Doris Knecht
| 06/06
| Kinder und andere Mitbewohner
| Mensch & Tier
Das Thema „Hund und Kind“ kläfft aufgrund seiner eklatanten Unerschöpflichkeit nach Prolongierung. Und weil ich auf meine letzte Kolumne nicht nur ein Protestmail bekam, aber eins davon mit einem Foto, das eine Leserin zeigt, die ihr glückliches Antlitz an einen Bullterrier presst. Das Mail ist, wie in solchen Fällen üblich, anonym und enthält die üblichen Anfeindungen, die man sich bieten lassen muss, wenn man die Möglichkeit nicht ausschliesst, dass Kinder von Hunden gebissen werden und sie deshalb lieber von Kampfhunden fernhält. Da ist man gleich, wie formulierte das die Dame?, eine stümpferhafte Verbreiterin von Vorurteilen.
Und ich sag jetzt mal zurück: blöde Kuh. Schlecken Sie doch Ihren Hund ab, aber halten Sie ihn mir vom Leib. Denn das geht mir langsam sehr auf den Geist: Ich beschimpfe nämlich
niemals Leute, die nicht mit Kindern können oder keine Kinder wollen oder Angst haben vor Kindern; hab ich Verständnis für, muss ja nicht jeder gleich sein. Und wenn Sie Kinder nicht ertragen, ist es total in Ordnung für mich, wenn Sie einen Bogen um mich und meine Brut machen; wobei ich ausschliessen kann, dass Sie von einer meiner Töchter gebissen werden, oder dass sie Ihnen unter die Schuhe scheissen. Solange wir als Famlie nicht vorsätzlich oder systematisch benachteiligt werden, ist mir individuelle Kinderaversion wirklich sowas von einerlei.
Aber kaum wag ichs mal zu formulieren, dass ich Hunde nicht mag oder vor Kampfhunden Angst habe oder nicht gern in Hundekot trete, da bin ich gleich eine asoziale Psychopathin, die eine Therapie braucht. Das ist eine Unverhältnismässigkeit, die ich mir langsam nicht mehr gefallen lassen will.
Sedlacek, der wieder selbst für seinen Hund sorgen muss, seit seine Mutter nicht mehr gut auf den Beinen ist, hiess mich allen Ernstes eine potientielle Hundevergifterin. Ich hatte mich darüber aufgeregt, dass er seinen Hund ganz ungeniert und ohne das geringste Schuldempfinden in jede nicht ausdrücklich mit einem Verbot versehene Grünfläche der Stadt scheissen lässt, wie viele andere Hundebesitzer auch, was dazu führt, dass alles Grün, das nicht als Kinderspielplatz gekennzeichnet ist, selbstverständlich den Hunden gehört. Das halte ich für falsch, denn ich stelle das Wohl von Kindern über das Wohl von Hunden: kommt mir evolutionskettentechnisch auch extrem natürlich vor, vielen Hundebesitzern dagegen nicht. Als ich Sedlacek das erörtere, sagt er, ich würde Hass schüren, ich sei eine Hasspredigerin, die Gräben schaufle zwischen Hunde- und Kinderbesitzern, genauso formuliert er es: Hunde- und Kinderbesitzer, und ich sage, Sedlacek, es hat keinen Sinn, auf diesem Thema weiterzureden, wie geht´s deiner Mutter.
Allerdings weiss ich jetzt, dass ich wenigstens in Wien nicht allein bin, denn nachdem ich wieder und wieder über das Hundekotproblem geschrieben hatte, taten sich ein paar ebenso angewiderte Mütter zu einer Bürgerintiative zusammen und nach zehn Wochen übergaben sie dem Bürgermeister die Unterschriften von über 150.000 Menschen, die auch nicht mehr in Hundescheisse treten wollen. Jetzt fühlt sich Sedlacek beim illegalen Grünstreifenversauen natürlich nicht mehr wohl. Ja. Gut. So war es gedacht.