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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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25.02.10

Was machen die da den ganzen Tag?

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Und jetzt zu etwas ganz anderem. Einer Sache, über die im Freundinnenkreis seit einiger Zeit diskutiert wird, ohne schlüssiges Ergebnis. Die Tiger-Woods-Geschichte nämlich, der Aufenthalt in der Sex-Klinik, diese traurige TV-Beichte, dieses mea culpa am Medien-Pranger. Tatsächlich ist so ein öffentlicher Kniefall doch etwas, was man sich in einer religiösen Diktatur erwarten würde, aber doch nicht im Land of the Free. Dem Land mit der blühenden Porno-Industrie. Und es ist schon absurd, dass etwas, das sich zwei erwachsene Menschen doch an und für sich untereinander ausmachen müssten, coram publico vor dem nationalen Moral-Gericht verhandelt wird. Was uns allerdings mehr interessiert: Was genau machen diese Männer in der Sex-Klinik? Sitzen die den ganzen Tag in Therapien, die sie mit der Idee versöhnen sollen, dass ein Leben ohne ständigen Sex mit wechselnden Partnern einen Sinn hat? Lernen sie Meditationstechniken, die ihnen zur besseren Kontrolle ihres primären Geschlechtsorgans verhelfen sollen? Wird ihnen Brom verabreicht? Testosteron abgesaugt? Der Freundinnenkreis ist zum Schluss gekommen: Wahrscheinlich spielen die Sexsüchtigen den ganzen Tag Karten. Und Playstation. Und Golf. Trinken mit den neuen Haberern, und unterhalten sich über die geilsten Automodelle. Surfen auf YouPorn. Üben gemeinsam eine schöne Sex-Beichte ein. Und trainieren den schuldsatten Blick der Läuterung, unter viel Schenkelgeklopfe der anderen Sexsüchtigen. Wir stellen es uns als eine Art Pfadi-Lager für große Buben vor. Haben wir hierzulande nicht. Hierzulande kann ein ÖVP-Bundespräsident eine Geliebte haben, ohne dass es seinen Ruf übermäßig beschädigt. Und das ist uns, ehrlich gesagt, lieber.
25.02.10

Jeder ist ein "Künstler"

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

„Der unverzichtbare Anspruch auf volle innere und äußere Freiheit der Kunst wird nur durch die allgemeingültige Rechtsordnung eingeschränkt.“
So steht es im Parteiprogramm der Freiheitlichen. Und: „Eine begriffliche Festlegung würde den Anspruch der Kunst auf volle innere und äußere Freiheit einengen.“ Und so steht es in einer FPÖ-Aussendung zur aktuellen Ausstellung in der Secession (ja, die mit dem Swingerclub): „Die Rathaus-SPÖ muss schon völlig durchgeknallt sein, wenn sie öffentlichen Gruppensex mit 90.000 Euro, die der Umbau für die Realiserung der verschwitzten Phantasien eines „Künstlers“ aus der Schweiz verschlungen hat, unterstützt.“ Abgesehen davon, dass die Ausstellung sich selbst finanziert: Wenn man sich mit der „begrifflichen Festlegung“ schwer tut, engt man den Begriff der Kunst und des Künstlers einfach mit Anführungzeichen ein.
Welche Kunst die FPÖ unverschwitzt findet, zeigt sie in ihrem Sitzungssaal, dessen Wänden zahlreiche Bildnisse von Damen, gerne auch mit Exotik-Hintergrund, in unterschiedlichen Stadien der Unbekleidetheit schmücken.
Und was signiert Strache da auf dem Foto? Ein Kunstwerk gar? „Jeder Mensch“ erkläre für sich selbst, „was er als künstlerischen Ausdruck betrachtet“, heißt es im FP-Programm. Womit wieder einmal der alte Spruch bewahrheitet wird, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Auch Strache.



SOS Mitmensch
20.02.10

Reden übers Leben

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Zwingende abendliche Verpflichtungen führten dazu, dass „In Treatment“ gestern ausgelassen werden musste: sehr ungern. Die mehrfach preisgekrönte HBO-Serie, von der 3sat momentan täglich um 21 Uhr zwei Folgen zeigt, hat nämlich die Wirkung, die der Droge „Crystal Meth“ zugeschrieben wird: Man wird davon schlagartig süchtig.
Was eher erstaunlich ist bei diesem Plot: „In Treatment“ widersetzt sich allen Gesetzen des Fernsehens. So wenig ist in einer Serie vermutlich  noch nie passiert. Faktisch passiert überhaupt nichts. Es wird eigentlich nur geredet, mit einem Minimum an Nebenhandlung.
„In Treatment“ (übersetzt: in Behandlung) zeigt Sitzungen des Gesprächstherapeuten Paul Weston. Nicht, wie man es erst erwartet, in jeder Folge verschiedene Ausschnitte aus verschiedenen Sitzungen; nein: In Echtzeit wird je eine Therapiesitzung abgehandelt, fünf Patienten pro Staffel, Sitzung um Sitzung. Die Jugendliche, die sich nicht eingestehen will, dass sie suicidal ist, der Soldat, der im Irak ohne es zu wissen eine Schule bombardiert hat, die Frau, die  sich nicht zur Hochzeit entschließen kann, weil sie in Wirklichkeit in den Therapeuten verliebt ist, das Paar, das nicht weiß, ob es ein Kind bekommen soll oder nicht: Und der Therapeut selbst, der Hilfe bei einer Supervisorin sucht, zu der er ein schwieriges Verhältnis hat. Alle reden, über sich und ihre Rolle im Kontext ihrer Realität. Und diese Gespräche fesseln einen mehr als drei Teile „Die Hard“.
Und das passt irgendwie sehr gut in die Fastenzeit: Man sitzt nüchtern zuhause und denkt unabgelenkt über sein Leben nach. Und ab neun sieht und hört man anderen dabei zu, wie sie über ihres reden... Fein.
17.02.10

