04.08.06

Das kann natürlich passieren

Doris Knecht | 08/06 | Presse-Kommentar

Der Mück-Bericht bestätigt die Beschwerden von ORF-Mitarbeiterinnen, der ORF-Chefredakteur agiere frauenfeindlich. Der versteht nicht mal das Problem.

„Sehr geehrte ORF-Generalintendantin, als regelmäßige ZiB-Seherin fällt mir schon länger ein Herr Mück auf, der immer wieder Politisches kommentiert. Seine Nase ist eine Beleidigung für mein Auge. Und muss er wirklich jedem zeigen, wie alt und schlaff sein Gesicht geworden ist sind: so wie der immer da sitzt, sieht man seine labbrigen Backen groß im Bild.“

Ist natürlich unvorstellbar, dass man sowas ernstlich in einen Brief oder die Zeitung schriebe. Genauso unverstellbar ist es, dass ein Chef so mit einer Mitarbeiterin spricht. Geschieht aber. Im ORF. Chefredakteur Werner Mück soll der Moderatorin der „Pressestunde“ gesagt haben, „sie sei eine Beleidigung für sein Auge gewesen, müsse sie wirklich jedem zeigen, dass sie so viel zugenommen habe, so wie sie dagelehnt sei, habe man ihren Hintern groß im Bild gesehen“. Mück streitet die „Beleidigung des Auges“ ab, eine solche Bemerkung widerspreche seiner Erziehung; der Rest seines Ausfalls gegenüber einer Moderatorin, die nach einjähriger Mutter-Karenz wieder häufiger moderieren wollte, scheint dagegen in Einklang mit seiner erzieherischen Ettikette zu liegen.

Entnommen sind beide Aussagen dem vor wenigen Tagen veröffentlichten „Schlussbericht der Gruppe zur Überprüfung und sorgfältigen Evaluierung geäußerter Vorwürfe“. Denn Beschwerden über Mück hatten sich in letzter Zeit in den Medien gehäuft.

Wichtiger Punkt: Mück agiere frauenfeindlich. Unter anderem habe der der Chefredakteur der größten ORF-Hauptabteilung das Bemühen einer Redakteurin um zusätzliche Aufgaben mit den Worten kommentiert, „dass er die depperten Weiber nicht mehr sehen wolle“. Mück sagte dazu, diese spezielle Äußerung habe er nicht getätigt, aber: Natürlich könne er nicht ausschließen, im Laufe seines langen Beruflebens auch einmal eine vergleichbar saloppe Bemerkung gemacht zu haben.

„Natürlich“, nicht: „leider“, oder „bedauerlichweise“. Natürlich. Damit erhebt Mück Frauenfeindlichkeit in den Rang der Naturgesetzlichkeit und bestätigt ungefragt, dass in sie in seinem Ressort strukturell ist; in Mücks Weltbild ist es sowas eben ganz natürlich, wenn männliche Vorgesetzte und weibliche Mitarbeiterinnen aufeinandertreffen. Dieses „natürlich“ zeigt, dass Mück nicht nur keinerlei Schuld empfindet, wenn er Frauen verächtlich macht und benachteiligt, er versteht offenbar nicht mal, was das Problem ist.

Das Problem ist, dass Mück einer Spezies unbelehrbarer, alter Chauvinisten angehört, die mit pädagogischen Mitteln nicht sozialisierbar ist. Mück ist, das zeigt der Bericht sehr anschaulich, ein Frauenphobiker und ein Linkenfresser; beides ist Ausdruck von Angst vor der anderen Seite des Geschlechter- oder Politspektrums. Und ein klares Anzeichen für Überforderung. Der Mann hängt überkommenen Idealen an, und wird mit den Anforderungen einer modernen, mit neuen emanzipatorischem Wertvorstellungen eingerichteten Welt nicht fertig. Der Mann ist falsch in seinem Job.

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