28.07.06

Männer in Unterhosen

Doris Knecht | 07/06 | Arbeit & Wirtschaft | Mode & Design | Presse-Kommentar | Schuld und Sühne | Stadt/Land | Unter Spießern

Die Hitze und ihre Folgen auf die Ästhetik im öffentlichen Raum: Was dürfen Männer alles zeigen?

Es gibt wichtigere Sachen, über die man jetzt schreiben könnte. Über den Krieg im Libanon, die vielen toten und verletzten Zivilisten, die zerstörten Existenzen. Über die in den USA entstehende öffentlich abrufbare Sexualtäter-Datenbank. Über eine hübsche Russin, die für ihren schönen Gesang eine österreichische Staatsbürgerschaft geschenkt gekriegt, während gleichzeitig Wissenschaftler aus Österreich ausgewiesen und Familien gnadenlos auseinandergerissen werden. Über Elisabeth Gehrers Drohung, als Wissenschafts- und Unterrichtsministerin auch der nächsten Regierung zur Verfügung zu stehen. Über Erwin Pröll, der immer noch nicht genug Haiderei in der Regierung hatte und über eine Fortsetzung von schwarz-orange halluziniert. Über den neuesten Skandal im Radsport und ob man Doping nicht einfach erlauben sollte.

Trotzdem diesmal: Männer in zu kurzen Hosen. Männer in Socken und Sandalen. Männer in labberigen T-Shirts. Männer ohne labberige T-Shirts, mitten im verbauten Gebiet. Denn bei diesen Temperaturen ist Nacktheit natürlich ein Thema, beziehungsweise: Wieviel davon ist den Mitmenschen zumutbar? Und ab wann wandelt sich das Nichtbedecken gewisser Körperstellen von der Stilfrage zur visuellen Belästigung?

In Großbritannien ist männliche Zeigefreudigkeit derzeit das Sommerthema der Medien: es gibt Überlegungen, Herren, die sich ohne Oberbekleidung auf der Straße zeigen, zu bestrafen. Die „Daily Mail“ zeigt auf ihrer Internet-Seite dazu eine überzeugende Fotoserie als „Beweis, warum Männer NIEMALS oben ohne gehen sollten“. Auch der nackte Männerfuß ist umstritten. Der Zehenreporter des „Guardian“ analysiert die beiden Gründe, warum Männer keine Sandalen tragen sollten: „Erstens sehen Männer in Sandalen bescheuert aus und alle Männersandalen tun das sowieso. Zweiten sind Männerfüße hässlich: Die meisten Männerfüße sehen aus wie Spaten. Sie riechen schlecht. Die Zehen sind haarig, die Nägel sind oft rissig und gelb. Ich würde das als eine miese Verallgemeinerung kritisieren, wäre es nicht eine exakte Beschreibung meiner eigenen Füße.“ Weshalb viele Männer zwischen ihre Füße und ihre Sandalen gerne eine Schicht Socke legen – was die „Times“ als „nationales Problem“ kategorisiert.

Ist es nicht – auch in Österreich sieht man Socken in Sandalen viel zu häufig. Und auch die österreichischen Männer lassen derzeit mehr Hüllen fallen, als der Ästhetik im öffentlichen Raum zuträglich ist. Müssen Männer also in langen Hosen und geschlossenen Schuhen schwitzen? Sagen wir so: eher ja. Beziehungsweise: das kommt auf die Männer an. Zeigen Sie nichts, was Sie an anderen, ähnlich gestalteten Körpern, nicht auch sehen wollen. Lassen Sie Ihren Bauch im Hemd. Halten die Hosenmindestlänge „knielang“ auf jeden Fall ein. Und wenn Sie unbedingt Luft an ihre Füsse lassen wollen: Konsultieren Sie vorher ihre lokale Fußpflegerin. Nicht nur sie dankt es Ihnen.

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» 31.07.06 00:14
Roland Kronigl

Liebe Doris Knecht,

ich bin auch sehr dafür, dass alle die Herzeigbarkeit unbekleideter Körperteile auch in Zeiten der Hitze durch einen sehr kritischen Blick in den Spiegel checken. Aber warum adressieren Sie Ihre Ratschläge ausschließlich an Männer? Ich leide täglich unnennbare Qualen (ok, ich bin schwul), wenn sich mir auf der Straße oder in der U-Bahn miniberockte Anorektikerinnen oder die Kniekehlen von Altwiener Sulzbeinen oder schwabbelige cellulitöse Oberarme in den Blick schieben - da hilft mir nur, ganz fest die Augen zu schließen und an David Beckham in Hot Pants und Muscleshirt zu denken, aber das birgt halt das Risiko, bei der nächsten Quergasse vor ein Auto zu rennen oder die Aussteigestation zu versäumen.

Halten Sie den Kollegen vom "Guardian" wirklich für zitierenswert? Klingt ja so als sei er ein Typ der auf lackierte Zehennägel abfährt und gern Sekt aus Stöckelschuhen schlürft, aber woher weiß er so genau dass (andere) Männer stinkende spatenförmige Füße haben? Schweißfüße gibts tatsächlich, weil der Sneakers-Kult leider noch immer nicht verglüht ist, aber spatenförmig ist mir noch nie untergekommen, auch nicht bei meinen britischen Liebhabern.

Also bitte ganz herzlich: Schreiben Sie auch den Frauen ins Gewissen; wegen halbnackt sowieso, aber auch wegen der Materialwahl bei ihrer Sommergarderobe; ich komme immer in Panik wenn sich die U2 vor einer Station einbremst und die Frauen ihre Arme zu den Halteschlaufen heben - bei Trevira türkis mit Blumenmuster sehen die Flecken unter den Achselhöhlen am schlimmsten aus.
Schöne Grüße,
RK

» 14.08.06 18:54
bobbes

da muss ich dem herrn kronigl aber schon recht geben!

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