Das begreift man auch so

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

So, der Fasching ist vorbei. Gestern sind noch Legionen kleiner, rosafarbener Prinzessinnen in Satin und Tüll an mir vorbeiparadiert, Hexen und Harry Potters, eine paar Charaktere aus Star Wars und ein paar Piraten. 
Daheim, in der Früh, große Krise; die Zähne des kleinen Familien-Vampirs waren verschwunden, final verschwunden: die Oma war da und hatte ein bisschen aufgeräumt. Und dabei offenbar das zerknüllte Taschentuch auf meinem Schreibtisch für ein zerknülltes Taschentuch gehalten und es mit spitzen Fingern entsorgt, ohne zu bemerken, dass der Vater darin nach der Samstags-Faschingsparty die Vampirzähne eingewickelt hatte. Der Vampir wollte heulen, konnte aber mit dem Hinweis auf drohendes Make-Up-Desaster an einem gröberen Nervenzusammenbruch gehindert werden: Und später wurden neue Vampirzähne in die Schule nachgeliefert. Ein Vampir  braucht Zähne; muss sein.
Jetzt ist der Fasching vorbei, und es ist fast eine Erleichterung. Nein, es ist eine Erleichterung. Auch wenn man nicht katholisch ist, begreift man den Sinn einer Fastenzeit: das Herunterfahren des Organismus, das dringend notwendige Kurieren überreizter Nervenenden durch temporäre Entsagung, den Aspekt der Reinigung und der Konzentration auf Innerlichkeit. Und die Idee, so eine Zeit mit einem asketischen Ritual zu beginnen und zu beenden.
Es ist ja auch außerhalb der Faschingszeit manchmal alles viel zu viel. Der Überfluss ist dem Menschen ja auch eine stete Überforderung: Es ist heilsam, wenn er sich hin und wieder eine Zeitlang davon  distanziert und konzentriert auf das, was für ihn selber richtig und gut ist.
Das muss nicht unbedingt in der christlichen Fastenzeit passieren. Aber sie  bietet sich an: Auch weil man da beim Entsagen zwar trotzdem allein ist, aber nicht allein. So, der Fasching ist vorbei: zum Glück.
16.02.10

Ja, aber kann Palmetshofer auch skifahren?

| Comments (0) | 02/10 | Falter-Kolumne

Zweimal haben sie diese Woche angerufen, einmal aus der Schule, einmal aus dem Hort: Dem Mimi gehe es nicht gut, das Kind liege blass und still auf einer Bank und sei sichtlich krank, könnte man es in absehbarer Zeit bitte abholen kommen. Sicher kann man, man braucht dazu nur die Erwerbsarbeit zu unterbrechen. Beim zweiten Mal marschierte die Mutter, vorbei an den Hortbetreuerinnen, auf das Kind zu, das blass und still auf einem Sofa lag und sagte: Verdammt noch Mal, du bist nicht krank, ich weiß es genau! Das hat auf die Hortbetreuerinnen, zumal es offenbar neue Frischlingspraktikantinnen waren, gewiss keinen guten Eindruck gemacht. Das Mimi aber nahm sofort Farbe an und sah sich in der Lage, sich zu erheben und Mantel und Schuhe anzuziehen.

Selbstverständlich war es - ich kenne mein Kind - kaum hatten wir die heimischen vier Wände betreten, wieder pumperlgesund und machte ein großzügiges Angebot: Um es Mutter zu ermöglichen, die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen, wäre es bereit, sich den Rest des Tages vor den Fernseher zu setzen und sich mit Schokokeksen und Mozartkugeln als Nahrung zu begnügen. Ja, ganz gewiss, sonst noch etwas. Du spielst oder liest, und ich koch dir ein extra gesundes Mittagessen und schnippel dir Obst, auch wenn ich dafür überhaupt keine Zeit habe.

Immerhin: Es war richtig, dieses Mimi in den Schauspielkurs zu schicken, es bringt ideale Voraussetzungen mit, vor allem aber eine Veranlagung zur Hysterie, die es ihm ermöglicht, sich in die Einbildung, es sei krank, so glaubhaft hineinzusteigern, dass es wirklich krank wird. Und auch andere von seinen Einbildungen zu überzeugen, was kürzlich dazu führte, dass ein Übernachtungskind spätabends nach Hause gefahren werden musste, weil das Mimi sich und ihm erfolgreich eingeredet hatte, im Kinderzimmer habe es purgatorische Temperaturen, man verbrenne, schmelze, verglühe, vertrockne und ersticke. Die Kinder liefen nackt und hysterisch heulend durch die Wohnung und schrien; diese Hitze!, sie verbrennten!, und niemand – NIEMAND! - hülfe ihnen!, und es hatte nicht den geringsten Sinn, auf das Thermometer zu weisen, das laue 20 Grad Celsius anzeigte. Ob man denn die Glut nicht spüre?!? Man verbrenne, man verbrenne.

