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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Nachdem die österreichischen Töchter sich jetzt wiederholt belehren lassen mussten, es gäbe beileibe wichtigere Probleme, als sie in die Bundeshymne aufzunehmen, wollte man sie jetzt zum Bundesheer locken. Mit Hilfe eines Werbespots, der die emanzipatorische Zurückgebliebenheit Österreichs ungeheuer drastisch dokumentiert. Und dessen aufdringliche Amateurhaftigkeit so viel Hohn und Spott auf sich zog, dass das Heer das Video umgehend wieder aus dem Netz nahm.
Man kann den Spott-Spot aber auf youtube – Stichwort: Bundesheer 4U – anschauen und tausendfach auf Facebook, wo er begeistert und fassungslos kolportiert wurde. Und das Anschauen lohnt sich: Allmächtiger!
Wem fällt so etwas ein? Wer schreibt so etwas? Wer nimmt so etwas ab? Wer gibt so etwas frei? Und wer bezahlt so etwas? Die ukrainische Armee. Das österreichische Bundesheer hat den dilettantischen Schwachsinn dann einfach nur noch praktisch eins zu eins nachgedreht. Dabei sah schon das Orignal so aus, als hätte der geistesgestörte Neffe eines Generals nach seinem Rausschmiss aus Filmschule und Werbe-Praktikum dringend eine Beschäftigung gebraucht. Waren wir in der Evolution nicht eigentlich schon ein ganzes Stück weiter? Wenn man sich den Bundesheer-Spot anschaut, bekommt man daran starke Zweifel.
Schon die Idee hinter dem Film ist betörend paradox: Die Erhöhung der Frauenquote im Bundesheer mit den Mitteln des Sexismus. „Wir wollen mit große Dinger fahren!“ ruft eine der vier Frauen, die am Ende einem Panzer hinterherlaufen. Wenn man das gesehen hat, ist man ehrlich dankbar, dass man nur in der Bundeshymne nicht vorkommt. Denn wir haben viel schlimmere Probleme, stimmt.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Opernball ist auch schon bald. Ich gehe auch heuer nicht hin, beziehungsweise wie immer in Jogginghosen und Patschen, via TV. Dafür habe ich mich auf einen maskierten Gschnas einladen lassen: Allerdings hatte ich einen unaufschiebbaren Termin vergessen und erspare mir damit auch heuer, mich in ein Flugbegleiterinnenkostümchen aus 100 Prozent Polyester zu zwängen oder mich als Stehlampe zu verkleiden.
Immerhin: Meine Entscheidung, mich ausnahmsweise in lustiges Gewand zu hüllen, hätte ich zumindest eigenmächtig gefällt. Während Legionen bedauernswerter Verkäuferinnen und Verkäufer auch heuer wieder mit lustigen Hütchen, Perücken und Clownnasen zwangsentstellt werden. Und mit „Hossa-hossa“-Partymusik beschallt – obwohl, das war ja geradezu würdevoll im Vergleich zu dem, was heutzutage als lustige Musik gilt.
Immerhin, die Leute könnten argumentieren, dass, leider, für heuer keine Faschingskostüme mehr erhältlich seien, weil die Geschäfte jetzt Bademoden und Grill-Party-Bedarf im Sortiment führen, ist ja logisch. So wie ich letzte Woche erst im dritten Laden Kinder-Skihosen auftrieb, was Körbe voller So-gings-mir-auch!-Mails zeitigte. Denn es gibt unter den Leserinnen und Lesern offenbar zahlreiche Nulpen wie mich, die ebenfalls nicht im Spätsommer ihren Skibedarf erwarben: Leser Martin H. brauchte deshalb jetzt drei Tage und sieben Geschäfte, bis er eine Skihose für seine Tochter fand.
Während Leserin Petra K. schon im November keine Skianzüge mehr für ihre Kinder auftrieb. Aber sie hat einen guten Tipp für alle, die auch jetzt noch keine haben: Gehen Sie in die Second-Hand-Läden. Dort gibt’s merkwürdigerweise im Winter noch Wintersachen.
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| 01/10
Selber schuld!, ruft Leserin Ursula K. Selber schuld, wenn ich immer noch fröre, denn meine gestrigen Tipps, zumindest die kulinarischen, seien nicht nur unbrauchbar, sondern sogar kontraproduktiv. Ich behauptete nämlich, heiße, scharfe Suppe und Ingwer-Tee wärmten mich. Frau K. sagt nun, derlei bewirke exakt das Gegenteil, denn Ingwer und Chili öffneten die Poren und trieben den Schweiß aus dem Körper, was kurzfristig den Anschein der Erhitzung erwecke. Danach friere man allerdings umso mehr, denn die Kälte dringe ungehindert in die offenen Poren ein. Aha.
Der längerfristigen Körper-Erwärmung von innen dienten dagegen die schon von den Großmüttern überlieferte Brennstoffe: lange im Ofen gebratenes Fleisch, ausführlich gekochte Suppen und Eintöpfe. (Es ist das Schöne an meinem Beruf, dass man stets sofort freundlich belehrt wird, wenn man Unsinn geschrieben hat.)
