Permalink
| 05/11
schreibt
Simone Meier im Tagesanzeiger über "Gruber geht". Und: "Dieser Roman geht ans Herz, er ist so roh in seiner Lust (Sexszenen
schreiben kann die Knecht!) und in seinem Schmerz, dass es für das
Überspringen der gruberschen Gefühlslagen auf die Leser wahrscheinlich
nur ein Wort gibt: authentisch."
Permalink
| 05/11
mit Grissemann, Stermann und Tim Melzer bei Willkommen Österreich.
Hier zum Nach-Sehen.
Permalink
| 05/11
Falter-Kolumne
Studiere gerade die Bilder vom letzten Rapid-Match. Die Vermummten auf dem Spielfeld. Interessant. Spooky. Diese Männer leben unter uns. Was machen die sonst so? Wo arbeiten die? Wie wohnen die? Wie und nach welchen Kriterien kaufen die ihre Möbel? Haben die Sex? Wie sind die im Bett? Was wählen die? Schauen die heimlich Arztserien? Weinen die, wenn sie allein sind? Was ist ihre Lieblingsspeise? (Na gut, ok, das ist leicht.) Haben die Kinder, und wenn ja: wie und was reden die mit denen? Diskutieren die mit ihrer Frau, in welche Schule die Tochter gehen wird? Haben die überhaupt eine Frau, eine Freundin? Und wenn ja: Was schenken die ihr zum Geburtstag? Können die kochen? Nach welchen Kritierien suchen sich die die Vorlagen für ihr Peckerl aus? Schreiben die manchmal verliebte SMSe? Schauen die heimlich Dancing Stars? Schauen die heimlich schwule Pornos? Wie melden sich die am Telefon? Sind unter den Vermummten auch Frauen? Warum nicht? Und wenn man ein Kind hat, das Fussball mag, wie erklärt man dem sowas?
Und noch eine Frage: Kann man diese Trotteln sozialisieren? Ok, auch hier bietet sich eine Antwort an: offenbar nicht. Das ist ja jetzt nicht zum ersten Mal passiert. Das gehört ja offenbar zur Rapid-Folklore, kann man nichts dagegen tun. Ist so etwas wie das letzte Leo, in dem man weitgehend unsanktioniert rassistisch und gewalttätig sein kann. Man werde, habe ich heute früh im Radio gehört, gegen jeden, den man auf den Fotos und Videobändern erkennen könne, entschieden vorgehen. Was offenbar heißt, dass die, nachdem sie sich ausgetobt haben, einfach vermummt aus dem Stadion hinaus und heimgehen, ohne dass sie jemand aufhält oder verfolgt. Ist das so? Interessant. Auch interessant, dass es in den Wiener Stadien offenbar Räume gibt, in denen die Hools ihre Wurfgegenstände und Feuerwerkskörper zwischenlagern können, damit sie dann während des Matches gut Zugriff darauf haben. Wer ist für derlei verantwortlich? Und wäre sowas in, sagen wir mal, deutschen Stadien auch möglich?
Das Kind geht jetzt nicht mehr Fußball, eh schon länger, und wenn man das sieht, ist es einem total recht. Es will jetzt Karate lernen, und mit diesen Kerlen vor Augen hat findet man das als Mutter tendenziell eine Spitzenidee und unterstützt das sehr gerne.
Während die Mutter (Achtung, jetzt wird es erst richtig brutal) nun wahrscheinlich allmählich bereit wäre für Yoga. Innen in Ruhe, außen in Form, so in der Art. Die Frau mit den healing Hands, die einem den Lumbago wieder weggezaubert hat (sie selber nennt es Ostheopatie) findet das auch eine gute Idee. Andererseits: Was ist, wenn ich wirklich meine innere Ruhe finde? Wenn mich nichts mehr aufregt und ich mich nicht mehr aufpudeln will? Schon gar nicht öffentlich? Wenn ich plötzlich normal werde? Wovon lebe ich dann? Vielleicht doch noch mal darüber nachdenken, hm.
Permalink
| 05/11
Falter-Kolumne
Vielleicht sollte man mit der Selbstzerfleischung dann auch wieder einmal aufhören. Dann. Im Moment scheint es unmöglich: der Mond, der Saturn in Opposition mit Mars, ich weiß auch nicht. Ich stehe hinter einem Mikrophon im
phil und lese meinen Text aus "Brennstoff"* vor, die Geschichte, wie ich einmal Joachim Lottmann nicht kennenlernen wollte, und das ist nicht leicht, denn Lottmann sitzt einen Meter entfernt und lauscht, womit beim Verfassen des Textes irgendwie nicht zu rechnen war und was meinen Vortrag nicht begünstigt. Zudem bin ich, vor Rubey,
Lottmann und Schalko, die erste, die liest, und während ein Teil des Publikums horcht, plauscht der andere munter vor sich hin, und dann passiert es, dann passiert es mir, ich brülle ins Mikrophon, GUSCH! brülle ich, und es ist so peinlich, als wäre mir coram Publico ein knatternder Wind entfahren. Es ist exzessiv überzogen, und ich weiß es sofort, und es ist unwiderruflich, und ich lese den Rest meines Textes unter permanter Transpiration und mit rotem Schädel. Das hat man wieder einmal gut hingekriegt. Man könnte sich.
