Doris Knecht
| 03/06
| Falter-Kolumne
| Kinder und andere Mitbewohner
| Mensch & Tier
Sagen wir mal, es besteht der Verdacht, dass das Kind den kleinen Plastik-Eisbären aus dem Naturhistorischen Museum im Auto verloren hat, weil es später, bei der Heimfahrt vom Spielen beim Max, eingeschlafen ist: Das Kind, das aufgrund der expandierenden Tageslänge nun wieder gern um sechs Uhr früh an seiner Mutter rüttelt, wird von 06 Uhr 01 bis 08 Uhr 15 , während Mutter diverse Kleidungsstücke an Leiber klettet, die Worte „Eisbär“, „verloren“, „vielleicht“ und „Auto“ gefühlte 61 Millionen Mal in nur milde variierenden Satzgefügen untergebracht haben. Ja. Sicher. Ja. Ihr findet ihn. Ja. Ja. Ja. Liegt dort. Bestimmt. Um 8 Uhr 16 rinnt Mutter innen an der Wohnungstür runter, während draußen
das Kind seinen Vater treppab wegen so einer Eisbär-Auto-Sache befragt, bis die Haustür ins Schloß fällt. Enjoy the Silence. Und versuch dein Sprachzentrum im Gehirn soweit eisbärfrei zu kriegen, dass du deinen Namen wieder memorieren kannst.
Natürlich können sich vierjährige Kinder allein anziehen. Bloß verlieren sie diese Fähigkeit an jedem beliebigen Kindergartentag, wo selbst das Überstreifen einer Socke ihre motorischen Qualifikationen restlos überfordert. Am Samstag aber, als die Kinder bei Oskar eingeladen waren und wir 61 Millionen Mal besprochen hatten, dass wir das Haus zu diesem Zweck um halb vier verlassen würden, der kleine Zeiger hier, der große hier, rüttelte das Kind um elf an der Wohnungstür, fixfertig angezogen mit Stiefeln, Schal und Fingerhandschuhen. Gemma jetzt endlich.
Apropos endlich: Am Dienstag hängte ich im Kindergarten zwei leere Unterschriftenlisten gegen die völlig Verschissenheit Wiens auf, vier Tage später bekam ich sechs ausgefüllte zurück. Das stärkt meinen Verdacht, dass auch andere Leute endlich nicht mehr in Hundescheiße steigen wollen, und dass die „Hundstrümmerl-Petition“ die dieses anbetungswürdige Brigittenauer Mütterrudel gestartet hat, ein Riesenerfolg werden wird: so ein Erfolg, dass der Bürgermeiste endlich nicht mehr behaupten wird können, die paar täglichen Tonnen Hundescheiße auf Wiens Straßen störten die Wiener ja gar nicht. Es stört uns, Bürgermeister. Es stört uns extrem, vor allem in jener Lebensphase, in der wir kleine Kinder haben, die wir täglich durch diesen Scheißeparcour in Schulen und Kindergärten dirgieren und davon abhalten müssen, städtische Grünflächen zu benutzen. Denn die sind nur für Hunde, wie die Schneeschmelze gerade wieder überdeutlich zeigt; es ist eine derartige Schweinerei. Gehen Sie doch spazieren, Bürgermeister, und sehen Sie sich Ihre zugeschissene Stadt mal an.
Egal? Nein. Jetzt wird unterschrieben und so Druck gemacht: auf www.hundekot.at, wo man sich direkt eintragen oder Anti-Hundstrümmerl-Unterschriftenlisten ausdrucken kann, damit der Bürgermeister endlich etwas unternimmt. Weg mit dem Dreck! Vielleicht wird dann mein Sprachzentrum dann auch mal wieder hundescheißefrei, Zeit wärs.
www.hundekot.at