Doris Knecht
| 10/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
| Unter Spießern
Sitz ich mit meinen Freundinnen beim Skopik & Lohn, sehr feines neues Beisl in der Leopoldstadt, übrigens. Wir haben uns länger nicht gesehen, dementsprechend wird sich gefreut, und gut, wir tun das eventuell minimal über Zimmerlautstärke. Aber echt minimal. Ja, es mag stimmen, dass das glockenhelle Lachen der Polly Adler an einem windstillen Tag von hier bis in die Schreyvogelgasse (haha: Witz.) zu vernehmen ist, aber gerade auch deshalb bin ich so gern ihre Freundin. So ein herrliches Lachen.
An einem Tisch in der Nähe sitzt ein Hans-Peter-Martinfarbener Herr mit zwei Damen und dem Rücken zu uns; und noch bevor das erste Veltliner-Achterl ausgetrunken ist, lange, bevor wir vom Aufwärmgekicher zum ernsthaften Gelächter übergegangen sind, also im Prinzip, bevor überhaupt irgendwas geschehen ist, erhebt sich.
der Herr, wendet uns ein, da schau, TV-bekanntes Antlitz zu und läßt uns in schneidendem Oberlehrerton wissen, dass wir gefälligst leiser lachen sollen. Wir stören. Hier sitzen bitte noch andere Menschen. Ja hallo.
Danach ist unser Tisch natürlich: Oberstufe, letzte Reihe Religion, wenn Sie wissen, was ich meine. Und falls es etwas gibt, das noch unignorierbarer ist als das Glocken-Lachen von Polly Adler, dann Polly Adler, die versucht, nicht über etwas zu lachen, das so lachhaft ist, wie ein Griesgram, der vier erwachsene Frauen zusammenschnauzt, die am Abend eines anstrengenden Tages ein bisschen lachen.
Kennen Sie den wunderwunderbaren Cher-Film „Mondsüchtig“? Am Ende sitzen dort alle am Frühstückstisch, schweigend, es ist viel passiert, die Stille lastet schwer, dann krächzt der alte Opa: „Jemand soll einen Witz erzählen!“ Das kann uns nicht passieren. War ein sehr feiner Abend, übrigens.
Ich wollte schon seit ewig deine homepage besuchen weil es mir deine sache (geschriebene und auch du selbst!) mir sehr gut gefällt. (sorry, 1000 grammar fehler). das mit dem lachen (der lachen? verdammte sprache!) war super. für mich ist bis heute ein tortur im u-bahn zu sitzen und seriös wirken. lustig wird richtig wenn ich dann ein landsleute treffe, dann wird ordentlich gelacht! ich mache auch ein blog und hauptthema ist meine leben zwischen 2 kulturen. leider: auf portuguiesisch! liebe grüsse, livia mata (ex-profil) www.strudeldebanana.blogspot.com