Trotzdem wird die gestrrige Liste der Wärmungen hier fortgesetzt, schließlich soll es heute bis zu minus 20 Grad Celsius kalt werden. Schepper. Wogegen ich, auch wenn das vermutlich wieder Einbildung gewesen sein wird, schöne thermische Erfolge erziele mit der Aufnahme kleiner Serotonin-Mengen, a.k.a. Schokolade. Und mit der Lektüre von Himalaya-Dramen. Und mittels Kuschelns mit den Kindern. Auch perfekt: Mit dem Fahrrad durch den Schneematsch radeln, welcher dabei unter das vordere Schutzblech gedrückt und dann wie aus einer Schneefräse gegen die Schienbeine geschleudert wird, im zwingenden Verbund mit sofortigem anschließendem Abtauchen in einer dampfend heißen Wanne. Leider macht das Verlassen derselben den Aufheizungseffekt schlagartig wieder zunichte). Wahrscheinlich hilft nur am Ende der Lenz. Und der wärmt sich noch auf.
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| 01/10
| Falter-Kolumne
Tatsächlich hat der Lange, glauben Sie es oder nicht, die Lesben von vis a vis kürzlich beim Sex beobachtet, während er zum Fenster hinausrauchte. Die, die nie Pornos schauen. Hat er mir erst nach Lektüre der letzten Kolumne erzählt. Dabei waren, wie immer, die Schlafzimmervorhänge zu, aber einer zufällig im richtigen Winkel offen stehenden Tür und daraus resultierenden Spiegelungen verdankte der Lange eine Sichtung, deren Einzelheiten ich dann nicht so genau wissen wollte. Das Leben imitiert wieder einmal die Kunst; nein, die Kolportage. Sonst habe ich diese Woche nichts zu erzählen, auf Wiedersehen.
Doch, ich habe die Bühnenhemden der Fehlfarben gesehen. Das hat mich merkwürdig berührt. Die Hemden hingen an der Wand eines Ateliers, und ich hätte sie gerne fotografiert, so wie sie da hingen, habe mich aber nicht getraut. Auch nur zu fragen, wäre mir wie ein Sakrileg vorgekommen. Es deuchte mich, Geschichte wehe mich an, und zwar eine, die erst gemacht wird, wenn die Fehlfarben bald ihr neues Album "Glücksmaschinen" live vorspielen. Ich habe es schon, Peter Hein hat es mir geschenkt. Hein sitzt übrigens heuer in der Jury des Protestsongcontests, was, weil ich mir keinen denken könnte, der dort mit größerer Berechtigung säße, der substantielle Grund ist, warum ich doch auch wieder dort sitze. Obwohl ich mir und jedem, der es hören wollte, ein knappes Jahr lang schwur, dass ich mir das gewiss nicht mehr antue, hundertausendprozentig nicht. Weil, wozu? Damit der junge Mensch mir wieder seinen Mittelfinger präsentieren kann? Ich habe auch andere schöne Hobbies, dankeschön; zum Beispiel backe ich einen ausgezeichneten Kärntner Reinling, und Faschingskostüme für die Kinder sind leider auch wieder zu nähen. Ich könnte dabei die kollossale neue Fehlfarben hören, die mir Peter Hein geschenkt hat, ja.
Beziehungsweise ich würde, wie ich voreilig zugesagt habe, auf die Faschingsparty von der Fischer gehen, gemeinsam mit Anna im knappen Flugbegleiterinnen-Kostümchen, das verpasst die Welt jetzt leider auch, und ich werde stattdessen nach Mitternacht in der Verkleidung eines zart angeflaschelten Protestsongcontestjurymitglieds erscheinen, wenn alle anderen schon lustig sind und ich nur ausgebuht. Ich habe mir den Anschiss von der Fischerin und der Anna schon abgeholt, wobei die Anna nur noch resigniert geseufzt hat: sie wurde jetzt schon wiederholt Opfer meiner nachlässigen Kalenderführungspolitik. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich vergesse, dass am 12. Februar immer und immer am 12. Februar Protestsongkontest im Rabenhof ist, und ich natürlich trotz gegenteiligsten Geschwörs erneut da oben auf meinen Stühlchen sitzen und Punkte vergeben werde, selbstverständlich wie stets an die falschen, jaja. Aber diesmal wird Peter Hein neben mir sitzen, dort in der Politdisko, und das Leben wird die Kunst angrinsen und die Kunst wird zurückgrinsen, und es wird gut sein, ja, es wird.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Zuerst die gute Nachricht: Die P.S.K. kassiert keine Gebühren mehr für Haiti-Spenden. Noch am Tag, an dem hier diese Praxis kritisiert wurde, traf ein Mail der P.S.K. ein: Es sei bereits beschlossen worden, wie schon bei früheren Spenden-Gelegenheiten auf die Gebühren zu verzichten. Die bereits verrechneten Entgelte würden den Erdbeben-Opfern gespendet. Sehr gut.
Und jetzt die schlechte: Mir ist kalt. Ja, völlig richtig, nach der Eröffnung ist das nicht nur ein minderschweres, sondern ein vollumfänglich marginales Problem. Dennoch: Mich friert.