Das hat es genauso wenig von mir wie das andere Mimi das im Skilager von Experten diagnostizierte Talent zum skifahren: Es gewann auch sofort das Rennen seiner Gruppe. Und es ist eine typisch revanchistische Finte des Schicksals, dass meine Kinder genau in jenen Bereichen ausgeprägte Begabungen zeigen, die mir relativ stark am Arsch vorbei gehen. Wenngleich sich mein Verhältnis zum Theater in letzter Zeit vorsichtig entspannt hat, was vor allem an Ewald Palmetshofer liegt, aber kann der auch so skifahren, dass es mir mit einem Mal reizvoll erscheint? Das glaube ich nicht. Dennoch will ich fröhlich sein.

16.02.10

Kinder müssen draußen bleiben

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Der Kollege K. war kürzlich im Café Engländer und durfte beobachten, wie eine Frau mit Kinderwagen des Lokals verwiesen wurde. Was K., demnächst Vater, entsetzte, während ihre Autorin, die die Kinderwagenzeit schon hinter sich hat, kaum mit den Mundwinkeln zuckte: Wenn man ein paar Jahre mit einem Kinderwagen, im Extremfall mit einem Zwillingswagen, durch Wien marschiert ist und diverse Lokale aufsuchte, macht man sich über seine Beliebtheitswerte keine großen Illusionen mehr. Und außerdem: es gibt löbliche Ausnahmen, Cafés und Restaurants, in denen Kleinkindern sogar eigene Spielecken eingerichtet werden.
Ich habe ja nichts dagegen, wenn kleine Kinder abends – wenn nötig halt unter Babysitter-Aufsicht – daheim in ihren Betten liegen, weil ich  gelernt habe, dass das allen am besten tut: den  Kindern, ihren Eltern und den anderen Restaurantbesuchern, die nach einem anstrengenden Tag in Ruhe essen wollen.
Aber dennoch, und schon sowieso tagsüber, haben Mütter und Väter mit Kindern das Recht, genau gleich behandelt zu werden wie alle anderen Gäste. Sonst haben wir hier bald Verhältnisse wie in Zürich, wo es mittlerweile an Lokalen tatsächlich gedruckte Aufkleber gibt, die nicht nur einen roten Kreis mit durchgestrichenem Hund zeigen, sondern darunter auch einen mit durchgestrichenem Kinderwagen. Gibt’s in Wien aber sicher auch schon.
Und das ist inakzeptabel. Kinder werden nun einmal nicht brav und still hergestellt, das wäre schön fad.  Kinderlärm gehört zum Alltag wie Gläserklirren, Gelächter, Geplauder, Autolärm und Bim-Geklingel. Wer in ein Lokal geht, sollte das aushalten. Und wer eins führt, erst recht.
15.02.10

To sit or not to sit

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Am ersten Sonntag der Semesterferien fuhren die beiden 10- und 12-jährigen Kinder von Familie N. mit ihrer Oma von St. Pölten nach Jenbach, um dort Skifahren zu lernen. Um der Oma für ihre  Unterstützung zu danken, spendierten die N.s ihr und den Kindern für hin und retour Plätze in der Businessclass der ÖBB, im vielbeworbenen Railjet. Im Angebot enthalten: ein „cold towel“, ein Begrüßungsgetränk und eine Auswahl an Zeitungen.
Kinder und Oma bestiegen am 31.1. den Zug und setzten sich auf ihre Plätze. In der sehr, sehr kalten Business-Class: Die Heizung war ausgefallen, worum sich bis Linz niemand kümmerte. Erst in Salzburg habe eine Zugbegleiterin etwas unternommen und kurz vor Jenbach sei es dann endlich warm gewesen. Das ominöse „cold towel“ (was ist das eigentlich?) gab es nicht, vielleicht wegen der eh schon unterirdischen Temperaturen, der „Begrüßungsdrink“ sei kurz vor dem Aussteigen serviert worden, Zeitungen wurden nicht gebracht.
Und das war nur die Hinfahrt. Bei der Rückfahrt nämlich durfte die Oma nach langem Suchen feststellen, dass es die teuer bezahlten Businessclass-Plätze gar nicht erst gab: ,Sie stand mit Skiern und Gepäck am Gang, bis sie, wie die anderen Businessclass-Kunden, für sich und  die  Kinder endlich in verschiedenen Wagen einzelne freie Plätze zwischen reservierten gefunden hatte. Auf Nachfrage habe der Zugbegleiter erklärt, tja, die Oma könne bei der Ankunft in St. Pölten am Schalter für die Unannehmlichkeiten vier Euro zurückerstattet bekommen. Vier Euro?
Herr N. versuchte eine Beschwerdestelle zu erreichen, was am Wochenende nicht gelang. Die N.s fahren  künftig lieber wieder mit dem Auto.
13.02.10

