Doris Knecht
| 08/06
| Kunst & Kultur
| Mode & Design
| Unter Spießern

Die Breussin wirkt nicht mal irritiert. Obwohl ich im Kino an ihr dranpicke, als wollte ich was von ihr: aber vermutlich kann sie den Kerl an meiner anderen Seite, von dem ich größtmöglichen Abstand zu gewinnen suche, bis zu sich rüber riechen. Himmel, die Auswahl von Deodorants in den westlichen Industriestaaten ist nun wirklich unendlich, warum gibt es immer noch Leute, die akkurat keins benutzen? Und Duschgels offenbar auch nicht?
Natürlich dauert der Film zwei Stunden, und ist ein ziemlicher Scheißfilm, weil offenbar die Kritiker, die „Volver“ praktisch durch die Bank super fanden, sich nachher an nichts erinnert haben, als an Peneolope Cruzes Melonentitten. Ja, das ist jetzt überspitzt, aber Entschuldigung, was soll an diesem Film so toll sein? Allerdings: was hab ich erwartet, der Film ist von Pedro Almodovoar. Und tatsächlich hab ich mir ja mal geschworen, mir nie wieder einen Film von Almodovar anzusehen, weil ich dem sein Frauenbild
extrem problematisch finde, und was passiert: Schwur gebrochen, Strafe stante pede. Denn der Kerl neben mir begnügt sich nicht mit brutalem Schweißgeruch, er gibt auch Kommentare ab, richtig blöde Kommentare ab, wie ers wahrscheinlich auch zuhause vorm Fernseher tut: Den Leuten wirds, und die Verantwortung dafür trägt natürlich vollumfänglich das kommerzielle Fernsehen, immer egaler, ob sie öffentlich sind oder privat, unter sich oder in der Gesellschaft von Fremden. Die Grenzen zwischen daheim und anderswo sind praktisch aufgehoben. Die Dokusoaps im Kommerz-Fernsehen haben die Menschen gelehrt, dass man nie einen Genierer zu haben braucht, weil alles Menschliche ja eben total menschlich und von kollektivem Interesse sei und damit außerhalb aller Kritisierbarkeit stehe, stinken, furzen, dummschwätzen inklusive. Dafür kann man das Kommerz-Fernsehen gar nicht genug hassen. Und ich glaube nicht, dass ich von dieser Meinung runtersteigen werde.
Bei den rosaroten Hemden an Männern über drei dagegen bin ich nun gewillt – aufpassen, heut ist der Tag - meinen Irrtum einzusehen: Diverse Leserinnen und Leser konnten mich in davon überzeugen, dass auch Männer rosa- und brombeer- und violafarbene Hemden tragen dürfen. Ja: sollen, da dies schön und frisch aussehe auf brauner Männerhaut. Der stets geschmackssichere Kollege W. versichert glaubhaft, er bekomme für seine rosa Hemden immer wieder Komplimente, und nicht nur von Schwulen. Na gut, zieht an, was ihr wollt, solange ihr Deo darunter sprüht.
Wundern tut mich allerdings, dass niemand in die klaffende Argumentationslücke gestossen ist, die dadurch entstand, dass ich ja sonst ja immer finde, die Mütter kleiner Buben sollten nicht immer so stur genderfokussiert sein, und ihren Söhnen doch auch mal ein Ballerinaröckchen, ein Krönchen und ein Puppenhäuschen kaufen. Und ein rosa Hemdchen zum Schulbeginn. Wobei ich bei Sechsjährigen den Deo-Erlass auszusetzen bereit bin.
rosa hemden
erstmals: für mich als knecht-fan eine der schönsten entdeckungen im www.
zu den rosa hemden: noch vor zwei jahren hätte ich mich dermaßen geweigert, ein solch gefärbtes hemd anzuziehen. mein im letzten sommer in berlin ergattertes rosa polo-shirt gehört heute zu meinen lieblingsteilen (kann i des do im ländle träga?), und inzwischen hat sich auch ein rosa kurzarmhemd dazu gesellt.
nun, der hype scheint vor allem in deutschland gewaltig zu sein. kein tv-moderator ohne das rosa hemdchen und in hamburg (wie wohl in jeder weiteren stadt, nur da war ich halt grad und bereue es, dass ich schon wieder im ländle mein dasein fristen muss, aber das ist eine andere geschichte...) begegnet einem jeder zweite mann in rosafarbenen leiberln. nun ja: wir schwulen machen uns einen spaß daraus und lachen uns kaputt. wird der mann von welt bald im fummel auftreten?!?
so, jetzt aber erstmals gucken, wie die orf-wahl ausgeht. wolf im rosa hemd?