Was tun? Hmm. Warme Musik hören; Dylan vielleicht, „Blood On the Tracks“ vielleicht, oder die schönen Bootlegs auf „Tell Tale Signs“. M. Ward oder Ryan Adams. Ryan Adams geht immer, Bright Eyes auch. Mark Olson und Gary Louris, Cat Power, Beirut, und, weil es gar so bitter kalt ist, „April Come She Will“ von Simon & Garfunkel und „America“. Und die neue Tindersticks. Und die neue Get Well Soon. Und die neue Robert Rotifer. Und die neue Richard Hawley; und die alte. Und alles von Ann Peebles. Und alles von Al Green.
Und heiße, scharfe Suppe essen. Und literweise Tee mit Ingwer trinken. Und sich nicht zu jung dafür sein, eine Wärmeflasche auf dem Bauch zu plazieren. Und Lammfellpatschen tragen, was heißt: Lammfellstiefel, über die von der Mama gestrickten Socken. Und unter die Decke kriechen. Und Urlaubsfotos anschauen, aber nicht die von der Hundeschlittentour am Polarkreis, sondern die mit den fetten, grünen Almen. Und die mit dem warmen, blauen Meer. Und die, auf denen man die Hitze so richtig flimmern sieht. Und überhaupt an den Sommer denken, und an noch etwas Schönes.
Wird schon wärmer; ja, wird schon wärmer.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Die Bundeshymne: Ist das nicht das Lied, das Fussballer bei Länderspielen gemeinsam nicht singen, weil sie es nicht können? Für ein Lied, das ein Großteil der östereichischen Bevölkerung nicht kann, ist die Bundeshymne in den letzten Tagen ganz schön auffällig geworden: Wegen der Töchter, die man jetzt dazugedichtet hat, und die Christina Stürmer dazusang. Große Aufregung, Klagsdrohung, Skandal: Wobei mir der Umstand, dass Stürmer – im Auftrag des Bildungsministeriums – die österreiche Bundeshymne in radikalem Preussendeutsch intontiert, weitaus skandalträchtiger zu sein scheint.
Doch wenn im Zusammenhang mit der Bundeshymne schon so erbittert über das Wie gestritten wird, kann man auch gleich einen Schritt weitergehen, und nach dem Ob fragen. Nämlich, ob etwas derartiges wie ein gemeinsames National-Lied heutzutage überhaupt noch eine Bedeutung hat. Und wenn ja für wen. Moooment, nein, ich will hier keineswegs die Abschaffung der Bundeshymmne anregen. Aber wem gehört das Lied? Und was soll es bezwecken?
Es gehört allen Österreicherinnen und Österreichern und soll ihr Gemeinschaftsgefühl wecken und stärken. Was natürlich eine weitere Frage aufwirft: Ob das von einem Lied nicht eh zu viel verlangt ist. Aber wenn man es schon verlangt, dann wäre es doch überaus hilfreich, das Lied so zu formulieren, dass sich alle Mitglieder der identitätssuchenden Gemeinschaft darin vorfinden.
Also, bitte, lasst die Töchter herein. Und lasst auch die Chöre in der letzten Strophe freudig – bzw. freud’g – statt nur brüderlich erklingen. Dafür motschgern wir auch nicht am „Vaterland“ herum, versprochen.
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| 01/10
Natürlich ist das hirnlos. Natürlich hätte eine wirklich patente Mutter ab August die entsprechenden Prospekte sondiert, und wäre an einem warmen September-Morgen um halb acht vor dem Diskonter gestanden. Wäre dann entschlossen zu den Wühlkörben mit den frisch eingetroffenen Sachen marschiert und hätte gekauft, was man Kindern im Spätsommer kauft: Skiihosen, Skiunterwäsche, Skibrillen und Skihandschuhe. Und Sturmhauben.
Diese Mutter hier hatte dagegen im November noch darauf gehofft, dass ihre Kinder auch dieses Jahr kein gröberes Interesse für das Skifahren entwickeln. Diese Mutter ist nämlich der Ansicht, dass Skifahren etwas für Leute vom Land ist, während Stadtmenschen u. a. deshalb im dicht verbauten Gebiet leben, weil sie sich und ihren Kindern das hinternerfrierende Rutschen über vereiste Hänge ersparen wollen.
Diese Mutter also ging gestern, nachdem ihre Kinder sich entschlossen hatten, das Schifahren im Semesterferien-Skilager dennoch zu erlernen, in die Filiale eines Sportausstatters, um die erwähnten Sachen zu erwerben. Und wurde dort entgeistert angeblickt. Skihosen?? Ski-Unterwäsche?? Um diese Jahreszeit? Äh, exakt, ist das nicht Schnee, da vor dem Fenster? Und liegen nicht die Semesterferien, in denen alle außer mir skifahren gehen, noch vor uns? Ja; trotzdem, gibts nicht mehr.
