Doris Knecht
| 09/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Kurier-Kolumne
| Stadt/Land
Was ist das Besondere an Wien? A) Wien ist Gemeinde, Bundesland und Hauptstadt. B) Wien ist ein Vorort von Graz. C) Wien ist die Hauptstadt von Kärnten."
Da hat sich die Gemeinde Wien ein bisserl einen Karl gemacht: Die Frage ist Teil des Staatsbürgerschaftstests, der von potenziellen Österreichern seit gestern bestanden werden muss. Und die Meinung, dass ein solcher Test fragwürdig ist, herrscht offenbar auch in der Wiener Regierung vor.
Denn die hat sehr augenscheinlich versucht, den landesgeschichtlichen Teil dieses Test einerseits mit Fragen zu unterwandern, die vor allem dazu angetan sind, die Leistungen des sozialdemokratischen Wien zu bewerben, andererseits mit Antwortmöglichkeiten, die
man, siehe oben, nur als Scherz bezeichnen kann. Womit wohl einmal mehr auf die faszinierende Unsinnigkeit eines Staatsbürgerschaftstests als solches hingewiesen werden soll.
Denn was macht die Frau Vucovi* und den Herrn Özdemir zu Österreichern? Sicher nicht, dass sie wissen, wie die Glocke im Stephansdom heißt, welches Wahrzeichen im Prater steht oder was *man meint, wenn man vom Roten Wien spricht".
Was also sollten Österreicher sinnvollerweise wissen? Wie man deutsch spricht, zum Beispiel. Und dass hier gewisse gesellschaftliche, emanzipatorische und rechtliche Standards nicht unterschritten werden, egal, welche Traditionen im Herkunftsland etwa den Umgang mit Frauen und Töchtern bestimmen. Und dass hier niemand aufgrund seiner Herkunft diskriminiert werden darf, auch wenn die gruseligen Patrioten-Parolen auf den Wahlplakaten gerade das Gegenteil suggerieren.
Lässt sich mit Tests kontrollieren, ob das begriffen wurde? Das Deutsch vielleicht. Der Rest eher nicht.