Das geht zuverlässig vorbei

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Mit Interesse die „Albtraum Rosa“-Geschichte im gestrigen KURIER gelesen. Eine britische Filmproduzentin hat eine Kampagne mit dem Titel „Pink Stinks“ losgetretreten: Denn es käme, erfahre ich da, nur schwer von der „rosa Rolle“ los, wer sich von klein auf nur mit rosa umgibt. Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Die  mir bekannten Mädchen spielen alle circa bis sechs, sieben, höchstens acht  pink Prinzessin:  dann dürfen  ihre glücklichen Mütter schlagartig drei Viertel des Schrankinhalts ausräumen und alles, dass auch nur irgendwie rosa oder lila schimmert, schnurstracks an jene bedauernswerten Mütter weiterreichen, deren Töchter diese Phase noch nicht überwunden haben. (Und das Barbie–Zeug gleich mit dazu.) Aber überwinden tun es alle kleinen Mädchen, die ich kenne – was aber möglicherweise auch damit zusammenhängt, dass deren Mütter durchwegs Lichtjahre entfernt von einem Prinzessinnendasein samt dazu passender Ausstattung leben.
In Edward St. Aubyns wunderbar moderner Familienstudie „Muttermilch“ (Dumont) unterhalten sich Eltern an einer Stelle darüber, was man tun muss, um aus  Kindern erfolgreiche Menschen zu machen, und eine Mutter meint: „Wenn du willst,dass deine Kinder Fernsehproduzenten oder Vorstandsmitglieder werden, bringt es nichts, ihre kleinen Köpfe mit Vorstellungen von Vertrauen, Wahrheitsliebe und Verlässlichkeit zu füllen. Dann werden sie nämlich als Assistenten enden.“
Was zeigt, wie  schwierig es ist, Kinder richtig zu erziehen und ihre Entwicklung angemessen zu fördern. Trotzdem; ich glaube, dass Liebe, Vertrauen und verlässliche Strukturen für Kinder das Beste sind: plus die Chance, ihre  Prinzessinnenphasen ausleben zu dürfen. Auch wenn ihre Mütter die Farbe Rosa noch so zum Würgen finden.
10.02.10

Kenn ich von irgendwo

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

In „Californication“, einer der aktuell besten und pointiertesten US-Fernsehserien, hat Hank Moody, ein einst erfolgreicher Schriftsteller in anhaltender Schaffenskrise, Sex mit einer jungen Frau, die ihn in einem Laden auf seinen Roman angesprochen hatte. Wie sich hernach herausstellt, hat er sich dabei strafbar gemacht: Denn die Frau ist erst 16 (und zudem die Tochter des neuen Lebensgefährten seiner Ex-Gattin). Moody verarbeitet das Erlebnis zu einer Novelle, die 16-jährige (ein ziemlich cleveres Luder) fladert ihm das Manuskript, veröffentlicht es geringfügig verändert unter eigenen Namen und lässt sich fortan von den Feuilletons als literarisches Fräuleinwunder feiern. Kommt Ihnen bekannt vor. Mir auch; denn wieder einmal imitiert das Leben die Kunst, indem es andere Kunst imitiert hat. Oder besser: plagiiert. Ungefähr eine Woche hat es gedauert, bis aus der begabten deutschen Teenagerin Helene Hegemann, 17, ein vom Feuilleton des gesamten deutschsprachigen Raums gefeierter Literatur-Jungstar wurde. Nun muss sich der Ullstein-Verlag mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen, denn im Unterschied zur TV-Vorlage gab das junge Genie im richtigen Leben recht zügig zu, dass es einige Teile seines Romans „Axolotl Roadkill“ relativ eins zu eins aus dem Buch eines Berliner Bloggers übernommen hatte. Schade. Wäre schön gewesen. Ein Talent ist Hegemann trotzdem. Und sie hat ja Recht, wenn sie sagt, dass etwas derartiges wie Originalität in Wirklichkeit nicht exisitert, schon gar nicht in der Kunst: Eine Künstlerin, ein Werk sind immer Produkte der Einflüsse, die auf sie wirken. Den Unterschied zwischen Zitat und Kopie wird Hegemann allerdings nochlernen müssen.
09.02.10

Ich tu das nur, um Hegel zu widerlegen

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Nachdem ich es mir in der ersten Wochenhälfte serienweise mit Freunden verscherzt hatte, verbrachte ich die zweite sicherheitshalber vorwiegend im Bett. Die Kinder waren ja eh im Skilager, und mit ihnen alle mit Aushäusigkeit verbundenen Verantwortlichkeiten. Nicht, dass es im Bett freundschaftsdestruktionstechnisch sicher wäre: ich verfüge über zwei intakte Hände, ein Mobiltelefon, einen Laptop und ein Wireless Lan, damit lässt sich einiges anrichten. Allerdings lassen sich zwei der Verscherzungen hoffentlich unter Einsatz üppig dosierter Champagner-Kuren heilen. Nur eine ist final, und da konnte ich, ehrlich, nichts dafür. Und der Freund auch nicht. Unüberwindliche Differenzen. Culture-Clash, Weltanschauungscrash, nichts geht mehr.