Im dritten Laden, in dem die Mutter, weil es dort auch keine Schihosen gab, der freundlichen Kassierin ihr Leid klagte, erinnerte die sich daran, dass sie in der Früh in einem Karton in einer Ecke des Lagers doch etwas Kinder-Skihosenartiges erblickt hatte... Warten Sie, ich schau Ihnen gleich. Und sie fand und brachte. Danke. Obwohl es ja eigentlich schon Sommer ist.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Kaum jemand, der jetzt noch nicht für die Erdbebenopfer in Haiti gespendet hat. Leser Werner M., wollte das auch und beteiligte sich an der KURIER-Caritas-Spendenaktion. Er ging zur PSK und überwies seine Spende an die Caritas, und was erlebte er dabei? Dass die PSK-Bank von Werner M.s Spende tatsächlich 55 Cent Gebühren einbehält. Bzw. er die 55 Cent extra bezahlte. Die Frage, ob das ernst gemeint sei, wurde Herrn M. positiv beschieden: was ihn empört. 2004, nach der Tsunami-Katastrophe, verzichtete die Bawag-PSK auf Gebühren auf Spenden. Es ist schwer zu begreifen, dass sie nun am Leid der Opfer der Katastrophe von Haiti etwas verdienen will.
Harscher Themawechsel. Denn ihrer Autorin sind in den vergangenen Tagen zwei Fehler unterlaufen, ein lässlicher und ein peinlicher. Fehler Nr. eins: Bei dem Werkzeug, das der FPK-Chef am Ende des Parteitags in Händen hielt, handelte es sich, wie zahlreiche Leserinnen und Leser anmerkten, nicht um eine Spitzhacke, sondern um einen Eispickel, im Verein mit einem Hanfseil ein Symbol für Kamerad- und Seilschaft. Kann allerdings, wie die Geschichte beweist, ebenfalls zur Waffe umgedeutet werden; siehe Trotzki.
Der zweite Fehler unterlief mir bei meiner Tatort-Kritik, die unter der Leserschaft erbitterte Ablehnung und euphorische Zustimmung hervorrief und nichts dazwischen. Der Konschtanz-Tatort, Sie erinnern sich: ich behauptete, die Schauspieler schwäbelten unerträglich. Das ist nun ein mörder peinlicher Fehler für eine, die aus eben der Gegend – halt von rechts unterhalb des Bodensees – stammt und also, genauso wie die Bewohner von Konstanz, eine Alemannin ist. Wenn das bloß meine Mutter nicht erfährt.
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| 01/10
| Falter-Kolumne
Jetzt schaue ich abends beim Abwaschen immer Lesbenpornos. Gegenüber sind zwei eindeutig zusammengehörige Damen eingezogen und der Fernseher steht wieder da, wo er schon stand, als noch eine alte Frau dort lebte, die immer Kinderfernsehen sah. Die ist wohl jetzt im Heim, und ich schaue beim Abwaschen immer Lesbenpornos, und brauche fürs Abwaschen eine Stunde. Boah. Da schau. Manchmal komme ich aber gar nicht dazu, weil der Lange eine Stunde lang genau aus diesem Küchenfenster rauchen muss; dabei haben wir einen Balkon, aber nein, dieses Fenster muss es sein.
Gar nicht wahr. Ich wollte nur, wie letztes Mal leichtfertig angekündigt, mehr Sex ins neue Jahr bringen; es wird aber doch wieder nur das Sudern und das Streiten übrigbleiben. In Wahrheit tragen die Lesben von gegenüber immer Jogginghosen und sehen den ganzen Tag amerikanisches Sportfernsehen, ununterbrochen, sogar wenn sie gar nicht zu Hause sind.Sie haben einen Mops, der ist so fett, dass er für den Weg zwischen der Couch und der Tür 18 Sekunden braucht, ich habe einmal mitgezählt, aber nicht während des Abwaschens, sondern während ich darauf wartete, dass das Teewasser kocht. Wir haben eine Spülmaschine, ich wasche eigentlich selten ab. Nur, dass der Lange, das Lulu, aus diesem Fenster raucht, stimmt, was ich total unsportlich finde. Wer rauchen kann, kann auch am Balkon frieren, habe ich bitte fast den ganzen letzten Winter gemacht, bis ich das Rauchen aus div. Gründen wieder aufgab, u.a., weil mich der Lange, der jetzt immer zum Fenster hinaus raucht, mit seinem ständigen Genörgle genervt hat, weil ich schon wieder rauche, hatte ich nicht eben gerade geraucht? Ja. Und?!?
