29.05.06

Mein schönstes Wochenende

Doris Knecht | 05/06 | Tagesanzeiger-Kolumne

Das Wochenende wird ein Wahnsinn, der fängt schon am Mittwoch an, als der Lange um halb acht die Meinung äußert, es sei heute wirklich zu kalt für ein Kindergeburtstagspicknick im Park. Das ist der erste konkrete Party-Beitrag des Langen, der bislang eine Aussitzen-Taktik verfolgte, mit dem Ziel, dass die Kinder, wenn man sie gut ablenkt, auf ihren Geburtstag vergessen könnten. Während ich mit dem Horwath, dessen kleiner Horwath dieser Tage auch vier wird, seit Wochen über Ort und Zeit der Party konferiere, täglich die aktuellen Wetterprognosen analysiere und das Menü bespreche: Schnitzerl, Hacktätschli, Erdäpfelsalat, Saft, Sekt, Bier, und natürlich Schoggikuchen. Dann hab ich, nach langem Hin- und Her mit dem Horwath,  Einladungsmails mit Tag (Mittwoch), Ort und Ausweichtermin (Freitag) verschickt, falls es regnen sollte, dann die Mails von 13 oder 14 Müttern beantwortet, die wissen wollten, was ist, wenns auch am Freitag regnet. Keine Ahnung.

Ja, am Mittwoch ist es kalt, aber am Freitag soll es zudem regnen, und während der Lange dem Horwath ein SMS schreibt, dass es zu kalt sei, schreib ich dem Horwath ein SMS, dass er das SMS des Langen ignorieren soll, es regnet nicht, also findet die verdammte Party statt, damit ich mich ganz dem langen Wochenende widmen kann, für das sich schon vor Wochen, hurraaaa!!!, Carmen aus Zürich angemeldet hat, das freut mich mal! Einen Tag später rief mich meine beste Schulfreundin Julia aus der Heimat an, um zu berichten, dass sie an diesem langen Wochenende mit Mann und Kindern endlich mal nach Wien käme, juchuuu!!, und keine Stunde später rief Kathi aus Zürich an, sie sei übrigens am langen Wochenende mit dem Baby in Wien, na prima!, und als dann noch Otto aus Bern überraschend anrief, wusste ich schon, wo er er an diesem langen Wochenende würde, spitze.

Neben Arbeit und Partyorganisation recherchiere ich also für Julia das Kinderprogramm zwischen Donnerstag und Samstag, organisiere für Kathi, die viele Leute in einem Lokal treffen möchte, ein Lokal, das am Freitag noch einen Tisch für zehn frei hat, sowie einen Babysitter, und lade für Samstag ein paar Leute zum Essen ein, weil ich mich jetzt endlich einmal bei Carmen revanchieren kann, die immer tolle Essen macht, wenn ich in Zürich bin. Otto kommt, Gruber, der Otto kennt, kommt, Manu kommt, und es kommt noch der Herr Kabarettist Maurer und seine Freundin, die der wiederum der Lange von früher kennt. Am Mittwoch, während ich Kuchen glasiere und der Lange, der aufgegeben hat, Hacktätschli brät, ruft Maurer an und sagt, ist es eh ok, wenn wir die Mitzi mitbringen, unseren Bullterrier, und verflucht, es ist natürlich überhaupt nicht ok, Rosa fürchtet sich vor Hunden, ich hasse Hunde, aber es ist eh schon egal: Das Wochenende wird ein Wahnsinn.

(tagesanzeiger, 27.5.06)
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