Doris Knecht
| 07/06
| Presse-Kommentar
Rainhard Fendrich will jetzt Volksschüler dazu benutzen, sein kaputtes Image zu reparieren. Eine „Geschmacklosigkeit“ nannte es die „Presse“ schon gestern völlig zu Recht: Rainhard Fendrich möchte in Zukunft ein Anti-Drogen-Aushängeschild werden und soll dergestalt auf wehrlose Volksschüler losgelassen werden. Da ist man direkt froh, dass man keine Kinder in der Unterstufe hat. Denn es ist recht ekelhaft, wie Fendrich kleine Kinder benutzen möchte, um sein durch jahrelangen Kokainmissbrauch tüchtig angeknackstes Image zu reparieren. Vielleicht sollte er sich noch ein bis zwei kleine Kuschelhunde zulegen: Sowas kommt bei den reiferen Ladies auch immer gut an. Denn welchen Volksschüler interessierts, wenn Fendrich sagt: Kinder, tuts keine Drogen nehmen? Schon im Allgemeinem ist Fendrichs Vorbildfunktion unterdurchschnittlich; im Speziellen – als Idol oder auch nur Ansprechpartner für kleine Kinder – ist er vollkommen
deplaziert. Einerseits werden sich die meisten Volksschüler fragen, wer diese Blondine eigentlich ist, andererseits spricht ja nicht mal mehr sein eigener Sohn mit ihm. Was also will er fremden Kindern erklären? Die lieben Kleinen dienen Fendrich ausschließlich als medieneffektives Transportmittel seiner derzeit wichtigsten Botschaft an seine Plattenkundschaft: Seht! Ich bin voll total geläutert! Und diese Klientel rekrutiert sich eben zusehends unter älteren Damen, mit denen Fendrich den Hang zum Haarfarbton Quietschblond und zum subsidären Eskapismus teilt: Von Koks halten die aber eher wenig. Abgesehen davon, gibt es über die zielführensten Wege, Kinder und Jugendliche vor Suchtgiftabhängigkeit zu schützen, keinen allgemeinen Konsens. Denn das Problem ist ja nicht, dass Jugendliche Drogen probieren: Das Problem ist, dass sie manchmal drauf hängenbleiben, dass sie manchmal schlechte Drogen erwischen und dass sie manchmal an einer Überdosis sterben. Keineswegs immer; nur werden, um die Tragik jeden individuellen „Manchmals“ zu verhindern, Drogen noch immer generell dämonisiert. Auch wenn sich die Aufklärung in den letzten Jahren zusehends differenzierter gestaltet und sich immer mehr an den realen Lebensmustern von Heranwachsenden orientiert, wie etwa die Initative „ChEck iT“ zeigt. Von der Wiener Drogenkoordination intiiert, bietet „ChEck iT“ Jugendlichen auf Partys an, ihre Extasytabletten – wenn sie schon unbedingt welche nehmen wollen – von Experten auf gefährliche und akut gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen. Das Aufklärungsgespräch findet dabei zusagen ganz von selber und nebenbei statt. Welche Erkenntnis aber kann ein Kind aus Rainhard Fendrichs Lebensweg als Schlagerbarde und Kokser ziehen? Wie weit ist Fendlichs Drogenkarriere exemplarisch? Praktisch keine; ungefähr gar nicht. Fendrich sol Lieder singen, seine Therapie machen, sich in Interviews zum Idioten machen und, wenn ihm die Drogenprävention in Schulen tatsächlich ein Anliegen ist, still und leise spenden. In den Schulen hat er nichts verloren.