Doris Knecht
| 09/06
| Kurier-Kolumne
| Mensch & Tier
Von der Stadthalle bis zum Gürtel zählte ich 15, von der Westbahnstraße bis zur KURIER-Redaktion zwei: Gestern war Hundstrümmerl-Zähltag, wieder nicht von der Stadt Wien initiiert, sondern erneut von der
Hundekot-Initiative, die im Frühjahr 157.000 Unterschriften genervter WienerInnen sammelte. Die Zähl-Ergebnisse werden am Montag präsentiert, aber mir kommt vor, dass der Kot auf den Straßen seit Mai deutlich abnahm - in manchen Gegenden. In anderen stapft man nach wie vor durch Hundehaufen.
Wenn Wien nun etwas weniger verschissen ist, dann nicht, weil die Stadtregierung auf den Bürgerdruck energisch reagiert hätte, nein: Die städtische Reaktionsbilanz ist kläglich. Von
Strafen für Unbelehrbare hält man in Wien weiterhin wenig. Eine Evaluierung der inkriminierten Situation blieb bisher aus. Von der Info-Kampagne, die diese Situation messbar ändern soll, sah man bis heute nichts. 60 zusätzliche Kotsackerlspender wurden montiert, jetzt gibt's 400 in ganz Wien: Das war's vorerst.
Der Stadtregierung ist die klare Unmutsbekundung eines Zehntels der Stadtbevölkerung nach wie vor ziemlich egal. Dass, wie mir scheint, das Unrechtsbewusstsein der Hundebesitzer deutlich gestiegen ist, liegt bisher ausschließlich am Einsatz der unermüdlichen Frauen und Männer der Hundekot-Initiative. Die dafür, gerade von Seiten der Stadt, mit Dank und Respekt nur so überschüttet werden sollten. Doch aus dem Rathaus kommen bisher vor allem Signale, dass man auf die lästige Einmischung des Fußvolkes in die hohe Politik gut verzichten könnte. Stört! Hält den Betrieb auf! Ruhe jetzt!
Keine Chance. Ruhe ist, wenn Wiens Straßen und Grünflächen hundedreckfrei sind. Vorher: nicht.