Möglicherweise hängt der Ausbruch auch mit der Schufterei am Land zusammen. Man hackelt das ganze Wochenende, reißt Bäume aus, gräbt Löcher in die Erde, schleppt Klumpert herum, schlägt Pfosten ein, und dann kommt man in die Stadt zurück und wendet an Stellen, an denen das überhaupt nicht nötig wäre, zuviel Kraft an. Viel zu viel Kraft. Alle schauen: huidiwui, waswarndasjetz. Man fühlt sich, das ist jetzt auch überzogen, ein bisschen wie Musils Moosbrugger: Alles, was man jetzt angreift, wird kaputt. Man fühlt sich monströs in der Welt. Ungehörig. Man sollte vielleicht nicht mehr ausgehen, man sollte die Menschen meiden, man sollte sich irgendwo verkriechen, zum eigenen Schutz und zum Schutz aller anderen: zumindest an solchen Tagen. Man sollte einen solche-Tage-Melder eingebaut haben, der einen alarmiert und dann vor den "Tatort" setzt, anstatt unter oder vor Menschen. Oder hinter einen Computer, wo man wohl hingehört, wo man die Wörter und die Lautstärke und die Temperaturen viel leichter regeln kann, und korrigieren. Zu laut, zu wild, viel zu aggressiv, lösch es weg, schreib es leiser, zarter, zärtlicher. Vielleicht sollte man das Sprechen überhaupt weitgehend einstellen, nur noch schreiben. Das habe ich auch dem Steuerberater gesagt: Nicht komm am Sonntag Nachmittag in den Garten, wo ich eben glücklich irgendetwas aus der Erde reiße und sag mir, dass ich 6000 Euro ans Finanzamt überweisen muss, und zwar morgen. Schreib es mir wochentags in ein Mail, dann kann ich meinen Wutausbruch ganz allein performen, und niemand kommt zu Schaden und ich müsste mich jetzt nicht zerknirscht bei dir entschuldigen. Ich würde nämlich auch das gern löschen, danke.
*Moderne Nerven: Brennstoff. Hg. von Ela Angerer. Mit Texten von Peter Hein, Christian Schachinger, Manfred Peckl, u.a. (Czernin Verlag)
Permalink
| 05/11
Falter-Kolumne
Wenn man starke Schmerzmittel mit Alkohol kombiniert, hört man endlich die Anleihen, die The National bei den Rollings Stones machen. Da! Eindeutig! Es geht mir gerade wie Zuckerman in der Anatomiestunde, minus die geilen Weiber. Man soll nicht zwei volle Gießkannen herumschleppen, wenn man eh schon Rücken-Probleme hat. Wobei, das Schleppen war gar nicht das Problem, aber absetzen hätte man sie nicht sollen. Schmerz durchschnitt das Rückgrat und warf einen ins Gras. Dort lag man am Rücken wie ein großer blaugrüner Käfer aus einer LSD-Halluzination, bis einen der Lange entdeckte, der es etwas exaltiert fand, wegen ein paar erfrorener Zuccinisetzlinge gleich in den Rasen zu schluchzen. Bringstumir bitte zwei Seractil und ein Glas Wasser, danke.
Aber jetzt, jetzt könnte es schlimmer sein. Ich könnte, so wie letztes Mal, die Sache nicht ernst genommen haben, so dass dann der Notarzt mit der großen Valiumspritze kommen musste. Stattdessen liege ich nur reglos am Rücken und dämmere im Schatten eines Birnbaums der Nacht entgegen. Der Lange ist ausnahmsweise ein braver Sklave und gibt nichts auf die Gerüchte, das man Schmerzmittel und Spritzwein nicht mixen soll. Was es sehr erleichtert, eben erst kürzlich postulierte Absichten mit Halleluja wieder in den Wind zu schießen.
Die Sache mit den Mimis nämlich: Nicht nur Leserinnen beklagen, dass sie hier nicht mehr vorkommen, auch die Mimis selbst. Sind wir nicht mehr interessant genug?? Doch, aber. Aber auch die Kolumnistin findet es zusehends schwierig, eine moderne Doku-Kolumne ohne ihre persönliche Reality zu scripten, äh schreiben.
Denn es gibt mannigfaltige akute Alltagsprobleme zu besprechen: Ab wann braucht ein Kind ein Handy? Was ist das, eine Wertkarte, und wie funktioniert es? Muss man Kinder zwingen, im Haushalt mitzuhelfen, wenn diese Zwingerei eine Million Mal nervenaufreibender ist, als es selbst zu tun? Wie reagiert man, wenn ein anderes Kind (unüberraschenderweise ein männliches) einem der Mimis in abschreckender Absicht die Genitalien zeigt? Die nette Lehrerin sah sich jedenfalls zu einem besorgten Mail veranlasst. Das Kind hatte allerdings bereits von der Sache erzählt, als ihm das Frl. Friseuse gerade das von der Mutter auf seinem Haupt verursachte Desaster (Man muss nicht alles können!) in einen (Man sollte es dann halt auch nicht tun.) Haarschnitt zurückverzauberte, und hatte untraumatisiert gewirkt. Was die Mutter veranlasste, die Sache ihrerseits nicht zu dramatisieren - auslachen!, ignorieren! -, möglicherweise beeinflusst von ihrem eigenen sozialen Umfeld, das die Präsentation von Genitalien auch zur Unzeit an dafür nicht vorgesehenem Ort durchaus toleriert, wenn es die Situation erfordert. Oder die Kunst. Oder... Da, kein Zweifel: die Stones! Das Riff eben! Hören Sie das nicht?