30.11.06

Killergames-Index: gut, aber

Doris Knecht | 11/06 | Kurier-Kolumne

Es ist mir klar, wie techologiefeindlich und modernismusskeptisch das klingt,  aber ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche so wenig wie möglich fernsehen sollten. Am besten, ja, lachen Sie mich ruhig aus,  am besten gar nicht. Sie sollten wenn möglich nicht computerspielen. Sie sollten keine Splattermovies sehen und keine Killergames spielen. Drastische Darstellungen von Tod und Gewalt, Anleitungen für virtuelles Misshandeln, Foltern und Töten können für Heranwachsende  nicht gut sein; und falls es ihnen, wie einige Psychologen behaupten, nicht schadet, falls es sie, wie viele Soziologen meinen, nicht zu Amokläufern oder Menschen macht, die zu Gewalt ein unkomplizertes Verhältnis haben: Zu besseren, klügeren, offeneren Menschen macht es sie auch nicht.
 Man braucht einem  Kind nur zuzusehen, wie es fernsieht: Es sieht  stier aus, stumpf, dumpf, dumm, es zeichnet nur auf und man weiß nicht, was mit dem Aufzeichneten in seinem Kopf  geschieht. Es sieht Dinge, die ihm  Angst machen, aber es kann nicht unterbrechen, um das Beängstigende einzuordnen und zu verarbeiten, das geschieht irgendwann. Irgendwie. In Träumen vielleicht. Wenn Kinder spielen, malen, Bücher lesen oder vorgelesen bekommen,  sehen sie anders aus,  konzentrierter, wacher, lebendiger,  klüger: Sie lernen dabei, und wenn sie etwas nicht verstehen, ihnen etwas Angst macht, unterbrechen sie, besprechen, bedenken das, kriegen das auf die Reihe.
Die  Wiener ÖVP möchte einen Killergames-Index: gut. Aber vorher noch, lange vorher müssen sich Eltern überlegen, ob sie ihre Kinder wirklich den Bildschirmen überantworten wollen, und allem, was da kommt und an Beängstigendem und Be-denklichem noch kommen wird. Oder lieber doch nicht.
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» 30.11.06 23:22

Unterschreib ich alles, fürchte aber dass die Praxis im Alltag anders aussieht. Solang die Fuzzis klein sind habe ich ja noch die MAcht das selbst zu kontrollieren, aber was tun wenn sie angangen ohne Eltern die Welt zu erkunden, zb. bei Freunden? Ich glaube (und hoffe) das das Vorbild das beste Mittel ist vorzubeugen, und kämpf immer mit meinem schlechten Gewissen wenn ich mich ertappe in Fuzzis Gegenwart selbst zu Glotzen.

» 04.12.06 11:56
Bernhard Chevkoch

Liebe Doris,
ich bin kein Pädagoge, aber vielleicht sagt dir das Wort "Bewahrungspädagogik" etwas. Egal. Aber ich denke, es hat wenig Sinn, Kinder vor etwas schützen zu wollen, mit dem sie sowieso irgendwann konfrontiert werden. Sie müssen aber lernen, damit umzugehen. Natürlich macht fernsehen blöd (meiner Meinung nach in einem viel höheren Ausmaß als Computerspiele, denn bei Spielen ist man immerhin involviert und aktiviert). Und man sollte Kinder dazu bringen, möglichst wenig zu fernsehen. Das Wichtigste ist wahrscheinlich aber, dass man sich mit den Kindern beschäftigt, redet, ihnen was vorliest, mit ihnen spielt. Und auch über das, was sie im Fernsehen gesehen haben, redet, damit sie Anlass haben, darüber nachzudenken.

Einen Index für Killerspiele halte ich jedoch für kontraproduktiv. Immerhin gibts das in Deutschland seit Ewigkeiten (dort nimmt die BPjs, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Schriften, jedes Spiel, wo nur ein bisschen Blut spritzt, vom Markt; z.B. natürlich die Klassiker Doom und Quake). Der Effekt: Gewaltinteressierte Jugendliche tauschen sich im Netz oder am Schulhof darüber aus, welche Spiele auf dem Index sind, und laden sie sich aus dem Internet herunter oder besorgen sie sich auf anderem Wege illegal. Ich denke, es gibt bereits ausreichende Mechanismen, um Kinder vor unpassenden Spielen zu schützen. Jedes Spiel hat eine Altersempfehlung der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) hinten oben, die Eltern als Empfehlung sehen können, ob das Spiel für ihr Kind geeignet ist. In Deutschland ist Händlern verboten, Kindern, die unter dieser Altersgrenze liegen, das jeweilige Spiel zu verkaufen (das ist in Österreich noch nicht der Fall). Einen Index à la "cooles, brutales Killerspiel" zu pflegen ist also unnötig.

Ichselbst habe seinerzeit in den 1990er-Jahren Tausenden Sowjets in einem Videospiel eine Kugel in den Kopf gejagt, weil das einfach ein gutes und spannendes Spiel war. Ich würde jedoch nie zu einer Knarre greifen, bin selbst Pazifist und Wehrdienstverweigerer. Ich denke, viel mehr Kinder kommen auf den falschen Weg durch schlechte Eltern, unaufmerksame Pädagogen oder dem Bundesheer, wo man Jugendlichen eintrichtert, eine Knarre in die Hand zu nehmen und einen "Fremden" rücksichtslos niederzuschießen.

» 13.12.06 12:02
senftube

liebe doris,

danke danke und nochmals DANKE!!! für deine geniale betrachtung.

@chevkoch:
das argument "mir hats auch nicht geschadet" kann ich nicht teilen. diejenigen, die amok laufen, sind ja anscheinend nicht mit großartigem selbstvertrauen gesegnet sondern gelten meist als einzelgänger, sonderling etc.
und NIEMAND soll mir einreden, daß so mancher film bzw. so realistische spiele, wie es sie heute gibt, auf dafür besonders sensible kinderköpfe keine wirkung haben.

senftube,
hat selbst einst nächtelang doom gespielt

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