22.10.06

Bobo, hurch zu!

Doris Knecht | 10/06 | Kunst & Kultur | Kurier-Kolumne | Unter Spießern

Eist ist schon ein paar Tage her, dass „Viennale“-Direktor Hans Hurch in einem Falter-Interview gemeint hat, er mache jetzt „Bobo-Bashing: Man darf denen diesen he-donistischen, halbkritischen Genuss nicht durchgehen lassen.“ Das beschäftigt mich immer noch.
Ich mag den Hurch: Ich mag, wie er die „Viennale“ als Ereignis zelebriert,  wie er sich nichts schert um Geschmäcker und Generalmeinungen, und  dass er dennoch als möglicher Kulturminister gehandelt wird.
Aber die Sache mit den Bobos ärgert mich, weil diese grad so schicke Bobo-Miesmacherei ist mir etwas zu billig. Vor allem, wenn sie von einem Hurch kommt, der es sonst nicht billig gibt.
Bobo ist, falls Ihnen das noch nicht bekannt ist, ein Mischwort aus

"bourgois“ und „bohemien“ und bezeichnet  junge, urbane Erwachsene, die eine  moderne, offene Bürgerlichkeit vertreten, die sich keiner Tradition verpflichtet fühlt. Und wenngleich der Bobo-Begriff in letzter Zeit überstrapaziert wurde, finde ich dennoch, dass es schlechtere und destruktivere Daseinsformen gibt.
Bobos mögen nerven,  aber sie  leben eine konstruktive Idee eines lässigen, neuen Bürgertums: Sie konsumieren bewußt und mit Rücksicht auf Ökologie und soziale Gerechtigkeit,  sie sind nett zu  ihren Kindern, sie interessieren sich für Bildung und Kultur  (und Filme abseits von Hollywood), sind kritisch, aber nicht  ablehnend gegenüber modernen Massenmedien und motorisierter Fortbewegung, sie sind nicht xenophob, sie  lesen, sie kochen, sie  sind wertebewußt, und sie sagen ihre Meinung, wenn ihnen was nicht passt. Bisschen wie Hans Hurch.
Im Ernst jetzt: Lieber halbkritisch als unkritisch. Lieber hedonistisch als alles  total egal. Ein wenig Boboismus tut der Welt ganz gut.
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