Doris Knecht
| 09/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
Beim abendlichen Zappen gerate ich derzeit ständig in nicht eine, sondern mehrere Feminismus-Debatten, ausgelöst von der deutschen Ex-"Tagesschau"-Moderatorin und Buchautorin Eva Herman. Herman hatte schon vor ein paar Monaten im Magazin Cicero mit lustigen Ideen zur modernen Weiblichkeit aufhorchen lassen, die sie nun in ihrem Buch "Das Eva-Prinzip" auf 264 Seiten breiter trampelt.
Die Frauen, meint Herman, 48, seien heutzutage keine richtigen Frauen mehr, rieben sich wund an übertriebenen Ansprüchen an sich selbst und sollten es, so Herman, besonders wenn sie Mütter werden, doch viel ruhiger angehen. Und zwar, wie die berufstätige Mutter eines Sohnes empfiehlt, entspannt daheim in Küche und Kinderzimmer, ohne die brutale
Belastung durch Berufstätigkeit. Die Frauen sollten die Männer endlich wieder Jäger und Beschützer sein lassen, und, so Herman in focus, "öfter einfach mal den Mund halten: Warum müssen wir immer alles mitbestimmen?"
Ja, warum?, wird nun auch in heimischen Medien laut gefragt, und antworten dürfen Herman-Kritiker und Herman-Verteidiger, und darüber freut sich: Herman. Denn die will ja in Wahrheit nicht die Situation der Frauen verbessern: Sie will nur ihr Buch verkaufen. Es geht ihr nicht um die Relevanz ihrer Thesen, sondern nur deren Vermarktbarkeit, und da richtet sie sich nach einem bewährten Rezept: Je provokanter desto Talkshow desto Bestseller.
Feminismusdebatten: gut. Das von Herman vorgelegte Niveau: unterirdisch.
Denn was fordert Herman? Im Prinzip die generelle Wiederherstellung der Verhältnisse in Nüziders, Oed oder Maria Ellend zirka 1954. Ist das möglich? Nein. Zum Glück nicht. Also: bitte Ende der Debatte.