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| 05/06
| Falter-Kolumne
Die Feierlichkeiten zum Geburtstag der Kinder dauern drei Tage, und dann können selbst die Zwillinge keinen Schokokuchen mehr sehen. Das erklärt die überaus endenwollende Begeisterung, mit der wir die schicken Törtchen entgegennehmen, die Carmen aus dem Sacher mitbringt, das sind, ruft Carmen, die kleinen, die ganz!, ganz! leckeren!, und wir: juhu, was möchtest du trinken. Es gibt Abendessen bei uns, eine diffizile Angelegenheit, die vor Wochen damit angefangen hatte, dass sich für das lange Wochenende endlich mal Carmen angesagt hatte, die Freundin aus Zürich, wunderbar, Riesenfreude. Tags darauf hatte mich Freundin Christl aus der Heimat informiert, dass sie am langen Wochenende mit den Kindern jetzt mal nach Wien käme, hurraaaa!, und keine Stunde später rief Kathi aus Zürich an, sie sei übrigens am langen Wochenende mit dem Kleinen in Wien, prima. Als dann überraschend Otto aus Bern anrief, wusste ich schon Bescheid.
Problem natürlich: Wen trifft man wann, wen kann man mit wem zusammenspannen, wie mach ich alle froh. Wo machen wir die Kindergeburtstagsparty, wenn es regnet. Was kochen wir bei dem Abendessen für
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| 05/06
| Falter-Kolumne
Gute Sache, dieser Kiosk, dort lassen sie jetzt Menschen wie dich und mich auflegen, also mich, und ich mach das mit einer Hingabe, die an anderen Leuten verzweifelt wirken würde. Weil, du! Ich war früher auch cool! Das DJ-Pult im Kiosk ist vorne eine Käsequiche- und Schinkenpastetenvitrine, was sporadisch zu Missverständnissen führt: Keine Ahnung, ob da Speck drin ist, ich bin hier der DJ. Plattenaufleger mit einer fragileren Gemütslage würde sowas betrüben, aber meine Peinlichkeitstoleranz ist ja unendlich. Immerhin hat man eine hervorragende Sicht auf die Straße raus, ist so vor potentiellem Publikum gewappnet und kann eventuellen Interessensänderungen mit Umsicht begegnen. Kaum nähern sich von der anderen Strassenseite Menschen, die wie unter dreissig aussehen, reiss ich schon den ollen Marc Lanegan aus dem CD-Player und press
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Boboville - Residenz Verlag
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| 05/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Das Wochenende wird ein Wahnsinn, der fängt schon am Mittwoch an, als der Lange um halb acht die Meinung äußert, es sei heute wirklich zu kalt für ein Kindergeburtstagspicknick im Park. Das ist der erste konkrete Party-Beitrag des Langen, der bislang eine Aussitzen-Taktik verfolgte, mit dem Ziel, dass die Kinder, wenn man sie gut ablenkt, auf ihren Geburtstag vergessen könnten. Während ich mit dem Horwath, dessen kleiner Horwath dieser Tage auch vier wird, seit Wochen über Ort und Zeit der Party konferiere, täglich die aktuellen Wetterprognosen analysiere und das Menü bespreche: Schnitzerl, Hacktätschli, Erdäpfelsalat, Saft, Sekt, Bier, und natürlich Schoggikuchen. Dann hab ich, nach langem Hin- und Her mit dem Horwath, Einladungsmails mit Tag (Mittwoch), Ort und Ausweichtermin (Freitag) verschickt, falls es regnen sollte, dann die Mails von 13 oder 14 Müttern beantwortet, die wissen wollten, was ist, wenns auch am Freitag regnet. Keine Ahnung.
Ja, am Mittwoch ist es kalt, aber am Freitag soll es zudem regnen, und während der Lange dem Horwath ein SMS schreibt, dass es zu kalt sei, schreib ich dem
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Die Justizministerin will das Eherecht reformieren: Denn Frauen, die ihre besten Jahre nicht der Familie opfern, sind auch nach der Scheidung keine Opfer.Justizministerin Karin Gastinger hat wieder eine gute Idee: Sie möchte das Eherecht ändern. Jeder Ehepartner solle, so Gastinger, für seine finanzielle Versorgung selbst zuständig sein. Gatten und Gattinnen, Mütter und Väter sollen auch während der Ehe ihre jeweilige ökonomische Autonomie beibehalten, weshalb, falls diese Ehe geschieden wird, keiner der Partner Anspruch auf Unterhalt hätte.
