Doris Knecht
| 11/06
| Kunst & Kultur
| Kurier-Kolumne
| Schuld und Sühne
Es gibt schlechtere Anlässe, den österreichischen Umgang mit Homosexuellen zu überdenken und zu korrigieren. Ein schlechterer Anlass wäre zum Beispiel noch ein Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes, ohne dessen frequenten Tadel ein Homosexuellen-Diskriminierungsunrechtsbewußtsein hierzulande ja praktisch undenkbar ist.
Jetzt droht „Bruno“. Der britische Komiker Sacha Baron Cohen plant Österreich mit „Bruno“ ähnliches anzutun wie Kastachastan mit seinem Welterfolg „Borat“, indem er die „Ali-G.-Show“-Figur eines schwulen, österreichischen Lifestyle-Journalisten, der Nazis verehrt, durch einen abendfüllenden
Spielfilm schickt. Das wäre also mal ein anderer Anlass: Cohen präventiv alle Grundlagen dafür zu entziehen, seine Drohung wahrzumachen und Österreich als Homophoben-Republik vorzuführen, in der händchenhaltende Männer bestraft werden. Denn es wird eher schwierig werden, alle unbelehrbaren alten Nazis vor dem Brachialkomiker zu verstecken.
Allerdings richtet sich Cohens Spott-Angriff ja nicht in erster Linie gegen Kasachstan oder Austria. Sondern gegen einen allgemeinen Hinterwäldlerismus, dessen verlässlich sprudelnde Quellen er vorzugsweise bei den Amerikanern sucht und findet, die er mit provokanten Ansichten und erfundenen Ländercharakteristika gerne dazu animiert, sich vor der Kamera zu blamieren. Kasachstan hat das verkannt und sich durch hysterische Überreaktion selbst geschadet. Daraus sollte Österreich lernen und ganz gelassen bleiben. Auch die Tourismuswirtschaft.
Früher kamen die Amerikaner wegen „Sound of Music“ und bekamen dann nicht, was ihnen versprochen worden war. Soll es ihnen mit „Bruno“ nicht anders ergehen.