05.10.06

Könnte abstürzen

Doris Knecht | 10/06 | Falter-Kolumne | Kunst & Kultur | Mensch & Tier | Schuld und Sühne

innauerNoch immer exisitieren Freunde, die unsere Urlaubsfotos nicht gesehen haben. Sie werden mit Essen angelockt und müssen dann zum Aperitiv eine halbe Stunde Digidiashow in den Dominanzfarben Grün und Braun durchstehen: Alm, Alm, Kuh, Alm, glückliche Kinder vor Alm, glückliche Kinder vor Kuh, Kuh, Alm, Alm. Für gewöhnlich werden die Freunde von einem Foto von einem Foto von Toni Innauer aus ihrer Depression gerissen, aufgenommen in Innauers Heimathaus, einem Gasthof direkt an der Mittelstation der alten Bezauer Gondelbahn, die stets den Schweiß aus dem Langen löst.

Weil: Höhenangst. Die Gondel schlenkert an einem durchhängendem Seil, während in ihr Menschen zusammengepresst werden, welche dadurch nicht glücklicher werden, dass sich drei Horrorfilmgestählte Teenies über die Möglichkeiten unterhalten, in Gondeln zu Tode zu kommen. Das Seil könnte reißen. Der Boden könnte rausbrechen, genau über diesen spitzen Tannen. Die herabfahrende Gondel könnte gegen die hinauffahrende Gondel prallen, aufplatzen und die Passagiere auf die Felsenschmettern. Die Gondel könnte stehenbleiben, und jemand könnte in Panik geraten und die Tür auf- und andere mit sich in den Tod reißen. Das Seil der anderen Gondel könnte reißen, durch die Scheiben dieser Gondel schlenzen und den Passagieren die Schädel abrasieren. Davon leben die Innauers; auf der Mittelstation brauchen viele erstmal einen Schnaps. Später, wenn man vom Berg wieder runterkommt, hat man Hunger und Durst und muss aufs Klo, wofür man einen Raum queren muss, in dem so gut wie alle Pokale ausgestellt sind, die Toni Innauer im Laufe seiner Schispringer-Karriere ersprang, sowie eine Reihe von Fotos, die Innauer bei der Entgegennahme dieser Pokale zeigen.

Was ist bitte das?? fragen unsere gequälten Gäste, wenn das Foto des glücklichen Innauer in einem fetten, weißgrauen Pelzpullover im Mäser-Shirt-Schnitt erscheint und dann das Foto des glücklichen Innauer, der die glückliche Annemarie Moser-Pröll im identischen fetten, weißgrauen Pelzpullover an sich preßt. Wasistbittedas?? Das sind Innauer und Moser-Pröll nach ihren Siegen bei der Olympiade 1976, und mit solchen Pullovern aus ziemlich sicher ungenießbaren und eines unnatürlichen Todes verstorbenen Tieren, wurde im Jahr 1976 wohl die gesamte österreichische Olympiamannschaft ausgestattet; ein Wahnsinn, bitte. Und natürlich überlegt man dann, was aus diesen vielen Pelzpullis geworden ist: Gibt’s die noch? Und: Hat Innauer seinen noch? Und trägt er ihn manchmal heimlich auf nackter Haut? Sollte Innauer also noch immer vernünftige Zeitungen lesen. Ehrlich, Herr Toni, so ein Blödsinn interessiert uns.
Dabei gäbe es diese Woche selbstverständlich wichtigere Themen, weil, apropos Absturz: baba, Frau Gehrer!, auch meine Kinder sagen tschüss. Und wer hätte geglaubt, dass Gusenbauer doch noch Kanzler wird; nicht mal Gusenbauer. Aber dass sich nur eine große Koaliton ausgeht... Das hatten wir doch schon mal. Und das war nicht so toll.
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» 09.10.06 15:39
Talia

Wussten Sie eigentlich, dass es etwas vom Schlimmsten ist, die Urlaubsbilder anderer Leute ansehen zu müssen? Nicht nur, dass man selber gerne mal in die Ferien fahren würde um eigene (solche oder ähnliche) zu schiessen, nein, die Sujets (ob nun Alm, Kühe, Menschen oder Yacht, Fische, Hulas) interessieren einen in der Regel überhaupt nicht!?

Während sich die Just-Heimgekehrten hinter dem Diaprojektor göttlich über ein Bild amüsieren, begreifen die zum Zuschauen genötigten Gäste eigentlich nie (nie!), was daran so lustig ein soll... und auch die (dumm kichernd nachgereichte) Erklärung müht einem nur ein höfliches Lächeln ab. Lustig finden tut man es trotzdem noch nicht.

Also warum müssen die Daheimgebliebenen eigentlich immer diese langweiligen Urlaubsimpressionen mitansehen? Ist es dem Reisepärchen selber zu langweilig oder fühlen sie sich zu eitel, wenn sie sich einfach zu zweit fünfmal dieselben Fotos anschauen???

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