Permalink
| Comments (1)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Stellen Sie sich vor, Ihr siebenjähriges Kind kommt nicht von der Schule nach Hause. Die Schule ist ein paar Kilometer entfernt, das Kind hätte den Post-Bus nehmen sollen, um 11.59 ab Maria Enzersdorf Schulplatz Richtung Gießhübl. Aber das Kind kommt nicht.
Das passierte am 14. Dezember der Familie W. und mehreren anderen Familien. Denn der Fahrer des Busses hatte den 7-jährigen Sohn der W.s, fünf weitere Siebenjährige und eine sechsjährige Erstklässlerin unter Geschimpfe wieder aus dem Bus aussteigen lassen, weil die Kinder ihre Schülerfreifahr-Ausweise vergessen hatten. Der Busfahrer ließ die Kinder einfach unbeaufsichtigt an der Straße stehen und fuhr davon. Es hatte an diesem Tag minus zwei Grad Celsius. Keines der Kinder hatte ein Mobiltelefon dabei. Sie marschierten dann halt ganz allein Richtung nach Hause.
Das Wort „skandalös“ wurde in dieser Kolumne noch nie verwendet, heute geschieht es: Der Vorfall ist skandalös. Das Verhalten des Busfahrers: skandalös.
Das fand auch Herr W.. Er schrieb an die ÖBB-Postbus-Servicestelle eine Sachverhaltsdarstellung mit Ersuchen um Aufklärung, und erhielt bald eine Antwort. Man verstehe den Ärger, aber: „Der Fahrer hat sich in der Situation streng an die Dienstvorschrift gehalten.“ Denn er habe bei einer Kontrolle des Verkehrsverbundes „mit Konsequenzen zu rechnen, wenn er wissentlich Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis befördert.“ Man habe den Fahrer aber angewiesen, „mit Kunden in entsprechendem Umgangston zu kommunizieren.“
Die Dienstvorschrift der ÖBB-Postbus-GmbH verlangt von ihren Fahrern allen Ernstes, Erstklässler mit freundlichen Worten aus dem Schulbus zu weisen und ganz allein an der Straße zurück zu lassen? Skandalös.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Eine Essenseinladung kurz vor Weihnachten. Ein paar Kinder, acht Erwachsene und eine Überraschung: nur einer raucht noch. Im Unterschied zu früher: Früher hätten von den acht Erwachsenen vielleicht zwei nicht geraucht. Man ist also geneigt, Gesundheitsminister Stöger beizupflichten: „Der Großteil der Bevölkerung raucht nicht. Die Wirte tun gut daran, diese Mehrheit zu berücksichtigen.“
Allerdings meine ich, dass es halt nicht in der Zuständigkeit der Wirte liegt, diese Mehrheit zu berücksichten – also: zu schützen – und ein ein allgemeines Rauchverbot zu exekutieren. Sondern in jener des Gesundheitsministers und der Politik: Wenn die ein Rauchverbot für notwendig und richtig erachtet, dann muss sie ein entsprechendes Gesetz halt eben auch gegen den Widerstand der Gastronomie durchsetzen. Ist in anderen Ländern, in denen die rauchende Minderheit wesentlich größer war als bei uns, auch gelungen.
Aber es wäre halt so überaus unösterreichisch, ein vernünftiges Tabakgesetz auszuarbeiten (und vernünftig ist nun einmal: das Rauchen und vor allem das Anrauchen von Nichtrauchern, z.B. Kindern, zu ächten), zu beschließen und zu sanktionieren. Und weil sich auch die Regierung lieber keiner unösterreichischer Umtriebe verdächtig machen möchte, arbeitet sie lieber mit jedem Betroffenen des Gesetzes einen eigenen Kompromiss aus: Der bislang bewirkt hat, dass es so gut wie keinen Unterschied macht, ob wir ein Tabakgesetz haben oder nicht. Weil die Nichtraucher mit und ohne ziemlich genau gleich ungeschützt sind.
Aber wer ist in einem Rechtsstaat für Nichtraucherschutz zuständig? Der Gesundheitsminister. Die Regierung. Das gesetzgebende Parlament. Die Wirte eher nicht.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Bitte, es war eigentlich ein Witz, aber wenn Sie schon fragen... Also, die Weihnachtsfeier war so: Ich durfte an einer Konversation vom Dings, vom H. und von dem aus dem Sport teilhaben, in welcher Situation man Brüste korrekterweise wie bezeichnet bzw. anspricht. Der X. hatte, ich hab’s genau gesehen, einmal seine Hand auf dem Hintern von der Y., wo sie rechtmäßig nicht hingehört. Wie der M. mit der E. getanzt hat, war original auch nicht mehr feierlich.
Die P. hat sich, davon gibt’s im Internet schon ein hübsches Foto, an den Bassisten mit dem Afro zubigeschmissen, und es gibt auch ein schönes Detailfoto vom Dekollete von der B. und der K., das die B. eigenhändig geknipst hat. Meins ist nicht auf dem Bild, ich war hochgeschlossen.
Dafür habe ich dem Dings und dem einen da aus dem Sport erzählt... meine Güte, habe ich denen das ernstlich erzählt?!? Oioioi. Aber was mir der Dings dann vorgeschlagen hat: also echt. Und dass der H. mich dann nicht verstand, hat mit alkoholinduzierter Aphasie nichts zu tun; sondern der H. sollte dringend einmal zum Ohrendoktor. Und was soll das überhaupt heißen: tief?
Von der Frau vom H. existiert auch ein schönes Lichtbild, da liegt sie, süßer die Glocken nie klingen, irgendwie unter dem Afro-Bassisten. Aber bei der, also der Gabriele Kuhn, ist das ja alles dienstlich und Recherche: Erstens schreibt sie bekanntlich die Freizeit-Sex-Kolumne. Zweitens hat sie eben ein schönes Buch verfasst, das heißt „Alles, nur nicht perfekt“ (KURIER-Edition): Welches sich allerdings perfekt als Geschenk für Damen eignet, die mit dem Perfektionismus auch endlich abschließen wollen. Also Frauen wie die P., die B., die E., die K. und ich. Es war ein schönes Fest. Hat zufällig wer ein Kopfwehpulver?
