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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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14.07.11

Nie machst du etwas mit mir

| 07/11 Falter-Kolumne

An sich war die Idee gut. Eine exzellente Strategie zur Überwindung des innernen Faulsacks. Der heurige Sommer soll nämlich auch der körperlichen Ertüchtigung gewidmet werden, wofür es, wie sich im letzten Herbst bitter zeigte, leider nicht reicht, ein paar Mal täglich zum Gemüsebeet und zurück zu gehen und ab und zu hinüber zu den Horwaths auf ein Glas Wein. Es fing auch alles vielversprechend an, man war in Kroatien täglich kampfgeschwommen im Meer, tatsächlich täglich, bis auf einen von den Tagen, an denen wir alle herumlagen wie die erschlagenen Fliegen. Die Horwathin und ihre Schwester hatten Schädelweh, dem Langen war schlecht, der Horwath ging nach dem Frühstück wieder ins Bett und ich fand es um halbzwölf höchste Zeit für einen Mittagschlaf. Wir schoben die Schuld auf der Hitze, auf die Erschöpfung durch unmäßige Erwerbsarbeit und auf das kroatische Weißbrot, bis wir nach zwei hundskaputten Tagen endlich kapierten, dass wir alle auf Entzug waren, weil der Lange irrtümlich koffeiinfreien Espresso gekauft hatte, Oida. Danach schwamm ich wieder und dachte, während ich schwamm, über das Leben nach und darüber, wie ich ab nun täglich laufen würde, und zwar täglich, komme was wolle.  
Nach einer Woche im Waldviertel hatte ich den Garten nicht verlassen, bis auf zweimal Weintrinken beim Horwath und einmal Pfau schauen bei Künstlers. (Weil Sie gefragt haben: Der Pfau wurde bekanntlich vom Horwath eingefangen, eingesperrt, benannt, gefüttert, nach drei Tagen freigelassen und spazierte eine Stunde später wieder bei Künstlers durch den Garten. Der Horwath will jetzt nicht mehr über den Pfau sprechen. Künstlers haben dem Pfau eine neue Frau gekauft, während wir in Kroatien waren. Der Pfau schreit jetzt nicht mehr, er juhut nur noch verliebt.) Ich erkannte: Ohne Personal Trainer wird das nichts mit dem täglichen Sport, ich brauche einen Personal Trainer.
Ich ging  zu den Mimis und sagte: Wer hat Lust, mit mir laufen zu gehen? Das eine Mimi, das sehr nach dem Langen kommt, zeigte mir wie vorgesehen den Vogel, das andere Kind, das mit den Fetischen und dem Ritualisierungszwang, rannte ins Zimmer und zog sich ein Laufgewand an. Wir liefen los. Also, ich lief, das Kind rannte vor und zurück und fand, das sollte man öfter machen. Am nächsten Morgen stand das Kind um sieben im Schlafzimmer und fragte, wann wir endlich laufen gehen. Ich sagte: später vielleicht. Das Kind kam später wieder, und fragte, wann wir endlich laufen gehen. Ich sagte: Schau aussi, es schifft!, morgen vielleicht. Zehn Minuten später lief ich mit dem Kind, das die Nie-machst-du-etwas-mit-mir-immer-nur-leere-Versprechungen-Strategie angewandt hatte, durch tropfendes Grün. Ist doch schön, nur wir zwei im Wald, sagte das Kind, morgen laufen wir wieder, oder. Ich keuchte zustimmend. Es regnete mir in die Augen. In der Ferne juhute ein Pfau. 
6.07.11

Das kann einen Mann schon an der Jagd hindern

| 07/11 Falter-Kolumne

Am Freitag bin ich hinüber zu Künstlers, die uns mit ihrer heimlichen Heirat überrascht haben: Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zur Vermählung, ihr Spießer! Möget ihr immer etwas zu reden, zu streiten und am Hof umzubauen haben und  zusammen glücklich bleiben, bis dass der Tod euch scheidet oder es der Gattin im Waldviertel wieder zu einsam wird. Apropos, weil wir gerade davon reden, der Bertl. Der Pfau.
Wir saßen in Künstlers schönem, grünem Innenhof, Künstler hatte mir ein Stück Hochzeitstorte kredenzt und von Hand Kaffee gemahlen und aufgesetzt. Der Kuchen war gut. Und während wir so an der warmen Wand saßen und über den Pfau sprachen und seine Weckrufe, und wie ich so sagte, dass der Lange und ich der Meinung seien, der Pfau sei im von unserem Schlafzimmer weit entfernten Gehöft seines ursprünglichen Besitzers sehr viel besser aufgehoben,  und wie so der Künstler sagte, na ihn und die Künstlerin störte den Pfau eigentlich gar nicht, da wurde mir auf einmal klar: Die haben den Bertl liebgewonnen. Na, klar, der Pfau wohnte ja jetzt schon seit mehr als zehn Tagen bei Künstlers, seit er in das  Horwathschen Gehöft gebracht worden und nach nur einem Stündchen in seinem neuen Heim abgeflattert war, und dem Horwath war danach von krankem Kind bis hinichem Auto alles dazwischengekommen, was einen Mann an der Pfauenjagd zu hindern vermag.  Der Pfau schlafe, sagte der Künstler, nachts am Dach, aber tagsüber hüpfe er, und Künstlers Stimme klang liebevoll, vom Dach herunter und spaziere still und zufrieden durch den Hof und die anliegenden Ländereien, schaue mal kurz ins Atelier hinein, schlage hin und wieder, er habe davon Fotos, ein Rad, picke auf, was die Natur und die Jahreszeit ihm bereitlege und gebe den ganzen Tag keinen Ton von sich, außer ein leises, zufriedenes Gurren dann und wann. Wo ist er jetzt eigentlich? Irgendwo da hinten.

Und wie der Künstler so vom Bertl sprach, mit leuchtenden Augen, da musste ich ihm zustimmen: Der Pfau war bei ihm und der Gattin eigentlich gut aufgehoben. Die sind die ganze Woche da, und haben keine Hühner, die der Pfau paralysieren kann, und dass uns am Wochenende sein Geschrei weckt... na gut. Hhhhmmm. Wir tranken den Kaffee und schauten in die Hügel. Und was steht heute noch an?, fragte der Künstler. Ich habe eine Lesung, sagte ich. Ach so, wo?, sagte der Künstler. In Köln, sagte ich.
Wie ich später beim Boarding am Flughafen saß, schickte mir der Lange ein SMS: Der Randalierpfau sei gefangen, hier der Beweis: Ein Foto vom Horwath im hohen Gras, mit seinem Pfau im Arm, etwas gerötet und gezeichnet von der Pfauenjagd, aber auch ganz stolzer Besitzer. Irgendwo weit dahinter, die eigentliche Besitzerin, die Horwathin. Nirgends die Künstlers. Der Bertl wohnt jetzt im Horwathstall und heißt nun Archibald, und als ich  zurückkehrte, war es ganz still in der Früh.

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