17.06.06

Mahlzeit, liebe Kinder!

Doris Knecht | 06/06 | Presse-Kommentar

Der Kanzler distanzierte sich von der McDonalds-Kampagne mit seinem Konterfei. Aber nicht von McDonalds.

Langos. Toastlangos. Debrelangos. Schinken-Käse-Toast. Pommes. Würstel mit Senf. Wurstsemmerl: Mahlzeit, liebe Kinder, wünscht: euer Bürgermeister.

Denn das ist neben Eis und Süßigkeiten das Speisenangebot des Kioskes auf der Kinderwiese des städtischen Kongressbades in Wien Ottakring. Das Bad wurde heuer schön renoviert, aber am Speisenangebot hat sich nichts geändert. Es gibt beim Kleinkinderbecken kein Stück Obst zu kaufen, keinen Salat, kein Joghurt. Wer sich und seine Kinder dort an einem langen Badetag einigermassen vernünftig ernähren will, bringt sich das Essen selber mit.

Wenn ausgerechnet in jenen städtischen Einrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche ganze Tage aufhalten, nur mieser, ungesunder Trash serviert wird, kann die Stadtregierung noch so viele Kampagnen zur gesünderen Ernährung der Wiener Bevölkerung lancieren: Lippenbekenntnisse. Das ist jetzt nicht nett, zugegeben: Aber viele Vertreter österreichischer Politik sind als Ernährungsvorbilder ungeeignet. Der Bürgermeister: dick. Die Gesundheitsstadträtin: dick. Die Unterrichtsministerin: dick. Die Gesundheitsministerin und der Kanzler werben für McDonalds, im ersten Fall mit voller Absicht, im zweiten offenbar ungewollt, was manglauben kann oder nicht. Die Distanzierung des Kanzlers von den McDonalds-Plakaten mit seinem Konterfei fällt jedenfalls extrem müde aus – man will offenbar der McDonalds-Kooperation mit dem Gesundheitsministerium nicht schaden.

Denn plötzlich tun alle – allen voran Maria Rauch-Kallat - so, als sei McDonalds ein Salat- und Fruchttüten-Distributor. Entschuldigen Sie mal: McDonald ist ein gigantischer Fast-Food-Konzern, der massiv zum Verfettung von Teilen der Weltbevölkerung beigetragen hat. Die Gesundheitsministerin – und jetzt auch der Kanzler, mit seiner mauen Distanzierung von der Kampagne – helfen tüchtig mit, von dieser Tatsache abzulenken. Hat der Kanzler gesagt: Niemals würde ich für einen amerikanischen Megakonzern werben, der mitverantwortlich ist, dass Abermillionen von Menschen, darunter Millionen von Kindern und Jugendlichen, an Übergewicht und Adipositas leiden, also klage ich? Hat er nicht. Aus dem Kanzleramt hieß es lediglich: „Produktwerbung machen wir aus Prinzip nicht“, und dass man sowas leider nicht verhindern könne.

Ja, es ist jedes Menschen eigene Entscheidung, was und wo er isst. Aber was die Regierung hier macht, ist mehr oder minder freiwillige Kollaboration. Und damit macht sie sich mitverantwortlich am Elend der dicken Kinder.

Denn Kinder werden fett, weil sich zu wenig bewegen und: zu viele fettes Fastfood essen und süsse Limonaden trinken, und dafür steht McDonalds nun mal. Hamburger Royal TS (520 kcal). Cheeseburger (255). Big Mac (495). Chicken McNuggets (9 St.: 498). McChicken (460). Pommes (mittel: 340). Cola, Fanta, Sprite (0,25 l: 105, 100, 100) Schoko-Donut (205). Mahlzeit, liebe Kinder, wünscht: eure Regierung.

(Presse, 17.6.06)
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