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Falter-Kolumne
„Wann immer jemand in unserem Haus die Stimme erhebt, wird alles gestoppt, egal was wir gerade machen. Time-Out sage ich. Du hast etwas auf dem Herzen, nimm dir ein paar Minuten und rede mit mir.“
So ist das bei uns nicht. So ist das, jedenfalls berichtete das André Agassi kürzlich dem Kurier, bei den Graf-Agassis in Las Vegas. Wenn in unserem Haus jemand die Stimme erhebt, kommt gleich einer gelaufen und brüllt mit, um auf diese Weise seinen eigenen Ärger über was auch immer loszuwerden. Zu Spitzenzeiten brüllen vier Leute gleichzeitig.
Tagesanbrüche haben eine gute Anlage, Spitzenzeiten zu sein, wobei meistens ich die erste bin, die ihre Stimme erhebt, denn nach all den Jahren kapiert meine Familie noch immer nicht, dass, wer dauerhaft mit mir auskommen will, mich frühmorgends nicht anspricht. Nicht ansingt. Nicht einmal anschaut. Nicht seinen Kakao auf mein Kissen schüttet. Sich nicht darüber beschwert, dass in seinem Adventkalendersackerl schon wieder die ganz falschen Pickerl drin waren. Von mir keinen launigen Kommentar zu dieser abseitigen Zeitungsmeldung oder zur Lage der Nation erwartet. Mich nicht aus der Dusche holt, um mir eine voll lustige Stelle aus dem neuen Lottmann vorzulesen oder mich einen Gürtel suchen zu lassen. Mich nicht fragt, was ich abends essen oder kochen will. Mit mir nicht über die Autoversicherung spricht, die Gasrechnung oder einen Heftumschlag, den ich jetzt gefälligst endlich besorgen soll. Mich keine Fäden einfädeln lässt und mich nicht um Hilfe bei Häkelarbeiten bittet. Mich nicht anmotzt, weil ich schon wieder das ganz falsche Gewand herausgelegt habe und Schinken statt Salami in das Jausenbrot tue. Mich nicht fragt, wie viel kalt es heute eigentlich wird oder ob man noch schnell ein Ärzte-Video auf Youtube anschauen darf.
Auf all diese Dinge reagiere ich ab, sagen wir, elf, aufgeschlossen und gelassen, doch wer in der Früh gegen mehr als zwei meiner Gebote verstößt, muss mit einer Dezibel-Erhöhung rechnen, angesichts derer man bei Agassis sofort die Cops rufen würde. Natürlich ist das meiner rücksichtslosen Brut völlig wurscht und man lässt mich unter vier Verstößen und ohne Gebrüll keinen Tag beginnen. Dankeschön. Aber so ist das bei uns eben. Und bei uns läuft es auch nahrungsaufnahmetechnisch etwas anders als bei Agassis, wo Steffi, so erzählt André, streng auf Ausgewogenheit achte. „Die Kinder dürfen nach einer Pizza nur Proteine und Gemüse essen. Zwei Kohlehydrate-Mahlzeiten hintereinander sind nicht erlaubt.“ Ja, du. Und ich bin sicher, wenn Steffi ihre mütterliche Autorität verströmt, hat das auf ihre Familie die vorgesehene Wirkung. Auf meine nicht, aber daran werde ich jetzt arbeiten, denn auch meine Nullerjahre sind jetzt vorbei, ja, definitiv. Wünschen Sie mir also bitte ein schönes, erfolgreiches, respektgeladenes neues Jahr voller friedlicher Morgen im Kreise einer liebenden, kuschen Familie, ich wünsche es Ihnen auch.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Betrachten wir den FPK-Kracher doch einmal aus küchenpsychologischer Sicht. Und durch die Augen einer Frau, weil: Wie die beiden Alphahirsche Scheuch und Strache sich da letzte Woche durch alle Medien röhrten: huiiii! Männlich. Eindrucksvoll. Und putzig. Man konnte direkt sehen, wie den beiden das Testosteron aus allen Poren perlte. Hier wurde ein archaisches Männer-Ritual zelebriert: Zwei Könige verlassen nach langem Kampf das Schlachtfeld, stecken ihre Schwerter ein und vereinigen ihre Ländereien gegen die anderen Könige. Oder auch: zwei Buben ziehen sich in der Sandkiste nicht mehr gegenseitig die Schaufeln über, sondern bauen fortan gemeinsam an der Burg und erheben ihre Schaufeln jetzt Seite an Seite gegen Dritte.
Auch H.C. Straches Motivation lässt sich küchenpsychologisch am schlüssigsten erklären. Weil, eh. Der arme Bub ist beleidigt worden, gekränkt, gedemütigt und verraten. Er hat lange, sehr lange auf seine Revanche gewartet und jetzt zurück geschlagen. H.C. Strache ließ es sich nicht mehr anmerken, aber er sann auf Rache, seit Jörg Haider, sein Hero, sei Mentor, sein Freund, sein Idol, ihn damals in Knittelfeld übrig ließ: mit einer fragmentierten FPÖ, der im Moment kaum einer nur den Hauch einer Chance gegeben hätte.
Wer zuletzt lacht. Es genügte Strache nicht, diese Annahme zu widerlegen. Es reichte ihm nicht, Chef einer FPÖ zu sein, die sich an allen Flanken – außer der südlichsten – zügig erholte. Und es war ihm zu wenig, mit dieser – längst: seiner – FPÖ Wahl um Wahl zu gewinnen. Strache will mehr: Er will nicht nur die FPÖ, er will sich auch die Haider-Partei unterordnen, und zwar genau dort, wo Haider wie ein Heiliger verehrt wird. Er will es ihnen jetzt zeigen. Er gibt es ihnen jetzt zurück. Er beweist jetzt, wer zuletzt lacht. Er hat sich seine Rache hart und geduldig erarbeitet. Er hat alle Demütigungen stehend und lächelnd hingenommen. Jetzt schlägt er zurück.
