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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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29.06.11

Wo haben Sie denn Ihre Burg?

| 06/11 Falter-Kolumne

Das war also die Geschichte von den Pfauen vom Horwath, die der Horwath der Horwathin zum Geburtstag schenken wollte, und die abpaschten, bevor die Horwathin ihrer ansichtig wurde. Sie waren ein schönes Paar gewesen: der blaue Bert und seine elegant graumelierte Frau, die Cindy. Der Horwath ist ohne die Geschenkspfauen nach Wien gefahren und hat der Horwathin zum Geburtstag die Geschichte von ihrem Geschenk erzählt. Die Horwathin hat gelacht. Es ist übrigens nicht wahr, was im Dorf erzählt wird, dass die Mimis die Pfauen gejagt und solcherart verscheucht haben: Die Pfauen waren ja ganz frisch im Hof vom Horwath, und seien wir sich ehrlich, sie hätten, so habe ichs jedenfalls hinterher auf www.pfauenforum.de gelesen, erst einmal ein Zeitl eingesperrt und von ihrem neuen Besitzer gehätschelt und angefüttert gehört, plus der Horwath hat komplett unterschätzt, wie hoch so ein Pfau fliegen kann. Der Horwath hätte vielleicht die Frage des Pfauenhändlers ernster nehmen sollte, wo er denn seine Burg habe. Wieso Burg? Darum. Zu spät.

Beziehungsweise nicht. Am Abend darauf hat mir der Horwath ein SMS geschickt: Der Pfau sitzt am Dach vom Nachbarstadl und singt alle drei Minuten ein traurig Liedchen. Na da schau her. Und ja, es war zweifelsfrei der Bertl, der verzweifelt nach der Cindy rief, die allerdings blöderweise Richtung Wald a.k.a. Richtung Fuchs geflüchtet war. Der Bertl rief die ganze Nacht und übersiedelte anderntags auf das Dach von Künstlers, mit oder ohne die freundliche Unterstützung des Bauern, der auch ein Gewehr hat. Nichts genaues weiß man nicht, aber der Pfau blieb erstmal dort am Dach und im Hof von Künstlers wohnen, die kein Gewehr haben.

Der Lange und ich haben uns mächtig abgehauen, und jedem die lustige Geschichte vom Horwath-Pfau am Künstlerdach erzählt, bis zum Wochenende, als uns bewusst wurde, dass das Künstlerdach exakt vis á vis von unserem Schlafzimmerfenster errichtet wurde bzw. umgekehrt. Wir lernten: So ein Pfau braucht nicht viel Schlaf. Der Pfau ist ein entschiedener Frühaufsteher. Er unterhält sich gerne mit den ersten frühen Vögeln, den Amseln und den Meisen, mit dem Unterschied, dass er ein Alzerl lauter zwitschert. Um halb fünf fing der Bertl an nach der Cindy zu rufen, das war noch ganz schön eigentlich, so ein melancholisches, aber doch auch optimistisches Zweiton-Rufen alle paar Minuten, im Prinzip musikalisch sehr ansprechend, wenn man dazu nicht unbedingt schlafen will. Leider antwortete Cindy nicht, und so gegen fünf wurde der Pfau sehr traurig und fing fürchterlich an zu weinen, und weinte dann so bis halb acht. Das macht er jetzt jeden Morgen. Der Horwath hat ihn einmal gehört und hatte dann plötzlich keine Zeit mehr, sich um die Pfauenjagd zu kümmern. Sollte er besser, denn bei Amazon gibts Steinschleudern schon ab Euro 5,90, ich habe schon gegoogelt.
22.06.11