 Hat sich aber eh schon abgezeichnet. Ich meine, wie befreundet ist man, wenn dich einer permanent nur aus Boarding-Warteräumen anruft, um dir ständig aufs Neue zu erklären, es könne gar nicht stimmen, dass du glücklich bist? Das sei technisch gar nicht möglich, weil wenn ein topmotivierter Firstmover wie er das nicht schaffe, wie sollte es dann einem mittelmäßigen Lulu wie meinereinem gelingen? Hören Sie sich einmal dabei zu, wie Sie jemandem erklären, dass Sie aber SEHR WOHL glücklich seien, TOTAL nämlich. Der Tonfall, in dem das nicht verzweifelt klingt, existiert nicht. Und wenn es hundert Mal stimmt. So gesehen ist mein Leben durch diesen Verlust nicht unbedingt ärmer geworden.

 Und es wird sowieso schon diesen Freitag wieder reicher, wenn mich beim Protestsongcontest wieder hunderte junge Menschen in ihre Herzen schließen werden. Oder so. Oder nicht. Hegel formuliert in seinen „Vorlesungen über die Ästhetik“ ja schwere Bedenken gegenüber dem Protestsongcontest: „Das musikalische Talent kündigt sich“, meint er, „darum auch am meisten in sehr früher Jugend, bei noch leerem Kopfe und wenig bewegtem Gemüte an und kann beizeiten schon, ehe noch Geist und Leben sich erfahren haben, zu sehr bedeutender Höhe gelangt sein; wie wir denn auch oft genug eine sehr große Virtuosität in musikalischer Komposition und Vortrage neben bedeutender Dürftigkeit des Geistes und Charakters bestehen sehen.“ Aber gerade um Hegel zu widerlegen, setze ich mich auch heuer extra wieder da hinauf. Und ich will nicht enttäuscht werden, Damen und Herren! Sonst schreibe ich mir diesmal die unsterblichen Worte des Langen hinter die Ohren, der da sagt: „Ich schätze den jungen Menschen, aber ich suche nicht seine Gesellschaft“. Und zwar in goldener Gravur.

 Der Lange schätzt auch die moderne Kunst, sucht sie aber nicht unbedingt in seiner Stube, wie ich feststellen darf, als ich gerade den suprigen neuen Draschan an die Wand düble. Was ist das. Wieso muss das hier hängen. Warum hat er das da nicht angemalt, war er da zu faul. Und warum sind bitte keine Nackerten darauf?

Ich will wieder ins Bett, so-fort.

 

 

09.02.10

Entschuldigung angenommen

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Das passiert nicht oft. Üblicherweise muss viel geschehen, bis das passiert; eine empörte Öffentlichkeit, Klagsdrohungen, Sanktionen, dergleichen. Und normalerweise passiert das nur nach einem Ausrutscher gegenüber einem Einzelnen, höchstens vielleicht einer Gruppe: Dass ein Politiker oder eine Politikerin sich für etwas entschuldigt. Umso außerordentlicher klangen am Wochenende folgende Worte: „Für diese undurchdachte, hirnlose Aktion kann ich mich nur bei allen Frauen in Österreich entschuldigen.“ Gesprochen hat die Worte Verteidigungsminister Norbert Darabos im Zusammenhang mit dem vielgespotteten Bundesheer-Spot. Und ich für meinen Teil sage: Ok, Entschuldigung angenommen: unter anderem deshalb, weil sie von Konsequenzen begleitet wird. Aber schon allein das Eingeständnis, dass Fehler gemacht wurden, ist in Österreich exzeptionell. Normalerweise sind diverse andere für den Fehler verantwortlich, also sollen die sich gefälligst entschuldigen. Oder der Fehler war unvermeidlich, eine Kulmination widriger Umstände, höhere Gewalt quasi, für die niemand verantwortlich gemacht werden kann. Oder der Fehler war in Wirklichkeit gar kein Fehler, sondern ein vollkommen durchschnittliches Ereignis , das, wie so oft, von den üblichen Miesmachern (vorzugsweise: die Medien) in den Dreck gezogen und völlig überspitzt wurde. Oder die Sache war zumindest nicht der exorbitante Fehler, zu dem die Miesmacher ihn jetzt aufblasen. (Vergl. dazu: ÖOC-Präsident Karl Stoss im Standard zum Dopingskandal: „An manchem sind auch die Medien Schuld.“) Ein Politiker hat sich entschuldigt! Marantjosefr; wenn das Schule macht.
08.02.10

Der Preis der Unschuld

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Was kostet die Unschuld? Eben noch sahen wir den österreichischen Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly verhaftet und im grauen Jogginganzug in London, schon trägt er wieder eleganten Wams und ist ein  freier Mann. Das kommt vor. Nur liegt zwischen zwei derartigen Bildern üblicherweise ein rechtsstaatliches Verfahren. In diesem Fall genügte eine Überweisung, um aus einem Verdächtigen einen Unschuldigen zu machen: 34 von insgesamt 328 Millionen Euro zahlt das Rüstungsunternehmen BAE Systems im Zusammenhang mit Mensdorff-Pouilly an die britische und die amerikanische Justiz dafür, dass alle Ermittlungen eingestellt werden und BAE Systems weder Korruption noch Bestechung eingestehen muss. Denn genau das hätte den Rüstungskonzern  vom wichtigsten Rüstungsmarkt der Welt, dem amerikanischen,  final ausgeschlossen.
„Die gesamte Operation des Bestrafens hat sich mit außerjuristischen Elementen und Personen aufgeladen. Man könnte sagen, dass daran nichts Ungewöhnliches ist, da das Recht nun einmal fremde Elemente zu absorbieren pflegt“, schrieb der französische Philosoph Michel Foucault 1975 in seinem  Werk „Überwachen und Strafen“. „Funktion und Rechtfertigung der Kriminaljustiz liegen heute nur mehr in diesem ständigen Bezug auf etwas anderes als sie selber, in ihrer ständig erneuerten Integration in nichtrechtliche Systeme.“