Diese Frage lässt sich allerdings auch mit den Mitteln der Küchenpsychologie nicht befriedigend klären: Warum gerade jetzt? Hat er es einfach nicht mehr ausgehalten? Doch diese Ungeduld könnte seinen schönen Plan letztlich zunichte machen. Denn der typische Wiener Wechselwähler, der aus Ärger und dem Gefühl des Zukurzkommens von der SPÖ zur FPÖ überläuft, wird es kaum goutieren, dass er bei der Wien-Wahl nicht nur Saubermacher Strache wählt, sondern mit seinem Kreuz auch für zwielichtige Kärntner Steuergeld-Vernichter stimmt. Das passt nicht zusammen. Und könnte deshalb für Strache klassisch nach hinten losgehen. Dass umgekehrt die Kärntner Strache nach Haiders Tod ersatzweise als Reservebank-Messias anbeten werden, ist eher unwahrscheinlich. Aber das, genau das, will Strache eigentlich. Und deshalb, genau deshalb, ist ein beinhartes Duell der Alphahirschen schon vorprogrammiert: Die Geweihe werden aufeinanderklirren. Und am Ende wird es nur einen geben. Oder wieder zwei Parteien. Oder drei. Bei so viel Testosteron ist man vor Überraschungen ja nie sicher.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller schließt das Frauenhaus in Hallein. Warum? Die Auslastung stimmt nicht. Das Frauenhaus erfüllt die erwartete Quote an verprügelten Frauen und Kindern derzeit nicht, die Auslastung beträgt nur 80 Prozent. Und das Frauenhaus Salzburg, das ebenfalls 15prozentige Kürzungen hinnehmen muss, sei ja nicht weit entfernt und könne die Frauen aufnehmen, die nun im Tennengau keine Zuflucht mehr finden.
Auf dieser Argumentationsbasis könnte man zum Beispiel auch das Salzburger Landestheater zusperren, das 2009 eine Auslastung von nur 76 Prozent vorweisen konnte; mit dem Verweis, dass eh jedes Jahr Festspiele stattfinden, dass sollte doch kulturell reichen.
Das passiert zum Glück nicht, und ich will hier auf keinen Fall den Wert von Frauenhäusern gegen den Wert von Theatern aufwiegen: Aber es sagt halt schon ein bissl was darüber aus, welchen Stellenwert misshandelte Frauen und Kinder einnehmen. Und wo in Wirtschaftskrisenzeiten wie immer zuerst gespart wird: bei den eh schon Erniedrigten und Wehrlosen. Geprügelten Frauen und Kindern, Flüchtlingen. Und bei denen, die sich mit Engagement um sie kümmern.
(Apropos Relation: Es ist mir einfach nicht möglich, in diesem Kontext nicht erneut die magischen drei Worte zu notieren. Hypo. Alpe. Adria. Und die dazugehörige Zahl: 450 Millionen Euro Steuergeld.)
Momentan scheitere ich nämlich ununterbrochen daran, die Dinge so zu sehen, wie es Politik und Wirtschaft immer wieder gerne hätten: isoliert. In gar keinem Zusammenhang stehend.
Leben wir nicht alle in einer Gesellschaft, in einem gemeinsamen Österreich? Doch. Aber es sind hier lang nicht alle gleich viel wert.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Liebes Christkind, tut mir leid,
meine Liste kommt erst heit,
für Wünsche war bisher ka Zeit,
Aber jetzt bin ich soweit.
Liebes Christkind, bitte bring,
dem Heinz-Christian ein Piercing,
das passert gut zum neuen Bart,
und er ist ja eh so hart.
Liebes Christkind und dem Uwe,
bring doch bitte neue Schuhe,
die jetzt sind ihm viel zu groß,
damit stolpert er ja bloß.
Liebes Christkind, sei nicht krank,
bitte schenk mir keine Bank!
Willst du Anerkennung ernten,
bring mir einen Freistaat Kärnten.
Loslösung von Österreich,
das wär ein Husarenstreich!
Wenn der Gerhard dafür sörg:
er würd unsterblich wie der Jörg.
Christkind, gutes, bitte bring,
der Justizministerin
eine eigene Autospur,
sie kommt sich sonst deppert vur.
Das ist bitte nicht großkopfert,
wenn man sich fürs Gemeinwohl opfert.
Dafür hat man was verdient!
Zum Beispiel, dass ein Akt verschwindt.
Liebes Christkind, außerdem,
fände ich für Wien bequem:
viel mehr Sonnentage und
ein Führerschein für jeden Hund.
Und bitte für die Wiener Wahl,
einen göttlichen Bannstrahl,
der jede grausliche Parole
automatisch, zack, verkohle.
Und schenke doch der Bundesbahn
Pünktlichkeit nach dem Fahrplan.
Liebes Christkind, ganz famos: Meine Freud wird grenzenlos.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Falter-Kolumne
Nachdem die Kinder tagelang kränkelten und von ihren erwerbstätigen und/oder ebenfalls kranken Eltern nervenschonend vorm Fernseher gelagert wurden, konnten wir live und vor Ort den Einfluss elektronischer Medien auf den Familienalltag überprüfen. Denn leider macht das Kinderfernsehen die Kinder nicht nur pflegeleicht und gusch, sondern auch klüger, nicht immer im Sinne der Erzeuger. Im inkriminierten Fall entlud sich die neue Kinderklugheit in einer morgendlichen Konversation zwischen einem der Mimis und dem Langen.
Der Lange „Zieh dir bitte die Jacke an.“
Das Mimi: „Glaheich.“
Der Lange: „Jetzt!“
Das Mimi: „Du hast mir gar nichts zu sagen, du hast ja nicht einmal ein Sorgerecht.“
Die Mutter, vom Langen mit einem irritierten Blick beworfen: „Ich kann nichts dafür, das hat sie aus dem Fernsehen“. Hatte sie, Kindernachrichten, Thema EU-Sorgerechtsvereinheitlichung. Das hatte Fragen aufgeworfen. Die wahrheitsgetreu beantwortet worden waren.
