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| 03/06
| Falter-Kolumne
In der aktuellen „Freizeit“ hält Trend-Lady Isabella Klausnitzer mit verständlichem Besitzerstolz ihre Balenciaga-Tasche in eine Kamera und erklärt im dazugehörigen Text, solche Taschen würden vor allem von „’Ich bin im Herzen ein Punk-Rebell“-Fashionistas’ getragen. Dieses ungemein fesselnde Verständnis von Punk und Rebellentum vermag selbst eine allem Ideologischen gegenüber längst abgestumpfte Spießersau wie mich zu interessieren: Ach, das ist also Punk, diese drei verstörenden Lederriemen an einer 1150 Euro-Tasche? Ich hatte es immer für eine ungewaschene und ziemlich reiche-Schnepfen-feindliche Jugendbewegung aus den späten Siebzigern gehalten. Aber aha. Man lernt ja nie aus. So also. Aber ehrlich wahr, ich lass mir von
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| 03/06
| Falter-Kolumne
Der goldene Tapferkeitsorden am Band geht diese Woche an: Frau Gabriele Schiepek. Applaus und allgemeine Bewunderung, denn die Schiepek verbrachte einen kompletten Nachmittag auf einem Kindergeburtstag, in einem Raum mit 27 Kindergärtlern (gezählt, nicht gefühlt), 13 oder 14 Müttern und, eh klar, drei Vätern. Ordenbehängwürdig ist daran, dass die Schiepek von all diesen Personen die einzige war, die, weil kinderlos, nicht vom Schicksal dort hin verdonnert wurde. Mutter Urban musste, Vater Breuss musste, Mutter Hofinger, die Horwaths mussten, Mutter Bösch und all die anderen Müttern mussten. Ich musste. Die Schiepek musste nicht, und wusste alsbald nicht mehr, welche amikalen Bande sie in dieses Purgatorium
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Boboville - Residenz Verlag
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| 03/06
| Falter-Kolumne
Sagen wir mal, es besteht der Verdacht, dass das Kind den kleinen Plastik-Eisbären aus dem Naturhistorischen Museum im Auto verloren hat, weil es später, bei der Heimfahrt vom Spielen beim Max, eingeschlafen ist: Das Kind, das aufgrund der expandierenden Tageslänge nun wieder gern um sechs Uhr früh an seiner Mutter rüttelt, wird von 06 Uhr 01 bis 08 Uhr 15 , während Mutter diverse Kleidungsstücke an Leiber klettet, die Worte „Eisbär“, „verloren“, „vielleicht“ und „Auto“ gefühlte 61 Millionen Mal in nur milde variierenden Satzgefügen untergebracht haben. Ja. Sicher. Ja. Ihr findet ihn. Ja. Ja. Ja. Liegt dort. Bestimmt. Um 8 Uhr 16 rinnt Mutter innen an der Wohnungstür runter, während draußen
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| 03/06
| Falter-Kolumne
Apropos Spießer. Kollege Misik hat im letzten „Standard“-Album einen hübschen Essay über das neue Spießertum verfasst, der nur einen Makel aufweist: Er beantwortet nicht die zentrale Frage, was denn nun die Insignien der klassischen Spießerei sind. Was exakt zeichnet den gemeinen Spießer aus, welche Dinge hütet, welche Haltungen pflegt er? Trägt er zuhause Filzpatschen, zwingt er seinen Säugling in eine Religionsgemeinschaft, wäscht er jeden Samstag sein Auto, hat er ein Biokistl-Abonnement, wäscht er nie sein Auto, besitzt er eine Gemüsebürste, bezieht er ein „Du“-Abo, hat er einen Buena-Vista-Social-Club-Klingelton, zieht er seine eigenen Tomaten und lässt es alle wissen, besitzt er von Nirvana das Unplugged-Album (und nur das Unplugged-Album), ordnet er seine Bücher
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