in seinem Amt bestätigt. Am Dienstag trat er zurück und wurde, ein schönes Signal an die Jungwähler, durch einen 63-jährigen Nachfolger ersetzt. Am Mittwoch rüttelte ein Kritiker ein bisserl am Kanzler, am Donnerstag saß der wieder stabil im Amt. Am Freitag hatte Michael Häupl die Idee für ein Integrationsressort, welche am Samstagvormittag von SPÖ-Geschäftsführer Kräuter begrüßt wurde, und der schon Samstagmittag Kanzler Faymann wieder baba sagte.

Die ganze Woche ist ein schöne Beispiel für das Gewirks, in dem die SPÖ momentan steckt. Die Wähler laufen ihr davon, hauptsächlich Richtung FPÖ, aber auch zur ÖVP. Personaldebatten muss sie vermeiden, weil sie vor allem den Mangel an Alternativen deutlich machen. Und die Sache mit dem Integrationsressort wurde wieder einmal typisch auf schauma-mal-wie's-ankommt in die Öffentlichkeit geschupft.

Ungeliebtes Kind

Wobei die Idee einerseits ja richtig ist: Denn erstens kann es naturgemäß nicht funktionieren, wenn die Agenden "Einwanderer abschrecken und so schnell wie möglich aus dem Land entfernen" und "Einwanderer integrieren" so wie jetzt in einem Ressort, dem Innenministerium, vereint sind. Da bleibt eins der Kinder ungeliebt, und anhand der Streichung der Gelder für die Asylwerberbetreuung haben wir wieder recht deutlich gesehen, welches.

Zweitens ist die Integrationsfrage eigentlich eine der SPÖ-Kernkompetenzen, wurde allerdings so vernachlässigt, dass sich viele Wähler jetzt lieber jener Partei zuwenden, der sie zutrauen, das Problem effizienter zu lösen. Dass der Wiener Bürgermeister seinen Wahlkampf mit der Botschaft beginnt, dass sich die SPÖ jetzt doch wieder mehr mit dem Ausländer-Thema beschäftigen will, ist sinnvoll. Allerdings hätte er vier Jahre Zeit gehabt, sich so um die Probleme in Gemeindebauten und in Schulen mit knapp hundertprozentigem Ausländeranteil zu
kümmern, dass die Betroffenen etwas davon merken. Oder mehr Projekte wie das Viertel um den Brunnenmarkt zu fördern, mit denen sich beweisen lässt, dass Integration im Verbund mit Stadtentwicklung eine Gettoisierung nachhaltig rückgängig machen und verhindern kann.

Andererseits drohte einem Integrationsressort ein ähnliches Schicksal wie dem Good-Will-Ressort Frauenministerium, wo zwar mit viel Engagement Überzeugungsarbeit geleistet wird - aber aufgrund fehlender Kompetenzen und Durchgriffsmöglichkeiten nicht viel mehr als das. Trotzdem wäre es schon aus psychohygienischen Gründen wichtig, wenn Migranten durch einen Staatssekretär eine Art Pflichtverteidiger zugewiesen bekämen, bei all den Anklägern, die sich gerade im Wahlkampf wieder vordrängen. Das zeigte vielleicht ein wenig von den "Konturen", die der neue OÖ-Landesvorsitzende am Sonntag bei seiner Partei forderte. Durch solche Forderungen allein schärfen sie sich eher nicht.

4.10.09

Keins davon in Wien

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Wie geht noch einmal dieser alte Spruch? Ach ja, so: Pass auf, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen. Thomas Glavinic’ neuer Roman „Das Leben der Wünsche“ handelt davon, und die heutige Kolumne auch, weil: Das Stadthallenbad wird ab Mai renoviert, am Montag wird es im Gemeinderat beschlossen. Halleluja! Denn das Hygiene-Defizit in den Sanitärbereichen ist – wie auch an dieser Stelle immer wieder vermerkt wurde – schon lange nicht mehr feierlich. Da schaut’s aus... Viel zu eng ist es auch, bei den zahllosen Schulklassen und Kindergartengruppen, die dort täglich durch müssen. Also: endlich, gut. Aber auch: schlecht! Weil wo geht man dann schwimmen, die ganzen eineinhalb Jahre lang, in denen umgebaut wird? Nämlich schwimmen im Sinne von schwimmen und sporteln, nicht von plantschen. Tatsache ist: Wenn das Stadthallenbad wegen Umbau geschlossen sein wird, gibt es in ganz Österreich nur noch zwei überdachte 50-Meter-Becken, und keins davon ist in Wien. (Was im Stadthallenbad jeden Morgen zwischen sieben und zehn dazu führt , dass in den beiden Sportler-Bahnen mitunter ein Verkehr herrscht wie zur gleichen Zeit am Wiener Gürtel.) Das ist für eine Großstadt ein wenig wenig und hat bereits zu Überlegungen geführt, das 50-Meter-Becken im Stadionbad mit einer Traglufthalle zu überdachen. Davon hört man allerdings nichts mehr. Aber zumindest den Sommer über kann man dann ja dorthin ausweichen. Oder ins Kongressbad, das auch über ein 50-Meter-Becken verfügt – welches einst sogar ein 100-Meter-Becken war. Von derlei träumen Wiens Schwimmer heute nur.
2.10.09