Das würde die Schönheit vervollkommnen

| 06/11 Falter-Kolumne

Die Horwathin hatte Geburtstag. Da hat der Horwath beschlossen, seiner Frau einen alten Wunsch zu erfüllen. Weil immer sitzt die Horwathin im Garten (also, wenn sie einmal sitzt, meistens kniet sie in einem ihrer Blumenbeete, was deren  Unvergleichkeit jetzt zum Beispiel mit meinen erklärt), schaut sich das Haus an und den Hof, den rankenden (obwohl die Ritter mein Gemüsebeet kürzlich ob seiner ordentlichen Gejätetheit ein "Spießerbeet" hieß, Oida) Wein und die Rosen, die Kinder und die Hendln und sagt: Ein Pfau wär noch schön, der Pfau würde herrliche Pfauenräder schlagen, das würde die Schönheit meiner Umgebung praktisch vervollkommnen.  
So entschied der Horwath: Heuer bekommt die Horwathin ihren Pfau. Also zwei, weil Pfaue sind Paar-Tiere. Also eigentlich sind sie Vielweiberer, aber übertreiben wollte es der Horwath dann auch nicht, weil: die schreien ja, die Pfaue. Es sind wegen schreiender Pfaue schon viele nachbarschaftliche Freundschaften zerbrochen. (Aber wir sind zum Horwath ja keine direkten Nachbarn, also ist es uns wurscht. Also war es uns wurscht.)
Der Horwath recherchierte und fand einen Pfauenzüchter in Kärnten. Das war ihm aber doch zu weit. Dann fand er einen in Melk, den rief er an und erkundigte sich nach einem Pfauenpaar. Ja, er habe eins, sagte der Händler. Was????, sagte der Horwath, JA, ER HABE EIN PAAR!!!! brüllte der Händler in das ihn umgebende Gekreische hinein. Aha, sagte der Horwath, ob es das sei, das er gerade höre? Nein, sagte der Händler, das seien andere. Der Horwath nutzte eine kurze Abwesenheit der Horwathin und fuhr nach Melk, und spazierte hernach, Pfauenfeder am Hut, in unseren Garten hinein. Die Pfaue gewöhnten sich gerade an ihr neues Zuhause; die Hendln seien ob der Pfauerei ein wenig inkommodiert, aber das gebe sich schon. Wollten wir uns die Pfaue ansehen? Wir wollten.
Wir spazierten hinter dem Horwath in den Horwath-Hof hinein. Von den Hendln war keins zu sehen, aber Herr und Frau Pfau stoben davon, als sie unser ansichtig wurden. Wir setzten uns auf die Bank, um uns die Pfaue anzusehen und uns Namen für sie auszudenken. Waterloo und Robinson, Skopik und Lohn, Modern und Talking, Cindy und Bert, als Bert auf das Dach des Hühnerstalls flatterte, von dort auf die Mauer und von dort in die Freiheit. Der Horwath spurtete los, zum Tor hinaus, dem Bertl hinterher. Wir blieben zurück und schauten Cindy zu, die sich hinten beim anderen Tor versteckt hatte. Das Tor hat unten einen schmalen Spalt, den wir bemerkten, als Cindy ihn zur Flucht nutzte. Der Lange rannte los, und sah, als er das Tor aufriss, gerade noch, wie Cindy auf den Tisch der Laube sprang und aufs Dach des Nachbarhauses flog. Dann war sie weg. Bert auch. Die Horwathsche bekam zu ihrem Geburtstag eine herrliche Pfauenfeder, immerhin. Hoch soll sie leben.
15.06.11

Ich köpfel dann mal in den See

| 06/11 Falter-Kolumne

Nach drei Jahren wieder einmal in Zürich, und es ist herrlich. U.a. weil ich im Hotel wohnen darf, ganz allein in einem Zimmer, in einem versperrbaren Zimmer, in das in der Früh niemand hereinbricht, um die neuesten Abenteuer aus Gregs Tagebuch zu verhandeln oder mir bitteren Blicks das in offensichtlich kindesmisshandelnder Absicht nicht gewaschene AC/DC-Leiberl unter die Nase zu halten. Und es liegt auch keiner herum, der jetzt sofort die EVN-Rechnung oder ein lustiges Youtube-Filmchen besprechen will.
Das Hotelzimmer hat einen Nachteil; man muss aufstehen und sich anziehen, um an dringend benötigtes Koffein zu gelangen, das kann nach einem Abend mit Haemmerli, Higgs, Honzo und ein paar anderen Freunden, die man schon urlang nicht mehr gesehen hat, zum Problem werden. Nur Campolongo war leider gerade in Wien. Wir anderen waren in der Fischstube am See, fantastisch. Ich hatte vergessen gehabt, was für eine unglaubliche großartige Stadt Zürich im Sommer ist: eine Stadt, in der man beim Essen auf Segelboote schaut und auf türkises Wasser, das sich langsam dunkelblau färbt und dann schwarz, während drinnen die Kerzen angezündet werden und Haemmerlis Bruder noch eine Flasche Rotwein auf den Tisch stellt. Haemmerli hat ja, das weiß, wer seinen Film "Sieben Mulden und eine Leiche" gesehen hat, einen Bruder und der Bruder ist reizend und Koch, und er hat in dem Lokal seine Finger drin, was ausserordentlich zu begrüßen ist. Er hat auch eine Kochsendung im Zürcher TV; ich konstatiere, nachdem ich kürzlich Tim Mälzer kennenlernte, eine TV-Koch-Häufung in meinem Leben. Was immer das bedeutet, solange ich nicht Andi & Alex in meine Familie aufnehmen muss, solls mir recht sein. Jedenfalls saßen und tranken wir dort bis Sperrstunde und überreizten hernach jene der Kronenhalle-Bar, und gegen zwei Uhr früh fand ich es schwierig, das Hotel auf Anhieb anzuradeln.
Zudem ist es, als man andernmorgens die Augen aufschlägt, so spät wie jeden Morgen, nämlich sechs Uhr früh. Der Organismus ist ein erbarmungloser Wiedergänger. Himmelherrgott! Man macht die Augen wieder zu und döst mit Mühe bis acht. Wartet dann bis neun darauf, dass das Schädelweh nachlässt und macht sich dann auf die Suche nach Kaffee. Und trifft sich hernach mit der Frau Kunst, die aus Venedig direkt in die Fischstube gerast war und jetzt auch Schädelweh hat, in der Badi Utoquai, um Allfälliges zu besprechen und sich - wozu hat man Freunde - gegenseitig beim Erinnern an den Vorabend zu unterstützen, bevor man, weil Katzen ja wasserscheu sind, in den See köpfelt. Uahhh! Kalt. Wenn man mir in Wien einen See baggern würde, ich taterte viel frischer aussehen. Ich hätte auch bessere Laune. Und wäre fitter. Apropos: Was wurde eigentlich aus dem Stadthallenbad? Sollte das nicht längst wieder geöffnet sein? Egal, einen See wie den in Zürich kann es doch nicht ersetzen.
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