Doris Knecht
| 10/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
Sie habe, sagte die Wiener Stadträtin Ulli Sima in einem Interview nach der Wahl, sie habe „lange überlegt, aber ich habe eine zweijährige Tochter, die hat jetzt Vorrang“.
Ministrabilität tragen SPÖ-Funktionäre dieser Tage wie einen access-all-areas-Pass vor der Brust, aber natürlich winkt, das gehört zum guten Ton, ein jeder erst mal überrascht ab: Minister? Moi??? Wie kommen Sie denn darauf?!
Dass jemand gleich von vornherein erklärt, für so ein Amt nicht zur Verfügung zu stehen, ist erstens ungewöhnlich, zweitens
ist der Grund, den Sima da anführt, eher prekär: Das Kind also. Würde ein Mann jemals auf eine so bizarre Idee kommen? Ein derart prestigeträchtiges Amt der Kinder wegen abzulehnen?
Ein Mal soll sowas, unter Klima, schon vorgekommen sein. Gewöhnlich aber spielen die Bedürfnisse ihrer heranwachsenden Brut bei der Entscheidungsfindung angehender Herren Minister oder Manager eine eher untergeordnete Rolle. Es versorgt eh die Gattin die Kinder mit ausreichend Aufmerksamkeit, während die ihren Vater jahrelang nur als eine Art Panini im Adoleszenz-Album wahrnehmen. Den Preis, die Kindheit deines Nachwuchses weitgehend zu versäumen, musst du eben zahlen, wenn die Natur auf dich zeigt und sagt: Du! Alphatier! Und scheint’s ist dieser Preis den meisten nicht zu hoch.
Vielen Müttern schon; und Simas Begründung rührt. Aber sie zwickt auch meinen Feminismus-Nerv: Denn sollte Mutterschaft nicht endlich kein Karriereverhinderungsgrund mehr sein? Und sollte nicht grad eine rote Politikerin zeigen, wie Kind und Karriere, auch in höchstem Amt, zusammengehen? Schön wär’s. Zumindest bis es normal ist, dass auch Männer sagen: Minister? Jetzt nicht; die Kinder brauchen mich grad.