Andere haben jetzt was aus dem Radio, den Frenk Lebel nämlich, den FM4 jetzt löblicherweise doch spielt, nachdem ich die FM4sche Ignoranz in der letzten Kolumne bitter beklagte. Bravo, sage ich jetzt und lasse mich von diesem Erfolg natürlich sofort dazu verleiten, hier weitere unerbetene Vorschläge zu machen. Was den FM4lern sicher ungefähr so taugt wie mir, wenn einer, wie am Sonntag im phil, mit einer CD am DJ-Pult erscheint, die er bitte jetzt gern gespielt haben möchte. Tschaulitschau, baba und tschüss. Aber anhören kannst du es dir wenigstens. Nein! Jetzt nicht! Immerhin ergings mir besser als dem Kollegen R. denn der Kerl verzog sich murrend, während beim R. ein adäquater Vorgang damit endete, dass der Kerl dem R. die Pappn panierte. Das war aber auch im Flex, nicht im phil: im phil wirkt noch die Kraft des Wortes: Zupfst du dich jetzt bitte? Pfff, na gut. Danke, ich muss jetzt nämlich noch einmal "America" von Simon & Garfunkel spielen, ist gerade mein Lieblingslied. Ja, lacht doch, ist mir powidl.
Kraftderwortemäßig hat dann auch die Laokoongruppe am Sonntag hervorragend live ins phil gepasst, eine meiner diesjährigen Heimspiel-Lieblingsbands. "Walzerkönig", bitte! Unfassbar großartige Nummer. Gehört auf FM4 täglich zur Stoßzeit gespielt. (Jaja, ich zupf mich eh schon.) Habe ich auch letztens im rhiz wieder aufgelegt, leider vor praktisch leerer Hütte, denn Eugene Chadbourne hatte sein zweieinhalbstündiges Solo-Set gerade mit einer eineinhalbstündigen Banjo-Session beendet. Ein sehr höflicher Mensch, der Herr Chadbourne und ein kraftvoller Performer, solange er nur die Finger vom Banjo lässt. Danach hab ich den "Walzerkönig" gebraucht wie die drei Liter Grünen Tee gegen den Kater anderentags. Den "Walzerkönig" schaut man sich erst auf Youtube an (großartiges Video von Adnan Popovic und dann noch "Komm und tanz mit mir" und dann rennt man sofort los und kauft die CD. ("Walzerkönig", konkord). Schon, um den Gröbchen ein bisschen zu ärgern, aber das verstehen Sie jetzt nicht.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Dieses Kärnten ist mir nicht mehr wurscht. Und ich kriege einen Zorn, wenn ich bedenke, dass ich gestern hier die Leserschaft um Spenden angebettelt habe (und weiter bettle), damit ein kleines, ehrenamtliches Sozialprojekt wie Immo-Humana (www.immo-humana.at) den unterstützten Familien zu Weihnachten 50-Euro-Lebensmittelgutscheine schenken kann. Aus den 450 Millionen Euro, die wir Steuerzahler zur Rettung dieses Kasperl-Landes zahlen müssen, könnte man neun Millionen solcher Einkaufsgutscheine finanzieren.
Und man könnte das Caritas-Deckenlager mit 30 Millionen Wolldecken oder neun Millionen Schlafsäcke für Obdachlose füllen. (Caritas: PSK 7.700.004, BLZ 60000). Und man könnte diesen Wohnungslosen gut 45 Millionen warme Mittagessen in Wirtshäusern spendieren.
Die Flüchtlingshilfe der Diakonie müsste, nachdem das Innenministerium ihr die Mittel gestrichen hat, nicht um Spenden für den Notbetrieb der Rechtsberatung Traiskirchen betteln(PSK 90.006.423, BLZ 60.000), sondern könnte in 2500 Rechtshilfestellen ein Jahr lang Flüchtlinge beraten.
56 Frauenhäuser wären je zehn Jahre lang finanziert, um insgesamt etwa 40.000 Frauen und 45.000 Kinder Frauen vor häuslicher Gewalt zu schützen. (Bank Austria 610 782 047, BLZ 20151)
Und Ute Bock könnte mit dem Geld 187.500 Flüchtlinge jeweils zwei Jahre lang unterbringen. (Hypo Bank Tirol, 520 110 17499, BLZ 57000)
Spielt sich aber nicht. Solche Dinge finanziert der Staat nicht, dafür ist kein Geld da. Da müssen die Bürgerinnen und Bürger einspringen mit einem Teil jenes Geldes, das ihnen bleibt, nachdem das Finanzamt die Steuern abgezogen hat: Mit denen u. a. das Kärntner Desaster finanziert wird. So einen Hals könnte man kriegen.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Wegen Internets, TVs und anderer contrabibliophiler Ablenkungen läsen die Leute weniger als früher. Heißt es immer. Das ist offenbar Unsinn, wie die Lektüre des Briefverkehrs zwischen dem Schriftsteller Thomas Bernhard und seinem Verleger, Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld, u.a. beweist. „Der Briefwechsel“ (Suhrkamp) ist ein fantastisches, mitreißendes und vergnügliches Dokument, wie Bücher entstehen – und wie auch die Produktion von Weltliteratur von quälenden pekuniären Begleitumständen belastet ist.
Denn in seinen schriftstellerischen Anfängen litt Bernhard unter chronischer Geldnot, die eng verknüpft war mit dem Erwerb des Ohlsdorfer Anwesens, ursprünglich einer totalen Ruine. Bernhard hatte Unseld 1965 dafür ein Darlehen in der Höhe von 25.000 DM aus dem Kreuz geleiert, das er nur sehr unwillig zurückzuerstatten bereit war. Im Juli 1968 beschwerte sich Bernhard darüber, dass Suhrkamp die schleppende Abtragung seiner Schuld mit verantworte, denn von seinem 1967 veröffentlichten Roman „Verstörung“ – und Bernhard war zu diesem Zeitpunkt bereits leidlich berühmt – hatte Suhrkamp gerade einmal 1800 Stück verkauft.
In seiner Antwort listete ihm Unseld darauf hin die Verkaufszahlen von Samuel Beckett auf, der im Suhrkamp-Verlag „als Nummer 1 aller Autoren rangiert“, und die Zahlen verblüffen: Denn von Becketts größtem Erfolg, „Molloy“ aus 1954, hatte Suhrkamp insgesamt 2554 Exemplare verkaufen können.
Es mag also schon sein, dass die Leute heutzutage wenig lesen: Aber offenbar haben sie das, zumindest was anspruchsvollere Literatur betrifft, auch schon vor 50 Jahren getan. Ganz ohne die Hilfe von 350 TV-Programmen und Internet.