Denn sie sind überall

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Sie bedienen uns in Restaurants. Sie zahlen uns auf Banken Geld aus. Sie vertreten uns vor Gericht. Sie nehmen unsere Anzeigen auf und sorgen für unsere Sicherheit. Sie bauen unsere Häuser. Sie managen unsere Unternehmen. Sie vertreten uns in Gemeinderäten, Landtagen, Parlamenten. Sie fahren unsere Straßenbahnen, Züge und Taxis. Sie predigen uns von der Kanzel. Sie regeln unsere Versicherungsangelegenheiten. Sie spielen auf unseren Bühnen. Sie behandeln unsere Gastritis und unsere Rückenleiden. Sie singen unsere Lieder. Sie unterrichten unsere Kinder. Sie sind überall, den ganzen Tag; und nachts sitzen sie vor ihren Computern und holen sich, während sie sich Bilder und Filme ansehen, in denen Babies und Kinder brutal vergewaltigt werden, einen herunter. Ganz normale Männer von nebenan: Und sie werden mehr. Man will gar nicht darüber nachdenken. Weil man, wenn man darüber nachdenkt, nicht mehr gut schläft. Weil der Schlaf vor der Angst und dem Grausen kapituliert; und dem ungeheuren Mitleid mit diesen Kindern. Und weil die Frage unbeantwortet bleibt: Wie können diese Männer kleinen Kindern so etwas antun, so etwas tun? Wie kann das offensichtliche Elend, das Leid, die grauenhafte Angst, der Schmerz schutzbedürftiger Kinder so viele Männer sexuell erregen? Wie wird man emotional und sozial so gestört und menschlich kaputt, dass man angesichts eines vergewaltigten Kindes keinen Schutzimpuls spürt: sondern Lust? Und die sind überall,: Wir und unsere Kinder haben täglich mit ihnen zu tun. Man kann gar nicht mehr schlafen, wenn man daran denkt.
1.10.09

So etwas dauert nun einmal

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Aus der Passagiercharta der ÖBB Personenverkehr AG: „Hat ein Fernverkehrszzug bei Tagesreisen am Zielbahnhof des Reisenden mehr als 60 Minuten bzw. bei Nachreisen mehr als 120 Minuten Verspätung, erhält der Fahrgast eine Entschädigung in Höhe von 20 Prozent des Fahrkartenwertes.“ Am 23. August entstieg die Familie O. – Sie erinnern sich vielleicht – am Zielbahnhof Wien mit 229 Minuten Verspätung einem Zug aus Rumänien. Am 26. August stellte Herr O. den schriftlichen Antrag auf Rückerstattung der 20 Prozent bei der Personenverkehr AG: Die O.‘s hatten schließlich etwa 500 Euro für die Reise bezahlt. Er erhielt keine Antwort. Nach 14 Tagen fragte O. telefonisch nach, geriet aber an eine Dame, die von nichts wusste. Am Nachmittag wurde er zurückgerufen: Man könne sein Ansuchen nicht bearbeiten, da er nur Kopien der Fahrkarten geschickt habe: Was stimmt, allerdings enthielten die Kopien alle nötigen Informationen, zudem hatte O. auch den Original-Lieferschein beigelegt. Plus er hatte die Karten telefonisch unter seiner Kundennummer erworben, wo die Daten gespeichert sein müssen. O. schickte sofort die Original-Fahrkarten, worauf wiederum dasselbe geschah, nämlich nichts. Als er am 23. September nachfrug, erfuhr er, die Bearbeitung dauere leider vier bis sechs Wochen, man müsse ja die Angaben überprüfen: Man braucht bei den ÖBB also vier bis sechs Wochen um herauszufinden, ob ein bestimmter Zug tatsächlich verspätet war. Aus der ÖBB-Passsagiercharta: „Die ÖBB Personenverkehr AG hat sich zum Ziel gesetzt, Kundenbeschwerden innerhalb von 15 Arbeitstagen nach Eingang abschließend zu erledigen.“ Das klappt momentan noch nicht so gut.
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