Doris Knecht
| 09/06
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
| Stadt/Land
Merkwürdigerweise sind die Wiener nicht überall beliebt, speziell außerhalb Wiens. Plus, es gilt: je außerhalber desto weniger.
Fahre ich letzte Woche mit meinem Auto mit Wiener Kennzeichen in einem Vorarlberger Bergdorf auf einer schmalen Serpentine einen Hang hinan. Stehen dort zwei Bauern, die sind ins Gespräch vertieft und blockieren derweil mit ihren Traktoren die Straße. Bleib ich stehen. Die Bauern tun das, nach einem kurzen Blick auf mein Nummernschild , ebenfalls. Drei Minuten. Fünf Minuten. Weil: Ist ja nur eine Wienerin. Hat ja hier eigentlich nichts verloren, sicher jedenfalls: nichts zu schaffen. Kann also ruhig ein bisschen warten, oder. Und unseretwegen noch ein bisschen länger.
Aber wie zahlreiche andere Wiener war ich das
nicht immer. Also Wienerin. Wie zahlreiche andere Wiener komm ich vom Land, und zwar von diesem speziellen Land, in dem mich zwei arrogante Sturköpfe mit ihren Traktoren dann acht Minuten aufhalten, vielen Dank. Aber sowas befriedigt halt die permanente kleine Rachsucht im Provinzler: Weil Wien, das ist doch dieser entlegene Sündenpfuhl, in dem nichts wie Steuergeld verprasst und über die Köpfe der Länder hinweg regiert wird, und einen Parkplatz findet man dort sowieso nie. Und wer da freiwillig hindesertiert, braucht gar nicht wiederzukommen. Also wurscht.
Apropos wurscht, denn die Frankfurter heißen da draußen in Vorarlberg *Wienerle", und die gab's jetzt am SB-Büffet im Suterlüty, einer großen, zu Rewe gehörenden Ländle-Supermarktkette, im Sonderangebot um einen Euro irgendwas. Was mit einem Transparent und folgenden Worten beworben wurde: *So mögen wir die Wiener!" Na, na, na, Vorarlberger. So mögen wir das nicht.