Ökonomisierung statt Auslöschung. Im 21. Jahrhundert heißt das nichtrechtliche System, das sich jetzt offenbar ungeniert auch die Justiz einverleibt: Ökonomie. Die Londoner Börse habe, hieß es anderntags in den Medien, erleichtert auf den Handel zwischen Rüstung und Justiz reagiert. Thank God.
Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass sich die meisten gesellschaftlichen Institutionen ökonomischen Bedingungen unterzuordnen haben – beziehungweise ihre Ökonomisierung ihrer Auslöschung wohl oder übel vorziehen. Sport, Kultur, Charity, Medien: Ohne Sponsoren, ohne Finanziers geht nichts mehr; weil das eine, da der Staat als Subventionsgeber immer mehr ausfällt, überhaupt nur mehr durch die anderen stattfinden und existieren kann. Und dass es nichts umsonst gibt, dass Investition und Einfluss nun einmal  Schwester und Bruder sind, haben wir längst akzeptiert. Vor allem die, deren Arbeitsplätze davon abhängen.
Aber die Justiz? Nun ja: Die 34 Millionen Euro, derentwegen Alfons Mensdorff-Pouilly in Großbritannien unangeklagt bleibt, dienen, wie es heißt, wohltätigen Zwecken in Tansania. Wer wollte da etwas dagegen haben? Jetzt einmal außer Herr und Frau Durchschnittsbürger, die sich ihre Unschuld nicht so einfach kaufen können und auch über keine amikalen Kontakte innerhalb der Justiz verfügen, durch die ja hierzulande schon auch einmal belastende Akten weggezaubert werden. Wie wird die österreichische Justiz nun mit Mensdorff-Pouilly verfahren? Sein Anwalt glaubt: gar nicht. Wir Durchschnittsbürgerinnen harren gespannt.

06.02.10

Es gibt auch andere

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Heute: kleiner Exkurs über das Es-gibt-auch-andere-Problem. Denn als ich Anfang der Woche kritisierte, dass manche Hundebesitzer sich nicht an die Gesetze halten, rüttelte ich damit nicht nur erfolgreich am Watschenbaum, sondern wurde auch dafür gescholten, dass ich nicht erwähnt hätte, dass es auch brave  Hundebesitzer gibt.
Richtig. Die Frage ist nur: Muss man das? Existiert ein dialektischer Kodex, der vorschreibt, dass jede Kritik an einer zufälligen Gruppe verpflichtend zu ergänzen ist mit der  Feststellung, es existiere aber auch deren Gegenteil?
 Wenn jetzt zum Beispiel kritisiert wird, dass eine Hundezeitschrift gegen den Hundeführerschein mobil macht, in dem sie auf Flyern Welpen mit einem gelben, sechszackigen Stern versah, um  nach Protesten zu behaupten, die Ähnlichkeit mit dem Judenstern sei rein zufällig: Muss dann extra erwähnt werden, dass nicht alle Hundefreunde so ruch- und hirnlos sind? Nein, weil die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter an derartige Entgleisungen nicht einmal anstreifen wollen. Und weil sie keine homogene Gruppe mit Solchen und Solchen sind, sondern weil halt zufällig Solche Hunde halten und Solche auch.
Genauso wie auch Hohlköpfe gerne Ski fahren, und trotz eindringlichster Lawinenwarnungen gerade extra abseits der sicheren Pisten fahren. Und derart nicht nur ihr Leben, sondern auch das Dutzender  Helfer in Gefahr bringen: Muss da extra dazugesagt werden, dass die meisten  Schifahrer das nicht tun? Kann man, muss man aber nicht. Ein gemeinsames Merkmal schafft noch keine gemeinsame Identität. Skifahrer, Hundebesitzerinnen, Politiker, Homosexuelle, Autofahrerinnen, Asylwerber: Solche und Solche, da wie dort.
04.02.10

Loos raus, Leben rein

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Ja, gut! Das Café Ritter und das Café Museum sollen gerettet werden.
Denn die Kaffeehäuser: die sind ein substanzieller Teil des Wiener Lebensgefühls. Alles da, in so einem Kaffeehaus. Und eine Institution, die nur in Wien  funktioniert, aber da perfekt. Und solche Kellner, wie die typischen Wiener Kaffeehaus-Ober, werden in anderen Ländern ja auch gar nicht hergestellt. Und auch wenn man manche ob ihrer Arroganz verflucht, sie gehören irgendwie zum kaffeehäuslerischen Lebensgefühl: Fühlen Sie sich wohl, aber bitte nicht zu sehr.
Interessant ist, dass es überhaupt nicht funktioniert hat, das Café Museum wieder im Looschen Original-Format herzurichten. Die Gäste des 21. Jahrhunderts nahmen das nicht an.
Was ein Signal sein sollte für die Zukunft des  Kaffeehauses, ach, für Wien: Loos war wegweisend für Wien, aber Loos ist schon ziemlich lange tot. Und wenngleich es wichtig ist, das Gute zu bewahren: Das kann auch zu Stumpfheit führen. Und nicht jeder Wind, der den Looses und Hoffmanns und Wagners entkam, ist  in Wien des 21. Jahrhunderts noch funktionell.
Vor allem: Es kommt neues Wegweisendes nach. Was es in Wien aber traditionell schwer hat, weil man hier – Dutzende international gefeierte und in Wien ignorierte Architekten können davon ein Wienerlied dudeln – gern irrtümlich glaubt, man schütze  die Tradition am wirksamsten, indem man neues Gutes und Richtiges, ja für die Gegenwart Besseres und Richtigeres verhindere. Ein Irrtum, der zu Versteinerung führt und zu historisch korrekter Leblosigkeit. Und,  siehe Café Museum, zu einem Kaffeehaus ohne Gäste.
Dort will man  jetzt behutsam wieder Leben hineinbringen. Was für ein Kaffeehaus doch wichtiger ist, als 100 Prozent original Loos.
03.02.10

