Doris Knecht
| 10/06
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
Eine neue Regierung bringt vielleicht auch neue, zusätzliche Partnerschaftsmodelle neben der Ehe. Wie eine wehrlose Baby-Katze wurde die Ehe durch die letzten Legislaturperioden getragen; be-schützt, gestreichelt gehätschelt: Die fasst uns keiner an, der tut niemand was!
Nein, der Ehe will eh niemand was tun, außer vielleicht die Eheleute, die sie eingehen und wieder auflösen: 45 Prozent der Ehen werden ja wieder geschieden. Gut fürs Bruttosozialprodukt, denn das beschäftigt Standesbeamte, Hochzeitsplaner, Schneider, Gastronomen, Anwälte, Richter, Mediatoren, Immobilienmakler und Umzugsunternehmen. Und, sehen wirs mal positiv: 55 Prozent der Ehen halten ja. Soll also heiraten, wer will, denn scheints ist die Absolvierung des Hochzeitsrituals vielen Paaren einfach wichtig.
Auch homosexuellen Paaren, und nichts spricht dagegen, dass
auch in Österreich Lesben und Schwule endlich die Ehe eingehen dürfen. Oder eine eingetragene Partnerschaft, was auch viele heterosexuelle Paare bevorzugen würden, die nicht traditonell verheiratet, aber gesetzlich abgesichert zusammenleben wollen. Vor allem , wenn Kinder da sind.
„Wir wären gute Eltern“, sagten der Musical-Darsteller Uwe Kröger und sein langjähriger Freund, ein Arzt, gestern dem KURIER. Das können sie noch gar nicht wissen, aber: Sie sollen es selber herausfinden dürfen, wie andere Paare auch. Denn gute Elternschaft setzt nicht voraus, dass Mutter und Vater unterschiedlichen Geschlechts sind, sondern dass Eltern ihrem Kind Liebe, Zeit, Schutz, Respekt, Aufmerksamkeit und nochmal Liebe schenken. Dass ihnen bewußt und nicht egal ist, was gut für ihr Kind ist und was nicht. Und das können Mutter und Mutter oder Vater und Vater so gut wie Mutter und Vater.
"eingetrage partnerschaft" ja! jedenfalls! sofort. "ehe", da reicht mir die aktuelle (österreichische) rechtsdefinition als "verbindung zwischen mann und frau (gerne auch frau und mann).
die eigentliche frage - sie haben diese recht salopp umgangen - ist eben die der adoptionsmöglichkeit (sinnvoll? wünschenswertig?) von gleichgeschlechtlichen paaren.
warum soll die "ehe" eine sonderstellung innenehmen, und DIE form der partnerschaft sein, die in der gesellschaft eine subventioniert ist?
weil die "ehe" DIE partnerschaftsform ist, die uns reproduziert. (bei allen anstrengungen wird das zwei jungs verwehrt bleiben; zwei mädels auch) also KEINE nachteile für andere formen, sehr wohl aber VORTEILE für die ehe. gut.
jetzt der springende punkt: sollen gleichgeschlechtliche partnerschaften kinder adoptieren dürfen? also dann zwei väter bzw. zwei mütter. ich denke, dies gilt es etwas ausgiebiger zu diskutieren (, als sie es sich hier – mE. – zu leicht machen).
ich kann diese frage (noch) nicht restlos beantworten. jedenfalls bin ich aus meinen bisherigen wertvorstellungen heraus eher der ansicht, dass zum "ideal" einer "familie" sowohl eine frau als auch ein mann gehören. ("familie" hier lediglich als "reproduktionszelle" - oder schöner "idealer kinderentwicklungsort" - verstanden; natürlich empfinde ich auch meine wenigen sehr guten freunde als teil meiner "familie" - dann aber eben in einem erweiterten sinne.) ich denke wohl, dass es zur postiven (anstrebenswerten) entwicklung eines heranwachsenden menschen sowohl einer weiblichen als auch einer männlichen bezugsperson braucht. (erlaube mir ganz unsachlich und nebenher auf dann doch vorhandene defizite meinereiner als kind einer alleinstehenden jungen frau, nein, der besten mutti aller zeiten, hinzudenken.)
es geht nicht um Patrick Lindner und seinen dann doch-wieder-nicht-partner und deren beider ja jetzt also nicht mehr so ganz gemeinsamen sohne. es geht auch nicht um die sieben kinder des arbeitslosen, seine nicht einmal in der küche sondern meistens vor dem fernseher von ihm geschlagene frau und deren gemeinsamen sieben kinder. es geht auch nicht um die beiden bundesdeutschen akademikerinnen, die sich "ihre" tocher am Don-Muang-flughafen "abgeholt" haben. es geht um das gesellschaftliche ideal. das sollten wir nicht nur haben dürfen, sondern vor allem haben wollen.
das sollten wir dann aber auch breiter diskutieren. vielleicht wird es ein zivilisatorischer "fortschritt" sein, einmal eine androgyne gesellschaft zu haben. noch sind wir nicht so weit. aus heutiger sicht (für mich ganz persönlich wird dies wohl so bis zum letzten atemzug bleiben) will ich meiner tochter wie meinem sohne meine liebe um nichts auf der welt vorenthalten. und auf gar keinen fall die ihrer mutter.
ps. und ich hab schon so gehofft, wenigstens in der literatur gemeinskeiten zu entdecken; mir ist der Roth ja auch viel wert ;)
(unkorr.)