Heuer streiten wir ersatzweise darüber, dass ich zu oft vor dem Computer sitze und sonntags immer arbeite, ja, Entschuldigung, damit verdiene ich nun einmal mein Geld. Und darüber, dass ich abends vor dem Einschlafen keine Filme sehen will, in denen Frauen und Kinder niedergeballert werden, eigentlich will ich überhaupt nie mehr Filme sehen, in denen Frauen und Kinder niedergeballert werden, weshalb ich auch in Zukunft von dem Wissen ausgeschlossen sein werde, wofür genau Christoph Waltz den Golden Globe bekommen hat. Ich möchte lieber nur noch warmherzige, gutgläubige Filme sehen wie Woody Allens "Whatever works", der sich in jede aufgelegte Pointe schmeißt und sich darin wälzt, wie eine verspielte Sau in einem warmen Schlammloch, was natürlich irgendwie nur bei Woody Allen funktioniert und lustig ist. Und wo am Ende die Schöne den Schönen abkriegt und der Schwule den Schwulen und die Künstlerin zwei Künstler und der Suderant die Nette, und der ist dann sogar so etwas ähnliches wie glücklich.Schön. So will ich das, und natürlich hat der Lange nur gesudert, wie wir wieder aus dem Kino raus sind, kein Geballere nichts, aber ich habe gar nicht hingehört.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Die Debatte um Eberau und die Inhaftierung von Asylwerbern hat wieder einmal gezeigt, wie dringend es ein Staatssekretariat für Integration und Asylfragen braucht. Im Innenministerium von Maria Fekter sind diese Themen nicht gut aufgehoben: Fekters Umgang mit Asylwerbern nimmt immer deutlichere Züge echter Feindseligkeit an. Sie geht so leidenschaftlich aggressiv gegen Asylwerber vor, dass man sich allmählich fragt, ob das noch professionell ist.
Oder ob ein Asylwerber ihr persönlich etwas angetan hat: Vielleicht hat sie ja den, der ihr damals das Handtaschl gefladert hat, eindeutig als Asylsuchenden identifiziert, und anstatt effizient gegen die Einbruchskriminalität loszugehen, müssen jetzt Asylwerber daran glauben.
Lenkt erstens von den wenig dekorativen Resultaten bei der Einbruchsbekämpfung ab. Ist zweitens viel einfacher, wenn sich der Gegner nicht versteckt, sondern man ihn vorführen kann: Da isser, fremd schaut er aus. Und es hat drittens einen viel höheren Populismusquotienten, denn es ist ja doch angenehmer, wenn man in der Pressestunde mit originellen Ideen auftrumpfen kann, als wenn man in der ZiB2 keine hat, wie man etwa mit den Einbrechern fertigwerden soll.
Fekter kriminalisiert sehr erfolgreich die Asylsuche als solche und denunziert damit relevante, international anerkannte Asylgründe wie etwa politische Verfolgung. Bei jenen Volksgruppen, die nur einfache Botschaften verstehen, kommt das natürlich gut an; Asylwerber böse: passt. Ist so schön einfach. Versteht jeder. Braucht man nix differenzieren.
Es braucht dringend ein Ressort für Asylfragen, das Asylpolitik wieder ojektiviert. Dringend.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Auf der Suche nach gutem TV stieß ich am Sonntag irrtümlich auf „Im Zentrum“. Kurz hineingeschaut, viele rechte Herren erblickt, die über ihre Probleme mit sich selbst und untereinander redeten, und gleich erkannt: Ah, der ORF will mich nicht. Folgsam weitergezappt und dann aufgegeben, ich habe ja eh gerade ein großartiges Buch in Lektüre: Edward St. Aubyns „Muttermilch“, wo es zwar ebenfalls um Männerprobleme geht, aber um solche, die mich interessieren.
Warum macht sich der ORF die Mühe, eine teure Sendung auszustrahlen, deren mittlerweile einziges Ziel die aggressive Publikumsvertreibung zu sein scheint? Baba! Alle! Vor allem: Pfiat eich die Madln! Braucht’s ja nicht.
Ein paar „In Zentrum“-Ankündungen der letzten Monate: „Sonderfall Kärnten: Haiders Erben auf dem Weg in die Sackgasse? Es diskutieren u.a. der Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ), Wirtschaftsexperte Gottfried Haber und Christian Rainer (Profil)“. Oder: „Über die aktuellen Turbulenzen bei der AUA diskutieren Niki Lauda (angefragt), Flugunternehmer, Alfred Junghans, AUA-Betriebsrat und ÖIAG-Aufsichtsrat, Mario Rehulka, der ehem. AUA-Vorstand und Präsident des Österr. Luftfahrtverbandes, Kurt Hofmann, Luftfahrtexperte, Hans Schmid, ehem. AUA-Aktionär.“ Oder: „Österreichs Wirtschaft bricht ein - leichte Hoffnung erst für 2010. Es diskutieren Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts Karl Aiginger und Johannes Kopf (AMS).“
Wecken Sie mich bitte morgen um 6 Uhr 20. Oder ich schalte um auf den „Columbo“ am Einser. Sogar der ist zuverlässig spannender als „Im Zentrum“.
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| 01/10
| Falter-Kolumne
Es ist bisher nicht leiser geworden im neuen Jahr. Nicht ruhiger, nicht vernünftiger, nicht gescheiter. War ja aber auch gar nicht vorgesehen. Gab ja keine guten Vorsätze, gar nichts, ein paar Pläne vielleicht, aber mehr auf langfristig angedacht, man muss ja nichts überstürzen jetzt, ne. Ist ja eh noch das ganze Jahr für alles Zeit.