Zu wissen, dass man Glück hat

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Als ich das Fenster aufmache, steht vis a vis ein Mann auf dem Dach und grüßt freundlich. Er steht einfach nur so auf dem Ziegeldach eines fünfstöckigen Hauses, Hände in den Hosentaschen, und blickt in die blaue Luft. Die Sonne scheint, während gleichzeitig ein paar Schneeflocken zwischen den Häusern tanzen. Es ist schön.
Heute früh habe ich mich mit einem Schweizer Freund unterhalten, während der weit über den Hafen von Hongkong schaute, durch das Fenster seines Hotelzimmers. Er schrieb in seinen Computer, ich in meinen. Es geht ihm gut. Er war weit weg und er war nah, und es war schön.
Wenngleich ich müde war, gestern habe ich wieder Musik aufgelegt in meinem alten Stammlokal, und wie immer – die Gäste liefen  trotzdem  nicht davon – nur das, was ich augenblicklich für die beste Musik der letzten 70 Jahre halte. Und davon gibt es viel. Es war schön, sehr schön. Und das ist Glück, irgendwie.
Das ist auch Glück: Dass es verlässlich Frühling werden wird.  Eine Aufgabe im Leben haben.  Mit dem Taxi durch die stille nächtliche Stadt nach Hause fahren. Kinder, die quietschend an der Tür vorbeirennen. Menschen, die einen in der Bim grundlos anlächeln.
Eine Meinung haben zu dürfen. Diskutieren, streiten können. Zu wohnen. Freunde zu haben, die einem „Wo-bleibst??“-Smse schicken. Und kritisieren. Und korrigieren. Und da sind. Etwas tun zu dürfen, was einem Freude macht.  Musik, die einen versteht. Literatur, die einen schweben lässt. Filme, die einen lachen machen. Zu wissen, dass man Glück hat.
Der Mann  steht jetzt nicht mehr auf dem Dach, er hat etwas repariert und war dann plötzlich weg. Aber die Sonne scheint noch, und es ist schön.

02.02.10

Ich bin irgendwie keine Rampensau.

| Comments (0) | 02/10 | Falter-Kolumne

Es hat auch Vorteile, wenn die Kinder weg sind. Also, wenn dieser Scheiß-Bus endlich abgefahren ist. Bis dieser Bus abgefahren ist, mit den Kindern darin, die unununbedingt ins Schilager wollten, aber jetzt ihre Entscheidung schluchzend bereuen, durchläuft man allerdings den puren Höllen-Horror. Ich habe von Vätern gehört, die während dieser zwanzig Minuten final ergrauten. Es war so entsetzlich, dass schließlich mehrere Eltern am Gehsteig auf die Knie fielen und den Busfahrer händeringend anflehten, sein Gefährt endlich in Bewegung zu setzen. BITTTTEEEE! Die Qual ist UNERTRÄGLICH! Und wurde leider dadurch verlängert, dass manche Eltern noch ein achtes Mal in den Bus stiegen, um ihre Kinder zu beruhigen, was selbstredend den gegenteiligen Effekt hatte. Bittebittebitte, ich halt das nicht mehr aus, fahrt endlich! Als der Bus dann um die Ecke war, gaben sich die Eltern High Five und begannen umgehend, die ersten Stationen ihres lange vorbereiteten Halligallis abzuarbeiten. Der Lange und ich zum Beispiel gingen sofort wieder ins Bett, schoben am helllichten Tag GewaltDVDs ins Gerät, bestellten Pizza und Bier und ließen uns so grauslich gehen, wie wir es in der Prä-Mimi-Epoche jedes Wochenende getan hatten.

 

Leider verließen wir dann in der Dunkelheit noch einmal das Haus. Es hat auch Nachteile, wenn die Kinder weg sind, man geht fahrlässig zu vorher schlecht recherchierten Veranstaltungen und trinkt dort zuviel, anstatt wie gewöhnlich beim „Tatort“ einzuschlafen. Weshalb man anderntags dann müder ist als vorgesehen. Zudem hat der Lange nicht wie üblich um halb acht mit den Kindern das Haus verlassen, sondern liegt um halb neun noch neben einem im Bett und formuliert, während man gerade verzweifelt Kolumnenthemen aus dem Internet kratzt, Sätze wie diesen: „Du kommst mir ein bissl vor wie Elvis in Vegas.“ Ja, dankeschön! So fängt man den Tag gerne an! Kommt zurück, Kinder!