Permalink
| Comments (1)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Das Bundesdenkmalamt sei, schreibt der Architektur-Kritiker Jan Tabor im letzten Falter, „dringend demolierungsbedürftig“. Zum „Bundes-schweig-mal-Amt“ sei es geworden, in dem es sich mit keiner Regung und keinem Wort gegen die Demolierung des Wiener Südbahnhofs verwehrte. Der wird in diesen Tage endgültig geräumt und dann abgerissen, um dem neuen Zentralbahnhof Platz zu machen. Dabei zähle der Südbahnhof „zu den Denkmälern der Aufbauzeit“, er sei, konstatiert Tabor, „einzigartig in die Zeit und ihre spezifische kulturpolitische Topografie eingebaut, also besonders schön“.
Ja, er war schön, der Südbahnhof, nicht nur ob seiner architektonischen Großzügigkeit, sondern auch wegen den Versprechungen, Erwartungen und Hoffnungen, die sich in dieser Halle zusammenfanden – je nachdem, ob sie Ausgangspunkt oder Ziel der Reise war. Für die, die von dort nach Süden fuhren, fing er, so empfand es Tabor, „die Fröhlichkeit des Fernwehs“ ein, er versprach Sonne, Wärme, Meer; Süden eben. (Außer natürlich, man fuhr nur bis Graz.) Für die, die ankamen, versprach er nicht selten den Eintritt in eine bessere Welt – auch wenn dieses Versprechen häufig von der Realität gebrochen wurde.
Westler wie ich, die zwangsweise engen Kontakt zum Westbahnhof pflegten, waren jedesmal, wenn sie eine Reise ab Südbahnhof antraten, beindruckt von der schieren Maßlosigkeit dieser Halle, in der die Fahrkartenschalter wirkten wie aus dem Puppenhaus. Was für ein Luxus, hier einfach eine riesige Menge Luft mit einer Halle zu umbauen.
Das wird der neue Bahnhof, in dem wohl kein Kubikmeter kommerziell ungenutzt bleiben wird, vermutlich nicht bieten. Also, Südbahnhof: baba.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Franz H. hat einen zwölfjährigen Sohn mit starkem Willen. Man war am Samstag auf dem Friedhof gewesen und anstatt wie sonst mit Bim und Bus zurück zu fahren, wollte der Bub die S-Bahn nehmen. Mit seiner Mutter, Besitzerin einer Jahreskarte und seiner Tante, ausgestattet mit einem 24-Stunden-Ticket, bestieg er eine in Leopoldau einfachende S-Bahn Richtung Zentrum.
Prompt erschien ein Schaffner. Und: Der Bub hatte seinen Schüler-Freifahrausweis daheim in der Schultasche. Was die Mutter angesichts des Wochenendes und der sonst untadeligen Befahrscheinung für eine lässliche Sünde hielt. Der Schaffner nicht; er strafte den Buben erbarmungslos mit 55 Euro ab. Vielleicht kaufen die ÖBB davon ja einen Lautsprecher zur Fahrgast-Information.
Es geht aber auch anders. Leserin Fini H. hatte bei der ÖBB im Voraus eine Reise gebucht, und konnte diese, wegen eines ernsthaften Schwangerschaftsproblems nicht antreten. Sie versuchte, die Reise unter Angabe dieses Grundes zu stornieren, was misslang. Frau H. schrieb daraufhin an die Servicestelle der ÖBB, und erhielt prompt Antwort, und zwar überraschende: „Wir bedauern sehr, dass es Ihnen aus gesundheitlichen Gründen zu Unannehmlichkeiten gekommen ist.“ Es gäbe leider keine Möglichkeit zur Erstattung oder zum Umtausch, da Frau H. jedoch eine Stammkundin sei, lege man ihr „ÖBB-Reisegutscheine im Wert von 108 Euro“ bei. Was annähernd den Betrag abdeckte, den Frau H. ausgegeben hatte. Indes, das war noch nicht alles: Im P.S. schrieb dieser Herr D. noch: „Ich wünsche Ihnen und Ihrem Erdenbürger auf diesem Weg alles Gute für die Zukunft, besonders aber Gesundheit.
So kann die Bahn also auch: großartig; öfter so.
Permalink
| Comments (1)
| 12/09
Falter-Kolumne
Haemmerli lässt schöne Grüße aus Taipeh ausrichten und dass er, bitteschön, natürlich schon wegen den Minaretten abgestimmt hat, brieflich, im voraus. Er macht schließlich auch immer noch das Abstimmungsportal votez.ch, das die Leute dazu bewegen soll, ihr Abstimmungsrecht in Anspruch zu nehmen, auch wenn ihnen die direkte Demokratie grundsätzlich eher am Arsch vorbei geht. Weil was passiert, wenn sie das bei zu vielen tut, hat man ja vorletzten Sonntag gesehen, an dem Haemmerli selbstverständlich so abgestimmt hat, wie ich es ihm unterstellt hatte. Weil Haemmerli fürchtet sich vor praktisch nichts, und sicher nicht vor ein paar Muslimen, die ihre Religion ausüben wollen.
Ich finds ja auch auch kindisch, dass nun gleich ein paar Lustige auch alle Kirchtürme niederreißen wollen, wo samma denn, müssen jetzt alle gleich sein? Und darf jetzt niemand mehr einen Vogel haben? Ob das ein religiöser ist oder ein kultureller ist ja eigentlich wurscht, solange mich niemand zu bekehren versucht, sei es jetzt zum Islam oder zu Ja, Panik. Soll jeder glauben, an was er will. Mir ist ja auch diese Hysterie wegen Scientology eher unerklärlich, weil wenn du mich fragst, richtet ein Bischof Küng mehr Unheil an als ein Titan Cruise, und Cruise ist wenigstens ein guter Schauspieler. Soll doch jeder glauben, was er will.
