Doris Knecht
| 11/06
| Kurier-Kolumne
Es ist mir klar, wie techologiefeindlich und modernismusskeptisch das klingt, aber ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche so wenig wie möglich fernsehen sollten. Am besten, ja, lachen Sie mich ruhig aus, am besten gar nicht. Sie sollten wenn möglich nicht computerspielen. Sie sollten keine Splattermovies sehen und keine Killergames spielen. Drastische Darstellungen von Tod und Gewalt, Anleitungen für virtuelles Misshandeln, Foltern und Töten können für Heranwachsende nicht gut sein; und falls es ihnen, wie einige Psychologen behaupten, nicht schadet, falls es sie, wie viele Soziologen meinen, nicht zu Amokläufern oder Menschen macht, die zu Gewalt ein unkomplizertes Verhältnis haben: Zu besseren, klügeren, offeneren
Menschen macht es sie auch nicht.
Man braucht einem Kind nur zuzusehen, wie es fernsieht: Es sieht stier aus, stumpf, dumpf, dumm, es zeichnet nur auf und man weiß nicht, was mit dem Aufzeichneten in seinem Kopf geschieht. Es sieht Dinge, die ihm Angst machen, aber es kann nicht unterbrechen, um das Beängstigende einzuordnen und zu verarbeiten, das geschieht irgendwann. Irgendwie. In Träumen vielleicht. Wenn Kinder spielen, malen, Bücher lesen oder vorgelesen bekommen, sehen sie anders aus, konzentrierter, wacher, lebendiger, klüger: Sie lernen dabei, und wenn sie etwas nicht verstehen, ihnen etwas Angst macht, unterbrechen sie, besprechen, bedenken das, kriegen das auf die Reihe.
Die Wiener ÖVP möchte einen Killergames-Index: gut. Aber vorher noch, lange vorher müssen sich Eltern überlegen, ob sie ihre Kinder wirklich den Bildschirmen überantworten wollen, und allem, was da kommt und an Beängstigendem und Be-denklichem noch kommen wird. Oder lieber doch nicht.