 

Allerdings war ich auch Elvis in Vegas, als die Mimis noch da waren. Palmetshofer, Heavy Trash und dann auch noch im Schauspielhaus Popismus predigen mit meinem alten Zürcher Nachbarn, Reverend Tobi Müller. Was interessant, aber insofern irritierend war, als wir vor 150 Leuten anfingen und vor 15 aufhörten. Während das Publikum in großen Trauben den Saal verließ, erhielt ich unablässig SMS vom lustigen Fotografen und vom lustigen Verleger, ich solle dalli im Dings erscheinen. Ich smste, ich könne nicht, ich säße auf einer Bühne und verrichte Erwerbsarbeit. „schleich dich runter von der bühne!“, smste der Fotograf, und das hätte ich gerne gemacht, beziehungsweise ich hätte mich gerne sub Bühnenboden verkrochen. Ich bin nicht geschaffen für die Bühne, ich bin lieber Publikum. Als Publikum bin ich, wie die Menschen, die ich beim Heavy-Trash-Konzert im Flex mit Bier beschüttete, bestätigen werden, richtig gut. „Is uuuuuuuu I want!“ Yes, Jon Spencer, yes, yes, yes.

 

02.02.10

"Frechheit, diese Forderung!"

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Seit gestern früh wurde ich mit folgenden Attributen belegt: „dumm“, „faschistoid“, „volksverhetzend“ und natürlich „Hundehasserin“. Ich hatte („Frechheit, diese Forderung!“) darauf gedrungen, dass Hundehalter sich an die bestehende Gesetze halten. Und dass die Exekutive einschreiten möge, wenn sie es nicht tun.
„Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, was Sie für einen Sch... schreiben?“, schreibt Leserin Lisi L. Leser Thomas J. fordert die Einstampfung aller meiner Bücher.  Alexander F. formuliert wörtlich, dass „immer mehr Hass und Aggression von widerlichen tierfeindlichen Gutmenschen und Dummmenschen gegen jegliche Art von Tierhalter in dieser Stadt entfacht wird wie in den guten alten Zeiten als die Tierhalter noch die Juden waren“. Lassen Sie mich das präzisieren: Der Leser vergleicht die Kritik an Hundebesitzern, die ihre Hunde frei und ohne Maulkorb herumlaufen lassen, mit der Vernichtung von sechs Millionen Menschen. Entschuldigung: Das ist ein ungeheuerlicher Vergleich.
Allerdings offenbar unter manchen Hundehaltern üblich, nicht nur in Wien: eine Berliner Freundin berichtete mir von Berliner Hundebesitzern, die im Zuge der Debatte über ein Verbot gefährlicher Hunderassen ihren Tieren Judensterne anhefteten.
Zum Glück gibt es auch Hundehalter, die nicht mit religiösem Fanatismus auf Vorschläge reagieren, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Hunde optimieren könnten. Herrl  und Frauerl H. sind ebenso meiner Meinung wie Hundebesitzerin Alexandra W., und es sei hier wieder einmal gesagt: Die meisten Hundebesitzer gehen verantwortungsvoll mit ihrem Tier um.
Aber manche eben nicht. Und es sollte erlaubt bleiben, das zu kritisieren.
01.02.10

Passiert eh nichts

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Eh klar, sind nicht die Hunde schuld. Es liegt an den Besitzern, es liegt immer an den Besitzern, wenn etwas passiert. Wenn ständig wieder etwas passiert.
Schon geht es los mit der Fragerei: Wie gehen wir damit um? Tolerieren wir, dass immer wieder etwas passiert? Legen wir das in der Schublade mit den minderen,  überschaubaren Risiken des Alltags? Oder in die mit den intolerablen Vergehen?
Wir haben Gesetze, an die Hundebesitzer sich zu halten haben: Die Pflicht, das Tier artgerecht zu halten. Leinenpflicht, Beißkorb-Pflicht, die Pflicht, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde von öffentlichen Plätzen zu entfernen. Nur: Man nimmt es nicht immer so genau. Unter anderem deshalb, weil, wie man aus nebenstehender Geschichte erfährt, die Polizei nicht wirklich willig sei, sich um Hundehalter zu kümmern. Die Gefahr, belangt zu werden, ist also eher gering.
Wo sich  die steuerzahlende, von unangeleinten Hunden bedrohte Autorin eben mal fragt: Ach ja? Darf sich die Polizei aussuchen, gegen welche Gesetzesbrecher sie gerne vorgeht und gegen welche nicht? Gibt es in den Wachzimmern eine Liste von Lieblingsverbrechen, um die man sich gerne kümmert sowie von Vergehen, über die man hinwegsieht? Zur Erinnerung: Es geht hier um Gesetzesverstöße mit mitunter tödlicher Konsequenz.
Was das Vertrauen der Bevöllkerung in seine Kontrollorgane nicht eben stärkt. Und schon gar nicht das Schuldbewusstsein der  Hundehalter: Denn was nicht bestraft wird, ist wohl auch nicht richtig verboten.
Auch deshalb bin ich  eine entschiedene Anhängerin des Hundeführerscheins. Damit Hundehalter wenigstens einmal erfahren, was sie dürfen. Und was sie müssen.




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