Ich bin allerdings froh, dass ich gerade zwei Staffeln „Californication“ am Stück gesehen habe, was ich als, sagen wir, Jahresleitbild durchaus brauchbar finde: Exzess und Ernsthaftigkeit; Kompromisslosigkeit, Koitus und Commitment. Deppert reden, nett zu seinen Freunden sein, ausdrücklich leben, lieben, eine Meinung pflegen, die Kinder liebhaben. Schreiben, Schwimmen, Suff, Sex, Sinnsuche, Suderei, super Sound und schönes Wetter. (Ich sagte: Leitbild, ich habe nichts von unreflektierter, konvergenter Übernahme gesagt, und, ja sowieso ist die Reihenfolge verhandelbar.) Daneben natürlich Klimaschutz, Alliteration, Nachhaltigkeit, Pingpong, Fekter-Watch, Gemüseanbau, Tartes-Tatin-Bäckerei und weitere Themen, die in „Californication“ eher unterrepräsentiert sind.
Und auch wenn ich unter keinen Umständen in dieses dumme Bobobashen einstimmen werde: es treibt mich derzeit eher ein bissl weg vom Boboistischen, also ich tendiere jetzt mehr Richtung würdelos. Es liegt nämlich, behaupte ich, Stolz in der Würdelosigkeit, das ist kein Paradoxon. Auch wenn, schmecks, sich ein paar Leute aus dem Nichtraucherteil vom Wetter, eh auf lustig, beschweren, dass wir zu laut lachen und brüllen, überhaupt die lautesten seien. Asso, ihr seids das, ist ja typisch! Ja, wir sind das! Und typisch sind wir eigentlich gern, und außerdem kamen gerade alle aus unterschiedlich besinnlichen Weihnachtsferien zurück und müssen jetzt gemeinsam das neue Jahr anschieben, auf dass es allmählich in Gang komme. Es ist viel zu tun! Und, bitte, ich fand, in dieser Gesellschaft an diesem Ort kam es auf hohem Niveau in die Gänge.
Ja. Und erst unlängst habe ich mir beim Sedlacek gedacht: Er ist zwar ziemlich oft ein blödes Arschloch, und manchmal auch ein echt peinlicher, egomanischer Sack, aber er ist zumindest nicht langweilig. Wir waren, das war noch vor Weihnachten, auf einer Party, und draußen vor der Tür standen ein paar relativ unblöde und unarschlochige Männer beieinander, mit denen man sich ja durchaus gern ein wenig unterhalten hat, auf dem Weg zum Klo und retour, aber drinnen, am Tisch und auf der Tanzfläche mit Sedlacek, dem blöden Arschloch, war es um Häuser unlangweiliger. Weil Sedlacek die Kunst beherrscht, sich einen Dreck um sein öffentliches Ansehen und seinen Ruf zu scheren, wenn es die Situation erfordert, was mir, apropos "Californication“, ein überaus sinnvolles Lebenskonzept zu sein scheint: Jetzt gerade auch abseits von Partys, und ich will es mir für 2010 hinter die Ohrwaschl schreiben.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Am 19.5. 2006 bezahlte Klara K. – sie hat die Rechnung noch – dem freundlichen Herrn vom Waschmaschinen-Service 64,80 Euro für die Mitteilung, ihre Waschmaschine sei defekt. Und jetzt? Irreparabel defekt, da müssen Sie wohl eine neue kaufen. Ja, bravo. Am 29.5.06 wurde – Klara K. hat den Lieferschein noch – eine neue Elektra Bregenz Waschmaschine geliefert; Kaufpreis 499 Euro, inklusive Liefer-Zuschlag und Altgeräte-Rücktransport: 558,79 Euro.
Letzten Freitag, am 8.1. 2010, erschien ein Elektra-Bregenz-Techniker, griff in die Maschine, drehte die Trommel zwei Mal rundherum, blickte traurig und kassierte – Klara K zürnt noch immer über der Rechnung – 85,20 Euro für die Auskunft „Lager defekt, Reparatur unrentabel“. Natürlich wurde Klara K. nicht einmal ausgelacht, als sie bei der Service-Abteilung von Elektra-Bregenz anrief, sich über die Halbwertszeit ihrer Waschmaschine beschwerte und fragte, was man da zu tun gedenke. Ja, nichts natürlich, die Gewährleistung war doch längst abgelaufen. Kulanz? Was für eine Kulanz?
Ja, eh klar, war ein Versuch. Aber hielten Waschmaschinen, fragt sich Klara K., früher nicht 15, 20, ja manchmal 30 Jahre lang durch? Warum tun sie das heutzutage nicht mehr? Und warum sind Reparaturen so teuer, dass sie sich für die Kunde niemals rentieren, so dass man die Trümmer jedes Mal abtransportieren, wegschmeißen und entsorgen muss?
Am 9.1. bezahlte Klara K. für die neue Waschmaschine (anderer Hersteller, na sicher), Lieferung und Anschluss 437,99 Euro. Den Lieferschein wird sie – man wird sehen, wie wenige Jahre diesmal – sicher verwahren. Auch wenn es sowieso keinen Sinn hat.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Der Fall Kampusch ist also abschlossen. Der Endbericht ist da, und damit ist alles erzählt, was es, im Sinne der Staatsanwaltschaft, zu erzählen gibt. Das ist auf vielen Seiten nicht viel neues: Ermittlungspannen werden eingeräumt, die Einzeltäter-Theorie wird betoniert.