Apropos Ja, Panik, wenn ich etwas empfehlen dürfte, dann wäre das die neue Rotifer, „The Children on the Hill“ (monkey), wenngleich ich dem Rotifer jetzt einmal dringend davon abraten möchte, die Plattencover auch künftig selber zu gestalten. Man muss nicht alles können, und wenn einer so spitzenmäßige Songs schreibt und vorträgt (live vor allem, man muss den Rotifer unbedingt live sehen), dann muss er nicht zwingend auch ein großer Maler sein. Haemmerli möchte ich zum Beispiel lieber nicht singen hören. Und das neue Rotifer-Cover ist zwar lieb, verführt das interessierte Publikum aber doch sehr dazu, das Werk mit einer Kinder-CD zu verwechseln. Was schad wäre.
Und weil Weihnachten ist, gleich noch eine Lobpreisung eines local hero: den FM4 nicht spielt, weil er für dort zu kommerziell sei (was zB bei Julian Casablancas oder MGMT kein Problem darstellt), und Ö3 nicht, weil zu underground. Beides ist eine totale Schande, weil Frenk Lebel Songs schreibt, die man sowohl da wie auch dort gerne hören würde, weil warum: Sie sind großartig. Zeitlos und großartig. Man kennt hierzulande nicht viele, die das Talent haben, so komplexe Ohrwürmer zu komponieren wie Frenk Lebel, und das muss natürlich, wir sind hier in Austria, sofort abgestraft werden. Da kann einer was? Das geht ja gar nicht. Ich erlaube mir hiermit wieder einmal, einen ausdrücklichen Anhör-Befehl zu erteilen: Frenk Lebel: Poems, Contradictions. (Halleluya, Hoanzl). Man kann das auch herumschenken, genauso wie den Rotifer; beides passt auf jeden Fall.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Der Nikolaus war heuer ein Desaster. Nicht die Nikolaus-Feier: Die war, sofern die Kinderzimmertür fest verschlossen und dahinter gerade kein Meuchelgeräusch zu vernehmen war, zwar wenig besinnlich – es gab Wein, Gulasch, Gugelhupf, Geplauder und Gelächter – aber sehr schön. Minus des Nikolo-Besuches. Alle Erwachsenen waren sich danach einig: Das war heuer gewiss das letzte Mal.
Denn der Nikolaus traf nicht wie in früheren Jahren auf großäuigige, aufgeregte Kinderlein, sondern auf eine Horde fünf- bis achtjähriger Hooligans, die sich während der gesamten Zeremonie lärmend auf dem Sofa balgten und ihre Säcke kassierten, ohne den Worten aus dem goldenen Buch groß Beachtung zu schenken. „Und hier steht noch, du sollst daheim mehr helfen.“ „Ja, ja; wars das?“
Leider handelte es sich um einen Miet-Nikolaus, dem weder groß Talent im Umgang mit Gfastern, noch jenes zur Schauspielerei gegeben war. Plus er nuschelte unterm Bart, was bei den Eltern zu viel Juchee führte, als der gute Mann eines der Kinder lobte, es „raucht Gras mit dem Papa“. Halloho??? (Tatsächlich stand da „rauft brav mit dem Papa“, aber das interessierte dann natürlich keine Sau mehr.) Noch bevor alle Kinder Lob, Tadel und Säcke bekommen hatten, waren die ersten verschwunden, um anderswo deren Inhalt zu überprüfen, sowie ob man eh nicht übervorteilt worden war.
Das war heuer de-fini-tiv das letzte Mal, stöhnten die gedemütigten Eltern danach beim Gulasch, als die Kinder im Nebenzimmer mit einem Kinderfilm davon abgehalten wurden, sich um die Säcke blutig zu prügeln. („Das ist meiner!!“ „Nix!!! Meiner!!“) Nächstes Jahr bringt der Nikolaus die Säcke still und heimlich in der Nacht, soviel ist sicher.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Liebe Nikoläuse, liebe Krampusse, hier die genauen Einsatzpläne morgen! Nicht, dass alles schiefgeht und es keiner gewesen sein will. Also:
Zum Heinz Fischer geht bitte ein Nikolaus, der sollte aber stark sein, weil er nämlich einen Gegenkandidaten im Sack hat, das wünscherte sich UHBP so sehr.
Zur Mizzi Fekter ein Krampus, aber, obacht: Bitte keiner, der auch nur ein bissl ausländisch ausschaut, weil den lässt sie sonst vor lauter Angst gleich in Schubhaft nehmen.
Zum Werner Faymann einen Nikolaus, damit er lernt, dass in dem großen Sack von dem gütig lächelnden Mann mit dem Silber-Haar in bissl mehr drin sein sollte als nur warme Luft.
Zum Josef Pröll schicken wir einen Nikolaus und einen Krampus, wegen des Ausgleichs, auf Ausglich steht der ja so, egal welches Ressort er gerade betreut. Und er kann dann gleich einen davon als Superpraktikant casten.
Zum Gio Hahn geht auch ein Nikolaus, im Sack aber nur Nüsse. Oder, Moment, nein, doch einen Kramperl, und zwar ein ganz oarger, damit er noch einen Grund hat, wie ein Pfitschipfeil nach Brüssel abzuzischen, und den Studenten von dort aus zuzuwinken.
Zu den Studenten im Audimax schicken wir einen Nikolaus mit einem Sack voller leerer Versprechen und ein paar Zuckerl dazwischen, und einen Krampus, der sie ein bissl das Fürchten lehrt, weil sonst lernens ja derzeit nix.
Den HC Strache besucht ein..., nein, das machen wir anders: Den Strache schicken wir im Krampus-Gwandl zum Häupl, das taugt beiden und ist auch eine gute Übung für den Wahlkampf. (Gebts ihm recht dickes Reisigbündel mit, der kehrt ja so gern.)
So. Das isses fürs erste. Voller Einsatz bitte! Vergeltsgott. Die Zentrale.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Guten Tag, ich heiße Doris Knecht und möchte Österreichs Superpraktikantin werden, weil Josef Pröll viel von meinen Erfahrungen profitieren kann. Nein, Witz, ich natürlich von seinen. :-)
Möglicherweise bin ich bei der Wahl zu Österreichs Superpraktikant (www.superpraktikant.at) aber ein bissl spät dran: Hunderte junger und nicht mehr so junger Menschen haben bereits ihre Superbewerbungen für den einwöchigen Superjob beim Supervizekanzler ins Netz gestellt und lassen jetzt für sich voten. Und ich fürchte, mein Chance entspricht etwa jener des jungen Kärntners Hubert T., der „unbedingt gewinnen“ will und schon drei Stimmen auf sich vereinen konnte: Platz 291.
