8.10.06

Ist das wirklich so gaga?

Doris Knecht | 10/06 | Arbeit & Wirtschaft | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Kurier-Kolumne

Jetzt mal Reaktionen. Denn nach der „Alphatier“-Kolumne vom Mittwoch flogen die Watschen zahlreich. Au.
Stadträtin Ulli Sima schreibt, sie falle oft „um 10 halbtot ins Bett, wenn beide Kinder nach Hausaufgaben kontrollieren, Gute-Nacht-Geschichten erzählen und Schnuller bringen seelig schlummern“. Als Ministerin würde sie ihre Kinder überhaupt nur noch schlafend sehen: „Ist das unfeministisch? Vielleicht. Aber genauso unfeministisch finde ich die Ich-bin-eine-Powerfrau-und-es-ist-alles-eine-Sache-der-Organisation-Wonderwoman-Nummer.“ Stimmt. Margret G. schreibt dazu, Frauen seien „nicht die richtige Adresse für Forderungen, wie Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen seien“. Ja: aber ich erlaube mir dennoch, jene Frauen, die es bequemer finden, mal acht, neun, zwanzig Jahre bei den Kindern daheim bleiben, für die Stabilisierung der Verhältnisse mitverantwortlich zu machen. Und angesichts der Scheidungsstatistik ist es fahrlässig, ökonomische Autonomie freiwillig aufzugeben.
Wolfgang R. fragt, warum denn gerade „eine rote Politikerin nicht bekennen darf, dass sie das Wohl ihres Kindes vor ihre eigene Karriere stellt?“ Ich will den Wert von Kindswohl nicht gering schätzen, aber: Ist es wirklich so gaga, sich ein System zu wünschen, in dem Menschen beiderlei Geschlechts Führungsverantwortung tragen UND ihre Kinder nicht vernachlässigen?
Kulturstadtrat Maillath-Pokorny rief an und sagte: „Sie! Ich mach das übrigens!“ Um sich genug mit seinen Söhnen zu beschäftigen, lasse er durchaus mal eine Veranstaltung aus, was ich sicher gerne hörte (ja), die Künstler, deren Premieren und Vernissagen er dadurch versäume, aber: nicht. Hm. Auch daran muss man wohl noch arbeiten.
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