Natürlich wird das weitere Spekulationen nicht verhindern. Die Außerordentlichkeit des Verbrechens an Natascha Kampusch trägt dazu ebenso bei, wie die merkwürdigen Aussagen von Ludwig Adamovic, dem Leiter der Evaluierungskommission und das ambivalente Verhältnsi des Opfers zur Öffentlichkeit.
Natascha Kampusch war, wie nicht nur ihr eigenes anhaltendes Leiden, sondern auch der völlig andere Umgang mit den Opfern von Josef Fritzl zeigte, von Beginn an schlecht beraten: Die konzentrierte öffentliche Neugier fokussierte gleich auf das Opfer, dass sich bis heute nicht recht entscheiden kann, ob es seine Traumata aus der Isolation seines achtjährigen Gefangenschaft öffentlich oder ganz für sich verarbeiten will. Kampusch befeuert diese Neugier selbst immer wieder, indem sie die Hoffung der Medien, dass bei ihr doch noch etwas Neues, Sensationelles zu holen sei, periodisch durch Interviews nährt.
Ganz anders verlief der ansonsten ähnlich gelagerte, aber noch grausigere Amstettner Kriminalfall; unter anderem deshalb, weil es da einen lebendigen, angemessen diabolischen und letztlich seiner Strafe zugeführten Täter gab, an dem sich die Öffentlichkeit abreagieren konnte. Und weil man die Opfer, soviel hatte man aus dem Fall Kampusch gelernt, von der Neugier der Öffentlichkeit entschieden und erfolgreich abschirmte, bis deren Interesse nach dem schnellen, kurzen Gerichtsverfahren allmählich erlahmte.
Diese Glück hat Natascha Kampusch nicht. Der Fall ist abgeschlossen, aber ihre Geschiche ist wohl nie vorbei.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Leser Florian K. ist an einem Einkaufstag mit seinem kleinen Neffen im ersten Bezirk unterwegs, als der Bub ganz dringend auf die Toilette muss. Also geht K. mit dem Kind in das Hotel am Stephansplatz (Eigenwerbung: „Es gefällt, Sie werden sich wohlfühlen!“), das man eben passiert, erklärt das Problem und bittet darum, mit dem Buben ein WC aufsuchen zu dürfen. Der Bescheid: abschlägig, dafür dekoriert mit dem bekannten Wo-kämen-wir-da-hin-wenn-wir-jeden...-Hinweis. In der U-Bahnstation Stephanplatz darf das Kind das WC dann sogar gratis benützen.
Dafür hat mir Leserin Emma B. anlässlich der Postbus-Geschichte von letzter Woche eine zwar nicht ganz aktuelle, aber ganz andere Postbus-Geschichte erzählt. Ihr Sohn, damals Volksschüler, war in den falschen Bus gestiegen, der ihn statt nach Rehberg nach Gföhl fuhr. Der Bub bemerkte das zwar, aber in seiner Schüchternheit sagte er nichts, sondern blieb bis zur Endstation einfach sitzen. Der Busfahrer, der eigentlich schon frei hatte, entdeckte das ratlose Kind: Er nahm sein Handy, rief die Mutter des Buben an und teilte seine Jause mit ihm, bis die eintraf.
Auch Jutta O. aus Oberwart, Mutter von siebenjährigen Drillingen, hat nicht nur gute, sondern sehr gute Erfahrungen mit den Postbus-Chauffeuren, die ihre Kinder täglich fahren: „Niemals“ schreibt sie, würde einer dieser stets freundlichen Fahrer ein Kind nicht mitnehmen, weil es seinen Ausweis vergessen hat. Sondern die fragen, erzählt Frau O., sogar nach, wenn eines der Kinder, die sie täglich befördern, einmal fehlt. Wofür sie ihnen gern ein großes Lob aussprechen möchte: dem man sich gerne anschließt.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Jetzt fanden, Halleluja!, die ersten Verpartnerungen (ein Bastard, dieser neue Begriff, aber ein gelungener, brauchbarer) statt. In Wien: feierliche Zeremonien in festlichem, offiziellen Rahmen. Denn hier dürfen sich homosexuelle Paare überall dort verpartnern, wo andere Paare heiraten dürfen. Und zwar, wer das will, mit dem gleichen feierlichen Pomp und Juchee, auf dass der Tag für alle Beteiligten unvergesslich bleibe.
Ein Lob der großen Stadt! In der dergleichen Liberatlität ungeniert gepflogen wird. Erstens einfach so, zweitens weil es den gesellschaftlichen Realitäten entspricht. Drittens um die Ungerechtigkeiten des neuen Homo-Partnerschaftsgesetzes ein wenig auszugleichen. Denn das wirft sich bekanntlich entschlossen vor die Tore der österreichischen Standesämter, auf dass diese lesbischen und schwulen (pfui!) Paaren auch weiterhin verschlossen bleiben.