Dabei wäre er als gesellschaftliche Minderheit eigentlich hübsch prädestiniert: Platz eins hält derzeit eine Falter-Redakteurin mit fast 5000 Stimmen, ganz knapp gefolgt von einem Rolli-Fahrer. Platz sechs belegt ein Clown, Platz neun ein Mann mit sichtbarem Migrationshintergrund, Platz 20 eine junge Frau mit Geweih.
Auf Platz 24 findet sich der erste einer Reihe von Bladen. Auf Platz 27 möchte eine brüllfarbene Prinzessin „frischen Wind“ in die Politik bringen, was mir Sorgen macht, weil schon das winzigste Winderl weherte ihr das rutschende Kleid vom Leib. Auf Platz 32 bewirbt sich ein Pfarrer (oder: ein Mann im Pfarrerkostüm?) auf Platz 53 und 56 zwei gänzlich kostümfreie Männer. Auf 83 kandidiert ein Hund, auf 230 Superman.
Gegen diese erdrückende Konkurrenz komme ich nicht an, ich ziehe meine Bewerbung zurück. Und vote stattdessen für die aktuelle Nr. 2, Martin Habacher, der Josef Pröll, wenn er gewinnt, eine Woche lang in einen Rollstuhl setzen will, zwecks Super-Perspektiven-Erweiterung. Und das würde ich doch zu gerne sehen.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Der Kommentar zur Gesamtschule stieß auf, no na, Zustimmung und Protest. Einige Leserinnen und Leser fühlten sich gar von der Formulierung „ungünstige Herkunft“ beleidigt, was nur möglich ist, wenn man sie aus dem Kontext reißt. Es ging dabei nämlich um eine Studie, aus der hervorgeht, dass 77 Prozent der Kinder von Akademiker-Eltern ein Gymnasium besuchen, aber nur 19 Prozent der Kinder von Eltern mit Lehrabschluss. Das „ungünstig“ beurteilte also die Bildungschance der Kinder: die Abwertung nicht-akademischer Berufe würde einer Studienabbrecherin aus einer Arbeiter- und Handwerkerfamilie auch eher schlecht anstehen.
Aber: Der alte Sager von den Eltern, die wollen, dass ihre Kinder es einmal besser haben (wobei „besser“ eh relativ ist), stimmt wohl nur bedingt. Ich vermute, dass viele Eltern ihre eigene Bildungsvergangenheit als logische Basis für die Bildungszukunft ihrer Kinder hernehmen. Heißt: Wenn eine Lehre mir eine gute Lebensgrundlage beschieden hat, wird das auch für mein Kind gut genug sein. Auf der anderen Seite überschätzen wohl Akademiker-Eltern schon auch einmal die Möglichkeiten des eigenen Nachwuchses: Und zwingen Kinder in ein Gymnasium und zur Matura, die in einem Lehrberuf viel glücklicher würden. Aber wer will das eine wie das andere schon bei Zehnjährigen so genau wissen?
Eine Gesamtschule verbessert die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsschichten in beide Richtungen. Und verhindert Ghettoisierung, denn machen wir uns nichts vor: Derzeit haben Kinder aus unterprivilegierten Familien, häufig mit Migrationshintergrund, schlechtere Bildungschancen. Ich bleibe dabei: die gemeinsame Mittelschule ist der richtige Weg.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Vermutlich kraxeln auch bei uns schon ein paar Gerechte die Kirchtürme hoch, bewehrt mit leistungsstarken Megafonen, um von dort den Ruf nach verfassungsmäßig geregelter Minarett-Freiheit erschallen zu lassen, weil: Was die Schweiz kann, können wir auch! Und hier ruft nun Ihre Kolumnistin ein lautes, krachendes „NEIN!“ zurück, denn sie hat zwei Jahre in der Schweiz gelebt und weiß es darum zufällig genau. (Und auch die Fußball-WM-Qualifikation – Helvetia ja, Austria nein– hat das eben wieder gezeigt.)
Aber leider wird ja - tragischer historischer Irrtum auch in Bezug auf Deutschland – oft angenommen, gleiche Sprache, gleiches Volk. Ganz falsch, wie wir (na ja, die meisten) längst begriffen haben und auch im Zusammenhang mit der Schweiz nicht vergessen sollten. Einmal abgesehen davon, dass die Schweizer ja drei Sprachen sprechen, wobei jene, die von ihnen als „deutsch“ bezeichnet wird, sich mit dem Deutsch wie wir es kennen, nicht zwingend deckt.
Wer also in die Schweiz kommt, soll nicht damit rechnen, verstanden zu werden oder zu verstehen, auch nicht in den deutschsprachigen Teilen. Sondern damit, auf mannigfache Mentalitätsdifferenzen und mitunter exotische Bräuche zu treffen. Auch wenn man zum Beispiel in der Ostschweiz immer mehr davon abkommt, im Fasching ganz normale Gasthäuser als „dekoriert“ zu deklarieren, was dann nichts anderes heißt, als dass die Kellnerinnen dort halbnackt servieren. Zum Beispiel flüssigen Käse in riesigen Pötten, in die die Schweizer dann ihr Brot tunken, wonach man zehn Schnäpse braucht.
Was also die Schweizer für eine gute Idee halten, muss für Österreich noch lange nicht richtig sein. Das sollten die Kirchturmkraxler unbedingt bedenken.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Falter-Kolumne
Der Schweizer, bitte. Zwei Gesichter. Eben noch sitzt der Schweizer am Tisch vom Fischtürken, trinkt Rotwein, ist vergnügt, witzig (ja, doch!) smart und aufgeschlossen, zahlt die gesamte Zeche und sieht exakt so aus wie Haemmerli in einem Designer-Anzug. Und nur ein paar Stunden später schreitet der Schweizer zur Urne und verbietet fortan den Bau von Minaretten in seinem Land. Ich meine, geht’s noch? Der Schweizer, bitte? Wo will der hin? Zu Haemmerlis Ehrenrettung ist zu sagen, dass Haemmerli während des gesamten Urnenganges in einem Flugzeug saß, welches ihn von Wien in eine asiatische Metropole transportierte: Haemmerli hatte also mit dem Abstimmungsergebnis insofern nichts zu tun, als er zuverlässig nicht für das Minarett-Bauverbot gestimmt hat. Leider konnte er so auch nicht dagegen stimmen, was bei 57 Prozent aber auch nichts mehr geholfen hätte.
