27.03.06

Ich bin im Herzen ein Punk-Rebell

Doris Knecht | 03/06 | Arbeit & Wirtschaft | Falter-Kolumne | Mode & Design | Prost Mahlzeit

In der aktuellen „Freizeit“ hält Trend-Lady Isabella Klausnitzer mit verständlichem Besitzerstolz ihre Balenciaga-Tasche in eine Kamera und erklärt im dazugehörigen Text, solche Taschen würden vor allem von „’Ich bin im Herzen ein Punk-Rebell“-Fashionistas’ getragen. Dieses ungemein fesselnde Verständnis von Punk und Rebellentum vermag selbst eine allem Ideologischen gegenüber längst abgestumpfte Spießersau wie mich zu interessieren: Ach, das ist also Punk, diese drei verstörenden Lederriemen an einer 1150 Euro-Tasche? Ich hatte es immer für eine ungewaschene und ziemlich reiche-Schnepfen-feindliche Jugendbewegung aus den späten Siebzigern gehalten. Aber aha. Man lernt ja nie aus. So also. Aber ehrlich wahr, ich lass mir von derartigen „Ich-lebe-im-Fall-nicht-auf-eurem-Planeten“-Kolumnen immer gern ein bisschen das Weltbild justieren. Ich besuche solche Seiten mit der gleichen aufgeregten Neugier wie meine Kinder den Tiergarten Schönbrunn: Wie die Kinder die neuen Nashörner – woah brutal, phhhh arg – , bestaune ich diesen verwöhnte-Gattinnen-Eskapismus, dieses Elend mit der perfekten Zehennägel-French-Manicure; oder diese grauenhafte Ungewissheit, ob es gelingen wird, sich in L.A. (wo man besser einen Zweitwohnsitz unterhält, via Internet ist man leider meistens so gut wie schang-ssen-los) auf die Warteliste für ein Paar überlebensnotwendige 1300-Dollar-Designer-Sandalen zu schwindeln. Da zittere ich mit, ehrlich. Apropos Sandalen. Weil an dieser Stelle muss ich sagen: Du hattest natürlich Recht, Manu. Denn als ich Manu letzte Woche mal ein was-machst-du-am-abend-SMS aus dem Büro schickte, sagte Manu, magst nicht mitkommen in den Zigarrenclub, da ist heute so eine Art Medienweibertreffen, und Uschi Fellner wird erklären, wie Frauen die mediale Hegemonie an sich reißen können oder so. Ich hab gesagt, erstens hab ich für den Zigarrenclub einfach nicht das Format, zweitens will ich ja nicht arrogant sein, aber was kann ich von Uschi Fellner lernen, außer, wie man Herausgeberin wird, indem man einen Herausgeber heiratet? Dieser Zug ist für mich abgefahren, schau mich an: zu alt, zu abgefuckt, total unniedlich, nicht mal fake-blond, und dann beiß ich auch immer mal gern die Hand, die mich füttert; machen wir uns nichts vor, mich nimmt kein Herausgeber mehr. Ja, aber es wird verlässlich intereressant, sagte Manu, doch ich blieb stur und hatte damit wieder mal unendlich unrecht. Denn ich hätte von Uschi Fellner allerdings etwas lernen können, nämlich dass auch Frauen Zeitung lesen, und wie man in einer Minus-Zwei-Grad-Winternacht mit Würde goldene Sandalen an nackten Füßen trägt. (Eine unauffällig-perfekte French Manicure an den Fellnerschen Zehennägeln setze ich jetzt einmal als selbstverständlich voraus). Das werde ich nun nie erfahren. Und zweifellos wird mir dieses Wissen einmal bitterlich abgehen, und dann werd ich mich so anschaun, aber so.
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» 04.11.06 21:17
seifensiederin

Was für ein Ärger! Seit ich Ihr Buch *Hurra* gelesen habe, lieg ich auf der Lauer und warte auf 1 weiteres Buch von Ihnen. Nun war ich heute in der Stadt, beim Frick und Morawa - und als ich mit einem Packen Zeitungen und ein paar Büchln heimkam, las ich in Polly Adlers Kurierkolumne, daß es wieder sowas Schönes von Ihnen zu lesen gibt! Leider war's schon zu spät, um nochmal den Weg in die Buchhandlung anzutreten! Ob ich's aushalten werde, bis Montag? *faßt sich in Geduld* ;-)
Ich freu mich schon! Und wie! Danke im Nachhinein und im Voraus für viele vergnügliche Lesestunden.

» 07.03.07 09:08
wuzz

und das heisst dann sicher nicht zehennägel-french-PEDIcure? von wegen füße und so?

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