Doris Knecht
| 04/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Falter-Kolumne
| Kinder und andere Mitbewohner
| Prost Mahlzeit
Das Osterwochenende verbrachten wir mit Freunden auf einem Bauernhof; wir hatten drei Flaschen Wein mit, zwei Flaschen Prosecco und zwei 6er-Tragl Bier, aber das Duschgel und die Zahnbürsten für die Kinder hatten wir vergessen. Plus das ganze Zeug, dass ich für die Osternester besorgt hatte. Das bedeutet entweder, dass wir Alkoholiker sind, denen die Fähigkeit, eine Tasche fürs Wochenende zu packen, abhanden kam. Oder dass uns ein einfaches Wochenende am Land massiv überfordert. Letzteres gilt uneingeschränkt für die Kinder, denen man beim Waldspaziergang ständig
einreden muss, wie geil das hier ist, mit der Natur und allem. Jetzt schau doch amal. Jetzt durch hier. Ja, da. Die Kinder: Mir ist fad. Ich will ein Eis. Mir ist anstrengend. Ich kann nicht mehr. Wann krieg ich endlich ein Eis. Meine Füsse tun mir weh. Ich will hier nicht mehr herumtrotteln. Ich will heim. Ich will zum Pferd. Ich! Will! Eis! Die Eltern: Ein bisschen noch. Im Wald gibt’s kein Eis. Hör jetzt auf. Das bisschen Regen tut dir nichts. Bitte. Schluss jetzt. Steh auf. Geh weiter. Es gibt hier kein Eis! Wenn du nicht. Hör auf mit dem Gejammer. Steh auf. Wenn du nicht!!!! Nein! Du riskierst gerade Fernsehverbot bis zur Volljährigkeit. Nein. Nein! NEIN! Trotzdem brachten wir, darauf bin ich stolz, zwei Flaschen Wein, eine Flasche Prosecco und sieben Bier zurück nach Haus. Und am Freitag darauf kamen wir in seltener Harmonie überein, das Wochenende nun wieder in der Stadt zu verbringen; und schau an, geht doch. Alle zufrieden. Die Kinder torkeln auf ihren Rollschuhen bisschen auf dem Yppenplatz rum, danach liegen sie im Garten des Kent auf dem Bauch, wühlen Scherben und alte Tschik aus dem Kies und sind: glücklich. Die Eltern sitzen im Schatten und lesen die Wochenendzeitungen und sind: glücklich. Dann gehen wir heim, die Kinder füttern die Balkonameisen mit Eis, baden und dürfen später noch bisschen fernsehen, die Eltern sitzen am Balkon, werkeln in der Küche und dürfen später noch ein bisschen in den itunes rumwühlen. Am Ende wars ein sauguter Tag, denn wir haben uns insgesamt nur acht oder zehn Mal angebrüllt, und das ist für uns ein super Schnitt. Der Brunnenmarkt übrigens ein Wahnsinn. Baustelle seit fast einem Jahr. Zwischen Yppenplatz und Friedmanngasse, wo an Samstagen tausende Leute einkaufen, werden die Kinder in dem schmalen Spalt zwischen Hauswand und Bauzaun praktisch zerrieben. Die Standler, die sonst gute Geschäfte machen, wo seit Monaten ein riesiges Erdloch klafft, stehen mit dem Rücken zum Yppenplatz und müssen aufpassen, dass sie nicht verrecken. Wie lang kann sowas dauern? Und wie lang würde sowas dauern, wenn das, sagen wir mal, der Christkindlmarkt am Rathausplatz wäre, und nicht der Tschuschenmarkt in Ottakring? Ja, Entschuldigung, ich weiss, dass es auf Integrationsdeutsch korrekt „WienerInnen mit Migrationshintergrund“ heißt. Aber: Schnell handeln ist seliger denn schön sprechen. Jetzt durch hier! Ja, da.