30.11.06

Killergames-Index: gut, aber

| Comments (3) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Es ist mir klar, wie techologiefeindlich und modernismusskeptisch das klingt,  aber ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche so wenig wie möglich fernsehen sollten. Am besten, ja, lachen Sie mich ruhig aus,  am besten gar nicht. Sie sollten wenn möglich nicht computerspielen. Sie sollten keine Splattermovies sehen und keine Killergames spielen. Drastische Darstellungen von Tod und Gewalt, Anleitungen für virtuelles Misshandeln, Foltern und Töten können für Heranwachsende  nicht gut sein; und falls es ihnen, wie einige Psychologen behaupten, nicht schadet, falls es sie, wie viele Soziologen meinen, nicht zu Amokläufern oder Menschen macht, die zu Gewalt ein unkomplizertes Verhältnis haben: Zu besseren, klügeren, offeneren ... weiter lesen ...
29.11.06

Es ist fast geschafft

| Comments (0) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Der Bständig ist immerhin passé. Das Lokal ist verwaist, der Bständig hat sich in die Wipplingerstraße umquartiert, das konveniert viel vorteilhafter: An den Kohlmarkt, zwischen  Burberry und  Breguet, hat der Bständig wirklich nicht mehr gepasst.
Nun ist der Kohlmarkt  fest in Luxushand; gestern eröffnete endlich – ENDLICH! – Bulgari: ohne Bulgari war Wien ja kaum mehr zu ertragen. Nach London, Paris oder Madrid musste man jetten, wenn man dringend Manschettenknöpfe um 3100 oder eine Sonnenbrille um 368 Euro brauchte, unzumutbar ist sowas und glücklicherweise jetzt Geschichte. Der Kohlmarkt ist nun endlich soweit komplett, bis auf das leere Bständig-Lokal, aber dieser Minderleister-Schandfleck, dieses Fanal ... weiter lesen ...
26.11.06

Bis hierher und nicht weiter

| Comments (1) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Zuerst wird das Papier erzeugt: schweres schneeweißes Papier, dafür benötigt man Rohstoff und Energie. Das Papier wird in eine Druckerei gefahren (Energie, Umweltbelastung), bedruckt, geschnitten, gefaltet, geklebt (Energie, Druckfarbe, Klebstoff, Abfall), dann mit bedruckten weißen Adressetiketten beklebt (Energie, Druckfarbe, Kleber Abfall), sortiert (Energie), in die Poststellen gefahren (Energie, Umwelt), sortiert und vom Postboten in mein Brieffach gelegt.
 Dem ich es dann entnehme: Ein großes, adressiertes Kuvert mit  grünem Rand und dem orthografienostalgischen Warnhinweis „Stop!“, das ein weiteres grüngerandetes Kuvert mit Warnhinweis („Bis hierher und nicht weiter!“) enthält, das ein weiteres Kuvert mit ... weiter lesen ...
24.11.06

Schrecklich notwendig

| Comments (0) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Viel  Unglück musste geschehen, aber  allmählich scheint die Gesellschaft für das Leid misshandelter und bedrohter Frauen sensibilisiert zu sein: Sie greift jetzt ein und schafft weitere Möglichkeit en, rechtzeitig eingreifen zu können. Unter Justizministerin Gastinger wurde das Anti-Stalking-Gesetz verabschiedet, ein schrecklich notwendiges Instrument:  Denn schon an dritter Stelle – nach sexueller und physischer Gewalt – kommen beim Frauennotruf  Hilferufe von Frauen, die Bedrohungen ausgesetzt sind.
Diese Bedrohung ist furchtbar real: Auch heuer wurden wieder mehrere Frauen  von ihren Ehe- und Ex-Ehemännern ermordet. In der KURIER-Redaktion brennt immer eine Kerze neben  dem Foto jener beliebten Mitarbeiterin, die im Sommer ermordet wurde: Ihre  zwei Kinder ... weiter lesen ...
23.11.06

Sexy vs. Sexismus

| Comments (0) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Früher hat man geil gesagt, oder cool oder lässig, heute sagt man  sexy. Es ist jetzt vieles sexy: sexyness beschränkt sich längst nicht mehr auf   Anwendungen im erotischen Kontext:   Gegenstände können sexy sein, Gebäude, ganze Städte. So konstatierte kürzlich der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit,  die deutsche Hauptstadt sei „arm aber sexy“.  Cool.
Das hat man auch in Wien gehört. Gilt Wien doch international als schöne Stadt – aber geil, cool, lässig oder gar sexy sind nicht die Adjektive, die in Reiseführern in Zusammenhang mit der Wienerstadt gebracht werden: Immer nur Schnitzel, Fiaker und Mozart, stets bloß Kaisers hier und Sissi dort, ewig  gnä Frau hin und küss die Hand her, aber sexy: nie.
Offenbar dachte nun der Finanzstadtrat, dass man das ändern müsste, dass Wien auch anders und viel cooler konnotiert sein sollte, ging tapfer voran und sprach bei einer Budgetdebatte die Worte, Wien sei „sexy aber nicht arm“. Wohl weil es ihm sehr gefiel, wie das Wort sexy  ... weiter lesen ...
23.11.06

