20.10.06

Oder 200 Paar Schuhe

Doris Knecht | 10/06 | Arbeit & Wirtschaft | Beschwerden | Frauen / Männer | Kurier-Kolumne

Der Plan war, heute mal wieder was Nettes zu schreiben. Was Lustiges, Leichtes, Unbeschwertes: aus dem egoistischen Grund, dass ich diese Woche schon  genug Leser-Prügel kassiert habe; danke, reicht.
Nun haben aber die Wiener Grünen gerade die Einkommenssituation der Frauen in Wien  untersucht, und die ist so unrosig, dass man sich kurz mal wieder fragt, wohin all die Jahrzehnte Rotes Wien denn eigentlich abstrahlen. War der Plan der Sozialdemokraten nicht immer auch die faktische Gleichberechtigung der Frauen? Fakt ist, dass die Frauen   in Wien dramatisch schlechter verdienen als die Männer. Im Schnitt  5319 Euro pro Jahr weniger als ihre männlichen Kollegen.
Mit 5319 Euro kann man sich einen Gebrauchtwagen kaufen oder   590 Windelpackungen oder zehn große TV-Geräte oder 5319 Liter Milch oder 25 Paar sehrsehr schöne oder 80 bis 200  Paar schöne Schuhe. 5319 Euro sind Kindergartengeld für zwei Jahre,  Wohnungsmiete für ein halbes bis ganzes Jahr, zwei bis vier Urlaube mit der Familie, drei bis fünf allein. 5319 Euro sind viel Geld: Geld, das die durchschnittliche Wiener Frau aus dem einen Grund nicht hat, weil sie eine Frau ist. Weil sie wegen der Kinder Teilzeit arbeitet und Überstunden nicht bezahlt bekommt.
Ja, die Klage ist alt, und, wie auch Kollegin G. sagt: Den Kommentar haben wir schon 1000-mal geschrieben. 1000-mal haben wir gefordert, dass   die  Schere sich endlich schließen muss!, mehr Frauen müssen Chefs werden!, mehr  Männer müssen sich mehr um die Kinder und den Haushalt kümmern! und die Alleinerzieherinnen müssen vor der Armutsfalle geschützt werden. Aber? Es ist, wie es war.
Also weiter beschweren; besser muss es endlich werden. Denn  wir würden so viel lieber was Nettes, Unbeschwertes schreiben. 
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