Doris Knecht
| 10/06
| Kurier-Kolumne
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Ein Mal habe Natascha Kampusch während des Interviews dann doch gelächelt. Aber nur ein Mal: Es scheint Kampusch zusehends zu stören, dass die Leute immer noch mehr von ihr und über sie wissen wollen. Und über die acht Jahre, in denen sie in einem Keller gefangen gehalten worden war.
Vor fast zwei Monaten hat sich Natascha Kampusch selbst befreit, aber frei, so sagte sie Conny Bischofberger, frei sei sie nicht. Und sie kann, wie ihre Antwort auf die Frage zeigt, was für sie die absolute Freiheit wäre, offenbar auch noch immer nicht ermessen, was Freiheit tatsächlich bedeutet. Oder bedeuten kann. Oder was man mit ihr anfängt. Wie man sie nutzt und was man aus den Möglichkeiten macht, die sie bereithält.
Sicher: Die Freiheit des Individuums ist relativ, und
Kampuschs Freiheit sowieso; denn wer permanent von Boulevard-Kopfgeldjägern verfolgt wird und unter der ständigen Beobachtung mehr oder weniger wohlmeinender Mitmenschen steht, ist nicht frei. Aber Kampusch scheint schon die Möglichkeiten von Freiheit – dieses Schicksal teilt sie allerdings mit vielen anderen – noch immer für eher bedrohlich zu halten: Sie habe kaum einen Moment wirkliche Freizeit, sagt Natascha Kampusch, aber es störe sie nur teilweise. Mit Verpflichtungen angefüllte Zeit ist für sie offenbar leichter zu ertragen als leere, freie Zeit. Man braucht kein Psychiater zu sein, um das zu verstehen.
Andere Kinder haben ihr ganzes Heranwachsen Zeit zu lernen, wie man Freiheit allmählich erlangt, dann maximiert und wie man damit umgeht; Kampusch wurde von ihrer plötzlichen Freiheit überrumpelt. Wünschen wir ihr, dass sie die Frage, ob sie sich frei fühle, einmal mit einem klaren JA beantworten kann. Und mit einem Lächeln.