Die Idee ist gut, das lässt sich ausgezeichnet anhand des Beispiels erörtern, das ÖVP-Justizsprecherin Maria Fekter anführte, um zu beweisen, dass Gastingers Idee miserabel sei. Fekter bemühte das Schicksal der ersten Frau des verstorbenen Bundespräsidenten Klestil. Edith Klestil hatte zugunsten der Karriere ihres Mannes ihre eigene aufgegeben und ihr Leben seinem Wohl und der Erziehung der Kinder gewidmet, und plötzlich waren die Kinder aus dem
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Wird das Amt des österreichischen Vizekanzlers an den ehemaligen FPÖ-Schreckensklubobmann Peter Westenthaler verschachert? Alles ist möglich. Für viele Österreicher ist die aktuelle Debatte um einen möglichen Vizekanzler Peter Westenthaler der Klassiker eines zweischneidigen Schwertes. Einerseits ist es eine beängstigende Vorstellung, dass der gebräunte Oberintervenierer Peter Westenthaler jeden Moment Vizekanzler werden könnte – dass wir also in einem Land leben, in dem es nicht ausgeschlossen werden kann, dass solche verkommenen Figuren ganz an die Spitze gespült werden. (Allerdings wurden wir letztes Jahr schon von der Nachricht geschockt, dass Westenthaler das „Große Goldene Ehrenzeichen mit dem
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| 05/06
| Falter-Kolumne
Der Bär ist schon weg, aber wir sind noch da und tun, was eine Stadtfamilie beiden Großeltern tut: die Kinder (hier: die armen Stadtkinder) kugeln über den Rasen, freunden sich mit den Haustieren der Nachbarn an und stecken bis zu den Hüften im Schlamm. Mutter sieht allmählich ein, dass es sich bei Miete, Gleichberechtigung und Bankgeheimnis um rein urbane Prinzipien handelt, die man besser vor dem Arlbergtunnel zur Aufbewahrung hinterlegt. Auf all das wird hier wenig praktischer Wert gelegt, wie einfache Konversationen oder ein Besuch in der lokalen Bank- Filiale beweisen. Auch der Bär tat gut daran, Vorarlberg in Richtung Tirol zu verlassen, der Stolz, den Touristen nun auch einen Braunbären als Attraktion anbieten zu können wurde unmittelbar von der Angst um die Vollständigkeit der Touristen abgelöst. Schon nach Stunden wurde das Verhalten des Bären als bärenuntypisch eingeschätzt; man lud bereits die Gewehre. Auf Warnplakaten, die auf einer Baustelle, auf der der Bär vorbeigelugt hatte, vor dem Bären warnen, hat der Bär, ich habs in der VN gesehen, eine eklatante Ähnlichkeit mit King Kong in einem eher unrunden Moment. Probleme werden hier nicht verniedlicht.
In der lieblichen Ebene des Rheintals, eine der hässlichsten Regionen der Welt, spielt der Bär keine größere Rolle, denn hier müssen noch mehr Einfamilienhäuser errichtet werden. Irgendjemand aus der Verwandt- oder Bekanntschaft baut immer gerade, darauf gibt’s Ländle-Garantie. Und darüber macht man als Stadtwohnungsmieter natürlich gerne Witze, naheliegende, aufgelegte Witze, bis man, also bis ich an einem lauen Frühsommerabend vor dem verrückt lässigen Haus meines Freundes Xaver sitze, mitten im fetten grünen Gras. Die Kinder streicheln Geißenbabys und jagen Hühner, nebenan grasen attraktive Kühe, vor mir Blumenwiese, neben mir Blumenwiese, die nächsten schiarchen Fertighäuser bleiben brav in schönheitssinnschonender Entfernung, und am Horizont haben sich die Schweizer Berge in der untergehenden Sonne in einer Pracht aufgefädelt, die selbst eine Zynikerin wie mich komplett schmähstad macht. Und mein Das-will-ich-auch-Reflex lässt sich nur mit allergrößter Anstrengung unterdrücken.
