Doris Knecht
| 11/06
| Arbeit & Wirtschaft
| Kurier-Kolumne
| Stadt/Land
Der Bständig ist immerhin passé. Das Lokal ist verwaist, der Bständig hat sich in die Wipplingerstraße umquartiert, das konveniert viel vorteilhafter: An den Kohlmarkt, zwischen Burberry und Breguet, hat der Bständig wirklich nicht mehr gepasst.
Nun ist der Kohlmarkt fest in Luxushand; gestern eröffnete endlich – ENDLICH! – Bulgari: ohne Bulgari war Wien ja kaum mehr zu ertragen. Nach London, Paris oder Madrid musste man jetten, wenn man dringend Manschettenknöpfe um 3100 oder eine Sonnenbrille um 368 Euro brauchte, unzumutbar ist sowas und glücklicherweise jetzt Geschichte. Der Kohlmarkt ist nun endlich soweit komplett, bis auf das leere Bständig-Lokal, aber dieser Minderleister-Schandfleck, dieses Fanal
konsumistischen Kleingeistes wird ja demnächst verschwinden.
Die Frage wäre jetzt, was man gegen die Buchhandlungen Berger und Freytag und Berndt unternimmt: In diesen Läden werden die Waren immer noch mit Preisen ausgezeichnet, mit Preisen, man muss sich das einmal vorstellen, es ist vollkommen würdelos. Und was für Preise, mon dieux!, Hinz und Kunz ziehen diese Preise an, jeder kann das bezahlen! Das sabotiert völlig die Idee des Ein-Prozent-Kohlmarkts, wenn es dort nach wie vor Läden gibt, die auch den anderen 99 Prozent der Wiener Leistbares bieten, und, Gnade Gott!, den Billigtouristen, die dann ihr entsetzliches Unterschichtsodeur auch bei Louis Vuitton, Tiffany und Chanel verströmen! Und nur schauen! Es gibt doch 22 andere Bezirke für die!
Aber wird das Billigsegmentsegment endlich sanft aber bestimmt des Zentrums verwiesen? Nein: Es wird von diesen bestialischen Punschständen auch noch angelockt. Die müssen verschwinden, da sind wir d‘accord. D‘accord?