Doris Knecht
| 09/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
Was macht man, wenn man nach der Nachmittagsvorstellung von "Cars" noch was trinken will? Es regnet; die Kinder (4, 4, 4, 5, 6) wollen noch nicht heim, die Erwachsenen sind hungrig: Wir gehen ins Kaffeehaus.
Das ist ein Fehler, wie der Ober uns mit Bei-uns-ist-nichts-frei-Miene gleich wissen lässt: Ja, bitte? Ja, bitte, was könnten wir hier wohl wollen? Einen Tisch und zehn Stühle, wenn's genehm ist, und dann eine Karte, herzlichen Dank. Es ist in diesem hübsch schäbigen Kaffeehaus nämlich so gut wie alles frei; dennoch dürfen Sie uns ruhig in restgästeschonender Distanz platzieren, das ist okay. Aber wenn Sie dann so freundlich wären, diesen angewiderten Ausdruck von ihrem Gesicht zu nehmen. . . Das sagen wir nicht; das hoffen
wir 40 Minuten vergebens: Dann verlassen wir das Kaffeehaus gern, weil die raumgreifende Abscheu selbst meine Titan-Nerven an-greift. Dabei wurde kein einziger Kakao verschüttet, nichts ging kaputt und übertrieben laut war's auch nicht, trotzdem: gemma.
Was macht man, wenn man am Nachmittag mit Kindern in ein Lokal will? Man besucht ein Fastfood-Restaurant: fast die einzigen Lokale, in denen Kinder in Wien erwünscht und nicht nur freudlos geduldet sind.
Als wir kürzlich am Land urlaubten, gab es auch in Hauben-Restaurants selbstverständlich Kinderkarten und Kindermenüs. Aber klar: Tourismusregion. Hier in Wien braucht man zu Kindern nicht nett sein. Gibt eh überall diese lustigen Lokale mit leckeren Happy Meals und prima Burgern mit Pommes. Da fühlen sich Kinder doch viel wohler.
Stimmt. Deshalb wollen sie da immer wieder hin. Aber wir hätten vielleicht weniger fette, adipöse Kinder, wenn sie sich auch woanders wohlfühlen dürften. Etwa im Kaffeehaus.
Man sollte derartige Gasstätten mit geheimen Zeichen (Gaunerzinken) kennzeichnen, dem Beispiel der verfolgten Christen oder des "fahrenden Volks" folgend.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gaunerzinken