Wie ich am nächsten Tag in der lokalen Bank-Austria-Filiale wegen einem Häuslbauer-Kredit nachfragen will, wird mir die Wartezeit in der Schlange durch eine kleine Unterhaltung versüßt: Die Sachbearbeiterin, die ganz hinten vor ihrem PC sitzt, brüllt dem Schalterbeamten vorne zu: Die Frau X. braucht schon wieder Geld! Der Schalterbeamte, eben damit beschäftigt, einen Ausländer zu duzen, ruft: haha, schon wieder! Die Sachbearbeiterin ruft: Ja, die Frau X. sagt, sie sei pleite! Der Schalterbeamte: Haha!, du da unterschreiben, DA, hab ich gesagt! Das stärkt das Vertrauen ins Bankinstitut, hat in Zeiten der Bawag-Krise eine beruhigend egalisierende Wirkung, und das mit dem Kredit ist natürlich erfunden. In Wirklichkeit hab ich nur meine Steuern bezahlt.
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Während Disney sich aus dem „Happy Meal“ verabschiedet, greift die FAZ die Fernsehköche an. Ausgerechnet.Wenn es nach Disney geht, gibt es bei McDonnalds demnächst kein „Happy Meal“ mehr, jedenfalls nicht wie bisher mit Spielzeug zuaktuellen Disney-Filmen. Das wird viele Kinder weltweit betrüben, aber meine nicht. Doch, sie kennen das, sie hatten das schon exakt einmal, sie fanden es cool, aber obwohl eine Burger-Bude auf dem Heimweg vom Kindergarten liegt, waren meine Befürchtungen, es würde jetzt täglich davor gezappelt werden, unbegründet: Sie kommen nicht auf die Idee, das Essen dort als eine täglich mögliche Routine zu betrachten. Vielleicht, weil sie es gewohnt sind, dass ihre Nahrungsaufnahme im Wesentlichen aus einem Mittagessen im Kindergarten, sowie Frühstück und Abendessen zuhause am Küchentisch besteht
Daran ist, damit bin ich bekanntlich nicht allein, vor allem Jamie Oliver schuld, der
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| 05/06
| Falter-Kolumne
Erstens duschen, zweitens Wäsche aufhängen, drittens den Zahnarzttermin der Kinder absagen, halb vier, das geht sich auf keinen Fall aus, wenn um fünf das Gepäck abgeholt wird. Das Gepäck. Da es von der Bahn abgeholt wird, darf es etwas mehr sein, aber wieder nicht so viel als würden wir den Autoreisezug nehmen, wo der Autokofferraum faktisch der Koffer ist, was für Mutter jetzt ungefähr bedeutet: vier Paar Schuhe statt zwei aber nicht sechs, die, die ich anhaben werde eingerechnet. Oder doch nicht.
Drei a), ausser Plan, dem Langen, der das Volk in den Kindergarten gebracht hat und jetzt im Flur draussen auf eine Weise flucht, die den Kindern wochenlanges
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Schön, dass die Leute im Internet so mutig ihre Meinung sagen. Unter Psyeudonym halt.Nachdem ich mich letzte Woche die Meinung vertrat, dass es sinnvoll wäre, wenn den Kindern wieder Manieren beigebracht würden, gab es ein paar Reaktionen: Freunde verspotteten mich. Meine Kinder benahmen sich extra schlecht. Ein Leser rief an, um mich auf den Mist aufmerksam zu machen, den Jugendliche jedes Wochenende im Wiener Burggarten hinterlassen (stimmt, und mich regen besonders die Bierflaschen-Scherben rund um die Sandkiste auf). Es gab Leserbriefe. Und es gab ein paar Reaktionen - postings - auf der „Presse“-Homepage: Herr oder Frau „Wow“ hofft, dass mein „neuer alter Ansatz nicht gleich im Keim erstickt“ werde „und die Alt68er noch mal zum Schaden aller zuschlagen“. (Ich denke, letztere Befürchtung ist unbegründet.) Herr
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Never get lost in Copenhagen