31.05.06

Wie mach ich alle froh?

Doris Knecht | 05/06 | Falter-Kolumne

Die Feierlichkeiten zum Geburtstag der Kinder dauern drei Tage, und dann können selbst die Zwillinge keinen Schokokuchen mehr sehen. Das erklärt die überaus endenwollende Begeisterung, mit der wir die schicken Törtchen entgegennehmen, die Carmen aus dem Sacher mitbringt, das sind, ruft Carmen, die kleinen, die ganz!, ganz! leckeren!, und wir: juhu, was möchtest du trinken. Es gibt Abendessen bei uns, eine diffizile Angelegenheit, die vor Wochen damit angefangen hatte, dass sich für das lange Wochenende endlich mal Carmen angesagt hatte, die Freundin aus Zürich, wunderbar, Riesenfreude. Tags darauf hatte mich Freundin Christl aus der Heimat informiert, dass sie am langen Wochenende mit den Kindern jetzt mal nach Wien käme, hurraaaa!, und keine Stunde später rief Kathi aus Zürich an, sie sei übrigens am langen Wochenende mit dem Kleinen in Wien, prima. Als dann überraschend Otto aus Bern anrief, wusste ich schon Bescheid.

Problem natürlich: Wen trifft man wann, wen kann man mit wem zusammenspannen, wie mach ich alle froh. Wo machen wir die Kindergeburtstagsparty, wenn es regnet. Was kochen wir bei dem Abendessen für Carmen, die mich in Zürich immer zu großen Essen einlädt. Wie finde ich jetzt noch einen Babysitter für Kathi. Was für ein Kinderprogramm könnte Christls kleinen Landeiern gefallen. Und was mach ich mit Otto? Plus, bin ich nicht eigentlich berufstätig?

Das Abendessen fällt dann auf einen Abend nach dem Kathi-Abend, der lustig bis tief in die Nacht gedauert hatte, trotzdem ist es schade, dass Christl sich schon was anderes ausgemacht hat, denn die Kombination einer Hasenstall-im-Garten-Existenz (Christl) mit einer Schiele-überm-Esstisch-Biografie (Carmen) hätte Potential gehabt. Als sie aufwuchs hing der Schiele, wie Carmen mal erzählt hat, im Ankleidezimmer ihrer Eltern, und ich weiss nicht, was beklagenswerter ist: dass ich ohne Schiele oder ohne Ankleidezimmer aufwachsen musste. (Hab ich diese Geschichte eigentlich schon mal erzählt? Ich bin mir unsicher.) Tatsächlich rückte mich das Schicksal ökonomisch zwar nahe an den Hasenstall, gönnte mir aber nicht mal den, was mit einer extremen Abneigung meiner Mutter gegenüber Haustieren aller Art zusammenhing. Das war, wie ich kürzlich aus der „Süddeutschen“ erfuhr, meiner psychosozialen Entwicklung nicht förderlich, denn Kinder, die in der Gesellschaft von Haustieren aufwachsen, seien intelligenter und lernwilliger, das erklärt die extreme Bauerndichte an den Universitäten.

Dennoch hab ich beim Herrn Kabarettisten, als ich ihn zum diesem  Essen einlud, einen zart hysterischen Eindruck erweckt, als er fragte, ob es eh ok sei, dass er seinen Bullterrier mitbringt. Aber sicher, denn der Ruf der erbarmungslosen Hundehasserin pickt ja rein zufällig an mir. Allerdings... Man könnte den Hund mit Sachertörtchen vom Verzehr der Kinder abhalten... Na, bitte, win-win.

(falter 22/06)
« Die Interessenslage könnte sich ändern | Main | Freispruch für Handke »
kommentieren
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)













« Die Interessenslage könnte sich ändern | Main | Freispruch für Handke »



berlin.unlike
Never get lost in Berlin