Audi oder Subaru oder so

| Comments (0) | 11/06 | Falter-Kolumne

Der Lange zum Beispiel gehört nicht zu den letztes Mal hier bemühten Matulesken, Gott seis in jeder Hinsicht gedankt, außer im Zusammenhang mit Rohrzangen u.ä. Der Lange hat zu den üblichen männerkonnotierten Feierabendexpressionismen eine eher kulturrelativistische Einstellung. Das Bubenmädchen hat eine Belohnung für ich weiß nicht mehr was verdient und wünscht sich einen Matchbox-Audi, der Lange geht los und kommt mit einem Matchbox-Subaru zurück. Audis habe es keine gegeben, das sei aber fast das Gleiche. Ja, insofern es auch vier Räder hat: Das Bubenmädchen natürlich plärr, und mit was, mit Recht. Sogar mir, die ich zu unserem Auto ein extrem unverspanntes Verhältnis pflege (fährt es: gut, fährt es nicht: Taxi), ist der Unterschied zwischen einem Audi und einem Subaru klar, und Entschuldige, Langer, aber das kannst du echt nicht bringen. Wieso nicht, es ist eh blau. Blau?, du redest wie ein ... weiter lesen ...
22.11.06

Reklame sticht Zeitung

| Comments (1) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Ärger  mit der Post hat dieser Tage praktisch ein jeder. Am Postamt  wartet man ewig (mit etwas Spezialglück am falschen Schalter), daheim geht das Brieffach über, oder das Brieffach ist kaputt, oder im Brieffach liegt kein Paketabholaufforderungsschein, was man aber erst bemerkt, wenn man von dieser oder jener Firma kontaktiert und informiert wird, dass das verschickte Paket wegen fortgesetzter Nichtabholung soeben retour gekommen sei: Das passiert mir momentan immer wieder gern.
Dem Leser H. passiert etwas anderes.  Denn Montags erhält der Herr H. immer wieder seinen abonnierten KURIER nicht. Auf dem KURIER steht sein Name, und wenn man eine Tageszeitung abonniert, bezahlt man vor allem auch dafür, dass man diese Tageszeitung, so man ... weiter lesen ...
19.11.06

TFTFTFTFTF

| Comments (1) | 11/06 | Falter-Kolumne

Weil ich letztes mal gesagt habe, ich bin ähh 40 (sehen Sie? Es geht schon viel leichter): Grad bin ich auf das neue NoMeansNo-Album gestoßen, das sagt dir jetzt nix, Bubi, aber Ihnen vielleicht schon, weil, eben: die müssen doch auch schon 60 sein, beziehungsweise, die waren doch schon an die 50 wie wir 25 waren, aber nach wie vor: keine Gnade. Absolut keine Gnade. Nicht ein Mikrogramm Altersmilde. Man muss das bewundern. Ich jedenfalls bewundere das, wie diese Herren Kanadier an ihrer Jugendmaxime festgehalten haben, dass Musik sehr laut, sehr schnell und unglaublich knüppelig zu sein hat, TFTFTFTFTF, unabhängig von der Zahl der Lebensjahre ihrer Erzeuger. Mild ist man, wie ihr 2004er-Album zeigt, höchstens mit Lausern, die das sowieso nie kapieren werden. Das Cover zeigt das Foto eines krakeligen Toilettengrafitis: „How fucken old are NoMeansNo? Give it up Grandaddys!“ Aber: No paseran, Buberls; und sowas gefällt mir natürlich. Immer schön renitent und deppert bleiben, die Herren; auch wenn ich zugebenermaßen auch meistens lieber Weicheier-Musik höre, also im Vergleich zum NoMeansNow-Sound jetzt. Während der Lange, wie ich letztens Damenabend hatte, draufkommen mußte, dass er den Lebensabschnitt, in dem er Zombiefilme tolltolltoll fand, auch schon vor längerem verlassen hat.
 An jenem Damenabend zeigten sich die Grenzen meiner Akzeptanz geriatrischer ... weiter lesen ...
19.11.06

Über die Selbstverantwortung

| Comments (5) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Einmal davon sprechen, dass man die stärkere Tabuisierung des Rauchens begrüßen würde,  weil man es, nun ja, vorzöge, lieber nicht mehr nach Fremdrauch zu stinken, wird man gleich von Eigenverantwortungsfetischsten angefallen.
Weil, um Himmels Willen! Mit  dem Gutheißen so einer Idee protegiere man doch die Beschneidung der Freiheit des Menschen, sich nach eigenem Gutdünken zu runinieren! Geselle sich also jetzt  ebenfalls zu den gemeinen Selbstverantwortungsräubern! Vor allem auch  zu den Totalregulierern!, die  durch  den Brutaleinsatz von Vorschriften, Verboten und Gesetzen das naturgegebene menschliche Gespür für gut und böse, für richtig und falsch, für  vernünftig und  ... weiter lesen ...
17.11.06

Noch elf Stunden bis 521

| Comments (0) | 11/06 | Kurier-Kolumne

Herr M. brauchte neue Reisepässe für  seine beiden Kinder und begab sich auf ein Bezirksamt. M. hatte sich zu diesem Zweck von der Arbeit frei- und die Kinder für einen Tag aus der Schule genommen. Um neun Uhr früh zogen sie im Wartesaal eine Nummer: 521. Eine digitale Anzeigentafel informierte darüber, dass im Augenblick die Nummer 475 an der Reihe war: Das konnte dauern, M. beschloss, die Wartezeit zu nutzen und ging mit den Kindern ein Handy kaufen. Eine Dreiviertelstunde später kehrten sie zurück, die Tafel zeigte die Nummer 476.
Herr M. und seine Kinder verließen den Wartesaal für eine weitere Stunde,  fanden bei  der Rückkehr die Nummer 479 vor, begannen zu rechnen und ... weiter lesen ...
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