Haemmerli war ja die letzten Jahre Filmemacher – also er hat 1 Film gemacht, den über seine Messie-Mutter - jetzt ist Haemmerli Künstler. Künstler wurde Haemmerli im Wesentlichen durch Behauptung. Er hat sich einfach, zum Beispiel bei der Art Basel, hingestellt und gesagt: I am an Artist, bis die Leute anfingen, ihm das zu glauben und ihn in asiatische Metropolen einzuladen, wo Haemmerli jetzt Vorträge hält und seine Werke zeigt. Ich bin ja bislang nur mit zwei Haemmerlischen Werkreihen vertraut, einerseits die Stiefelbilder, für die Haemmerl das Innere vieler Stiefel fotografiert hat, andererseits die Ohrenbeißerserie, in der ich, glaube ich, auch vertreten bin. Weil darin alle vertreten sind, die mit Haemmerli einmal länger als fünf Minuten verbrachten, und während diesen von Haemmerli unvermittelt von hinten gepackt, ins Ohr gebissen und dabei fotografiert wurden. Immerhin weiß ich, dass Haemmerli ein für die Kunst gerne herangezogenes Kriterium erfüllt hat, er hat nämlich für seine Kunst gelitten. Und zwar körperlich, denn als er im Sommer während eines Geburtstagsfestes die Krautgartner von hinten packte und ins Ohr biss, haute die ihm auf der Stelle eine herunter und brüllte, dass Haemmerli eine totale Sau sei. Die Krautgartner hat mir erzählt, es war im Schock, sie konnte praktisch überhaupt nichts dafür, und Haemmerli hat ihr die Watsche auch gleich verziehen (vor allem weil, wie Haemmerli sagt, das Foto super geworden ist) und die Krautgartnerin ihm den Übergriff, den es diente ja der Kunst, und sie vertragen sich längst wieder.
Wie wir beim Fischtürken saßen, hat Haemmerli ungefähr nach der dritten Flasche Rotwein darüber zu sinnieren angefangen, dass es doch vielleicht schön wäre, einmal eine Zeitlang in Wien zu leben, wahrscheinlich besser als in Berlin. Das begrüßten wir sehr. Die Frage ist jetzt, ob die Schweizer Minarett-Entscheidung Haemmerli nach der asiatischen Metropole eher nach Wien treibt, oder ob Haemmerli, wenn er mit der Kunst fertig ist, vielleicht die Schweiz retten will. Wundern würds mich nicht.
Permalink
| Comments (0)
| 12/09
Kurier-Kolumne
Manche Ideen und Themen brauchen länger, bis sie in den Köpfen ankommen. Oder bis sie dort einen Platz zum Verweilen und Bleiben gefunden haben. Es hat fast vierzig Jahre gedauert, bis sich die ÖVP endlich an den Gedanken gewöhnen konnte, dass mitunter Männer Männer und Frauen Frauen lieben: jetzt dürfen auch in Österreich lesbische und schwule Paare endlich heiraten. Jeder – auf Seiten der Gegner und der Befürworter– wusste seit Jahren, dass sich Ausweitung der Ehe auch auf homosexuelle Paare irgendwann nicht verhindern würde lassen, dass sie definitiv auch in Österreich kommt. Die Frage war nur, wie lange es noch dauern – bzw. sich verzögern lassen – würde.
Betonierte Ungerechtigkeit. Der Gesamtschule der 10- bis 14jährigen ist ein ähnliches Schicksal beschieden. Denn auch daran führt, das wissen Befürworter wie Gegner, früher oder später kein Weg vorbei. Und auch hier fragt sich nur, wie lange sich der Widerstand dagegen noch halten wird können: Längst protestieren die Bundesländer gegen die zehn-Prozent-Klausel, die bestimmt, dass nur ein Zehntel aller Mittelschulen sich am Schulversuch „Neue Mittelschule“ beteiligen dürfen: Der Bedarf liegt in fast allen Bundesländer weit höher. Aber es werden noch lange die immer gleichen Argumente für die gemeinsame Mittelschule wieder und wieder aufgezählt und heruntergebetet werden müssen, bis die Idee endlich auch in den entscheidenden Köpfen Aufnahme gefunden haben wird. Und zwar auch von immer mehr Expertinnen und Experten aus dem Bildungsbereich: Er kenne, sagt etwa WU-Rektor Christoph Badelt im nebenstehenden Interview, „fast niemanden, der das im privaten Gespräch nicht befürwortet“.
Das ist kein Wunder. Denn gute Gründe für eine echte Reform der Mittelschule liegen längst vor, und die Notwendigkeiten – auch soziale - werden zusehends drängender. Es ist einfach ungerecht, dass man schon zehnjährige Kinder in ein schulisches Zwei-Klassen-System zwingt, das ihre berufliche Zukunft – Universitätsstudium oder nicht, Aufstiegschancen oder nicht – bereits in der Volksschule weitgehend vorbestimmt. Eine vor zwei Jahren veröffentlichte Studie erforschte, dass 77 Prozent der Kinder von Akademikern ein Gymnasium besuchen – aber nur 19 Prozent der Kinder von Eltern mit einem Lehrabschluss und sogar nur zwölf Prozent der Kinder von Eltern mit Pflichtschulabschluss. Das macht deutlich, dass hier soziale Ungleichheiten schon im Kindesalter unverrückbar betoniert werden. Nur eine gemeinsame Mittelschule bietet allen Schulkindern eine Chance zu beweisen, dass sie trotz ungünstiger Herkunft intelligent und ehrgeizig genug für eine Matura und eine akademische Ausbildung sind. Vier Jahre Volksschule sind für diesen Beweis einfach zu wenig.
Das sollte irgendwann auch in den entscheidenden Köpfen ankommen. Und wenn möglich nicht erst in 40 Jahren.