Zum Beispiel in Graz, das ihren homosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Wählerinnen und Wählern, Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern eine feierliche Zeremonie verwehrt. Nein, unserern Trauungssal kriegt ihr nicht! Grad extra! Das ist unnett, kleinlich, kleingeistig und schäbig. Und wie auch in Vorarlberg, wo man Verpartnerungen offenbar gar nicht durchzuführen bereit ist, kommt das ausgerechnet von jener Partei, die sich christlichen Werten wie Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe verpflichtet fühlt, aber halt – über das Gesetz hinaus – mitbestimmen will, wer und wie dieser geliebte Nächste zu sein hat.
Was diese Paare, zumindest viele von ihnen, tun werden, ist klar: Die zelebrieren ihre Verpartnerung eben feierlich in Wien. Wo sie erwünscht und willkommen sind. Ja, gut so.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Die Regierung sollte sich fürs neue Jahr u. a. das Studium der Himmelsrichtungen (Nie Ohne Seife Waschen) verordnen, mein ganz persönlicher Vorsatz lautet hingegen: zählen lernen. Ja, Sie zahlreichen, aufmerksamen Leser (wirklich, nur: Leser), Sie haben völlig Recht, das war Unsinn, dass am 1. Jänner das neue Jahrzehnt anfing, das tat es überhaupt nicht. Das fängt erst nächsten 1. Jänner an, denn ordnungsgemäß zählen wir von Eins weg und nicht von Null. Das Jahrzehnt, dass ich hier fälschlicherweise abschloss, war ein gefühltes Jahrzehnt, ein Bauchjahrzehnt quasi, während die Kopfdekade korrekterweise noch ein ganzes Jahr andauert. Ok.
Und hierfür gleich noch ein weiterer Vorsatz, den ich, völlig eigennützig, sehr gern verallgemeinert seherte: Nett sein, netter werden. Denn nett ist (ich entschuldige mich bei der feinfühligeren Leserschaft, aber exakt so geht nun mal der momentan viel bemühte Spruch), nett also ist mitnichten die Schwester von scheiße. Nett ist mit der inkriminierten Materie nicht einmal entfernt verwandt, es gäbe, tatsächlich, einige einschlägige Verwandte, die man hier aufzählen könnte, aber nett ist definitiv nicht darunter.
Nett ist, wenn überhaupt, eine Tochter von positiv, die Schwester von freundlich und zuvorkommend, eine Cousine von heiter und tolerant und eine Nichte von gelassen. Überdies steht nett in einer ernsthaften Liaison mit Gutmensch, der gleichfalls völlig zu unrecht in Verruf geraten ist. Denn gäbe es mehr Paare wie Nett und Gutmensch, wäre die Welt ein freundlicherer, besserer und gerechterer Ort.
Lasset uns also nett zueinander und zu anderen sein; denn Nettigkeit vermehrt und potenziert sich und kehrt zurück. Genau wie Aggression; nur: Es ist sehr viel angenehmer.
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| 01/10
| Kurier-Kolumne
Bevor ich mich hier inbrünstig in eine pathetische Eloge auf die Nullerjahre werfe und das neue Jahrzehnt in ein euphorisch-optimistisches Visier nehme, noch ein kurzer Nachtrag zur gestrigen Kolumne. In der wies ein Postbusfahrer Sechs- und Siebenjährige, die ihre Freifahr-Ausweise vergessen hatten, bei Minusgraden aus dem Bus. (www.kurier.at, blogs)
Ein paar Leser fanden, die Eltern hätten bitte dafür zu sorgen, dass die Kinder ihre Ausweise dabei haben: der Busfahrer habe zu Recht ein Exempel statuiert. Abgesehen davon, dass ich mich schon frage, wie es jemanden geht, der es richtig findet, sechsjährige Mädchen schutzlos auf der Straße ihrem Schicksal zu überlassen: Es besteht ein Beförderungsvertrag zwischen den Kindern – vertreten durch ihre Eltern – und der ÖBB-Postbus-GmbH. Diese Kinder fahren ja immer mit dem Postbus. Und der Busfahrer ist für die Kinder, die er befördert, mitverantwortlich – auch wenn ihnen etwas passiert, weil er die Beförderung verweigert.
In Deutschland wurden zwei Kontrolleure suspendiert, die eine 12-jährige Schülerin an einer Station aus der S-Bahn wiesen, weil sie falsch gestempelt hatte. Die Deutsche Bahn entschuldigte sich: Es gebe eine strikte Anweisung, dass Minderjährige nicht aus Zügen geworfen werden dürften. Derlei fehlt bei den ÖBB offenbar.
Und jetzt zum Pathos: geschafft! Das Jahr; das Jahrzehnt. Was sich, da es das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends war, irgendwie gewichtiger anfühlt als sonst. Wo war man nochmal zu Millennium? Wer war man zu Millennium? Und wer ist man geworden in diesen letzten zehn Jahren?
Jetzt jedenfalls: auf ins neue Jahr! Prosit und alles: Möge 2010, Leserinnen und Leser, ein schönes, befriedigendes Jahr für Sie werden.

Boboville - Residenz Verlag