26.10.06

Die Hunnen, sagt Roger

Doris Knecht | 10/06 | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Freunde | Kinder und andere Mitbewohner | Kunst & Kultur | Mensch & Tier | Unter Spießern

Und jetzt schlafen die Kinder ein zur Stimme von Beth Orton, die drüben im Zimmer, in dem die Mutter sitzt und arbeitet, wieder und wieder Leonhard Cohens „Sisters of Mercy“ singt, und eine schönere Art, einen langen Tag zu beenden, kann es doch gar nicht geben, oder. Und eine lange, anstrengende Woche, eine Woche, nach der ich mir sage: es muss anders werden. Die Kinder haben zu viele Termine. Die Kinder haben zuwenig Zeit, um einfach zuhause zu sein und zu spielen und sich zu langweilen. Aber. Wir sind so viel eingeladen. Und wir sind von so netten Menschen eingeladen, wo man nicht nein sagt, wenn die sagen: wie gings euch am Montag? Sondern wo man sagt, super, am Montag gings uns gut.
Am Dienstag, als ich mit Lotte und der Kaiserin vorm Palmenhaus in der Sonne sitze, radelt der Roger vorbei und bleibt stehen und trägt dabei eine sagenhaft lässige Pilotenbrille, und so eine Pilotenbrille steht jetzt nicht jedem, aber dem Roger verrückt gut. Der Roger also sagt, du, du wolltest doch mal mit den Mimis in unserem Garten vorbeikommen, jetzt kommt doch endlich mal. Der Roger lebt mit dem Philipp jetzt nämlich in einer Wohnung mit Garten, und so welche mit Garten schaffen es, wenn man Kinder hat, schon leichter auf die Freunde-Shortlist, das geb ich zu. Ein Haus am Land ist noch besser. Ich sag, also Roger, du weißt doch, dass das so nicht geht. Man will richtig eingeladen werden. Wir fallen doch nicht einfach irgendwo ein wie die Römer, sag ich. Die Hunnen, sagt Roger, und er versteht das und er wird uns jetzt mal richtig einladen, aber ob den Mimis nicht fad wird in sonem Erwachsenhaushalt, und ich sag, hmm tja, wär schon gut, ihr würdet euch vorher noch ein paar Babykatzen zulegen, und der Roger sagt, er wird das sofort mit Philipp besprechen und radelt weiter.
Wie mich am Mittwoch die Fanny anruft und sagt, wann ich sie jetzt endlich mal mit den Kindern besuchen komme und sie hat übrigens grad sechs sausüße kleine Babykatzen sag ich nur, obs ihr am Freitag ginge. Obwohl wir Sonntag schon bei Schreibtischdesigners (Garten, zwei kleine Kinder, saunett) eingeladen sind, Montag ist Schwimmkurs, Dienstag Geburtstagsparty vom Florentin aus dem Kindergarten, dessen Mutter (saunett) etwas eigennützig beschloss, dass ihr Sohn jetzt mal mit Mädchen befreundet ist. Mädchen verursachen auf so Parties nämlich entschieden weniger Lärm, Streit und Schmerz. Also lud sie die Mimis schriftlich zu Florentins Geburtstag ein, worauf Florentin die Mimis eine Woche vor der Party täglich persönlich auslud, um Platz für den wilden Joel und den starken Joey zu machen; nix, wir haben eine Einladung, schmecks. Und obwohl ich für Samstag schon Hofingers und Finks zum Essen und Wohnungverwüsten zu uns gebeten habe, und Nachbars (ein Kind, saunett) uns für Sonntag zum Kürbisschnitzen. Jetzt haben die Kinder schon bei der zweiten Strophe von „Sisters of Mercy“ geschnarcht.
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» 26.10.06 12:53
dieter

beth orton, ja.
und dann auch noch leonar cohen.
einschlafen, dann immer.
momentan meine einschlaf-cd.
freu ich mich auf den konzert-film
ps: hab gestern nicht wegen mondgeflüster gelacht, aber immerhin über couchgeflüster. so gestrickt, wie die ware auch war, egal. meryl streep und die anderen (ist der echt erst 23?) waren wunderbar. manchmal hollywood-kleister ist schon schön.
jetzt läuft belle and sebastian, ich lieg auf dem balkon, trinke das erste gekühlte bier (schließlich ist nationalfeiertag) und les den neuen djian. ob er mich wirklich nochmals fesseln mag?!?!

» 30.10.06 15:28
bobbes

ich gliebe roger und philip! fast so wie ginger und fred!

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