Doris Knecht
| 09/06
| Kunst & Kultur
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
| Schuld und Sühne
Andere fahren am Wochenende aufs Land, Rainhard Fendrich nutzte es, um in Interviews ein wenig den Rechtsstaat in Frage zu stellen: Letzte Woche war bekannt geworden, dass Fendrich sich nun doch vor Gericht für seinen Kokain-Missbrauch verantworten muss. Im Sonntags
Kurier sagte der Sänger, der 15 Jahre Drogenkonsum zugegeben hat, er fühle sich vom Rechtsstaat Österreich "verlassen“, der Falsche werde angeklagt: Er sei schließlich nur süchtig gewesen, habe also das Kokain - es müssen Kilos sein - all die Jahre nur erworben und konsumiert. Was Fendrich offenbar für kein rechts-relevantes Problem hält: "Mein Unrechtsempfinden ist relativ gering.“
Der Mann, der das sagt, hatte sich
erst Anfang Juli vor großer Öffentlichkeit als "Mentor und Sprachrohr" in den Dienst der Volksschul-Präventionsinitiative "Eigenständig werden" um Kinder über die Risiken des Drogenkonsums aufzuklären. Er hoffe, sagte er, "dass mir auch die Initiative selbst hilft, weil ich jetzt eine Verantwortung trage“. Nun, da sein rührendes Engagement den Prozess nicht verhinderte, ist von Verantwortung keine Rede mehr: Statt dessen vergleicht Fendrich seine Kokainsucht mit *dem Kippen eines Klaren“ und meint, wenn er in seinem Arbeitszimmer Kokain konsumiere, sei das *etwas, das nur mir schadet“. Dass er vor wenigen Wochen mithelfen wollte, "dass Menschen nicht in die Drogensucht oder eine andere Sucht abgleiten“ hat der Sänger offenbar bereits vergessen.
Anti-Drogen-Mentor wird Fendrich nun hoffentlich nicht. Denn seine letzten Interviews zeigen, wie berechtigt die Skepsis all jener war, die hinter Fendrichs plötzlicher Sorge um das Kinderwohl nichts als Imagepolitur vermuteten: Fendrich ging und geht es nur um Fendrich. Vorbild ist er keins.
Da ich High Society Berichte, Seitenblicke und Ö3-Frühstücke tunlichts meide und mir darüberhinaus auch noch egal ist, wer sich wann und wo das Näschen pudert, sollte ich vorsichtig sein mit meinen Aussagen. Eines steht für mich dennoch fest: So selbstbemitleidend und unsympathisch Fendrich auch erscheinen mag, die Doppelmoral im Umgang mit Drogen stinkt zum Himmel!
Na dann, Prost!
keyserkeli